Cementerio de la Recoleta

Kein Besucher von Buenos Aires kommt daran vorbei, wenn er Argentinien ernsthaft kennenlernen möchte. Der einzigartige Friedhof im Herzen von Recoleta ist auch weit mehr als nur eine schnöde Touristenattraktion. Man sagt, dass dort die gesamte Geschichte Argentiniens begraben liegt. Schriftsteller, Präsidenten, Industrielle etc. aus längst vergangenen Zeiten fanden hier ihre meist pompöse, letzte Ruhestätte.

Frau mit Hund Mausoleum auf dem Friedhof in Recoleta Buenos Aires

Gruft an Gruft

Der Friedhof erstreckt sich über ein ziemlich großes Gelände. Den Haupteingang findet man in der Avenida Junin. Die Verkehrsanbindung mit der Subte bzw. Colectivo sind ausgezeichnet und ein Besuch des Friedhofs ist kostenlos. Wir sind mit dem Bus 29 bis Avenida Cordoba und Callao gefahren und sind den Rest dorthin gelaufen. Am Eingang des Friedhofs kann man eine Übersichtskarte mit allen „wichtigen“ Grabstätten kaufen. Dieser kann ziemlich nützlich sein, wenn man es genauer wissen möchte. Ansonsten lohnt es sich, auch einfach nur so durch die Gänge und Wege zu schlendern und die monumentalen Gruften und Mausoleen auf sich wirken zu lassen.

Blick auf Buenos Aires vom Friedhof in Recoleta

Dabei kann man wirklich großartige Perspektiven genießen und so manches (Bau-)Meisterwerk entdecken, das entweder durch seinen Gigantismus oder inzwischen morbiden Charme auf sich aufmerksam macht. Der Totenkult in Argentinien unterscheidet sich nicht grundsätzlich zu unserem, denn auch in Europa lassen sich solche außergewöhnlichen Friedhöfe finden. Man kann jedoch für uns etwas merkwürdige Szenen beobachten: z.B. Leute, die in ihre oft tiefen Familiengruften absteigen, um dort dann (wahrscheinlich) ihrer Toten zu gedenken. Eigentlich sah und hörte sich alles aber eher nach einer lebhafte (Familien-)Versammlung an, aber das sind nur Mutmaßungen. Vielleicht war auch einfach nur Putztag und man hielt Smalltalk.

Putztag in einem der vielen Mausolen auf dem Friedhof in Recoleta Buenos Aires

Der Friedhof wird auch heute noch regelmässig für Bestattungen genutzt. Die letzte uns aufgefallene Bestattung fand im Jahr 2003 statt. Auf diesen Friedhof werden ohnehin nur Menschen von besonderer Bedeutung bestattet. Die meisten Besucher kommen auch hauptsächlich nur wegen IHR. So wundert es kaum, dass man am Mausoleum von María Eva Duarte de Perón (Evita) nicht ganz allein ist. Das Grabmal sieht im Vergleich zu den vielen anderen recht unauffällig aus und ohne zu fragen, hätten wir es wahrscheinlich auch nicht gefunden.

Sagen, Mythen, Halbwahrheiten

Um den Friedhof ranken sich auch so manche Schauergeschichten, wie die des ehemaligen Friedhofsnachtwächters David Olano aus dem Jahre 1910. Der italienische Einwanderer war so besessen von der Idee ebenfalls dort bestattet zu werden, das er bis zur Erschöpfung arbeitete, um genügend Geld für eine Parzelle zu sparen. Als er das Geld endlich zusammen hatte war sein Mausoleum bereits bis ins kleinste Detail geplant. Nur kurze Zeit nachdem alles weitere arrangiert war, beging er Selbstmord. Man sagt, dass er noch heute jede Nacht seine Runde durch den Friedhof geht, und man dabei seine Schlüssel klappern hört. Geschichten wie diese gibt es viele und ich kann jedem einen Besuch des Friedhofs nur empfehlen. Sehr eindrücklich und geschichtsträchtig. Ganz besonders beliebt scheint der Friedhof bei Katzen zu sein. Auf dem ganzen Gelände wimmelt es nur so von Katzen, die im Schatten dösen und sich ab und zu von Besuchern streicheln lassen.

Hier ein paar weitere Eindrücke:

Friedhof in Ricoleta Buenos Aires 1

Friedhof in Ricoleta Buenos Aires 2

Friedhof in Ricoleta Buenos Aires 3

Friedhof in Ricoleta Buenos Aires 4

Friedhof in Ricoleta Buenos Aires 5

Friedhof in Ricoleta Buenos Aires 6

Friedhof in Ricoleta Buenos Aires 7

Friedhof in Ricoleta Buenos Aires 9

Friedhof in Ricoleta Buenos Aires 8

Das Innere eines Mausoleums auf dem Friedhof in Recoleta

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2 Antworten zu “Cementerio de la Recoleta

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