Am Morgen beschlossen wir, gleich weiter in die Hauptstadt Uruguays zu fahren. Die Möglichkeiten in Colonia waren für uns begrenzt und die Besichtigungen der sehenswerten Altstadt an einem Tag erledigt. Auch ist es im Vergleich zu Buenos Aires recht teuer und erreicht das Berliner Preisniveau. Colonia ist super zum Auspannen vom urbanen Chaos der Großstädte Buenos Aires oder Montevideo. Wer Colonia allerdings nicht gesehen hat wird auch weiterleben.

Am besten, man zeltet dort mal oder mietet ein Fahrrad/Mofa für einen Ausflug in die nähere Umgebung. In Colonia verläuft alles ruhig und gemächlich. Die Autos fahren langsam und bleiben an jedem Zebrastreifen stehen, wenn man die Straße überqueren möchte. So kann man in Uruguay die Straßen supersicher überqueren. Überall fahren Touristen und Einheimische gemütlich mit ihren Motocicleta ohne Helm und oft vollbepackt durch die Gegend.


In Buenos Aires ist das nicht der Fall. Das Überqueren der Straße ist oft mit gewissen Risiken verbunden, da der Verkehr wirklich höllisch ist. Eine unserer Mitbewohnerin erzählte kürzlich, dass sie neulich einen schlimmen Unfall zwischen einem Colectivo und einem Fußgänger beobachtet hat, bei dem der Fußgänger starb, und dass dies keine Seltenheit hier sei. Wie auch immer.
Montevideo: Wir kommen!
Uns zog es zurück ins urbane Leben. Also auf nach Montevideo. Wir waren sehr gespannt auf diese Stadt. So haben wir um 11 Uhr ausgecheckt und den Linienbus der Busgesellschaft COT für 13 Uhr gebucht. Das Ticket kam auf 8 US$ pro Person und die Fahrt sollte 2 Stunden dauern. Tatsächlich dauerte sie aber etwas mehr als 2,5 Stunden. Bevor nun der Bus abfuhr, hatten wir noch etwas Zeit, und so entspannten wir noch einmal an einem gemütlichen Örtchen direkt am Wasser.

Pünktlich um 13 Uhr fuhr der Bus, und die Fahrt ging entlang der Küstenlinie, ohne jedoch den Fluss bzw. den Atlantik zu sehen. Die Gegend, durch die wir fuhren, war leicht hügelig und stark landwirtschaftlich geprägt. Wir fuhren an einigen Bauerhöfen oder Weideland und kleineren Ortschaften vorbei. Das Land war grün und erinnerte irgendwie ans Burgund in Frankreich. Der Bus hielt zwischendrin in einigen Dörfern und sammelte weitere Passagiere auf bzw. entließ andere an ihrem Ankunftsort. Die Straßen waren teilweise etwas buckelig, aber der Bus war gut gefedert. Als wir Montevideo näher kamen, änderte sich die Aussicht schlagartig. Links und rechts tauchten plötzlich Favela-artige Siedlungen auf. Ziemlich kaputte Häuschen mit ganz viel Müll ringsum, und zwischendrin sah man Wäsche, die zum Trocknen aufgehangen war. Ein sehr skurriles Bild. Was würde uns wohl in Montevideo erwarten?
Ankunft am Busbahnhof in Montevideo
Der Bus machte in Montevideo noch einige Zwischenhalte bis er endlich die Endstation im Busbahnhof in Tres Cruces erreichte. Dort war ähnlich viel los wie in demjenigen von Retiro in Buenos Aires. In dem Busbahnhof gab es zum Glück eine touristische Information, in der wir uns erstmal eine Karte besorgt haben. Ohne Lageplan wären wir auch ziemlich aufgeschmissen gewesen.

Nicht jede Straße verriet sofort ihren Namen und so musste man teilweise ganz schön danach suchen. Nachdem wir uns einen Überblick verschafft hatten, sind wir in Richtung Stadtzentrum gelaufen. Wir hatten vor, im Hostel “El Viajero” zu nächtigen, da uns das Schwester-Hostel in Colonia schon sehr gut gefallen hatte. Also sind wir den ganzen, langen Weg die Av. 18 de Julio in Richtung Altstadt gelaufen. Dadurch bekamen wir bereits einen ersten Eindruck von der Stadt, und links und rechts der Straße türmte sich ein monumentales Gebäude nach dem nächsten vor uns auf. Ein total krasser Eindruck. Hinzu kam auch hier, dass die meisten Bauten ihre Blüte bereits lange hinter sich hatten oder so aussahen als wurden sie nie fertig gestellt.

In Montevideo spürt man irgendwie auch, das Brasilien sehr nah ist. Die Mischung der Leute in der Stadt ist eine ganz andere als in Buenos Aires. Nach gut 1h Fußweg fanden wir dann auch das gesuchte Hostel in der Av. Ituzaingó 1436, wie es in dem Flyer stand. Leider gab es dort kein Doppelzimmer mehr. Uns wurde allerdings ein anderes Hostel gleich um die Ecke per Telefon vermittelt. Ein kurzer Anruf vom Portier und wir hatten ein Zimmer im Hostel “Che Lagarto“. Also sind wir dort hin und haben das Doppelzimmer gemietet. Das Zimmer war ziemlich schlicht, mit sehr hohen Decken und dem Charme eines Krankenhauszimmers der 1940er Jahre. Ein Bett, ein Holzregal, zwei Nachttischchen und ein Waschbecken, und natürlich das separate Bad mit Toilette und Dusche. Alles pikobello. Zusätzlich gab es einen großartigen Balkon mit Ausblick auf den wohl wichtigsten Platz in Montevideo, der Plaza Independencia, wie sich später noch herausstellen sollte.

Ciudad Vieja
Nachdem wir die Sachen abgeladen hatten, sind wir die Umgebung erkunden gegangen. Dabei sind wir einfach mal planlos in die Ciudad Vieja (Altstadt) gelaufen. Dort war es erstaunlich ruhig und nur ganz wenige Geschäfte hatten (noch?) offen. Entlang der Av. Sarandi verkauften einige Straßenhändler ihr Kunsthandwerk. So konnte man dort allerhand Schmuck, Bilder, Kalebassen, Bombillas, Trödel und vieles mehr erwerben.

Sofort aufgefallen sind uns die “Policía Turistica” mit ihren gelben Westen. In der ganzen Altstadt traf man sie, und so konnten wir bereits ahnen, dass dieses Viertel wohl auch nur tagsüber “sicher” ist. Wie sind dann irgendwann rechts in die Av. Perez Castellanos gebogen und zum Hafen geschlendert. Die Altstadt liegt wirklich herrlich auf einem kleinen Hügel, und wenn man gut steht, kann man links, rechts und geradeaus den Atlantik sehen. Wunderschön! Dort unten wurde es dann noch mal richtig touristisch rund um dem alten “Mercado del Puerto”. Auch hier überall Polizei zum Schutz der Touristen. Das fühlte sich irgendwie komisch an, weil man so sofort wusste, dass es hier nicht wirklich sicher ist. Auf dem Rückweg haben wir Halt bei einer Bank gemacht, um etwas Geld abzuheben, und sind dann bei McDonald’s eingekehrt, um was zu essen (Es hatte ringsum nichts weiter offen und wir waren hungrig!
) Wir hatten danach auch noch einen Kaffee im McCafé, der übrigens gar nicht schlecht war. Danach sind wir zurück ins Hostel. Dort haben wir erstmal den Portier gefragt, wo wir uns denn nachts als Touristen aufhalten können. Dieser zückte daraufhin einen Stift und zeichnete ein paar Grenzen in unsere Karte. Von der relativ großen Altstadt blieb für uns Touristen nicht mehr viel übrig, und das war etwas schockierend. Er meinte aber auch, dass alles, was für uns nachts von Interesse wäre, direkt in unmittelbarer Nähe des Hostels läge, also das Kneipen- und Ausgehviertel. Wir haben uns erstmal aufs Ohr gelegt und geschlafen.
Saturday Night @Plaza Independencia
So gegen 23 Uhr erwachte der Platz vor unserem Hostel mehr und mehr zum Leben. Plötzlich waren überall junge Menschen, die sich wohl ins Nachleben stürzen wollten. Man traf sich draußen und trank lautstark Bier zusammen. Das Treiben erreichte erst spät in der Nacht seinen Höhepunkt. Wir sind gegen 1 Uhr noch mal raus und haben uns das Treiben aus der Nähe angesehen. Die Leute die dort unterwegs waren, waren teilweise noch sehr jung also um die 15, 16 oder 17. Ältere waren nur in den Bars auszumachen. Entsprechend laut und prollig ging es überall draußen zur Sache. Das war nicht wirklich spannend und auch nicht “unser Ding”. Wir sind dann weiter durch die Straßen geschlendert und haben uns in einem Cafe/Restaurant am Plaza Zabala niedergelassen, um noch eine Kleinigkeit zu essen. Das Essen war zweckmäßig aber nicht lecker und auch hier preislich deutlich über Buenos Aires, aber unter Colonia. Danach sind wir zurück ins Hostel gelaufen, und auf dem Weg dorthin haben wir eine Gruppe Jugendlicher gesehen, die Capoeira, diesen kampfsportartigen Tanz, auf der Straße performten. Sehr interessant aber nicht mehr spannend genug, um sich die Nacht weiter auf der Straße um die Ohren zu schlagen. So sind wir ziemlich müde und erledigt im Hostel angekommen und bei dem Krach draußen auch ziemlich schnell weggeratzt.
















