Salz auf unseren Lippen

Wie bereits angekündigt, haben wir noch einen Tag in Punta del Este angehängt. Unsere Vermieterin hatte nichts dagegen und so stand einem weiteren Tag am Meer nichts im Weg. Aufgrund der Hitze sind wir erst am frühen Nachmittag aus dem Haus. Für heute hatten wir uns die weiter von Punta del Este entfernten Strände vorgenommen. Außerdem wollten wir die Casa Pueblo besichtigen.

Busfahrt nach Chihuahua

Nach einem Fußmarsch zu unserem Strandabschnitt an der Rambla Lorenzo Batlle Pacheco (Routa 10), haben wir die Linie 20 in Richtung Punta del Este genommen. Der Busfahrer erklärte uns, dass wir ein Kombinationsticket (Preise sind entfernungsabhängig.) brauchen würden. Wir müssten auf jeden Fall umsteigen, um zum Strand von Chihuahua zu gelangen. Kurz vor dem eigentlichen Busterminal, an einer Stelle wo viele andere Leute mit Kombinationstickets ausstiegen, sind wir einfach mit ausgestiegen. Eine Frau erklärte uns, dass wir von hier bis zum Terminal Maldonado fahren müssten, um von dort einen weiteren Bus zu nehmen. Kurz vorm Busterminal Maldonado gab uns die Frau einen Hinweis, dass wir jetzt umsteigen müssen. Am Terminal standen bereits einige Busse zur Abfahrt bereit, aber welcher fährt nun nach Chihuahua? Der mit der Nummer 100 sah gut aus. Auf dem stand “Piriápolis“ und ich wusste anhand der Karte, dass die Richtung schon mal stimmen musste. Also haben wir die Busfahrerin gefragt, sie bejahte unsere Frage und wir sind eingestiegen. Für diese Fahrt brauchten wir jedoch ein neues Ticket. Das Kombinationsticket ist mit einmal umsteigen abgefahren. Und dann ging es auch schon weiter. Wir saßen bei geöffnetem Fenster und beobachteten die Umgebung. Der warme Sommerwind blies uns dabei ins Gesicht.

Playa Chihuahua, Playa Solana del Mar und Playa Portezuelo

Kurz nach dem wir Punta Ballena passiert hatten, wurde auch schon die Haltestelle Chihuahua von der Busfahrerin ausgerufen. Die Playa Chihuahua liegt in unmittelbarer Nähe zum kleinen Flughafen von Punta del Este. Von dort kann man in 45 min, zum Beispiel mit Pluna, nach Buenos Aires fliegen. Jedenfalls sind wir dort ausgestiegen und eine recht lange Straße bis ans Meer gelaufen. Der Küstenabschnitt mit den Stränden Playa Chihuahua, Playa Solana del Mar und Playa Portezuelo liegt von Punta del Este aus gesehen in Richtung Montevideo und verläuft von Ost nach West. Er gilt als weniger gefährlich als die Strände auf der anderen Seite von Punta del Este, wo wir gestern waren. Die Brandung ist hier nicht so stark. Daher tummeln sich hier auch eher die Familien mit Kindern (Playa Solana del Mar, Playa Portezuelo). Wenn man mehr Ruhe sucht, sollte man eher weiter westwärts (Richtung Montevideo) laufen zur Playa Chihuahua.

Einsamer Strand Playa Chihuahua bei Punta del Este, Uruguay

Playa Solana del Mar bei Punta del Este in Uruguay

Da gibt es kilometerlange, einsame Strände, wo sich u.a. die FKK-Anhänger versammeln. Zunächst sind wir in diese Richtung gelaufen, zu den einsameren Stränden. An einer ruhigen Stelle haben wir dann ausgiebig gebadet und das erfrischende Meer genossen. Es war gerade Ebbe und der Atlantik gab eine kleine Sandbank frei, die regelmäßig von den Wellen überspült wurde. Auf dieser ließ es sich herrlich laufen. An einer Stelle hatte sich bereits ein kleiner See abgeteilt, der bei Hochwasser Verbindung zum Meer hat. Das Wasser stand darin und war unglaublich warm, wie in einer Badewanne. Hier sind wir dann umgekehrt. Wir wollten ja noch die Casa Pueblo sehen, die man ganz weit in der Ferne nur noch schemenhaft erahnen konnte. Und so liefen wir Kilometer um Kilometer zurück. Von der Playa Chihuahua vorbei an der Playa Solana del Mar bis zur Playa Portezuelo. Mit jedem Meter, den wir zurücklegten, wurden die Strände voller, lauter und wahnsinnig touristisch.

Familienstrand Playa Portezuelo bei Punta del Este in Uruguay

Je touristischer es wurde, umso dichter kam die Bebauung ans Wasser. Die Region um Punta del Este erlebt seit einigen Jahren einen exzessiven Bauboom und so wundert es kaum, dass viele luxuriöse Privathäuser direkt in den Dünen gebaut wurden und noch immer werden. Von hier aus konnten wir nicht am Strand weiterlaufen, da uns Felsklippen den Weg versperrten. So mussten wir irgendwie auf die Hauptstraße kommen. Auf dem Weg dorthin sprach uns eine Frau an, die bemerkt hatte, dass wir deutsch sprachen, und fragte, ob wir nach Punta del Este wollten. Als wir ihr erklärten, dass wir erst noch nach Punta Ballena wollten, um die Casa Pueblo anzuschauen, bot sie an, uns ein Stück in die Richtung mitzunehmen. Wir nahmen dankend an und stiegen in ihr blaues, Jeep-artiges Auto, das wahrscheinlich bei uns schon 1972 keinen TÜV mehr bekommen hätte. Ein herrliches Ding. Das einzige, was gut funktionierte, war der Anlasser. Einen Gang einzulegen, war dann schon ein mittelschwerer Kraftakt, was das Getriebe mit lautem Stöhnen quittierte. Das Auto war etwas schwach auf der Brust, es krächzte und röchelte, so dass wir es im Schneckentempo gerade so auf den Felsen schafften, an dessen Hang die Häuser von Punta Ballena gebaut sind. Der Geräuschpegel im Auto war so unglaublich laut, dass wir uns kaum unterhalten konnten. Sie erzählte uns, wie sehr sich die ganze Gegend hier in den letzten Jahren verändert hat. Wir erfuhren auch, dass sie 2 Jahre in Hamburg lebte. Dann fragte sie uns, ob wir schon in Rocha waren. Sie sagte, dass sie es dort viel natürlicher und nicht so zubetoniert und überlaufen findet und die Region ein echter Geheimtipp wäre. Rocha liegt von Punta del Este ca. 200 Kilometer entfernt in Richtung Brasilien an der Atlantikküste. An der Straße, die direkt zur Casa Pueblo führt, setzte sie uns schließlich ab und wir haben wir uns verabschiedet. Was für ein Glück wir hatten: Zu Fuß wäre dieser Marsch nicht nur lang und anstrengend gewesen, sondern auch ziemlich gefährlich, weil er direkt entlang einer vierspurigen Schnellstraße verläuft.

Casa Pueblo

An der Straße zur Casa Pueblo erwartete uns gleich die nächste Steigung, an deren höchstem Punkt wir mit einer wunderschönen Fernsicht auf Punta del Este belohnt wurden. Nach geschätzten anderthalb Kilometern zu Fuß erreichten wir dann endlich die Casa Pueblo.

Die Casa Pueblo an der Punta Ballena Nahe Punta del Este in Uruguay

Die Casa Pueblo an der Punta Ballena Nahe Punta del Este in Uruguay

Mittlerweile stand die Sonne schon ziemlich tief und tauchte das weiße Gebäude in ein zauberhaftes Licht. Die Casa Pueblo ist eigentlich ein Hotel. Sie wurde von dem uruguayischen Künstler Carlos Páez Vilaró erbaut. Die Architektur erinnert ein wenig an Gaudí. Es gibt in dem Gebäude außerdem eine Gallerie des Künstlers und eine kleine Bar. Beides kann man sich nach Entrichtung eines Obolus (5US$ oder 120 UY$) auch als Besucher anschauen. Die Gallerie war recht überschaubar. Man kann dort Werke des Künstlers erwerben und etwas über seine Beziehung zu Pablo Picasso erfahren, wenn man spanisch kann.

Gallerie Vilaró in der Casa Pueblo an der Punta Ballena nahe Punta del Este in Uruguay

In einem anderen Raum lief ein Film mit englischen Untertiteln über die besondere Architektur, sowie über das Leben und Schaffen von Carlos Páez Vilaró. Auf einer Terrasse standen viele Stühle in mehreren Reihen, die einzig und allein dem Zweck dienten den Sonnenuntergang zu zelebrieren. Wir haben jedoch nicht solange gewartet, sondern sind wieder zurück zur großen Straße gelaufen. Dort haben wir in der Nähe der Stelle, wo wir vorher raus gelassen wurden, auf den Bus nach Punta del Este gewartet. Außer uns wartete bereits ein argentinisches Pärchen, das auch nach Punta wollte. Die beiden baten uns, mit Ihnen zu winken, wenn der Bus kommt, da es sich nicht um eine offizielle Haltestelle handelte. Die Busse kann man in Uruguay grundsätzlich auf offener Strecke anhalten. Je mehr winken umso besser, denn dann ist die Chance mitgenommen zu werden um einiges größer. Es kann nämlich auch sein, dass der Busfahrer einfach vorbeifährt. Während wir auf den Bus warteten taucht die Sonne in einem atemberaubenden Tempo ins Meer. Der Sonnenuntergang war spektakulär und färbte die Umgebung orange, rot und violett. Der Bus kam, wir winkten, er hielt tatsächlich an und brachte uns nach Punta del Este.

Die Casa Pueblo an der Punta Ballena Nahe Punta del Este in Uruguay

Terrassen in der Casa Pueblo an der Punta Ballena nahe Punta del Este in Uruguay

Abendessen

Wir hatten Hunger und Durst, aber nur noch wenig Geld, also machten wir uns auf die Suche nach einem Geldautomaten (cajero automático). Die leidige Beschaffung von Geld beschäftigte uns jeden Tag. Wir haben das Gefühl, dass uns die Banken zum Sparen animieren wollen. Wir können einfach nicht mehr als 2500 uruguayische Pesos (ca. 75 EUR) auf einmal abheben, egal bei welcher Bank und an welchem Automaten. Scheinbar gibt es da ein Limit für internationale EC-Karten oder wir sind einfach zu dämlich. Nachdem wir wieder flüssig waren, sind wir essen gegangen. Der Magen knurrte, sodass eine Parrilla jetzt genau das Richtige war. Dafür sind wir in ein Restaurant gegangen, dass uns bereits Tage zuvor auf dem Nachhauseweg aufgefallen war: Oro y Taba. Wir waren die einzigen Gäste, die auf der Terrasse saßen. Einheimische essen scheinbar lieber drinnen. Einer der Kellner, der etwas englisch konnte, half uns bei der Auswahl des Essens. Als Entrada (Vorspeise) gab es eine spanische Käse-Wurst-Platte mit Oliven und jeweils einen Salat. Als Hauptgericht hatten wir einen Fleischspies (Bruschetta de Lomo) und ein kleines Steak (Petit Bife Angosto), von dem alleine schon zwei hätten satt werden können. Dann haben wir uns noch jeweils ein Dessert ausgesucht: Isla Flotante, ein Zuckerberg in einer Erdbeersauce, übergossen mit einer Karamellsauce.

Nachtisch Isla Flotante im Restaurant Oro y Taba in Punta del Este in Uruguay

Und Postre Oro y Taba, ein Erdbeersorbet auf Biskuit mit Schokoschicht darüber und richtig viel Sahne, dazu grüne Geleefrüchte). Allein das schon gefühlte 6000 Kalorien. Wir haben es auch grad so bis zur Hälfte geschafft. Inklusive einer Flasche uruguayischen Merlot, einer Flasche Wasser und des Trinkgelds waren wir dann unsere 2500 Pesos auch wieder los. Dafür haben wir sehr üppig gegessen und wurden exzellent bedient.

Postre Oro y Taba im Restaurant Oro y Taba in Punta del Este in Uruguay

Ausgehen

Die Nacht wollten wir schließlich mit einem Clubbesuch abrunden. Nach einer kurzen Stippvisite, um ein paar Sachen loszuwerden, sind wir wieder ins Zentrum von Punta del Este gefahren. Wir hatten uns vorsichtshalber zwei Clubs im Internet rausgesucht und auch vor Ort gefunden. Leider sind aber beide Clubs nur am Wochenende geöffnet, sodass wir gegen halb 5 auch ohne Clubbesuch todmüde ins Bett gefallen sind.

Morgen geht es nun weiter nach Montevideo.

Typisches Hochhaus im Zentrum von Punta del Este in Uruguay

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