Heute sind wieder unglaublich schöne und interessante Eindrücke auf uns eingeprasselt. Bereits bei der Suche nach einem geeigneten Café in San Telmo, in dem wir noch nicht waren, haben wir ein ganz tolles Café entdeckt. Dort hatten wir einen wirklich großen und guten Café con leche mit Schaumkrone und dazu mehrere, total köstliche Medialunas. So gestärkt konnten wir in den Tag starten. Ich werde den Namen des Cafés nachreichen da wir sicher mal wieder hingehen werden.
Danach sind wir als erstes in Richtung Plaza de Mayo aufgebrochen und haben uns dort, das “Museo Histórico Nacional del Cabildo y de la Revolución de Mayo” angesehen. Die Dauerausstellung war übersichtlich und nachvollziehbar aber man könnte sicher mehr aus dem Thema rausholen. Der Eintritt ist frei und es gibt Informationsmaterial in Spanisch und Englisch am Eingang. Das Museum hat jeden Tag geöffnet außer Montag. Weil wir schon in der Nähe waren haben wir uns noch die “Catedral Metropolitana de Buenos Aires” angesehen. Im Inneren gibt es viele Gemälde und Skulpturen, vor allem von italienischen Künstlern, und das Mausoleum von José de San Martín zu sehen.
Danach sind wir ins Microcentro weitergezogen, dem sonst so geschäftigen Bankenviertel der Stadt. Heute war der perfekte Tag, um das Viertel in aller Ruhe zu besuchen. Es war so friedlich dort und Autos und Fußgänger musste man quasi suchen.
Die Gehsteige hatte man für sich, und so konnte man das Quartier gut erkunden. An der Av. Viamonte / San Martín fanden wir dann auch gleich das “Centro Cultural Borges“, das wir uns unbedingt angucken wollten. Das Zentrum befindet sich in der Einkaufspassage “Galerías Pacífico” in den oberen Stockwerken.
Dort gab es so unterschiedliche Ausstellungen zu sehen wie die der Catarina Burman, in der es um Körper ging. Eine andere Ausstellung beschäftigte sich z.B. mit der Magie, die die Bilder des spanischen Malers Joan Miró umgibt. Besonders interessant war der Film, der den Künstler porträtierte und in Gesprächen zeigte. Dabei gab es ziemlich witzige und bizarre Szenen zu sehen. Über den Stil von Miró kann man sicher streiten, aber über die Persönlichkeit Miró nicht. Dieser ist schon recht außergewöhnlich. Danach haben wir uns die Fotoausstellung “Rene Burri un mundo” angesehen. Zu sehen waren viele Fotos aber auch einige Fotomontagen und Collagen des Schweizer Fotografen. Unglaublich wie der Mann in der Welt rumgekommen ist. So gut wie aus jedem Winkel der Erde gab es Bilder meist dokumentarischer Natur. Besonders hervorzuheben sind die berühmten Bilder des in Argentinien geborenen Che Guevara. Diese zeigen den kubanischen Revolutionsführer in ziemlich lässigen Posen. Schöne und geschichtsträchtige Fotos. Schön war auch die dokumentierte Akribie des Rene Burri. So gab es u.a. eine bunte Vielfalt an Flugtickets zu sehen, die er wohl gesammelt hat. Viele Flugtickets von Gesellschaften, die schon lange nicht mehr existieren, so wie die legendäre Pan Am. Auch die Zusammenstellung seiner Presseausweise aus der ganzen Welt war sehenswert.
Nach den Ausstellungen sind wir weiter nach Retiro gelaufen und haben uns dort den gleichnamigen Bahnhof angesehen. In Wahrheit sind es drei Bahnhöfe nebeneinander. Jeder hat so seinen ganz speziellen, lateinamerikanischem Charme. Hier scheint die Zeit stehen geblieben, und es macht Spaß die vielen kleinen Details in jedem der Bahnhöfe zu entdecken.
Heute war perfekterweise relativ wenig los, was an einem Werktag sicherlich ganz anders aussieht. Nur unweit vom Bahnhof gibt es einen riesigen Busbahnhof, an dem man Bustickets zu allen möglichen Zielen Südamerikas kaufen kann. Wie wäre es mit einer Busfahrt in die argentinische Provinz oder angrenzenden Ländern? Wenn man den passenden Schalter findet, ist sicher vieles möglich. In diesem Busbahnhofkomplex kann man Südamerika sehr intensiv spüren. Überall Menschen mit den unterschiedlichsten, ethnologischen Einschlägen. Busfahren ist in Südamerika eher die Qual der Wahl der ärmeren Bevölkerung. Hier kommen täglich Busse aus allen Richtungen des Kontinents an oder fahren ab. Ein bisschen in dem Gewusel zu verweilen, hat seinen Reiz.
Nach diesen Eindrücken sind wir zurück zum Plaza de Mayo um dort eine U-Bahn Fahrt mit der nostalgischen Linie A anzutreten. Subte fahren ist ohnehin sehr interessant in BsAs, aber die Bahn auf der Linea A hat ihren ganz besonderen Reiz. Die Wagen sind aus Holz und stammen aus einer längst vergangenen Zeit. Ganz ähnlich den alten Stadtbahnen in Berlin, die noch bis Mitte der 90ziger Jahre auf dem S-Bahnring fuhren. Die Fenster können geöffnet werden und die Türen schnappen bereits kurz nach dem Einstieg klappernd zu. Eine Fahrt bis zur Endstation Primera Junta und zurück sollte man unbedingt mal machen. Das lohnt sich. Wir sind an der Endstation erst mal ausgestiegen und haben dort in der Confiteria “El Greco” einen Cappuccino getrunken und ein paar der süßen Köstlichkeiten probiert. Danach ging es mit der Linea A zurück, und an der Station Perú sind wir schließlich ausgestiegen und den Rest nach Hause gelaufen. Ich möchte nicht wissen wie viele Kilometer wir heute wieder gelaufen sind, aber es war insgesamt ein sehr eindrücklicher Tag.




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