Wer hat sie verraten, die toten Aristokraten?

Wow! Blauer Himmel und Sonne satt. So muss ein Tag aussehen, dann klappt’s auch mit dem Rausgehen. Konkrete Pläne hatten wir für heute nicht, aber den Tag mit Medialunas und Kaffee zu beginnen, ist erstmal keine so schlechte Idee. Und nein, wir sehen noch nicht aus wie Teigkugeln und man kann auch nicht genug davon kriegen!

Publikumsmagnet: Cementario de la Recoleta

Wie wäre es mit dem Aristokraten-Friedhof in Recoleta? Ein Besuch dort lohnt sich immer. In der „Gräberstadt“ kann man im Schatten schlendern und ein wenig Geschichte atmen. Also, vámanos. Mal sehen, ob wir das ohne Karte finden. Nach zirka einer Stunde Fußweg durch die staubigen Straßen von Buenos Aires standen wir direkt vor dem Haupteingang des Friedhofs. Es war Samstag und so war es noch voller als sonst und bei meinem letzten Besuch.

Prunk und Verwahrlosung im Cementario de la Recoleta Buenos Aires

Wenn all die Toten gewusst hätten, dass sich täglich so viele Menschen an ihren Grabstätten vorbei schieben, dann hätten sie es sich vielleicht noch mal überlegt mit dem Pomp. Aber vielleicht ist das ja auch pure Absicht. Die Wichtigkeit und Bedeutung einer Familie misst sich hier an ihrem Mausoleum. Je mehr Macht und Geld eine Familie anhäufen konnte, desto pompöser ist auch deren Gruft. Sehen und gesehen werden, weniger für die Toten als für die Lebenden. Und so pflegen die Angehörigen die prunkvollen Gruften wie Ihr Wohnzimmer und damit Ihren Status. Dass es so viele Touristen sind, ist wahrscheinlich IHR „Verdienst“. An ihrem Grab musste man heute anstehen, um einen Blick zu erhaschen.

Besucherandrang vor der Grabstätte von Evita (Eva Peron) im Cementario de la Recoleta in Buenos Aires

Wer etwas mehr Beschaulichkeit sucht, sollte den Friedhof lieber an einem gewöhnlichen Wochentag besuchen. Man kann in zunehmendem Maße eine gewisse Verwahrlosung der Grabstätten beobachten. Viele Familien sind inzwischen ausgestorben und so verfallen die Gruften und geben dem Friedhof seinen extramorbiden Touch.

Verwahrloste Gruft auf dem Cementario de la Recoleta in Buenos Aires

Gegen 18 Uhr marschierte ein Uniformierter mit Trillerpfeife zwischen den Lippen durch die Gräbergassen und pfiff die Touristen höflich aber bestimmt zusammen, auf dass sie den Friedhof nun verlassen.

In der Grünanlage vor dem Friedhof fand, wie jedes Wochenende, die Feria de Plaza Francia statt. Eigentlich nicht mehr als eine Art Flohmarkt mit Kleinkunst-Ramsch. Das benachbarte Centro Cultural Recoleta war im Begriff zu schließen und so sind wir nur kurz durch geschlendert. Direkt darunter liegt die Buenos Aires Design-Mall, in der es Designermöbel und Einrichtungsgegenstände zu kaufen gibt. Spektakulär ist sie allerding nicht. Im Café La Biela, gleich in der Nähe, machten wir Pause und tranken einen Milchkaffee. Die Terrasse des Cafés liegt direkt unter der schattenspendenden Krone eines gigantischen Gummibaums (Gomero). Er wurde 1878 gepflanzt und hat eine Spannweite von über 50m. Wunderschön! Die riesigen Äste werden mit Balken gestützt.

Großer Gummibaum in Recoleta Buenos Aires (Gran Gomero)

Seit wir in Buenos Aires sind, haben wir schon mehrfach die „Festivales de Buenos Aires„-Plakate gesehen. Diese kündigten jeweils für das Wochenende Konzerte an der Constanera Sur an. Heute wollten wir uns das mal anschauen. Also sind wir dorthin. Auf kürzestem Weg, durch die mondäne Avenida Alvear in Recoleta, über die Plaza San Martín in Retiro, weiter nach Puerto Madero. Auf dem ganzen Weg dorthin hatten wir einen treuen Begleiter: Einen dieser umherstreunenden Hunde, von denen es hier sehr viele gibt. Die Hundedame heftete sich an unsere Fersen und lies uns keine Minute aus den Augen. Man muss echt mal gesehen haben, wie geschickt diese Hunde die heftig befahrenen Straßen überqueren.

Avenida Leandro N. Alem in Retiro Buenos Aires

Costanera Sur

Auf der Avenida Carlos M. Noel an der Constanera Sur reiht sich eine Imbissbude an die andere. Mindestens alle 30 Meter eine und dazwischen knattern die Stromgeneratoren, die die Imbisse für Licht und Kühlung brauchen. Man muss unbedingt auf die tollen Namen achten, die sich die Stände gegeben haben.

La Parrilla de Julio an der Costanera Sur in Buenos Aires

Das Wort „Parrilla“ darf auf keinen Fall fehlen und so gut wie alle spanischen Pronomen wurden mindestens einmal verwendet: Mein (mi), dein (tu), Ihr (su), unser (nuestra), euer (vuestra) Parrilla und so weiter… Die Dinger qualmten was das Zeug hielt und es roch ziemlich verführerisch nach Gegrilltem. Wir wollten aber nicht beim erstbesten essen und uns schon gar nicht den Magen verrenken. Bei 8 Peso (ca. 1,80 Euro) für ein Riesenstück Fleisch wird man ja doch etwas skeptisch. Aber wo viele Argentinier essen, kann es so schlecht nicht sein. Die wissen sicher was sie tun. Und so aßen wir ein saftiges Steak dort, wo es am vollsten war. Es war ultralecker und ich kann jedem empfehlen, dort mal zu essen.

La Parrilla de Julio an der Costanera Sur in Buenos Aires

Das Treiben auf der Promenade hat nach Einbruch der Dunkelheit Volksfestcharakter. Im Gegensatz zu den vielen Ferias, die oft nur für die Touristen gemacht sind, ist man hier aber unter Porteños. Um einen kleinen aber recht authentischen Einblick in den Alltag von BsAs zu kriegen, sollte man das nicht verpassen. Allmählich konnte man auch schon erahnen, wo die besagten Konzerte stattfinden. Die Musik wurde immer lauter und es wurde voller und voller. Nachdem wir ein paar Minuten der Darbietung eines argentinischen Roland-Kaiser-Verschnitts auf den Leim gegangen waren, zogen wir dann weiter zum eigentlichen Open-Air Event. Dort spielte dann vor einigen hundert jungen Leuten Iván Noble. Wir haben noch nie was von ihm gehört. Es klang ein bisschen wie Eros Ramazzotti auf Spanisch.

Iván Noble Open Air Costanera Sur Buenos Aires

Iván Noble Open Air an der Costanera Sur in Buenos Aires

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