Nach einem herrlich entspannten Sonntag in Montevideo freuten wir uns auf einen neuen Tag in Montevideo. Die Stadt hatte sich uns Samstag und Sonntag auf so unterschiedliche Weise präsentiert, dass wir auf einen ganz normalen Werktag in dieser Metropole gespannt waren. Heute wollten wir auf jeden Fall mal die Museen der Stadt besuchen. Montag ist ein Werktag und da sollten wir nicht allzu oft vor verschlossenen Türen stehen, auch wenn Museen gern mal am Montag geschlossen haben. Gegen 10 Uhr haben wir im Hostel ausgecheckt, da heute unser vorerst letzter Tag in Uruguay sein sollte. Wie wir genau nach Buenos Aires kommen, wussten wir noch nicht, aber da boten sich einige Wege an. Der Portier sagte uns, dass die Verkaufsstelle von Buquebus sich in unmittelbarer Nähe des Hostels befindet.
Buquebus
Wir haben noch kurz eine Recherche am Internet-Terminal im Hostel gemacht, um grob abzuschätzen, mit welchen Kosten wir rechnen müssen. Im Verkaufsbüro ließen wir uns dann genauer über die Möglichkeiten und Kosten der Reise nach Buenos Aires aufklären. Der einfachste Weg war auch der teuerste. Mit der Schnellfähre kann man in drei Stunden in BsAs sein. Eine andere Möglichkeit wäre, mit dem Bus 2,5 Stunden zurück nach Colonia zu fahren und von dort die Fähre zu nehmen. Noch günstiger wird es, wenn man von dort einen weiteren Bus nach Buenos Aires nimmt. Wir wollten aber nicht den ganzen Tag im Bus verbringen und auch noch so viel Zeit wie möglich in Montevideo verbringen. Also haben wir uns für die Schnellfähre entschieden. Das Ticket kam um die 75 US$ (ca. 48 EUR) pro Person, und so haben wir die letzte Fähre um 19:15 gebucht. Das war ziemlich perfekt, denn so konnten wir noch den ganzen Tag hier verbringen und die Stadt unsicher machen.
Quirlige Altstadt
Nachdem das geklärt war sind wir in die Altstadt und haben sie fast nicht mehr wieder erkannt. Plötzlich tobte dort das pralle Leben, nachdem man gestern mit dem Besen durchgehen konnte. Viele Läden links und rechts der Av. Sarandi waren geöffnet, und die Straße entpuppte sich als Einkaufs- und Flaniermeile. Ebenso hatten viele Straßencafés geöffnet und überall waren Menschen. Wow, das ist also das urbane Montevideo, das man wohl so nur unter der Woche erleben kann.

Vorgestern waren wir bereits in der Nähe des Hostels an einem Kulturzentrum vorbei gelaufen, das von außen schon ziemlich interessant aussah. Die Fassade war sehr modern aufgehübscht, und zu dem Zeitpunkt als wir daran vorbei liefen, fand gerade ein Fotoshooting vor den Schaufenstern statt. Nach einem kurzen Fußweg hatten wir das Gebäude auch wiedergefunden. Das CCE befindet sich in der Avenida Rincón 629. Von der Plaza Independencia ist es nur ein kurzer Weg dorthin. Leider waren wir 40 Minuten zu früh dran. Das Zentrum öffnete erst um 11:30 Uhr seine Räumlichkeiten. So mussten wir wohl noch mal wiederkommen. Die Zeit bis dahin totzuschlagen sollte uns allerdings nicht schwerfallen. Das Altstadtviertel, so entfesselt wie es vor uns lag, kannten wir nicht. So sind wir durch die Straßen geschlendert und haben u.a. das bunte Treiben an der “Plaza Matriz” beobachtet.
Centro Cultural de España
Gegen halb 12 sind wir zurück zum Centro Cultural de España gelaufen. Wir waren die ersten Besucher. Der Portier knipste für uns die Monitore an und zog die Rollos hoch. Eilig hat es hier niemand und das ist total angenehm. Im Eingangsbereich gab es die kleine Design-Ausstellung “Living Spain” zu sehen, in der Einrichtungsgegenstände und Accessoires gezeigt wurden. Nichts wirklich Spektakuläres aber nett anzusehen.

In der untersten Etage konnte man sich lateinamerikanische Videokunst auf mehreren LCD-Fernsehern ansehen. Jeder Bildschirm war thematisch unterteilt, und auf einer großen Leinwand in der Mitte des Raumes liefen abwechselnd Sequenzen aus allen Beiträgen. Jeder LCD-Bildschirm war mit jeweils einem Paar Kopfhörern ausgestattet. In einen Film fuhr z.B. ein Mann auf einem Mofa durch die Pampa von Brasilien. Dabei fuhr er durch die unterschiedlichste, wunderschöne Natur. Der Clou war allerding die Trompete die im Auspuff des Mofas steckte. So gab es je nachdem über welchen (Straßen-)Belag er fuhr oder je nachdem wie er beschleunigte oder abbremste die unterschiedlichsten Töne aus der Trompete. Das fand ich eine sehr coole Idee und wirklich gut geschnitten (Videoschnitt). Die Filme, die folgten waren alle zum Thema “Música para los ojos”, also zu Deutsch “Musik für die Augen”. Das brachte die Sache genau auf den Punkt. Zwei Bildschirme weiter flimmerte eine ruhige Kamerafahrt durch ein äußerst prächtiges Operntheater, an dem der Zahn der Zeit bereits gründlich genagt hatte. Wenige Augenblicke später wurde dazu eine nackte Frau in diese Szenerie montiert. Die Frau bewegte sich schwimmend durch das Theater. Untermalt wurden die Szenen mit klassischer Musik. Das war sehr zauberhaft. Wir haben ziemlich viel Zeit in diesem Raum verbracht und uns alle Bildschirme angesehen. Alle Sequenzen in voller Länge zu sehen, hätte jedoch mindestens 6 Stunden gebraucht.

Wer in Montevideo ist sollte unbedingt mal dieses Kulturzentrum besuchen. Schon alleine das Innere des Gebäudes ist den Besuch wert. Ruhig auch mal die Stockwerke nach oben gehen. In einem Stock ist ein Café versteckt und noch weiter oben sind Büroarbeitsplätze für die Mitarbeiter. Geöffnet hat es von Montag-Freitag 11:30 - 20:00 Uhr und samstags von 11:30 - 18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei und die Ausstellungen wechseln ständig.

Architektur von Montevideo
Man sagt, dass sich Montevideo bis zum Ende der 1920er Jahre, also bis zur Weltwirtschaftskrise, auf gleicher Augenhöhe mit Buenos Aires befand. Nach der Weltwirtschaftskrise ging es allerdings für beide rapide abwärts. Die zwei Städte standen schon immer in ständiger Konkurrenz zueinander und dieser Umstand ist deutlich zu sehen. Besonders in der Architektur beider Städte kann man das heute noch nachvollziehen. Es gibt so viele Gebäude, die in einer ähnlichen Ausführung auch in Buenos Aires stehen bzw. standen.

Während in Buenos Aires viele der alten Häuser den städtebaulichen Maßnahmen zum Opfer fielen, ist in Montevideo eine weitaus breitere Vielfalt an Häusern und Gebäuden erhalten geblieben. Bei einem Spaziergang durch die Av. 18 de Julio kann man das sehr deutlich beobachten. Hier wechseln sich (historischer) Eklektizismus (französischer, italienischer und spanischer Art), Bauhaus, Art Déco, Niederländischer Expressionismus sowie Spanischer und Italienischer Neoklassizismus ab, um nur einige Baustile zu nennen.

Dabei entsteht ein wirklich beeindruckendes und teilweise skurriles Stadtbild. Manche Gebäude sind so unwirklich und gewaltig, dass man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt. Kein Foto kann diese Pracht auch nur annähernd vermitteln auch wenn viele der Gebäude ihre beste Zeit bereits erlebt haben. Montevideo muss man einfach gesehen haben.


Ich möchte schon allein wegen der prachtvollen Architektur dorthin zurück. In drei Tagen kann man das Thema nur anreißen. So haben wir den Nachmittag u.a. damit verbracht, die fantastischen Häuser zu studieren. Wenn man sich an der Plaza Fabini befindet und am Beginn der Av. Libertator steht (Richtung Nordosten) kann man eine ziemlich beeindruckende Straßenschlucht sehen, an deren Ende, ganz weit in der Ferne, der mächtige Regierungspalast thront.

Sehr beindruckend. Wir sind der Straße einfach mal gefolgt und nach einem langen Fußmarsch haben wir schließlich den Regierungspalast erreicht. Leider konnte man ihn nur von außen besichtigen. Im Innern standen Wachen in Traditionsuniformen, soviel konnte man jedoch sehen.

Avenida Tristan Narvaja
Da es langsam Zeit wurde, sich wieder in Richtung Altstadt zu orientieren, sind wir über die Av. D. Fernandez Crespo in Richtung Av. 18 de Julio gelaufen. Dabei wollten wir uns noch die in der Karte andersfarbig markierten Straßenzüge ansehen, in deren unmittelbarer Nähe wir uns bereits befanden. Wir entdeckten das San Telmo von Montevideo. Überall gab es Buchläden, die zum überwiegenden Teil nur gebrauchte Bücher hatten. Die überwiegenden Titel zählten zur Bildungsliteratur und waren oftmals philosophischer, politischer oder geschichtlicher Natur. Auf der ganzen Av. Tristan Narvaja reihte sich Buchladen an Buchladen sowie Antiquitätengeschäft an Antiquitätengeschäft.

Dazwischen immer mal wieder ein Café und eine Universität. Die Straße soll am Wochenende besonders schön sein, da dann in ihr und den Nachbarstraßen ein großer Kunst- und Straßenflohmarkt stattfinden. Leider zog sich gegen 16 Uhr der Himmel gänzlich zu, und wenig später fing es ganz leicht an, zu regnen, und es wurde kühl. Langsam aber sicher kamen wir auch der Av. 18 de Julio näher. Dort hatten wir einen Kaffee in einem McCafé. Auf dem weiteren Weg in die Altstadt sind wir zum wiederholten Mal am “Palacio Municipal” vorbei gekommen. Leider hatte dieser immer geschlossen. Heute war das anders, und der Vorplatz des Gebäudes war bereits “gut besucht”.
Palacio Municipal & Palacio Díaz
Das riesige Gebäude im “Modern Heterodoxa”-Stil ist das Rathaus von Montevideo und zentrale Anlaufstelle für seine Einwohner. Wir sind einfach mal reingegangen und haben uns den Koloss von innen angesehen. Drinnen gab es für uns nicht viel zu sehen, da wir nur Besucher waren. Im hinteren Eingangsbereich gab es ein kleines Café, das aus einem Metallgerüst “aufgebaut” war. Sah ziemlich lustig aus das Ganze. Gleich vorne an der Eingangspforte klebt ein riesiges Satellitenbild von Montevideo auf dem Boden. Und so konnten wir viele kleinere Details nur schon allein im Eingangsbereich entdecken.

Weiter entlang der Av. 18 de Julio standen wir noch eine Zeit lang vor dem Palacio Díaz und bewunderten sein abstrakt-futuristisches Aussehen. Ein alter Mann muss uns wohl dabei beobachtet haben und sprach uns an. Er erzählte uns, dass er noch ein kleiner Junge war, als das Gebäude errichtet wurde (1929), und ein paar weitere Details, die wir leider nicht verstanden haben. Daraufhin wollten wir aber versuchen, mal in das Gebäude zu gehen. Bereits unten wurden wir vom Portier aufgehalten und gefragt, wo wir hin wollen.

Er fragte uns in welchen Stock wir wollten, aber da wir in dem Haus niemanden kannten, kamen wir hier nicht weiter. Er meinte das Haus sei ein privates Wohnhaus und nicht für Touristen zugänglich. Im unteren Bereich gab es nur eine riesige Bowlingbahn zu sehen. Wie auch immer. Es empfiehlt sich sehr, mit offenen Augen durch die Straßen zu laufen. Es lohnt sich auch ruhig mal die Straßenseite zu wechseln. Nachdem wir irgendwann wieder an der Plaza Independencia angelangt waren, sind wir zum Teatro Solís gelaufen. Auch dieses Gebäude, im historischen Eklektizismus von 1846, ist wunderschön anzusehen. Leider gibt es montags keine Führungen und so blieb auch dieses Gebäude nur von außen für uns erschließbar. Gleich gegenüber dem Solís Theater liegt ein sehr nettes Café, dessen Namen ich leider vergessen habe. Die Einrichtung ist sehr schön gemacht und vor allem die Stühle sind uns gleich ins Auge gefallen. Dort hatten wir eine Cola, Kaffee und jeder einen Riesenmedialuna. Das Café wird scheinbar von einer Deutschen geführt. Wir hörten sie fließend deutsch reden und sie verabschiedete sich wenig später mit “Auf Wiedersehen” von uns. Sehr lustig und überall in der Gegend trifft man auf viele Deutsche. Leider hatten wir keine Zeit mehr für ein Gespräch. Wäre sicher interessant gewesen.
Abfahrt gen Buenos Aires
Pünktlich wie die Maurer waren wir dann gegen 18:30 bereits im Terminal von Buquebus. Natürlich mussten wir wieder Ausreisepapiere ausfüllen, aber komischerweise hat sich niemand dafür interessiert. Weder in Uruguay noch in Argentinien wollte die jemand sehen oder haben. Die haben uns in Uruguay einfach wieder zwei Stempel in den Pass gedrückt, und das war es dann auch schon. Die Fähre, mit der wir nach Buenos Aires fuhren, war riesig und konnte diesmal auch Autos mitnehmen. Mit einer kleinen Verspätung von 10 Minuten legten wir schließlich ab und kamen gg. 22:30 Uhr in Buenos Aires an.

Dort haben wir dann zum ersten Mal die Tram benutzt. Die Bahn fährt dort bereits seit 2005, sieht aber noch total neu und unbenutzt aus. Wir waren die einzigen Fahrgäste und so kamen wir schließlich doch noch in den Genuss einer Tramfahrt. Irgendwie macht die Streckenführung keinen Sinn und lässt vermuten, dass die Tram nur zur Promotion des exklusiven Hafenviertels dient. Wie haben in der Tram nie viele Leute gesehen, und Käufer der Luxuswohnungen am Puerto Madero fahren sicher auch keine Tram. Wir sind bis zur Endstation gefahren und den Rest in die Casa Perú gelaufen. Kaputt und erledigt sind wir dann wenig später ins Bett gefallen.































