Smile for me Argentina

Einträge mit dem TagFotobeitrag

Unterwegs in den Straßen von Buenos Aires

April 3, 2008 · No Comments

Heute wollten wir es noch mal wissen. Wie lange muss man eigentlich laufen bis einem die Füße weh tun? Das Ziel für den Tag war u.a. das Shoppingcenter Abasto de Buenos Aires im gleichnamigen Stadtteil. Noch ein bisschen mehr Shopping könnte sicher nicht schaden und dabei gleich ein paar unbekannte Viertel und Straßenzüge in Buenos Aires aufdecken. Perfekt! Also sind wir so gegen halb zwei, nach unserem alltäglichen “Cafe con leche y medialunas”-Ritual im Café Origen, in Richtung Westen aufgebrochen. Unser Weg führte uns von San Telmo, durch den nördlichsten Zipfel von Constitución direkt in das nächste Quartier “San Cristóbal“.

San Cristóbal an einem ganz normalen Tag

Viel war an diesem Tag (noch) nicht los und so präsentierte sich das Viertel beschaulich und ruhig. Ab uns zu kamen uns Schüler entgegen oder standen nach Schulschluss noch vor den Colleges. Das Tragen von Schuluniformen scheint in Argentinien absolut Usus zu sein. Das ist uns bereits bei unserem Kurztrip nach Tigre aufgefallen. Dort sind wir kurz vor Tigre an unzähligen, ziemlich noblen und privaten Colleges vorbeigefahren und immer wieder mal sind Schüler in den Bus 60 gestiegen, um ein paar Stationen mitzufahren. Jedes College hatte natürlich seine eigene Uniform. Wie dem auch sei, San Cristóbal machte jedenfalls einen ziemlich guten Eindruck. Man konnte den Bewohnern herrlich bei Ihrem Alltagsleben zuschauen.

Verkauf und Reparatur von alten Nähmaschinen in Buenos Aires

Pastaherstellung zum Zugucken in Buenos Aires

Uralte Druckmaschine druckt Visitenkarten in Buenos Aires

Da wurden Hunde ausgeführt oder Waren des täglichen Bedarfs ge- oder verkauft. Einige Handwerker waren in ihren Werkstätten beschäftigt und andere standen auf der Straße und unterhielten sich mit Ihren Nachbarn. San Cristóbal scheint eines dieser durchschnittlicheren Wohnviertel zu sein. Während wir so liefen, sind wir natürlich auch wieder an unzähligen Bäckereien vorübergegangen. Ehrlich gesagt, kann man da nicht sehr lange widerstehen und so haben wir uns bei der nächsten Gelegenheit ein paar süße Kleinigkeiten geholt.

Süße Leckereien aus einer Bäckerei in Buenos Aires

Verkäuferin verpackt ein paar unsere Leckerlies aus einer der vielen tollen Baeckerei in Buenos Aires

Später, an einem Kiosco, haben wir uns dazu noch Mineralwasser und Coke gekauft und fertig war unser spontanes, süßes Picknick, dass wir in dem kleinen Park an der Plaza 1 de Mayo hatten. Ich glaube wir waren die einzigen Touristen dort. Das Viertel ist einfach zu abseits der typischen Touristentrampelpfade. Nach der kurzen Rast kreuzten wir nur einen Block später die Avenida Rivadavia und befanden uns damit bereits in Once [sprich: On'sse].

Hektische Geschäftigkeit in Once

Der Stadtteil Once hat eine lange jüdische Tradition. Once kann man wohl am ehesten noch mit New York’s Lower East Side oder dem ehemaligen Berliner Scheunenviertel vergleichen. Überall kann man noch die ehemaligen, stark jüdischen Kultureinflüssen sehen und spüren. Heute gilt Once als lautes und hektisches Händlerviertel mit vielen Geschäften und Outlets. Beim Weiterlaufen sind wir dann in die Larrea Straße eingebogen.

Geschäftige Larrea Straße im Stadtteil Once von Buenos Aires

In dieser engen Straße konnten wir uns dann ein Bild von dieser Geschäftigkeit machen. Dort reiht sich Fachgeschäft an Fachgeschäft und auch sonst war die Straße sehr belebt und rastlos. Hier gibt es sehr spezialisierte Läden vornehmlich für Stoffe, Unter- und sonstige Wäsche, sowie Kopfbedeckungen aller Art, Geschenkpapiere und Verpackungen.

Hochspezialisierte Fachgeschäfte findet man überall in den Strassen von Buenos Aires

Buenos Aires ist bekannt für diese starke Spezialisierung der Geschäfte. Man trifft oft auf Straßenzüge, die sich auf ein ganz bestimmtes Handelsgut bzw. Produkt spezialisiert haben. So gibt es z.B. eine Straße, in der man alles rund ums Thema “Auto” bekommt. In einer anderen Straße findet man einen Buchladen nach dem nächsten. Und in wieder einer anderen Straße reiht sich Baumarkt an Baumarkt. Das ist schon sehr auffallend und eindrücklich. Nachdem wir ein paar Geschäfte besucht hatten, bogen wir auf die Avenida Corrientes und folgten ihr weiter in Richtung Abasto.

“Abasto de Buenos Aires”-Shoppingcenter in Abasto

Vorbei an unzähligen weiteren Outlets und Marktständen und -hallen, gelangten wir schließlich nach weiteren 20 Minuten Fußweg zum Shoppingcenter “Abasto”. Unsere Erwartungen an diese Shopping-Mall waren gering. Die spektakuläre Architektur versprach aber dennoch ein nicht ganz so gewöhnliches Einkaufszentrum angelsächsischer Art.

Shoppingcenter Abasto de Buenos Aires

Im weitläufigen Gebäude befinden sich mehr als 200 Markengeschäfte, ein recht umfangreicher Vergnügungspark, mehrere Kinos und ein riesiger Gastronomiebereich, inklusive eines koscheren McDonald’s. Ansonsten gibt es dort nicht viel Spannendes zu sehen. Viele der Läden und Marken kann man auch in Europa oder Amerika finden und zu ähnlichen Preisen dort kaufen. Alles in allem ist es recht uniform und langweilig und könnte, so wie es ist, auch in Kalifornien, USA oder sonstwo stehen. Nach nicht mal anderthalb Stunden haben wir das Center wieder verlassen.

Im Innern des Shoppingcenters Abasto de Buenos Aires

Riesenrad im Shoppingcenter Abasto de Buenos Aires

Kitschige Spielwiese im Abasto de Buenos Aires

Wir wollten uns lieber weiter die nähere Umgebung ansehen. Unweit vom Shoppingcenter befindet sich u.a. das Carlos Gardel Museum. Der Tenor, der wegen seiner herrlich schmachtenden Stimme auch „Der Dunkelhäutige von Abasto“ genannt wurde, wuchs als Immigrant hier in Abasto auf und prägte sein Viertel nachhaltig mit seinem Tango Canción. Eine Weltkarriere folgte. Leider war das Museum in dem bunten Haus geschlossen und so blieb uns nicht viel übrig als langsam wieder in Richtung Stadtzentrum zu laufen.

Feinstaubkonzentration jenseits von Gut und Böse

So sind wir zur Avenida Cordoba gelaufen und diese dann bis zur Avenida 9 de Julio gefolgt. Ein ziemlicher Weg durch die Rush-Hour-Hölle von Buenos Aires. An der Kreuzung Uriburu und Cordoba sind wir noch an einem ziemlich großen Krankenhauskomplex vorbeigelaufen. Das General Hospital aus der gleichnamigen Serie, die seit den 60er Jahren ausgestrahlt wird, kann da durchaus mithalten. Das Gebäude zur Serie steht übrigens nicht in New York, wie oft angenommen, und auch nicht hier in Buenos Aires, sondern in Los Angeles. Kein wirklich schöner Komplex, vor allem nicht an dieser lauten und vielbefahrenen Cordoba Straße, aber auf jeden Fall gigantisch bis kolossal. Nur kurze Zeit später sind wir dann noch an einem sehr schönen Gebäude vorbei gelaufen. Leider kann ich nicht sagen um was es sich dabei handelt. Falls jemand weiß, um welches Gebäude es sich hier handelt und was sich in seinem Innern befindet, möge bitte einen Kommentar posten. Hier das Foto dazu:

Unbekanntes Gebäude in der Avenida Cordoba in Buenos Aires

Sitzend an der Kreuzung 9 de Mayo / Cordoba

Ziemlich zugerußt und rastbedürftig haben wir uns an einen Brunnen an der Megakreuzung niedergelassen und den Feierabendverkehr beobachtet. Der Verkehr in dieser Stadt ist wirklich unglaublich erdrückend, mörderisch und laut. Gefahren wird hier nach wenig Regeln und dem Prinzip des Stärkeren. Ich glaube, wenn wir dort eine Verkehrszählung gemacht hätten, würde uns nach kurzer Zeit das Zählwerk kollabieren.

Rush-Hour in Buenos Aires

Zwischendrin sieht man dann noch ein paar Leute, die sich mit dem Fahrrad “umbringen” wollen. Radfahren in den Straßen von Buenos Aires geht aus meiner Sicht so gut wie gar nicht und ist als grob fahrlässig einzustufen. Trotz des ganzen Chaos funktioniert die Stadt irgendwie und macht einen sehr quirligen, lebenswerten Eindruck.

Zurück in San Telmo

Zurück in San Telmo sind wir in einem dieser erhaltenswerten und deswegen denkmalgeschützten Restaurants eingekehrt. Das “El Federal” an der Ecke der Straßenkreuzung Carlos Calvo und Peru glänzt mit originalgetreuer Einrichtung bis ins kleinste Detail und machte einen warmen aber doch sehr dunklen Eindruck. Das Tageslicht hatte sich inzwischen auch verabschiedet und die Beleuchtung im Restaurant war eher spärlich. Es war bereits nach 19 Uhr und wir hatten Kohldampf und genehmigten uns eine von diesen variantenreichen Vesperplatten mit Wurst, Käse und Oliven. Dazu den Salat des Hauses und Pasta. Basta! Danach war das große Loch im Bauch für heute versiegelt. Nach diesem ausgiebigen Essen haben wir noch mal einen Abstecher ins Café Origen gemacht, um dort einen Verdauungskaffee zu trinken. Gegen halb 10 Uhr waren wir dann ziemlich müde und erschöpft wieder in der Casa Perú und haben die Füße hochgelegt. Wir wollten heute auch nicht zu spät ins Bett, da wir für morgen 10 Uhr bereits ein Termin abgemacht hatten.

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Palacio del Congreso de la Nación Argentina

April 2, 2008 · No Comments

Auch heute haben wir die Casa Perú wieder sehr spät verlassen. Nach dem Aufstehen erfuhren wir, dass ein Termin für den späten Nachmittag bestätigt wurde, und wir wohl so nur eine “kurze” Tour durch Buenos Aires machen konnten. Gegen 18 Uhr sollten wir nun die unbekannte Bekannte treffen, mit der wir bisher nur E-Mail-Kontakt hatten. Wir waren sehr gespannt darauf.

Dos café con leche y cuatro medialunas por favor

So kam es, dass wir erst gg. halb drei Uhr im Café Origen landeten. Zum Glück hatten sie noch Medialunas. Was werden wir nur ohne sie in Europa machen? Im Origen haben wir uns dann für die verhältnismäßig kurze Tour zum Nationalkongress Argentiniens entschieden. Nach einem Blick auf die Uhr und in die Karte, sahen wir, dass dieser nicht sehr weit entfernt ist, und wir so den Termin um 18 Uhr auf jeden Fall einhalten würden. Wir hatten ja bereits Tage zuvor versucht den “richtigen” Kongress zu besichtigen, fanden uns aber aufgrund falscher Annahmen in einem anderen Barrio wieder.

Richtung Avenida de Mayo

Nach unserem alltäglichen Cafe con Leche und ein paar Medialunas sind wir gerade aus in Richtung Av. de Mayo aufgebrochen. Dort angekommen ging es weiter vorbei am Grand Café Tortoni, in dem wir gestern eine gute Zeit hatten, und nur wenig später überquerten wird bereits die Avenida 9 de Julio. Von dort ist es gerade mal noch eine Station mit der Subte (bis Sáenz Peña) bzw. vier Blocks zu Fuß bis zum Beginn der Plaza Congreso, die dem Kongressgebäude zu Füßen liegt. Am Ende der Plaza sieht man bereits das riesige Gebäude des “Congreso Nacional”.

Die Plaza Mariano Moreno mit Blick auf den Congreso Nacional in Buenos Aires

Der Platz war nicht sonderlich belebt und irgendwie machte heute die ganze Stadt einen eher leeren Eindruck. Wir waren scheinbar mitten in der Siesta unterwegs. Kein Wunder also, dass das Leben in der Stadt so gemächlich von statten ging. Der Platz war nur von einigen Obdachlosen, ein paar Einheimischen und Touristen, sowie von unzähligen Tauben bevölkert. Ich glaube nur der Piazza San Marco in Venedig hat mehr Tauben zu bieten. Sei es drum.

Die Plaza Congreso in Buenos Aires mit vielen Tauben

Obdachlose Frau auf der Plaza Congreso in Buenos Aires

Congreso de la Nación Argentina in Buenos Aires

Abstecher nach Tribunales

Wir haben uns das Gebäude von außen angesehen, ein paar Fotos gemacht und sind dann ziemlich bald weiter gezogen, um uns noch ein paar Sachen in der näheren Umgebung anzusehen. Da waren zum einen das “Centro Cultural San Martín“, und das “Teatro San Martín” in der Av. Corrientes im Quartier Tribunales. Der Fußweg dorthin hielt sich in Grenzen. Das Theater hatte um diese Uhrzeit natürlich geschlossen und im Kulturzentrum San Martín gab es, abgesehen von der Innenarchitektur, für uns nichts Spannendes zu sehen. In der Av. Corrientes haben wir dann noch ein paar Buchläden durchstöbert, bevor wir dann zurück in Richtung Congreso gelaufen sind.

Seitenansicht des Congreso de la Nación Argentina in Buenos Aires

Es war inzwischen auch schon kurz nach halb fünf und so konnten wir uns langsam in Richtung Av. Belgrano aufmachen, wo wir gegen 18 Uhr den Termin haben würden. Auf dem Weg dorthin haben wir noch das repräsentative, neoklassizistische Gebäude der hiesigen Polizei (Departamento Central de Policía) gestreift und sind dann gemütlich die Av. Belgrano Richtung Monserrat gegangen. Nach einer halben Stunde hatten wir dann auch das gesuchte Haus erreicht, nachdem wir zuerst daran vorbeigelaufen sind. Wir waren einfach auf der falschen Straßenseite. Da es noch immer zu früh war, um zu klingeln, haben wir in der Nähe noch eine Coke getrunken und uns sitzend ausgeruht. Die Rumlauferei in BsAs ist schon recht anstrengend aber nur so kann man die Stadt richtig entdecken. Wir beschlossen noch ein paar Medialunas zu kaufen, um diese mit zu dem Termin zu nehmen. Auf der Suche nach einem Bäcker, der geöffnet hatte, sind wir über eine Buchhandlung gestolpert in der mindestens 2 x 15m der Berliner Mauer standen. Die “Libreria del Muro” in der Av. Chacabuco 271 machte von außen einen interessanten Eindruck, hatte aber leider auch nicht (mehr) geöffnet.

Die Mauerbuchhandlung oder Libreria del Muro in der Av. Chacabuco 271 in Buenos Aires

Loft mit Aussicht

Pünktlich gegen 18 Uhr sind wir dann zurück in die Avenida Belgrano und haben uns mit Billie getroffen. Ihre Wohnung lag ganz oben und so erklärte sie uns bereits an der Klingel, welchen Fahrstuhl wir nehmen sollten. Als wir oben ankamen empfing sie uns in Ihrer schönen, sonnendurchfluteten Wohnung. Sie hatte gerade einen befreundeten Fotografen zu Besuch, der sich von uns nicht stören lies. Wir stellten uns alle gegenseitig vor und dann zeigte sie uns ihr Reich. Die Wohnung gewährt einen wunderschönen Ausblick über Buenos Aires.

Buenos Aires von oben mit Sicht stadteinwärts

Buenos Aires von oben mit Blick stadteinwärts Teil 2

Bereits durch die Fenster der Wohnung hatte man quasi einen 180 Grad Umblick über die Stadt. Auf der Dachterrasse konnte man dann das ganze “Ausmaß” der Aussicht genießen. Was für ein Moloch lag da vor uns. Paris sieht übrigens sehr ähnlich von oben aus. Heller, fast weißer Beton wo das Auge hinschaut. In die eine Richtung konnte man sogar den Río de la Plata sehen.

Buenos Aires von oben mit Fernblick auf den Rio de la Plata

Wir hatten hier bisher noch keine Möglichkeit, eine so urbane Aussicht über die Stadt zu genießen. Wirklich großartig! Während wir uns so mit Billie unterhielten bzw. Billie uns unterhielt, ging die Sonne so langsam unter. Ein sehr schönes Schauspiel von hier oben. Für uns wurde es dann auch langsam wieder Zeit aufzubrechen, und uns zu verabschieden. Der Besuch hat sich schon allein wegen der atemberaubenden Sicht auf Buenos Aires gelohnt.

Essen, wo Porteños essen

Auf dem Weg nach Hause machten wir noch einen Zwischenstopp in einem dieser stadttypischen Speiselokale. Restaurants kann man das nicht wirklich nennen. Besonders in San Telmo findet man noch sehr viele von diesen Einrichtungen, in den sich wohl vor allem die Einheimischen für wenig Geld bekochen lassen und die Geselligkeit genießen.

Typische Essgelegenheit in San Telmo Buenos Aires

Man kann dort auch einfach nur Fußball gucken und sein Bierchen trinken. Wir hatten allerdings Hunger! Eine äußerst nette Bedienung, mit einer unglaublichen Reibeisenstimme, kümmerte sich um unser Wohl. Den Mann kann man nicht weiter beschreiben, man muss ihn einfach mal in Aktion erleben. Er ist bestimmt ein San Telmo Original. Von dort sind wir dann noch mal ins Café Origen um einen letzten Kaffee für heute zu trinken. Gegen 22 Uhr sind wir dann wieder in unserer WG angekommen.

Typisches Speiselokal für Einheimische in San Telmo Buenos Aires

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Música para los ojos - Musik für die Augen

März 31, 2008 · No Comments

Nach einem herrlich entspannten Sonntag in Montevideo freuten wir uns auf einen neuen Tag in Montevideo. Die Stadt hatte sich uns Samstag und Sonntag auf so unterschiedliche Weise präsentiert, dass wir auf einen ganz normalen Werktag in dieser Metropole gespannt waren. Heute wollten wir auf jeden Fall mal die Museen der Stadt besuchen. Montag ist ein Werktag und da sollten wir nicht allzu oft vor verschlossenen Türen stehen, auch wenn Museen gern mal am Montag geschlossen haben. Gegen 10 Uhr haben wir im Hostel ausgecheckt, da heute unser vorerst letzter Tag in Uruguay sein sollte. Wie wir genau nach Buenos Aires kommen, wussten wir noch nicht, aber da boten sich einige Wege an. Der Portier sagte uns, dass die Verkaufsstelle von Buquebus sich in unmittelbarer Nähe des Hostels befindet.

Buquebus

Wir haben noch kurz eine Recherche am Internet-Terminal im Hostel gemacht, um grob abzuschätzen, mit welchen Kosten wir rechnen müssen. Im Verkaufsbüro ließen wir uns dann genauer über die Möglichkeiten und Kosten der Reise nach Buenos Aires aufklären. Der einfachste Weg war auch der teuerste. Mit der Schnellfähre kann man in drei Stunden in BsAs sein. Eine andere Möglichkeit wäre, mit dem Bus 2,5 Stunden zurück nach Colonia zu fahren und von dort die Fähre zu nehmen. Noch günstiger wird es, wenn man von dort einen weiteren Bus nach Buenos Aires nimmt. Wir wollten aber nicht den ganzen Tag im Bus verbringen und auch noch so viel Zeit wie möglich in Montevideo verbringen. Also haben wir uns für die Schnellfähre entschieden. Das Ticket kam um die 75 US$ (ca. 48 EUR) pro Person, und so haben wir die letzte Fähre um 19:15 gebucht. Das war ziemlich perfekt, denn so konnten wir noch den ganzen Tag hier verbringen und die Stadt unsicher machen.

Quirlige Altstadt

Nachdem das geklärt war sind wir in die Altstadt und haben sie fast nicht mehr wieder erkannt. Plötzlich tobte dort das pralle Leben, nachdem man gestern mit dem Besen durchgehen konnte. Viele Läden links und rechts der Av. Sarandi waren geöffnet, und die Straße entpuppte sich als Einkaufs- und Flaniermeile. Ebenso hatten viele Straßencafés geöffnet und überall waren Menschen. Wow, das ist also das urbane Montevideo, das man wohl so nur unter der Woche erleben kann.

Centro Cultural de España in Montevideo Uruguay

Vorgestern waren wir bereits in der Nähe des Hostels an einem Kulturzentrum vorbei gelaufen, das von außen schon ziemlich interessant aussah. Die Fassade war sehr modern aufgehübscht, und zu dem Zeitpunkt als wir daran vorbei liefen, fand gerade ein Fotoshooting vor den Schaufenstern statt. Nach einem kurzen Fußweg hatten wir das Gebäude auch wiedergefunden. Das CCE befindet sich in der Avenida Rincón 629. Von der Plaza Independencia ist es nur ein kurzer Weg dorthin. Leider waren wir 40 Minuten zu früh dran. Das Zentrum öffnete erst um 11:30 Uhr seine Räumlichkeiten. So mussten wir wohl noch mal wiederkommen. Die Zeit bis dahin totzuschlagen sollte uns allerdings nicht schwerfallen. Das Altstadtviertel, so entfesselt wie es vor uns lag, kannten wir nicht. So sind wir durch die Straßen geschlendert und haben u.a. das bunte Treiben an der “Plaza Matriz” beobachtet.

Centro Cultural de España

Gegen halb 12 sind wir zurück zum Centro Cultural de España gelaufen. Wir waren die ersten Besucher. Der Portier knipste für uns die Monitore an und zog die Rollos hoch. Eilig hat es hier niemand und das ist total angenehm. Im Eingangsbereich gab es die kleine Design-Ausstellung “Living Spain” zu sehen, in der Einrichtungsgegenstände und Accessoires gezeigt wurden. Nichts wirklich Spektakuläres aber nett anzusehen.

Living Spain Designausstellung im Centro Cultural de España

In der untersten Etage konnte man sich lateinamerikanische Videokunst auf mehreren LCD-Fernsehern ansehen. Jeder Bildschirm war thematisch unterteilt, und auf einer großen Leinwand in der Mitte des Raumes liefen abwechselnd Sequenzen aus allen Beiträgen. Jeder LCD-Bildschirm war mit jeweils einem Paar Kopfhörern ausgestattet. In einen Film fuhr z.B. ein Mann auf einem Mofa durch die Pampa von Brasilien. Dabei fuhr er durch die unterschiedlichste, wunderschöne Natur. Der Clou war allerding die Trompete die im Auspuff des Mofas steckte. So gab es je nachdem über welchen (Straßen-)Belag er fuhr oder je nachdem wie er beschleunigte oder abbremste die unterschiedlichsten Töne aus der Trompete. Das fand ich eine sehr coole Idee und wirklich gut geschnitten (Videoschnitt). Die Filme, die folgten waren alle zum Thema “Música para los ojos”, also zu Deutsch “Musik für die Augen”. Das brachte die Sache genau auf den Punkt. Zwei Bildschirme weiter flimmerte eine ruhige Kamerafahrt durch ein äußerst prächtiges Operntheater, an dem der Zahn der Zeit bereits gründlich genagt hatte. Wenige Augenblicke später wurde dazu eine nackte Frau in diese Szenerie montiert. Die Frau bewegte sich schwimmend durch das Theater. Untermalt wurden die Szenen mit klassischer Musik. Das war sehr zauberhaft. Wir haben ziemlich viel Zeit in diesem Raum verbracht und uns alle Bildschirme angesehen. Alle Sequenzen in voller Länge zu sehen, hätte jedoch mindestens 6 Stunden gebraucht.

Im Innern des Centro Cultural de España

Wer in Montevideo ist sollte unbedingt mal dieses Kulturzentrum besuchen. Schon alleine das Innere des Gebäudes ist den Besuch wert. Ruhig auch mal die Stockwerke nach oben gehen. In einem Stock ist ein Café versteckt und noch weiter oben sind Büroarbeitsplätze für die Mitarbeiter. Geöffnet hat es von Montag-Freitag 11:30 - 20:00 Uhr und samstags von 11:30 - 18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei und die Ausstellungen wechseln ständig.

Zweiter Stock im Centro Cultural de España in Montevideo

Architektur von Montevideo

Man sagt, dass sich Montevideo bis zum Ende der 1920er Jahre, also bis zur Weltwirtschaftskrise, auf gleicher Augenhöhe mit Buenos Aires befand. Nach der Weltwirtschaftskrise ging es allerdings für beide rapide abwärts. Die zwei Städte standen schon immer in ständiger Konkurrenz zueinander und dieser Umstand ist deutlich zu sehen. Besonders in der Architektur beider Städte kann man das heute noch nachvollziehen. Es gibt so viele Gebäude, die in einer ähnlichen Ausführung auch in Buenos Aires stehen bzw. standen.

Plaza Independencia mit Blick auf Palicio Salvo in Montevideo Uruguay

Während in Buenos Aires viele der alten Häuser den städtebaulichen Maßnahmen zum Opfer fielen, ist in Montevideo eine weitaus breitere Vielfalt an Häusern und Gebäuden erhalten geblieben. Bei einem Spaziergang durch die Av. 18 de Julio kann man das sehr deutlich beobachten. Hier wechseln sich (historischer) Eklektizismus (französischer, italienischer und spanischer Art), Bauhaus, Art Déco, Niederländischer Expressionismus sowie Spanischer und Italienischer Neoklassizismus ab, um nur einige Baustile zu nennen.

Buntes Gebäude in der Avenida 18 de Julio in Montevideo Uruguay

Dabei entsteht ein wirklich beeindruckendes und teilweise skurriles Stadtbild. Manche Gebäude sind so unwirklich und gewaltig, dass man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt. Kein Foto kann diese Pracht auch nur annähernd vermitteln auch wenn viele der Gebäude ihre beste Zeit bereits erlebt haben. Montevideo muss man einfach gesehen haben.

Gebäude entlang der Avenida 18 de Julio in Montevideo Uruguay

Bauhaus Gebäude in Montevideo Uruguay an der Avenida 18 de Julio

Ich möchte schon allein wegen der prachtvollen Architektur dorthin zurück. In drei Tagen kann man das Thema nur anreißen. So haben wir den Nachmittag u.a. damit verbracht, die fantastischen Häuser zu studieren. Wenn man sich an der Plaza Fabini befindet und am Beginn der Av. Libertator steht (Richtung Nordosten) kann man eine ziemlich beeindruckende Straßenschlucht sehen, an deren Ende, ganz weit in der Ferne, der mächtige Regierungspalast thront.

Regierungspalast Casa de la Moneda in Montevideo Uruguay

Sehr beindruckend. Wir sind der Straße einfach mal gefolgt und nach einem langen Fußmarsch haben wir schließlich den Regierungspalast erreicht. Leider konnte man ihn nur von außen besichtigen. Im Innern standen Wachen in Traditionsuniformen, soviel konnte man jedoch sehen.

Spielplatz in Nähe des Regierunspalastes in Montevideo Uruguay

Avenida Tristan Narvaja

Da es langsam Zeit wurde, sich wieder in Richtung Altstadt zu orientieren, sind wir über die Av. D. Fernandez Crespo in Richtung Av. 18 de Julio gelaufen. Dabei wollten wir uns noch die in der Karte andersfarbig markierten Straßenzüge ansehen, in deren unmittelbarer Nähe wir uns bereits befanden. Wir entdeckten das San Telmo von Montevideo. Überall gab es Buchläden, die zum überwiegenden Teil nur gebrauchte Bücher hatten. Die überwiegenden Titel zählten zur Bildungsliteratur und waren oftmals philosophischer, politischer oder geschichtlicher Natur. Auf der ganzen Av. Tristan Narvaja reihte sich Buchladen an Buchladen sowie Antiquitätengeschäft an Antiquitätengeschäft.

Antiquitätengeschäft in der Avenida Tristan Narvaja in Montevideo Uruguay

Dazwischen immer mal wieder ein Café und eine Universität. Die Straße soll am Wochenende besonders schön sein, da dann in ihr und den Nachbarstraßen ein großer Kunst- und Straßenflohmarkt stattfinden. Leider zog sich gegen 16 Uhr der Himmel gänzlich zu, und wenig später fing es ganz leicht an, zu regnen, und es wurde kühl. Langsam aber sicher kamen wir auch der Av. 18 de Julio näher. Dort hatten wir einen Kaffee in einem McCafé. Auf dem weiteren Weg in die Altstadt sind wir zum wiederholten Mal am “Palacio Municipal” vorbei gekommen. Leider hatte dieser immer geschlossen. Heute war das anders, und der Vorplatz des Gebäudes war bereits “gut besucht”.

Palacio Municipal & Palacio Díaz

Das riesige Gebäude im “Modern Heterodoxa”-Stil ist das Rathaus von Montevideo und zentrale Anlaufstelle für seine Einwohner. Wir sind einfach mal reingegangen und haben uns den Koloss von innen angesehen. Drinnen gab es für uns nicht viel zu sehen, da wir nur Besucher waren. Im hinteren Eingangsbereich gab es ein kleines Café, das aus einem Metallgerüst “aufgebaut” war. Sah ziemlich lustig aus das Ganze. Gleich vorne an der Eingangspforte klebt ein riesiges Satellitenbild von Montevideo auf dem Boden. Und so konnten wir viele kleinere Details nur schon allein im Eingangsbereich entdecken.

Bodenbelag im Palacio Municipal in Montevideo Uruguay

Weiter entlang der Av. 18 de Julio standen wir noch eine Zeit lang vor dem Palacio Díaz und bewunderten sein abstrakt-futuristisches Aussehen. Ein alter Mann muss uns wohl dabei beobachtet haben und sprach uns an. Er erzählte uns, dass er noch ein kleiner Junge war, als das Gebäude errichtet wurde (1929), und ein paar weitere Details, die wir leider nicht verstanden haben. Daraufhin wollten wir aber versuchen, mal in das Gebäude zu gehen. Bereits unten wurden wir vom Portier aufgehalten und gefragt, wo wir hin wollen.

Palacio D�az in Avenida 18 de Julio in Montevideo Uruguay

Er fragte uns in welchen Stock wir wollten, aber da wir in dem Haus niemanden kannten, kamen wir hier nicht weiter. Er meinte das Haus sei ein privates Wohnhaus und nicht für Touristen zugänglich. Im unteren Bereich gab es nur eine riesige Bowlingbahn zu sehen. Wie auch immer. Es empfiehlt sich sehr, mit offenen Augen durch die Straßen zu laufen. Es lohnt sich auch ruhig mal die Straßenseite zu wechseln. Nachdem wir irgendwann wieder an der Plaza Independencia angelangt waren, sind wir zum Teatro Solís gelaufen. Auch dieses Gebäude, im historischen Eklektizismus von 1846, ist wunderschön anzusehen. Leider gibt es montags keine Führungen und so blieb auch dieses Gebäude nur von außen für uns erschließbar. Gleich gegenüber dem Solís Theater liegt ein sehr nettes Café, dessen Namen ich leider vergessen habe. Die Einrichtung ist sehr schön gemacht und vor allem die Stühle sind uns gleich ins Auge gefallen. Dort hatten wir eine Cola, Kaffee und jeder einen Riesenmedialuna. Das Café wird scheinbar von einer Deutschen geführt. Wir hörten sie fließend deutsch reden und sie verabschiedete sich wenig später mit “Auf Wiedersehen” von uns. Sehr lustig und überall in der Gegend trifft man auf viele Deutsche. Leider hatten wir keine Zeit mehr für ein Gespräch. Wäre sicher interessant gewesen.

Abfahrt gen Buenos Aires

Pünktlich wie die Maurer waren wir dann gegen 18:30 bereits im Terminal von Buquebus. Natürlich mussten wir wieder Ausreisepapiere ausfüllen, aber komischerweise hat sich niemand dafür interessiert. Weder in Uruguay noch in Argentinien wollte die jemand sehen oder haben. Die haben uns in Uruguay einfach wieder zwei Stempel in den Pass gedrückt, und das war es dann auch schon. Die Fähre, mit der wir nach Buenos Aires fuhren, war riesig und konnte diesmal auch Autos mitnehmen. Mit einer kleinen Verspätung von 10 Minuten legten wir schließlich ab und kamen gg. 22:30 Uhr in Buenos Aires an.

Leere und unbenutzte Tram in Buenos Aires im Barrio Puerto Madero

Dort haben wir dann zum ersten Mal die Tram benutzt. Die Bahn fährt dort bereits seit 2005, sieht aber noch total neu und unbenutzt aus. Wir waren die einzigen Fahrgäste und so kamen wir schließlich doch noch in den Genuss einer Tramfahrt. Irgendwie macht die Streckenführung keinen Sinn und lässt vermuten, dass die Tram nur zur Promotion des exklusiven Hafenviertels dient. Wie haben in der Tram nie viele Leute gesehen, und Käufer der Luxuswohnungen am Puerto Madero fahren sicher auch keine Tram. Wir sind bis zur Endstation gefahren und den Rest in die Casa Perú gelaufen. Kaputt und erledigt sind wir dann wenig später ins Bett gefallen.

Typische Straßenenszene in Montevideo Uruguay

Art Deco Gebäude in Montevideo Uruguay an der 18 de Julio

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An einem Sonntag in Montevideo

März 30, 2008 · No Comments

Nach einer tief durchgeschlafenen Nacht wurden wir gegen halb 11 Uhr von einer kleinen Militärparade an der “Plaza Independencia” geweckt. Eine Reiterformation gab ihr bestes und eine Militärkapelle lieferte den passenden Soundtrack dazu. Was für ein Kontrast zu dem Schauspiel von letzter Nacht, in der sich allerlei Partyvolk auf dem Platz tummelte.

Der Rest der Millitaerparade am Plaza Independencia in Montevideo

Nachdem wir nun wach waren, sind wir runter in den Gemeinschaftsraum, um zu frühstücken. Wir waren schon recht spät dran, denn das Frühstücksangebot galt bis maximal 11 Uhr. Frühstück konnte man das auch nicht wirklich nennen. Auf der Theke standen noch zwei Tabletts mit jeweils einem Hamburgerbrötchen, einem kleinen Päckchen Butter und etwas bereits angetrocknetem Obst. Das Hamburgerbrötchen war mit einer Scheibe Schnittkäse belegt. Kaffee gab es als Instantvariante, abgepackt im 7 g Tütchen. Das Frühstücksangebot schwankt ziemlich stark von Hostel zu Hostel, aber meistens sieht es eher dürftig aus.

Nach diesem kurzen Intermezzo haben wir uns am Counter nach einer Stadtführung erkundigt. Irgendwie hatten wir jedoch das Gefühl, dass uns der Portier nicht so recht verstanden hatte. Auch hier ist es reine Glückssache, auf jemanden zu treffen, der Englisch spricht. Er gab uns aber eine tolle Karte mit allen wichtigen Sehenswürdigkeiten, die jeweils mit kurzer Beschreibung in Spanisch und Englisch ausgestattet war. Wir hatten heute vor, ein paar Museen zu besuchen und dabei die Stadt zu erkunden. Kurz darauf sind wir noch im Hostel mit einem Amerikaner ins Gespräch gekommen, der schon öfter in Montevideo war. Er meinte dass wir heute wohl kein Glück mit den Museen haben werden, da hier ein Sonntag noch ein Sonntag sei. So wie es ihn noch vor gut 30 Jahren in den USA gab, wie er meinte.

Vier Türen mit Charakter in der Altstadt von Montevideo

Eine fast leere Altstadt

Also haben wir uns doch für die Strandtour entscheiden, die auch noch zu Auswahl stand. Montevideo ist u.a. für seine langen Sandstrände entlang des Südatlantiks bekannt. Das Treiben dort zu sehen, ist sicher eine interessante Sache. So sind wir wenig später in Richtung Altstadt gezogen, um zum Hafen zu laufen.

Sonntags angelt man ganz entspannt an den Docks in Montevideo

Von dort wollten wir dann entlang der Docks zu den Stränden laufen. Das Wetter war perfekt. Die Sonne schien irgendwie heller als in Buenos Aires. Wahrscheinlich hat das was mit der fehlenden Smogglocke zu tun, die in BsAs sehr viel Sonnenlicht schluckt. In der Altstadt spürten wir bereits, was Sonntag hier bedeutet.

Altstadt von Montevideo mit Blick aus der Avenida Perez Castellanos

Es war keine Menschenseele auf den Straßen, kaum ein Auto unterwegs, und kein einziger Laden hatte geöffnet. Nicht mal der 24h McDonald’s, der hier nur 24/6 geöffnet hat. Eine komplett verlassene Altstadt lag uns zu Füßen. Erst am “Mercado del Puerto” trafen wir auf eine Hand voll Touristen, aber auch hier war erstaunlich wenig los. Die wunderschöne Markthalle wurde in den Jahren 1865-68 erbaut, ist heute touristischer Anziehungspunkt in der Altstadt und wartet mit unzähligen Restaurants und kolonialem Ambiente auf.

Eine Grillbar im Mercado del Puerto in der Altstadt von Montevideo

Offener Grill im Mercado del Puerto in Montevideos Altstadt

Bereits bei unserem ersten Weg durch das Barrio ist uns das Gebäude direkt hinter dem Mercado del Puerto aufgefallen. Das “Peatonal Pérez Castellano” wurde erst 1982 erbaut und macht architektonisch einen brachialen Eindruck. Es wirkt sehr futuristisch und könnte einer Atlantropa-Phantasie entsprungen sein. Das riesige Gebäude wird vom Militär (Marine) genutzt.

Die Rambla von Montevideo

Als wir an der Rambla (der Küstenstraße) ankamen, trafen wir auch endlich auf Einheimische. Auf ziemlich viele sogar, und uns wurde klar, wie man hier so gewöhnlich einen Sonntag verbringt. Man ist an den Docks oder am Strand. Man hat Spaß mit der Familie oder angelt in aller Ruhe im Atlantik. Wir zogen auch an etlichen fußballspielenden Jugendlichen vorbei und sahen viele Leute, die einfach in der Sonne dösten. Die Stadt machte einen total entspannten Eindruck, und niemand lies sich von zwei Touristen wie uns stören.

Fussball an einem Sonntag in der Altstadt von Montevideo nahe des Hafen

Nicht ohne meinen Mate

Bereits gestern ist uns die extrem hohe Zahl an Matetee-Trinkern aufgefallen. Diese Angewohnheit konnten wir natürlich bereits in Buenos Aires beobachten, aber in Montevideo scheint der Mate noch viel beliebter zu sein.

Angeln, Matetee und Entspannen an einem Sonntag an den Dock in Montevideo

Überall laufen Menschen mit ihrer bis zum Rand mit Mate gefüllten Kalebasse durch die Stadt. Dazu klemmt unterm Arm immer eine Thermosflasche mit heißem Wasser. Ob jung ob alt, ob reich oder arm: Alle trinken Mate, und das immer und überall.

Mit Kalebasse und Mate an den Docks in Montevideo

Später erfuhren wir, dass sich die Argentinier über diese Marotte lustig machen. So spotten diese über den bereits am Körper der Uruguayer angewachsenen Arm mit Thermosflasche. Es ist auf jeden Fall sehr auffällig und gehört zum Stadtbild wie die vielen Oldtimer, die auf den Straßen von Montevideo zu sehen sind. Hier findet man alle alten Marken, die man in Europa oder Amerika längst vergessen hat, sogar Marken aus dem ehemaligen Ostblock (z.B. Lada, Moskwitsch etc.) Die Autos werden aber sicher nicht aus Liebhaberei gefahren sondern wohl eher aus Armut, und weil man noch so viel selbst an dem Auto reparieren kann.

Oldtimer gibt es in Montevideo viele

Rambla und kein Ende

Nachdem wir, nach einigen Kilometern, merkten, dass die Rambla etwas zu lang für unsere Füße war, und auch die Sonne ziemlich stark vom Himmel strahlte, sind wir bei der nächstbesten Gelegenheit in eine Straße in Richtung Av. 18 de Julio marschiert.

Pferd und Wagen unweit des Zentrums von Montevideo

Zum Glück gab es dort geöffnete Restaurants, und so haben wir erst einmal was gegessen und getrunken. Wir haben mal die Frankfurter Würstchen mit Brötchen im Käsemantel probiert, die wir schon auf anderen Karten gesehen hatten. Die waren auch ziemlich gut. Nach unserer kleinen Stärkung sind wir wieder runter an die Rambla und sind dabei über den Zentralfriedhof (Cementerio Central) gestolpert. Den haben wir uns bei der Gelegenheit auch gleich mal angesehen. Mit der mondänen Extravaganz eines Cementerio de la Recoleta in Buenos Aires kann man diesen Friedhof sicher nicht vergleichen, aber ein Spaziergang über das Areal lohnt sich trotzdem. Auch hier trifft man auf etliche Katzen, die aber eher einen unterernährten Eindruck machten.

Kleine Katze auf dem Cementerio Central in Montevideo

Interessant waren u.a. auch die vielen Warnschilder gegen Mosquitos, die Dengue-Fieber übertragen. Die Friedhofsbesucher wurden angewiesen, abgestandenes Blumenwasser auszuschütten, um den Mücken keine Brutplätze zu bieten.

Playa Ramírez und nicht weiter

Nach weiteren Kilometern entlang der Küstenstraße nahmen die Docks so langsam ein Ende, und der erste Strand kam endlich näher und näher. Wie haben die Entfernungen ein wenig unterschätzt. Wenn ich nochmal diesen Weg zurücklegen sollte würde ich ein Fahrrad mieten. Zu Fuß ist es wirklich zu weit. Am ersten Strand (Playa Ramírez) angekommen sahen wir nur einige Leute im Wasser.

Die Playa Ram�rez Ende März in Montevideo

Ich denke, für die Einheimischen ist es bereits zu “kalt” zum Baden. Wir wissen es nicht. Wir beschlossen jedenfalls, nicht auch noch zu den anderen Stränden zu laufen, da dies wahrscheinlich weitere Stunden gedauert hätte. So sind wir einfach in den angrenzenden Parque Rodó gelaufen.

Sonntags im Parque Rodó in Montevideo

Die Grünanlage war voller Menschen, die das Wetter und den Sonntag genossen. An den Park grenzte ein ziemlich großer Freiluftmarkt, über den wir allerdings nicht geschlendert sind. Wir wollten so langsam wieder in Richtung Altstadt zurück. Also haben wir uns auf der Karte den Weg dorthin gesucht und sind los gelaufen. Entlang der Haupt- und Nebenstraßen haben wir mehr und mehr von Montevideo entdeckt. Dabei wechselte sich das Niveau mit recht “normal” bis ziemlich heruntergekommen ab. Man kann es auch schlecht beschreiben. Ich glaube, dass “heruntergekommen” für uns Europäer etwas ganz anderes bedeutet als für viele Südamerikaner. Es ist alles eine Frage des Standpunktes, der Herkunft und was man so gewohnt ist. Im Vergleich zu Buenos Aires machte die Stadt allerdings einen wesentlich heruntergekommeneren Eindruck.

XXVI Festival Cinematográfico Internacional del Uruguay

Nachdem wir wieder die Av. 18 de Julio erreicht hatten, sind wir am Kino “Cinemateca 18” vorbei gelaufen und haben gesehen, dass es tatsächlich geöffnet hatte. Es war bereits kurz vor 17 Uhr, und so sind wir einfach mal rein. Die freundliche Frau erklärte uns auf Spanisch, dass heute der letzte Tag des hiesigen Filmfestivals sei und wir gleich jetzt drei Kurzfilme zum Thema “Indisches Kino” sehen könnten. Mit dem Kauf eines Tickets, könnten wir auch alle Filme des heutigen Tages schauen, wenn wir wollten. So sollte um 19:15 ein deutscher Film gezeigt werden. Da uns eh schon alles vom langen Laufen wehtat, wäre in einem klimatisiertem Kino sitzen eine echte Alternative; zumal die Aktivitäten an einem Sonntag in Montevideo recht begrenzt sind. Also haben wir zwei Tickets gekauft und haben uns in den Saal gesetzt. Nur Augenblicke später startete bereits der erste Kurzfilm “Salim Baba”, in dem ein Mann aus Indien porträtiert wurde, der mit einer uralten Kinomaschine in der indischen Provinz unterwegs war. Gleich im Anschluss erhielten wir in “Cuerpo de Bollywood” eine Einführung in die Milliardenschwere Bollywood-Industrie und lernten deren Besonderheiten und Stars kennen. Nach diesem Film haben wir erstmal wieder das Kino verlassen, um vor dem deutschen Film noch etwas zu essen. Uns knurrte beiden der Magen. In dem Restaurant wurden wir von “Rudi Carell” oder dessen Bruder bedient. Wenn ich nicht wüsste, dass er bereits verstorben ist, würde ich behaupten, dass er in Montevideo kellnert. Die Ähnlichkeit war sehr frappierend und der Service tadellos.

Capri, you love?

Zurück im Kino freuten wir uns auf den Start des in Spanisch synchronisierten deutschen Films mit Untertiteln, in dem so herrlich abgetakelten uruguayischen Kino. Gegen 19:15 kam ein Mann in den Saal und bat um Geduld, da es irgendwelche Probleme gäbe. Das Kino war übrigens ziemlich gut besucht, aber nicht voll. Es waren bemerkenswert viele alten Menschen anwesend. Der hohe Altersdurchschnitt fiel uns bereits bei den Kurzfilmen um 17 Uhr auf. Kino scheint hier besonders bei den Alten gut anzukommen.

Kino Cinemateca18 in Montevideo beim Film “Capri, you love?”

Nach weiteren 5 Minuten kam der Mann noch mal in den Saal und sagte, dass der Film nun doch in deutscher Sprache gezeigt werden müsse, aber mit englischen Untertiteln. Ein riesengrosses Raunen ging durch den Saal, und wir dachten die Alten rotten sich nun zu einer Demo zusammen oder schlagen das Kino kurz und klein. Nein, Spaß beiseite. Viele verließen daraufhin verärgert das Kino, und so war der Film nicht mehr so gut besucht. Was soll ich sagen, der Film war ziemlich dröge und die, die gegangen sind, haben nicht viel verpasst. Selbst in deutscher Sprache habe ich “Capri, you love” nicht wirklich verstanden. Aber es gab schöne Bilder von Capri.

Menschen tanzen Tango auf der Plaza Fabini in Montevideo

Nach dem Film sind wir gemächlich zurück zum Hostel geschlendert und haben noch eine Weile den tangotanzenden Menschen an der “Plaza Fabini” zu geschaut. Auch hier wird also abends und nachts Tango getanzt. Nach diesen vielen Eindrücken und noch mehr Kilometern sind wir zufrieden ins Bett gefallen.

Coole Typo an einem Gebäude im Zentrum von Montevideo

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Wir sind zurück aus Uruguay…

März 28, 2008 · No Comments

… mit vielen tollen Eindrücken und schönen Erlebnissen. Seit Montagabend [31.03.08] sind wir wieder in Buenos Aires.

Nachdem wir uns am Freitag gen Uruguay aufgemacht haben, ist viel passiert. Unsere erste Station sollte Colonia del Sacramento auf der anderen Seite des Río de la Plata sein. Wir haben die erste Fähre dorthin genommen und konnten San Telmo so mal in aller Frühe erleben. Ein sehr schöner Eindruck. Die Straßen sind noch leer, der ganze Müll und Dreck des Vortages ist verschwunden, und man sieht vereinzelt Leute, die die Straße vor Ihrem Haus oder Laden mit dem Wasserschlauch reinigen. Nur die Bäcker haben bereits geöffnet, und der süße Duft der Verführung zieht durch die Straßen und Gassen. Wir konnten nicht sehr lange widerstehen und haben bei einem Bäcker ein paar Medialunas und andere Leckereien gekauft.

Buquebus

Eigentlich wollten wir mit der Subte bis “Lavalle” fahren und den Rest zur Fährstation laufen, aber irgendwie ging da was schief. :-) So haben wir kurzerhand umdisponiert und sind gleich bis Puerto Madero gelaufen und wollten dort dann in die Tram steigen, Station “Independencia”.

Die “Puente de la Mujer” in Puerto Madero in Buenos Aires

Die Bahn stand auch schon da. Super. Fahrplan? Fehlanzeige. Der Fahrer zeigte uns jedoch durch die Scheibe zwei Hände mit 8 Fingern. Die Bahn würde also erst ab 8 Uhr fahren. Also blieb uns nichts anderes übrig, als zu laufen, den ganzen Weg entlang der Hafenbecken bis zum letzten. Die Fähre sollte gegen 8:30 ablegen, und so wäre Auf-die-Tram-warten knapp geworden. Man hat uns geraten, ca. 1h vorher da zu sein, zwecks Check-in und so weiter. Immerhin geht es ins Ausland. Nachdem wir nach ca. 30 Minuten am letzten Hafenbecken waren, kam “plötzlich” die Frage auf, wo eigentlich ganz genau das Terminal ist. Nun, eigentlich einfach der Straße “Cecilia Grierson” hoch in Richtung Wasser folgen, also unweit vom Buquebus-Gebäude in der Av. Antartida Argentina. Vor Ort ist es wirklich schlecht ausgeschildert, aber die kleine Informationsbroschüre der Reisegesellschaft gab einen guten Anhaltspunkt. Der Straße einfach zu folgen, war eine gute Idee, und so fanden wir nach weiteren 5 Minuten Fußweg den Schiffsableger.

Aufnahme aus der SeaCat Schnellfähre in Puerto Madero in Buenos Aires

Die Schnellfähre (1h anstatt 3h) nach Colonia wird nicht direkt von Buquebus sondern von SeaCat Colonia angeboten. Das sollte uns aber egal sein. Endlich im Check-in Terminal, haben wir mit den Tickets eingecheckt. Das lief alles schnell und easy. Danach mussten wir durch eine ziemlich lasche (und irgendwie überflüssige) Sicherheitskontrolle. Der Metalldetektor piepste bei jedem zweiten Passagier und nachkontrolliert wurde nicht. Ist auch besser so. Das nervt ja bereits an Flughäfen so ab und bringt so gut wie keine Sicherheit, nur “gefühlte”. Mit den bereits ausgefüllten Ausreisepapieren, die wir beim Check-in erhalten hatten, sind wir dann zur “Migration”. Da wir offiziell das Land wieder verlassen, haben sie uns dort ein paar Stempel für unsere Stempelsammlung in die Reisepässe reingedrückt, und das war’s dann auch schon. Da es grad kurz nach 8 Uhr, war haben wir noch einen Kaffee im Wartesaal getrunken und die mitgebrachten Medialunas verspeist. Dann ging es auch schon los.

Ankunft in Colonia, UY

Die Fahrt dauerte nur ca. eine Stunde. In Uruguay angekommen, mussten wir dann noch mal durch die Immigration, wo uns ein älterer Grenzbeamter fragte ob wir «Pack» hätten. Pack? Pax? Pak? Was meint der nur? Er wiederholte es noch mehrmals aber wurde nicht konkreter. Man hätte alles Mögliche verstehen können aber Pack machte am meisten Sinn, da wohl das Gepäck gemeint war. Eigentlich meinte er unsere Rucksäcke (Backpack), aber mehr als diese hatten wir nicht dabei, und so wurden wir durchgewunken, ohne zusätzliche Zollkontrolle und Taschenröntgen. So, endlich in Uruguay! Das Land empfing uns mit herrlichem Wetter und Sonne pur - fantastisch. Der Río de la Plata schimmerte silberbraun in der Sonne und lag wie ein Meer vor uns.

Der “Silberfluss” R�o de la Plata in Colonia Uruguay

Wasserturm am R�o de la Plata in Colonia del Sacramento in Uruguay

Wir sind erst mal drauflos gelaufen, denn viel falsch machen kann man im kleinen Colonia nicht. Ziemlich schnell fanden wir auch das Hostel “El Viajero“, das wir uns am Abend zuvor im Internet rausgesucht hatten. Vor Ort haben wir dann nach einem Zimmer gefragt und hatten auf Anhieb Glück, Doppelzimmer mit TV im obersten Stock. Na dann, Sachen ins Zimmer und ab in die Stadt.

Unser Zimmer im Hostel “El Viajero” in Colonia del Sacramento in Uruguay

Uruguay Pesos

Für Aktivitäten in der Stadt brauchten wir auf jeden Fall erst einmal ein paar uruguayische Pesos. Dazu kann man argentinische Pesos in Wechselstuben tauschen, oder man hebt an einer Bank die entsprechende Menge ab. Auf der Av. Gral Flores fanden wir schließlich eine Bank, die einen Automaten hatte. Wir hatten beim Schlendern bereits gesehen, dass die meisten Preise hier 3-stellig waren, d.h. mehr als 100 $U kosteten.

3000 Uruguanische Pesos aus einem Automaten in Colonia del Sacramento, Uruguay

Da wir noch kein Gefühl für diese Währung hatten, hob ich erstmal nur 3000 $U (ca. EUR 100) ab. Wie sich später rausstellen sollte, reichte das Geld für einen Tag.

Barrio Histórico

Colonia ist die älteste Stadt Uruguays und ein ziemlich übersichtliches, verschlafenes Örtchen, dessen Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Wir haben uns gleich mal einen ersten Eindruck von der Altstadt verschafft, die nur einen Steinwurf vom Hostel entfernt ist. Das Barrio Histórico präsentiert sich verschlafen bis romantisch. Ein ziemlich schönes Ambiente, um ganz entspannt zu schlendern und zu entspannen.

Herbstrauschen in Colonia del Sacramento in Uruguay

Die Häuser sind alt und teilweise recht gut erhalten. Es gibt einen Hauptplatz (Plaza Mayor), einen Leuchtturm und ein paar Ruinen und Straßen, die so herrlich grob und holprig sind, dass man sich wohl hier mit High-Heals alle Knochen brechen würde. Selbst Flip-Flops sind hier schon riskant. Die Via Appia in Rom ist glatt dagegen. An einem schönen Punkt am Wasser haben wir uns auf Schiefersteinen ausgeruht und sind dem Rauschen des Flusses gefolgt. Das war die perfekte Raststelle, um zu entspannen. Nach einer Weile sind wir weitergezogen und haben uns wenig später in einem der zahlreichen Restaurants niedergelassen. Dort hatten wir Mittag mit anschließendem Kaffee, der nur mit Milch genießbar war. Ziemlich gruseliger Abgang, aber der “Meerblick” und das Essen davor sowie die total freundliche Bedienung waren es wert. Die Rechnung belief sich auf etwas über 1.500 $U, und so war schon die Hälfte des grad abgehobenen Geldes fort. Am Plaza Mayor haben wir dann die Eintrittskarte für die “Museo Colonienses” Colonia gekauft, mit der man sieben Museen besuchen kann. Das Museo Español war allerdings geschlossen und so waren es nur noch sechs. Der Leuchturm (Faro) gehörte erst gar nicht dazu und musste extra bezahlt werden.

Leuchturm in Colonia del Sacramento in Uruguay

Schiffe im Hafen von Colonia del Sacramento in Uruguay

Wir haben uns nur das Museo Municipal und das Casa Nacarello angesehen. Das Museo Municipal ist ein typisches, kleines Naturkundemuseum mit allerlei Exponaten. Besonders die präparierten Tiere waren sehenswert. Das Casa Nacarello ist gleich nebenan und ist ein originalgetreu restauriertes, portugiesisches Haus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Nach der kleinen Geschichtstour sind wir zurück ins Hostel und haben zünftig Siesta gehalten. Die Nacht zuvor war doch sehr kurz.

Vamos a la Playa

Gegen halb 5 sind wir noch mal raus in die Stadt und haben die Strände erkundet. Dort waren wir fast allein. Vereinzelt ein Angler oder jemand mit Hund, aber sonst war an den Stränden nicht viel los. Im Gegensatz zu den Stränden in Buenos Aires war hier auch (fast) alles sauber.

Playa El Alamo in Colonia del Sacramento in Uruguay

Wir sind einfach von Strand zu Strand gelaufen, die sich doch einige Kilometer hinzogen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit sind wir dann auf der Av. Costanera zurück in Richtung Stadtzentrum gelaufen. Als es bereits dunkel war, sind wir schließlich in der Altstadt von Colonia etwas essen gegangen. Witzig: Die Karte des Restaurants (http://www.sacramentorestaurante.com) hatte genau das gleiche im Menü wie dasjenige, wo wir mittags waren. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Der sehr junge Kellner hatte offensichtlich seinen ersten Tag oder half der Tante, der das Restaurant gehörte, in den Ferien aus. Und später gab es eine ziemlich sehnsüchtige, melancholische Gesangseinlage eines örtlichen Sängers. Ziemlich gut, aber fast zu viel. Es passte aber alles herrlich zu diesem Örtchen und der altertümlichen Umgebung. Colonia weiß, wie es sich präsentieren und vermarkten muss. Für die Einlage fanden wir dann ungefragt einen zusätzlichen Posten “Derecho Show” für den Sänger in Höhe von 40 $U (etwa 1,50 Euro) auf der Rechnung. Auf dem Heimweg sind wir noch mal durch die zauberhafte Altstadt gegangen in der keine Menschenseele mehr unterwegs war.

Die “Calle de los Suspiros” in Colonia del Sacramento in Uruguay

Die “Calle de los Suspiros” in Colonia del Sacramento in Uruguay bei Nacht

Zurück im Hostel haben wir uns vom Spanischen Fernsehen berieseln lassen und eine Dokumentation über ein Wolkenkratzerprojekt in Dubai gesehen. Lange ging das allerdings nicht, da wir ziemlich müde und geschafft waren, und so sind wir wenig später eingeschlafen.

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Planeta Urbano

März 27, 2008 · No Comments

Auch heute waren wir wieder im Großstadtdschungel unterwegs und wollten uns ein paar weitere Sehenswürdigkeiten ansehen, u.a. das großartige Teatro Colón. Es ist nicht nur wegen des schönen Opernsaals bekannt sondern auch wegen der tollen Akustik und wird oft im gleichen Atemzug mit der Oper in Sidney genannt. Leider wird es momentan noch umgebaut und ist für Besucher geschlossen. Auch außen ist nicht viel zu sehen, da es eingerüstet ist. Sehr schade. Beim nächsten Mal werden wir es uns aber genauer ansehen. Noch in diesem Jahr ist feierliche Wiedereröffnung. Wir sind gespannt.

Das Teatro Colón in Buenos Aires Argentinien

Galeria Bond Street

Danach sind wir gleich weiter zur Av. Santa Fe 1670, um das Treiben in der Galeria Bond Street auf Zelluloid zu bannen, und um die Shops genau zu durchforsten. Das Gebäude ist sehr spannend und ein absolutes Muss, wenn man die Jugendkultur des Landes verstehen möchte. Sicher mag man sich an den Stilen und dem unendlichen Kitsch reiben, aber das zu beurteilen überlassen wir anderen. Wir fanden es auch bei unserem zweiten Besuch reizvoll, auch wenn heute nicht so viel los war wie neulich. Ich habe die ganzen Piercing- & Tattoostudios nicht gezählt aber es hatte auf jeder Etage mindestens fünf davon. Ich glaube dieser Trend ist bei uns lange durch, und auch Piercings sind nicht mehr wirklich hip in Europa. However, wer in Buenos Aires ist, sollte unbedingt mal an einem Wochentag dort vorbei schauen. Überall kann man das Surren der Tätowiernadeln hören und teilweise zugucken. Nebenbei kann man die vielen kleinen Minishops abklappern. Das Treiben dort ist wirklich spannend, und die Leute sind super relaxed.

Das Innere der Galeria Bond Street in Buenos Aires

Mehr vom Inneren der Galeria Bond Street in Buenos Aires

Graffiti in der Galeria Bond Street in Buenos Aires

El Ateneo

Unweit der Bond Street befindet sich eine weitere Attraktion fürs Auge. In der Sante Fe 1860 wurde ein ehemaliges Theater zu einem Buchkaufhaus umfunktioniert. Das Flair in diesem Komplex ist wirklich einmalig schön. Besser kann man Bücher wohl nicht zum Kauf anbieten. Das “El Ateneo” ist auch weit mehr als nur ein Buchgeschäft und scheint sehr gut sortiert. Es lädt zum Verweilen ein. Es finden auch regelmäßig Lesungen und Buchpräsentationen statt. Der Besuch lohnt sich.

El Ateneo Grand Splendid in Buenos Aires

Rede der Cristina Kirchner

Seit gestern herrscht eine merkwürdige Stimmung in BsAs, die wir bis heute nicht ganz deuten konnten. Wir spürten, dass etwas Wichtiges passiert sein musste, konnten uns aber bisher keinen richtigen Reim drauf machen. Seit Tagen sehen wir Demonstrationen an allen Ecken der Stadt. Überall in der Stadt sieht man Menschen die gebannt vor dem Fernseher sitzen und der argentinische Staatspräsidentin Cristina Fernández de Kirchner lauschten oder Landesnachrichten gucken. Die Präsidentin hatte gestern mit einer aggressiven Rede große Teile des Landes, vor allem die Bauern, gegen sich aufgebracht. Die Ansprache führte zu Blockaden in diversen Sektoren, vor aber in der Landwirtschaft.

Eine der vielen Demos, hier nahe der Av. Julio de Roca in Buenos Aires

Die Blockade wird so lange geführt, bis die Regierung das angekündigte Programm (Steuererhöhungen) zurück nimmt. Wir sind gespannt, wie sich das entwickeln wird. Manche sagen, dass es zu Unruhen kommen kann, und die Regierung da ein gefährliches Spiel treibt. Wir sind aber (noch) nicht davon betroffen, außer vielleicht, das der Bus eine andere Route als üblich fährt, weil in der ganzen Stadt demonstriert wird. Die Stimmung ist nach unserer Einschätzung friedlich.

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39 Kaffeebohnen aus Costa Rica fahren Bus nach San Telmo

März 26, 2008 · No Comments

Das ist meine Eselsbrücke, um mir zu merken wo der Colectivo 39 in Palermo Soho in Richtung San Telmo abfährt. Das ist notwendig, da wir wiederholt in Palermo Soho nach der richtigen Bushaltestelle gesucht haben. Wir waren ja schon mehrfach dort, aber eine geeignete Haltestelle haben wir uns noch nicht gemerkt. Das dürfte sich nun aber mit der Eselbrücke ändern. Busfahren und Haltestellen in Buenos Aires sind ohnehin was ganz besonderes, und ich kündige hiermit schon mal ein “Colectivo-Spezial” an, demnächst hier auf diesem Blog. Ich glaube, dass dies nicht nur interessant sondern auch für andere hilfreich sein wird.

Buen Díaz

Nachdem wir heute Morgen unsanft durch Hammer- & Meißelschläge geweckt wurden haben wir gegen 10 Uhr das Haus ohne bestimmtes Ziel verlassen. Für heute ab 9 Uhr hatten sich Handwerker angekündigt, um in der gesamten WG an der Heizung zu bauen. Eigentlich waren die Handwerker bereits gestern für 8 Uhr bestellt, aber wie es eben hier so ist. Entweder kommen sie oder sie kommen nicht, oder später. Also heute Morgen kamen sie und so war nicht mehr an ausschlafen zu denken. Nach unserem Quasi-«Morgenritual» im “Café Origen” in der Perú / Humberto 1˚ mit Cafe con leche und Medialunas, sind wir einfach mal die Perú weiter hoch in Richtung Stadtzentrum gelaufen.

Belgrano

Dort haben wir spontan beschlossen, in die Subte Linea D einzusteigen und bis zur Endstation “Congreso de Tucumán” zu fahren. Wir dachten, da steht das große Kongressgebäude, was wir noch nicht gesehen haben. Naja, falsch gedacht. Einen Blick auf die Karte hätte es uns gleich gesagt, aber Buenos Aires ist die perfekte Stadt um sich auch einfach mal treiben zu lassen. Nachdem wir also an der Endstation bemerkten, dass sich das gesuchte Gebäude ganz woanders befindet, sind wir nicht zurückgefahren. Stattdessen sind wir in die ruhigeren Seitenstraßen parallel zur Av. Cabildo eingebogen. Wir befanden uns gewissermaßen am letzten Ende des Barrios Belgrano. Auf der Hauptstraße sah es aus wie überall. Viele Autos, viele Geschäfte, viele Menschen, viel Lärm und kein Schatten weit und breit für L. Die Seitenstraßen hingegen sahen aber recht vielversprechend aus. So hatten wir beschlossen, diese entlang der Av. Cabildo zu erkunden und so langsam wieder in Richtung Zentrum zu schlendern. Dabei haben wir viele wundervolle Häuser und schöne, ruhige Alleen gesehen. Belgrano ist scheinbar auch eines der besseren Wohnquartiere. So sind wir die Av. Vuelta de Obligado vorbei am Plaza Belgrano Richtung Palermo gelaufen.

Shopping Day

Auf der Höhe der Av. Olazabal haben wir dann einen coolen Klamottenladen entdeckt und dort auch gleich so einige Sachen gekauft. Shopping in Buenos Aires ist wirklich ultra-geil. Überall sind Geschäfte, die man am liebsten leerkaufen möchte. Die Preise sind niedrig und die Klamotten “fancy”. Für Shopping-Süchtige ist Buenos Aires auf jeden Fall “tödlich”. In einem nette Café etwas weiter entlang der Straße hatten wir dann unser Mittagessen (Home Made Salad, sehr lecker) und einen weiteren Kaffee. Als wir nach einigem Fußmarsch endlich in Palermo ankamen haben wir dort gleich weiter geschoppt. Palermo Soho ist allerdings nicht mehr so preiswert, und viele der Sachen, die man dort findet, kann man auch in jeder europäischen Großstadt kaufen. Die Geschäfte kannten wir ja bereits, und so war es noch mal eine gute Gelegenheit, etwas genauer zu schauen. So wurde der Tag zu einem Einkauftag.

Street Art Buenos Aires

Im Sixfeet drückte uns der Verkäufer auch gleich noch einen Flyer für eine kleine Vernissage in die Hand, die heute gegen 20 Uhr stattfinden sollte. Die Vernissage über Streetart war ganz in der Nähe.

Flyer für Streetart Vernissage in Palermo Buenos Aires

Nachdem wir den Laden gefunden hatten, sind wir erstmal was essen gegangen, da erst ab 20 Uhr dort was los sein würde und wir 8 Minuten zu früh da waren. :-) Es gehört zum guten Ton in Buenos Aires, eher zu spät oder gar nicht als zu früh zu kommen. Gegen 21 Uhr sind wir dann zurückgekehrt und haben einen ziemlich geilen Laden entdeckt. Das ganze Café/Bar war über und über mit Graffiti übersät. Sehr cool. Es war leider schon zu dunkel um Fotos davon zu machen. Im ersten Stock gab es dann die Vernissage mit der Graffiti-Kunst, die man auch gleich kaufen konnte. Wir werden den Laden die nächsten Tage noch mal besuchen. Dann gibt’s auch ein paar Fotos davon.

Heimfahrt

Mit diesen tollen Eindrücken sind wir, nachdem wir dann den Bus 39 gefunden hatten, zurück nach San Telmo gefahren. Auf der Santa Fe / Montevideo sind wir dann auch heute wieder in eine Demonstration geraten. Lauter Menschen mit Trommeln und Schüsseln, die ordentlich Radau gemacht haben. Hier wird scheinbar genauso viel oder mehr demonstriert wie in Berlin. Sehr lustig, das alles zu beobachten. Irgendwie haben wir dann auch noch die richtige Haltestelle in San Telmo verpasst und befanden uns plötzlich am Busbahnhof Constitución. Da ist es gegen 23 Uhr nicht mehr so lustig, aber es ging. Wir sind einfach mit dem Bus 39 ein paar Stationen zurück gefahren und den Rest gelaufen. Beim nächsten Mal müssen wir etwas besser aufpassen. Den Rest der Strecke sind wir dann nach Hause gelaufen.

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Ausflug nach Tigre oder ein Abenteuer in 7 Akten

März 25, 2008 · No Comments

Flussaufwärts

Tigre ist eine nordwestlich am Rande des Ballungsraums Buenos Aires gelegene Stadt, die den Porteños hauptsächlich als Naherholungsgebiet dient. Tigre liegt sehr nah am Delta des Río de la Plata und eignet sich zudem perfekt für einen Tagesausflug ohne Übernachtung.

Rio de la Plata Delta bei Tigre nahe BsAs in Argentinien

Lass uns den Bus nehmen

Der Plan war, spätestens gegen 10:30 Uhr in den Bus 60 zu steigen und direkt nach Tigre zu fahren. Naja, direkt war es nicht, da der Bus vorher durch die halbe Stadt fährt, aber da wir das alles noch nicht kannten, war der Bus für uns eine gute Wahl. Es gibt grundsätzlich drei Wege um von BsAs nach Tigre zu gelangen. Der bequemste und schnellste ist der Direktzug vom Bahnhof Retiro. Eine einfache Fahrt kostet 1,10 AR$ und man kommt genau da an wo man als Tourist hin möchte. Ein weitaus schönerer Weg, wegen der Aussicht, ist es, den Zug von Retiro nach Bartolomé Mitre zu nehmen, um dort in den “Tren de la Costa” zu wechseln. Wir haben uns jedoch für die Abenteuervariante entschieden und wollten den Bus nehmen. Es stellte sich jedoch heraus, das es nicht so einfach ist, den “richtigen” Bus zu erwischen, wenn man sich nicht auskennt. Der Guia “T” führt unter der Busnummer 60 eine Vielzahl von Busstrecken auf, von der nur eine wirklich nach Tigre führt. Da wir das nicht vermuteten, sind wir prompt erst einmal in den falschen Bus eingestiegen. Der Busfahrer erklärte uns dann aber auf Spanisch, dass wir nach einem Bus mit einem “C” ausschauhalten sollten. An der nächsten Ecke hat er uns dann wieder aussteigen lassen, um den korrekten Bus zu finden. Finden ist übrigens genau das richtige Wort, denn man sucht in BsAs tatsächlich immer nach den Haltestellen und diese können unglaublich gut versteckt sein. Busfahren(lernen) braucht seine Zeit. Ich glaube, wenn man die am häufigsten benötigten Strecken öfter gefahren ist, wird es einfacher, aber die Linie 60 war total neu für uns.

Constitución

Da wir nicht noch mehr Zeit mit der Suche verlieren wollten, sind wir gleich nach “Constitución” gelaufen. Da gibt es einen riesigen Busbahnhof und der ganze Platz ist furchtbar geschäftig und urban. Dort geht es zu wie auf einem Ameisenhaufen.

Subte und Busbahnhof “Constitución” in Buenos Aires

Ich wusste, dass der Bus definitiv irgendwo dort fahren musste, da ich diesen Tipp von einer unserer WG-Mitbewohnerin erhalten hatte. Die Haltestelle für die Linie 60 war relativ bald gefunden, und so standen wir mit anderen in einer Schlange für den 60er.

Hinweistafel am Busbahnhof “Constitución” in Buenos Aires

Ausgang der Subte “Linea C” am Busbahnhof Constitución in Buenos Aires

Eine Frau rennt zu Ihrem Bus am Busbahnhof Constitución in Buenos Aires

Tigre? Tigre?

Zur Sicherheit haben wir jemanden gefragt, welcher der vielen Busse denn nun auch in Tigre hält. Nach weiteren 20 Minuten war einer dabei mit der Nummer 60 und einem “C” vorne dran. Der Busfahrer bestätigte glücklicherweise auch, das er nach Tigre fährt. Puhh, geschafft! Um kurz nach 12 Uhr saßen wir nun endlich im richtigen Bus. (Ticket kostete 1,60 AR$). Uns war vollkommen klar, dass nun eine ziemlich lange Busfahrt vor uns liegen würde, aber das wollten wir ja so. Der Bus fährt die Strecke nach Tigre (ca. 30 km mit dem Zug) nicht direkt sondern mitten durch die Metropole und durch schwerstem Verkehr. Unglaublich, was sich auf den Straßen von BsAs so abspielt. Bei “wenig” Verkehr braucht man dafür so ca. 1 Stunde und 45 Minuten. Wir brauchten 2,5 Stunden für das Ganze. Zwischendrin wurden wir durch einen fliegenden Händler unterhalten, der während der Fahrt Socken aus argentinischer Produktion zum Kauf anbot. Dies tat er sehr zurückhaltend und charmant, aber wie brauchten leider grad keine Socken.

Wie weit ist es noch?

Die Fahrt war sehr spannend, aber länger hätte sie nicht mehr dauern dürfen. Irgendwann kann man nicht mehr sitzen, und bei dem heißen Wetter und dieser Luftfeuchte ist man in einem nicht klimatisierten Bus ziemlich schnell durchgeschwitzt. Der Busfahrer war so nett und gab uns ein Zeichen, wann wir aussteigen sollten. Es ist übrigens ziemlich empfehlenswert, den Busfahrer darum zu bitten. Selbst die Porteños machen das, da auch sie mit dem ganzen Buswirrwar manchmal so ihre Probleme haben.

Tigre und das Delta

In Tigre angekommen, haben wir uns erst mal in einem Restaurant zur Stärkung niedergelassen. Vor allem Durst hatten wir beide sehr. Nach dieser Pause wollten wir uns Tigre ansehen und vor allem eine dieser Delta-Bootsfahrten machen. Es gibt unzählige Gesellschaften, die diese Rundfahrten anbieten, aber wirklich urig sind nur die Bootsbusse. Das sind relativ kleine Holzboote, die wie Busse auf den Wasserstraßen des Deltas verkehren.

Typisches Busboot im Delta des Rio bei Tigre in Argentinien

Busboot dienen nicht nur dem Transport sondern auch der Versorgung der Einheimischen im Rio de la Plata Delta bei Tigre nahe BsAs

Busboot in Tigre am R�o de la Plata Delta nahe Buenos Aires

Man muss wissen, dass das Delta aus zusammengefasst ca. 10.000 km Kanälen, Flussarmen, Bächen und Inseln besteht. Die Leute, die dort wohnen werden mit diesen Schiffen versorgt, und erhalten so z.B. Ihre Post oder deren Kinder fahren mit diesen Schiffen in die Schule auf eine andere Insel. Eine Fahrt auf diesen Kanälen ist sehr empfehlenswert, auch wenn man als Tourist nur einen Bruchteil des Deltas zu sehen bekommt. (Kostenpunkt: 13 AR$)

Haus mit Steg im Rio de la Plata Delta bei Tigre nahe BsAs

Im Delta des Rio de la Plata bei Tigre nahe Buenos Aires

Typisches Wassergrundstück mit Haus im Rio de la Plata Delta nahe der Stadt Tigre in Argentinien

Typisches Wassergrundstück mit Haus im Rio de la Plata Delta nahe der Stadt Tigre in Argentinien

Wenn man mehr sehen wollte, müsste man vielleicht mal dort irgendwo übernachten und gegebenenfalls ein eigenes Boot chartern. Uns reichte aber die ca. 1-stündige Fahrt durch das Delta vollkommen. Man fährt an vielen schönen und alten Häusern vorbei und ahnt sofort, was das wohl mal für eine mondäne Gegend gewesen sein muss. Sie ist es immer noch, aber die Hochzeit hat Tigre wohl Anfang des vergangen Jahrhunderts erlebt, als BsAs noch eine sehr reiche Stadt war.

Altes Haus im Rio de la Plata Delta bei Tigre nahe BsAs in Argentinien

Luxushotel im R�o de la Plata Delta bei Tigre nördlich von BsAs in Argentinien

Heute boomt es dort wieder aber das alte Niveau wird sicher so schnell nicht erreicht werden. Viele Häuser können dort gekauft oder gemietet werden. Andere sind so morsch, dass man sie wohl nur noch abreisen kann bzw. die Natur das bereits erledigt hat. Daneben findet man Hotels und Restaurants links und rechts der Inseln. Auf halber Strecke mussten wir dann in ein anderes Boot wechseln, das uns wieder auf demselben Weg zurück zum Schiffsanleger bringen würde. Dort angekommen, haben wir Tigre zu Fuß weitererkundet. Ich glaube, mit dem Rad könnte man dort noch einiges anstellen, aber so ohne alles ist es dort relativ langweilig, und die Bootsfahrt auf dem Delta ist wohl das spannendste, was Tigre für Tagestouristen zu bieten hat. Tigre ist ganz anders wie BsAs, sehr ordentlich, ruhig und gepflegt und irgendwie amerikanisch aber vor allem sehr touristisch. Wer dort eine naturbelassene Umwelt sucht, wird enttäuscht sein. Das Delta ist bestens erschlossen, und Umweltschutz scheint auch hier kein ernst zu nehmendes Thema zu sein. Es ist anzunehmen, dass noch immer alles im Fluss landet, obwohl das Delta an sich einen “normalen” Eindruck macht. Ab und an sah man sogar Leute im Fluss baden. Für Europäer kommt das wohl eher nicht in Frage.

Einheimische beim Baden am Ufer des Rio de la Plata bei Tigre in Argentinien

Heimfahrt

Für die Heimfahrt mussten wir unfreiwillig den direkten Weg mit dem Zug wählen. Dabei mussten wir feststellen, dass der schöne (Um-)Weg über Bartolomé Mitre nur von BsAs aus möglich ist. Ist man bereits in Tigre kann man nur den direkten Zug nach Buenos Aires nehmen. Das war aber nicht so schlimm, denn wir waren ohnehin so müde, dass der direkte Weg der offensichtlich Beste für uns war. Vielleicht nehmen wir ein andermal den “Tren de la Costa”, um uns von dessen Schönheit zu überzeugen. Zug fahren ist ja so billig hier. Der Zug war in Tigre anfangs noch ziemlich leer. Das änderte sich aber mit jedem neuen Halt des Zuges, mit dem wir Buenos Aires näher kamen. So war der Zug alsbald ziemlich voll, und nach ca. 40-minütiger Fahrt sind wir dann in Retiro angekommen.

Ankunft mit dem Zug am Bahnhof Recoleta aus Tigre kommend

Dort haben wir dann die Subte Linea C in Richtung Constitución genommen. Eigentlich wäre Constitución der kürzeste Weg zu uns nach Hause. Wir meiden den Bahnhof allerdings nach Einbruch der Dunkelheit, da sich dort oftmals komische Gestalten rumtreiben, und man häufig von Überfällen aus der Gegend hört. Sich dort nachts als Tourist aufzuhalten, ist quasi eine Einladung für einen Überfall. So sind wir eine Station früher ausgestiegen und haben lieber den etwas längeren Fußweg in Kauf genommen. BsAs ist an sich eine sichere Stadt, so sicher wie Metropolen eben sein können. Es gibt allerdings einige Straßen und Plätze, die man nachts besser meiden sollte. Wenn man das weiß, ist BsAs ziemlich easy. Wir lieben diese Stadt!

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Einmal Kunst und dann zurück

März 24, 2008 · No Comments

Heute sind wir noch mal nach La Boca rein gelaufen, nachdem wir in San Telmo in der Perú 1086 eine große Portion Eis zum Frühstück hatten. In der Eisdiele gab es allerdings so viele leckere Sorten, dass eine Auswahl wirklich schwer fiel. Wer Eis mag, sollte der “Heladeria Dylan” auf jeden Fall mal einen Besuch abstatten. Beim zweiten Mal fühlte sich La Boca übrigens auch nicht mehr so krass an wie neulich. Inzwischen haben wir auch gelernt, dass es noch sehr viele Abstufungen nach unten gibt. Beim ersten Mal haben wir auch Barracas gestreift. Das Viertel ist schon noch mal was anderes als La Boca. Es ist sehr faszinierend, wie unterschiedlich sich eine Stadt präsentieren kann.

Wie auch immer, eigentlich wollten wir heute in La Boca das PROA besuchen. Ein Museum für Moderne Kunst. Leider haben wir dann vor Ort feststellen müssen, das es renoviert und umgebaut wird und erst im Oktober 2008 wiedereröffnet. Das ist schade, aber dann besuchen wir es eben im Oktober. :-) Durch einen Zufall hatten wir vorm PROA einen netten Kontakt mit einem einheimischen Polizisten. Er fragte uns auf Deutsch wo wir hinlaufen und wies uns nach unserer Antwort darauf hin, dass es dort nicht sicher sei. Sicher sei es für Touristen in La Boca nur in Camenito. Der Rest wäre eigenes Risiko. Wir haben es dann auch gelassen, das Viertel weiter zu erkunden, da wir wahrscheinlich nichts Interessantes mehr entdeckt hätten. Der Polizist hatte Deutschunterricht in der Schule, was wir alleine schon sehr erstaunlich fanden. Noch erstaunlicher war allerdings, dass er es noch recht gut konnte. Ich glaube er hatte Spaß dabei, mit uns auf Deutsch zu sprechen. Die Menschen hier sind wirklich fantastisch.

Von Boca haben wir dann den Colectivo 39 genommen und sind am Plaza de Mayo ausgestiegen. Eine Station früher wäre allerdings besser gewesen, da wir in den Bus 130 wechseln wollten. Aber dann hätten wir nichts von der Demonstration am Plaza de Mayo mitbekommen. Zum Jahrestag der Beendigung der Militärdiktatur 1983 wurde heute der verschollenen Opfer gedacht. Überhaupt war heute Demotag in BsAs, denn auch am Plaza Dorrego und in der Av. Defensa, ganz bei uns in der Nähe, fanden lautstarke Demos statt. Worum es da ging, wissen wir nicht.

Demostration auf dem Plaza de Mayo zum Jahrestag des Endes der Militärdiktatur

Wir sind dann jedenfalls eine Station zurück gelaufen und haben den Bus 130 bis zum MNBA genommen. Das liegt direkt gegenüber der peronistischen Universität. Das “Museo Nacional de Bellas Artes” verfügt über eine recht große Sammlung lateinamerikanischer und europäischer Kunst vieler Epochen. Wir haben mit den argentinischen Künstlern begonnen, da wir diese am wenigsten kennen. Also sind wir gleich in die erste Etage gegangen.

“D�a Gris” von Justo Lynch aus dem Jahre 1913 mit der La Boca Brücke im Hintergrund

Von dort aus lohnt es sich, gleich in den zweiten Stock zu gehen, denn da sind vor allem argentinische Fotografien ausgestellt. Dort kann man z.B. sehr alte oder auch neuere Aufnahmen aus dem Alltag der Menschen sehen. Oder auch herrlich zurechtgemachte Fotos von den damaligen wohlhabenden Familien.

Wohlhabende Familie aus Buenos Aires um die Jahrhunderwende 1900

Im zweiten Stock gibt es übrigens zwei Terrassen, die einen guten Blick auf das Grün der Stadt und der “Facultad de Derecho” gewähren. Im Erdgeschoss, wenn man am Museumshop vorbei geht, gelangt man in einen Zwischenbau, in dem die Ausstellung “Signos de Existencia” präsentiert wurde.

Der Zwischensaal des MNBAs in Buenos Aires

Dort stellten sehr viele junge Künstler ihre modernen Werke aus, meist Fotografien, Videokunst oder Installationen. Sehr spannend, und für uns das Highlight im ganzen Museum. Das Museum befindet sich übrigens in der Av. Libertador 1478 und öffnet dienstags bis freitags von 12:30 - 19:30 und samstags, sonntags sowie an Feiertagen von 9:30 bis 19:30. Der Eintritt ist frei. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Nach dem MNBA sind wir durch “Barrio Norte” geschlendert. Dort befindet sich ein Luxusladen neben dem anderen, und alle Nobelhotels haben dort eine Niederlassung. Was für ein krasser Gegensatz zu La Boca. Da bereits die Dunkelheit über uns rein gebrochen war, sind wir noch durch das “Puerto Madero“-Viertel gelaufen, das sich abends effektvoll im Lichterglanz präsentiert.

Das Puerto Madero Viertel von Buenos Aires bei Nacht

Auf dem langen Rückweg haben wir noch in San Telmo in einem atmosphärischen Restaurant an lauer Sommerluft gegessen. Das “La Rosalia” ist besonders bei Touristen beliebt, denn so viel Deutsch und Englisch wie dort haben wir die ganze Zeit bisher in BsAs nicht gehört. Der Besuch lohnt sich schon allein wegen des szenischen Hofs, in dem die Tische des Restaurants stehen.

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Downtown Buenos Aires

März 23, 2008 · No Comments

Heute sind wieder unglaublich schöne und interessante Eindrücke auf uns eingeprasselt. Bereits bei der Suche nach einem geeigneten Café in San Telmo, in dem wir noch nicht waren, haben wir ein ganz tolles Café entdeckt. Dort hatten wir einen wirklich großen und guten Café con leche mit Schaumkrone und dazu mehrere, total köstliche Medialunas. So gestärkt konnten wir in den Tag starten. Ich werde den Namen des Cafés nachreichen da wir sicher mal wieder hingehen werden.

Museo Historico Nacional del Cabildo y del la Revolucion de Mayo in Buenos AiresDanach sind wir als erstes in Richtung Plaza de Mayo aufgebrochen und haben uns dort, das “Museo Histórico Nacional del Cabildo y de la Revolución de Mayo” angesehen. Die Dauerausstellung war übersichtlich und nachvollziehbar aber man könnte sicher mehr aus dem Thema rausholen. Der Eintritt ist frei und es gibt Informationsmaterial in Spanisch und Englisch am Eingang. Das Museum hat jeden Tag geöffnet außer Montag. Weil wir schon in der Nähe waren haben wir uns noch die “Catedral Metropolitana de Buenos Aires” angesehen. Im Inneren gibt es viele Gemälde und Skulpturen, vor allem von italienischen Künstlern, und das Mausoleum von José de San Martín zu sehen.

Danach sind wir ins Microcentro weitergezogen, dem sonst so geschäftigen Bankenviertel der Stadt. Heute war der perfekte Tag, um das Viertel in aller Ruhe zu besuchen. Es war so friedlich dort und Autos und Fußgänger musste man quasi suchen. Centro Cultura Borges in der Galeria Pacifico Buenos AiresDie Gehsteige hatte man für sich, und so konnte man das Quartier gut erkunden. An der Av. Viamonte / San Martín fanden wir dann auch gleich das “Centro Cultural Borges“, das wir uns unbedingt angucken wollten. Das Zentrum befindet sich in der Einkaufspassage “Galerías Pacífico” in den oberen Stockwerken.

Ein Exponat der Ausstellung “Corpus” von Catharina Burman in Buenos AiresDort gab es so unterschiedliche Ausstellungen zu sehen wie die der Catarina Burman, in der es um Körper ging. Eine andere Ausstellung beschäftigte sich z.B. mit der Magie, die die Bilder des spanischen Malers Joan Miró umgibt. Besonders interessant war der Film, der den Künstler porträtierte und in Gesprächen zeigte. Dabei gab es ziemlich witzige und bizarre Szenen zu sehen. Über den Stil von Miró kann man sicher streiten, aber über die Persönlichkeit Miró nicht. Dieser ist schon recht außergewöhnlich. Danach haben wir uns die Fotoausstellung “Rene Burri un mundo” angesehen. Zu sehen waren viele Fotos aber auch einige Fotomontagen und Collagen des Schweizer Fotografen. Unglaublich wie der Mann in der Welt rumgekommen ist. So gut wie aus jedem Winkel der Erde gab es Bilder meist dokumentarischer Natur. Besonders hervorzuheben sind die berühmten Bilder des in Argentinien geborenen Che Guevara. Diese zeigen den kubanischen Revolutionsführer in ziemlich lässigen Posen. Schöne und geschichtsträchtige Fotos. Schön war auch die dokumentierte Akribie des Rene Burri. So gab es u.a. eine bunte Vielfalt an Flugtickets zu sehen, die er wohl gesammelt hat. Viele Flugtickets von Gesellschaften, die schon lange nicht mehr existieren, so wie die legendäre Pan Am. Auch die Zusammenstellung seiner Presseausweise aus der ganzen Welt war sehenswert.

Nach den Ausstellungen sind wir weiter nach Retiro gelaufen und haben uns dort den gleichnamigen Bahnhof angesehen. In Wahrheit sind es drei Bahnhöfe nebeneinander. Jeder hat so seinen ganz speziellen, lateinamerikanischem Charme. Hier scheint die Zeit stehen geblieben, und es macht Spaß die vielen kleinen Details in jedem der Bahnhöfe zu entdecken. Bahnhof Nummer 3 des Bahnhofkomplexs Retiro in Buenos AiresHeute war perfekterweise relativ wenig los, was an einem Werktag sicherlich ganz anders aussieht. Nur unweit vom Bahnhof gibt es einen riesigen Busbahnhof, an dem man Bustickets zu allen möglichen Zielen Südamerikas kaufen kann. Wie wäre es mit einer Busfahrt in die argentinische Provinz oder angrenzenden Ländern? Wenn man den passenden Schalter findet, ist sicher vieles möglich. In diesem Busbahnhofkomplex kann man Südamerika sehr intensiv spüren. Überall Menschen mit den unterschiedlichsten, ethnologischen Einschlägen. Busfahren ist in Südamerika eher die Qual der Wahl der ärmeren Bevölkerung. Hier kommen täglich Busse aus allen Richtungen des Kontinents an oder fahren ab. Ein bisschen in dem Gewusel zu verweilen, hat seinen Reiz.

Die historische U-Bahn der Linea A in Buenos AiresNach diesen Eindrücken sind wir zurück zum Plaza de Mayo um dort eine U-Bahn Fahrt mit der nostalgischen Linie A anzutreten. Subte fahren ist ohnehin sehr interessant in BsAs, aber die Bahn auf der Linea A hat ihren ganz besonderen Reiz. Die Wagen sind aus Holz und stammen aus einer längst vergangenen Zeit. Ganz ähnlich den alten Stadtbahnen in Berlin, die noch bis Mitte der 90ziger Jahre auf dem S-Bahnring fuhren. Die Fenster können geöffnet werden und die Türen schnappen bereits kurz nach dem Einstieg klappernd zu. Eine Fahrt bis zur Endstation Primera Junta und zurück sollte man unbedingt mal machen. Das lohnt sich. Wir sind an der Endstation erst mal ausgestiegen und haben dort in der Confiteria “El Greco” einen