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Zeitzeugen

Am späten Nachmittag haben wir eine Fahrt mit der guten, alten U-Bahn der Linie A gemacht. Dieser Zug ist für mich ein Zeuge der alten Zeit. Sehr mondän muss es zugegangen sein im Buenos Aires Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Diese Linie war die erste U-Bahn auf dem südamerikanischen Kontinent. Eine Fahrt mit den Holzwagen, die noch ganz regulär fahren, gehört zum Pflichtprogramm in dieser Stadt. In Deutschland wäre ein Zug dieser Art heutzutage undenkbar. Die Türen lassen sich während der Fahrt öffnen und man kann den Kopf aus dem Fenster halten. Der TÜV würde hier wohl alle Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Alter U-Bahnwagen in der Subte Linea A in Buenos Aires

Wir sind an der Plaza de Mayo gestartet und bis zur Station Rio de Janeiro gefahren. Von dort wollten wir durch die Straßen zum Parque del Centenario laufen. Eigentlich hatten wir an dem Park gar kein Interesse. Wir waren aber grad mal in der Nähe und auf unserer BsAs Karte waren dort drei Sehenswürdigkeiten, u. a. ein Planetarium, eingezeichnet. Grund genug, da mal vorbei zu laufen. Dort angekommen empfing uns bereits laute Rockmusik und das erste, was wir sahen, war ein Skate- und BMX-Parcours. Auf einer Seite des Parcours waren Schlagzeug, Boxen und Verstärker aufgebaut. Der eigentliche Park lag dahinter und war wie üblich in BsAs umzäunt.

BMXer im Parque del Centenario in Caballito, Buenos Aires

Skateboarding im Parque del Centenario in Caballito, Buenos Aires

Hier aber scheint ein Treffpunkt für die alternative Szene zu sein. Auf den Mauern des Parcours saßen viele Jugendliche und schauten den Skatern beim Freestylen zu. Dazu wummerte Rockmusik aus den Boxen. An einigen Stellen lagen politische Plakate auf den Boden, die u.a. die Invasion Israels in Gaza verurteilten. Uns ist in Uruguay und Argentinien schon mehrfach aufgefallen, dass die israelische Gazapolitik zu heftigen Äußerungen auf Häusern, Plakaten und Bannern führt.

Rock im Parque del Centenario in Caballito, Buenos Aires

Im eigentlichen Parkgelände ging es zu wie an einen Sonntag im Volkspark Friedrichshain. Viele junge Menschen auf den Wiesen am faulenzen und sehen und gesehen werden. Der obligatorische Matetee darf natürlich nicht fehlen. Im Zentrum des Parks befindet sich ein kleiner, künstlich angelegter Teich, um den die Tauben ihre Runden zogen.

Taubenplage im Parque del Cntenario in Caballito, Buenos Aires

Alles machte einen sehr entspannten Eindruck. Die Menschen hier genossen das tolle Wetter und hatten Spaß mit der Familie oder Freunden. Nichts Besonderes, Alltag eben. Da wir das Planetarium noch nicht gefunden hatten, sind wir einfach weiter durch den Park gelaufen. Auf der anderen Seite fand mal wieder eine Feria statt. Diese Ferias sind ein echtes ein Phänomen. Man kann sie schon gar nicht mehr zählen. Diese hier machte eher den Eindruck eines ganz normalen Flohmarktes. Vergleichbar mit dem am Boxhagener Platz in Friedrichshain, wie er früher war. Keine erkennbaren kommerziellen Händler. Es gab fast nur altes, gebrauchtes Zeugs: Postkarten, Fotos und Alltagsgegenstände.

Sonntags im Parque del Centenario in Caballito, Buenos Aires

Dann standen wir plötzlich vor dem MACN, einem naturwissenschaftlichen Museum. Das Museum haben wir einfach mitgenommen, weil wir schon mal da waren. Das Interessanteste daran war auch schon das Gebäude. In der atemberaubenden Geschwindigkeit von 25 min haben wir uns alles angeschaut. Ungefähr 1000 tote Tiere, ausgestopft, skelettiert oder eingelegt. Es roch in dem Gebäude ziemlich nach Formaldehyd und Terrarium. Als wir wieder draußen waren, fanden wir dann auch das olle Planetarium. Es machte einen noch heruntergekommeneren Eindruck als das Museum, wer weiß aus welcher Zeit das stammt. Das interessante an dem Parque del Centenario ist ohnehin nicht das Planetarium oder das Museum, sondern der Eindruck, den man von den Anwohnern gewinnen kann. Wir haben noch eine ganze Weile unsere Gedanken schweifen lassen, nebenan spielte eine Gruppe Fußball und erzeugte auf dem trockenen Boden eine Staubwolke wie bei einem mittelschweren Hurrikan. Dann sind wir weiter.

Fussball im Parque del Centenario in Caballito, Buenos Aires

Unser nächstes Ziel war das Café Las Violetas an der U-Bahnstation Castro Barros. Unterwegs lernten wir das spanische Wort für obdachlos: sin techo. An einem stählernen Brückengeländer über eine Bahntrasse gab es unter dem Motto „Arte sin techoobdachlose Straßenkunst zu sehen. Das „Las Violetas“ ist eines dieser erhaltenswerten und per Gesetz geschützten Cafés (Café notable). Ein weiterer Zeitzeuge des Prunks von Buenos Aires aus einer längst vergangenen Epoche. Als wir dort nach relativ kurzem Fußmarsch ankamen, war es sehr, sehr voll. Der Doorman fand aber noch einen Platz für uns, von dem man das Geschehen im Café bestens im Blick hatte. Wir tranken Cappuccino Italiana (das „a“ ist übrigens kein Tippfehler, so steht’s auf der Karte) und aßen superleckeren Kuchen. Der Renner in dem Café ist aber so eine Art gemischte Platte, ultraviel Süßkram und dazwischen Herzhaftes.

Café Las Violetas in Buenos Aires

Es fällt einem immer wieder auf, dass man sich in manchen dieser Läden den Arsch abfriert und man dann ganz froh ist, wenn man wieder raus in die schwül-warme Stadt kann. Wir liefen noch entlang der Avenida Rivadavia bis zur Plaza Miserere und stiegen dort in die Subte Linea A.

Café Las Violetas in Buenos Aires

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Wer hat sie verraten, die toten Aristokraten?

Wow! Blauer Himmel und Sonne satt. So muss ein Tag aussehen, dann klappt’s auch mit dem Rausgehen. Konkrete Pläne hatten wir für heute nicht, aber den Tag mit Medialunas und Kaffee zu beginnen, ist erstmal keine so schlechte Idee. Und nein, wir sehen noch nicht aus wie Teigkugeln und man kann auch nicht genug davon kriegen!

Publikumsmagnet: Cementario de la Recoleta

Wie wäre es mit dem Aristokraten-Friedhof in Recoleta? Ein Besuch dort lohnt sich immer. In der „Gräberstadt“ kann man im Schatten schlendern und ein wenig Geschichte atmen. Also, vámanos. Mal sehen, ob wir das ohne Karte finden. Nach zirka einer Stunde Fußweg durch die staubigen Straßen von Buenos Aires standen wir direkt vor dem Haupteingang des Friedhofs. Es war Samstag und so war es noch voller als sonst und bei meinem letzten Besuch.

Prunk und Verwahrlosung im Cementario de la Recoleta Buenos Aires

Wenn all die Toten gewusst hätten, dass sich täglich so viele Menschen an ihren Grabstätten vorbei schieben, dann hätten sie es sich vielleicht noch mal überlegt mit dem Pomp. Aber vielleicht ist das ja auch pure Absicht. Die Wichtigkeit und Bedeutung einer Familie misst sich hier an ihrem Mausoleum. Je mehr Macht und Geld eine Familie anhäufen konnte, desto pompöser ist auch deren Gruft. Sehen und gesehen werden, weniger für die Toten als für die Lebenden. Und so pflegen die Angehörigen die prunkvollen Gruften wie Ihr Wohnzimmer und damit Ihren Status. Dass es so viele Touristen sind, ist wahrscheinlich IHR „Verdienst“. An ihrem Grab musste man heute anstehen, um einen Blick zu erhaschen.

Besucherandrang vor der Grabstätte von Evita (Eva Peron) im Cementario de la Recoleta in Buenos Aires

Wer etwas mehr Beschaulichkeit sucht, sollte den Friedhof lieber an einem gewöhnlichen Wochentag besuchen. Man kann in zunehmendem Maße eine gewisse Verwahrlosung der Grabstätten beobachten. Viele Familien sind inzwischen ausgestorben und so verfallen die Gruften und geben dem Friedhof seinen extramorbiden Touch.

Verwahrloste Gruft auf dem Cementario de la Recoleta in Buenos Aires

Gegen 18 Uhr marschierte ein Uniformierter mit Trillerpfeife zwischen den Lippen durch die Gräbergassen und pfiff die Touristen höflich aber bestimmt zusammen, auf dass sie den Friedhof nun verlassen.

In der Grünanlage vor dem Friedhof fand, wie jedes Wochenende, die Feria de Plaza Francia statt. Eigentlich nicht mehr als eine Art Flohmarkt mit Kleinkunst-Ramsch. Das benachbarte Centro Cultural Recoleta war im Begriff zu schließen und so sind wir nur kurz durch geschlendert. Direkt darunter liegt die Buenos Aires Design-Mall, in der es Designermöbel und Einrichtungsgegenstände zu kaufen gibt. Spektakulär ist sie allerding nicht. Im Café La Biela, gleich in der Nähe, machten wir Pause und tranken einen Milchkaffee. Die Terrasse des Cafés liegt direkt unter der schattenspendenden Krone eines gigantischen Gummibaums (Gomero). Er wurde 1878 gepflanzt und hat eine Spannweite von über 50m. Wunderschön! Die riesigen Äste werden mit Balken gestützt.

Großer Gummibaum in Recoleta Buenos Aires (Gran Gomero)

Seit wir in Buenos Aires sind, haben wir schon mehrfach die „Festivales de Buenos Aires„-Plakate gesehen. Diese kündigten jeweils für das Wochenende Konzerte an der Constanera Sur an. Heute wollten wir uns das mal anschauen. Also sind wir dorthin. Auf kürzestem Weg, durch die mondäne Avenida Alvear in Recoleta, über die Plaza San Martín in Retiro, weiter nach Puerto Madero. Auf dem ganzen Weg dorthin hatten wir einen treuen Begleiter: Einen dieser umherstreunenden Hunde, von denen es hier sehr viele gibt. Die Hundedame heftete sich an unsere Fersen und lies uns keine Minute aus den Augen. Man muss echt mal gesehen haben, wie geschickt diese Hunde die heftig befahrenen Straßen überqueren.

Avenida Leandro N. Alem in Retiro Buenos Aires

Costanera Sur

Auf der Avenida Carlos M. Noel an der Constanera Sur reiht sich eine Imbissbude an die andere. Mindestens alle 30 Meter eine und dazwischen knattern die Stromgeneratoren, die die Imbisse für Licht und Kühlung brauchen. Man muss unbedingt auf die tollen Namen achten, die sich die Stände gegeben haben.

La Parrilla de Julio an der Costanera Sur in Buenos Aires

Das Wort „Parrilla“ darf auf keinen Fall fehlen und so gut wie alle spanischen Pronomen wurden mindestens einmal verwendet: Mein (mi), dein (tu), Ihr (su), unser (nuestra), euer (vuestra) Parrilla und so weiter… Die Dinger qualmten was das Zeug hielt und es roch ziemlich verführerisch nach Gegrilltem. Wir wollten aber nicht beim erstbesten essen und uns schon gar nicht den Magen verrenken. Bei 8 Peso (ca. 1,80 Euro) für ein Riesenstück Fleisch wird man ja doch etwas skeptisch. Aber wo viele Argentinier essen, kann es so schlecht nicht sein. Die wissen sicher was sie tun. Und so aßen wir ein saftiges Steak dort, wo es am vollsten war. Es war ultralecker und ich kann jedem empfehlen, dort mal zu essen.

La Parrilla de Julio an der Costanera Sur in Buenos Aires

Das Treiben auf der Promenade hat nach Einbruch der Dunkelheit Volksfestcharakter. Im Gegensatz zu den vielen Ferias, die oft nur für die Touristen gemacht sind, ist man hier aber unter Porteños. Um einen kleinen aber recht authentischen Einblick in den Alltag von BsAs zu kriegen, sollte man das nicht verpassen. Allmählich konnte man auch schon erahnen, wo die besagten Konzerte stattfinden. Die Musik wurde immer lauter und es wurde voller und voller. Nachdem wir ein paar Minuten der Darbietung eines argentinischen Roland-Kaiser-Verschnitts auf den Leim gegangen waren, zogen wir dann weiter zum eigentlichen Open-Air Event. Dort spielte dann vor einigen hundert jungen Leuten Iván Noble. Wir haben noch nie was von ihm gehört. Es klang ein bisschen wie Eros Ramazzotti auf Spanisch.

Iván Noble Open Air Costanera Sur Buenos Aires

Iván Noble Open Air an der Costanera Sur in Buenos Aires

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Duchamp und Rrose Sélavy in La Boca

Heute stand La Boca und das wiedereröffnete PROA im Mittelpunkt des Tages. So sind wir am frühen Nachmittag mit dem Bus 29 dorthin gefahren. Laufen war diesmal keine Option, obwohl es nicht sehr weit von San Telmo ist. La Boca ist in Buenos Aires das, was die Altstadt in Montevideo ist: Tagsüber schon nicht ganz ungefährlich und nachts eine No-Go-Area. Der Bus dorthin ist außerdem viel bequemer und nach 15 Minuten ist man da, wo man eigentlich nicht hin will: Am alten, immer noch stinkenden Hafenbecken von La Boca.

El Caminito

Als erstes sind wir ein wenig durch „El Caminito“ und die angrenzenden Gassen gelaufen. Hier stehen buntgetünchte Häuser aus der Zeit, in der sich viele italienische und spanische Einwanderer in dieser Arbeitergegend niederließen. Die Bewohner malten die Wellblechwände ihrer Häuser mit der Farbe an, die beim Streichen der Frachtkähne übrig geblieben war. Hier wurde angeblich auch der Tango geboren.

El Caminito in La Boca Buenos Aires, Argentinien

Diese Buntheit und der Tango verhalfen La Boca zu unverhofftem Ruhm und machten es zu dem, was es heute ist: Ultratouristisch mit fadem Beigeschmack. Alles wirkt absurd und unwirklich, fast abstoßend. An jeder Ecke gibt es Tango-Shows und kitschiges Kunsthandwerk für die Touristen. Eine ganze Weile haben wir das Treiben auf uns wirken lassen.

Tango in La Boca Buenos Aires

Folkloretanz in La Boca Buenos Aires

La Boca macht einen sehr trostlosen Eindruck auf mich. Um an die Touristendollar zu kommen, wird einiges getan. Es stimmt schon, wenn man sagt, dass der Tango ein trauriger Gedanke ist, den man tanzen kann. Das Viertel missbraucht diesen Gedanken aber und lässt ihn sinnentleert wirken. Tango ist hier nur Mittel zum Zweck. Die Tänzer beklatschen sich selbst und die Touristen wirken gelangweilt. Gefangen in der Tangofalle!

Fundacíon PROA

La Boca ist kein Viertel, in dem man sich zu Hause fühlt. Das PROA steht in willkommenem Kontrast zu dem ganzen Mief. Im März letzten Jahres war das PROA noch verhüllt und im Umbau. Das moderne Gebäude erstrahlt jetzt wieder in unerwartetem Glanz. Es wurde von einem italienischen Architektenduo aufwendig saniert und erweitert. Man glaubt es kaum, dass so ein Gebäude hier in La Boca steht. Schon der Vorplatz ist mit sehr viel Liebe zum Detail neu gestaltet worden.

Kann man Werke machen, die nicht Kunst sind?

Der Platz wurde mit Hirnholz gepflastert und macht einen sehr warmen und einladenden Eindruck. Innen ist alles schlicht und elegant: Glas, Stahl, Sichtbeton und viel Holz. Es wirkt typisch spanisch oder italienisch. Ein schönes Detail sind die alten, angerosteten Stahlsäulen im Erdgeschoss, die wahrscheinlich noch vom ursprünglichen Gebäude stammen.

Fundacion PROA in La Boca Buenos Aires

Derzeit läuft eine Ausstellung über  Marcel Duchamp, mit der das PROA im November 2008 neu eröffnet wurde. Duchamp war ein Avantgardist, Tabubrecher und passionierter Schachspieler. Er ist viel zu facettenreich, um umfassend von mir beschrieben zu werden. Den meisten wird er als Urheber der „Ready-mades“ bekannt sein, oder durch den Satz: „Kann man Werke machen, die nicht Kunst sind?“

Saal 2 der Marcel Duchamp Ausstellung im PROA in La Boca Buenos Aires

Weniger bekannt ist vielleicht sein Alter Ego: Rrose Sélavy. Sie hatte ihr Debut in den 1920er Jahren und ist Ausdruck dessen, dass Erotik der wichtigste Faktor in seinem Werk war. Rrose Sélavy ist ein Wortspiel (Eros c’est la vie, zu deutsch: Eros ist Leben). Die Ausstellung war hervorragend gemacht. Zum Einstieg gab es einen Film über Duchamps Leben (sogar mit ENGLISCHEN Untertiteln), der die Ausstellung auch für Leute, die ihn noch nicht kannten, erschließbar machte.

Saal 1 Marcel Duchamp im PROA in La Boca Buenos Aires

Neben Original -Exponaten waren auch Reproduktionen ausgestellt. Nicht alle Werke von Duchamp sind erhalten. Duchamp legte darauf keinen Wert. 1964 autorisierte er jedoch die Reproduktion einiger seiner Ready-mades. Wir erfuhren auch, dass Duchamp 1918/19, in der Zeit seiner Schach-Manie, einige Monate in BsAs verbrachte. Es wundert also kaum, dass er sich vornehmlich mit der Perfektionierung seiner Schachkünste beschäftigte. So schnitzte er hier ein Schachfigurenset. Das sieht übrigens echt toll aus. Das Interesse an dem Museum ist sehr groß. Wir hatten zum Glück die beste Zeit erwischt, nach uns kamen die Besuchermassen.

Café im PROA in La Boca Buenos Aires

Wir haben uns dann in das stylische PROA-Café zurückgezogen und uns gestärkt. Es sah die ganze Zeit schon nach Regen aus, und als wir im Café saßen, begann es zu schütten. So fiel unser Besuch dort etwas länger aus. Abschließend kann man sagen, dass sich der Besuch des PROAs wirklich lohnt. Ich würde jederzeit wieder hingehen.

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Abri los ojos – Mach die Augen auf

Wir hatten im Internet recherchiert, dass es in Argentiniens Nationalkongress von Montag bis Freitag um 16 Uhr englischsprachige Führungen geben soll. Also machten wir uns am Nachmittag auf den Weg dorthin. Vorher haben wir versucht Geld abzuheben und mussten feststellen, dass das in Argentinien die gleichen Probleme wie in Uruguay bereitet: Wir können pro Tag nur maximal 300 Pesos (ca. 65 EUR) abheben. Das ist zwar genug Geld, um ein paar Tage über die Runden zu kommen, aber ein so niedriges Limit für internationale EC-Karten hat uns doch überrascht. Nun werfen wir den Banken eben alle paar Tage ein paar Euros mehr in den gierigen Schlund. Für jede Transaktion werden ja neben dem schlechten Wechselkurs auch noch Gebühren fällig. Naja, dafür ist das Leben hier recht günstig und man braucht vielleicht 1/3 von dem was man in Deutschland bräuchte.

Palacio del Congreso de la Nación Argentina in Buenos Aires

Pünktlich gegen vier Uhr waren wir dann am Besuchereingang des Palacio del Congreso de la Nación Argentina in der Hipólito Yrigoyen Straße. Hier erfuhren wir aber, dass im Januar keine Führungen stattfinden. Erst im Februar wieder. So mussten wir unverrichteter Dinge gehen und haben uns in der Nähe der Subte Sáenz Peña in ein Café zurückgezogen. Dort gab es richtig klietschige Medialunas, so wie ich sie liebe. Der Kellner hat uns noch zwei andere süße Schweinereien gratis dazu gepackt, die auch sehr lecker waren.

Van mit Graffiti auf der Plaza de los Dos Congresos Buenos Aires

Palermo

Da wir es gestern nicht nach Palermo geschafft hatten, wollten wir das heute nachholen. Von der Plaza de los Dos Congresos fahren sehr viele Colectivos. Als wir gerade den Guia“T“ zurate ziehen wollten, fuhr ein Bus der Linie 12 vorbei, auf dem groß „Plaza Italia“ stand. Dieser fuhr also ungefähr dahin, wohin wir wollten. Sicherheitshalber haben wir beim Einsteigen nochmal nachgefragt. Das sollte man immer tun, denn nicht alle Busse der selben Linie fahren auch zwangsläufig auf der selben Route.

Urban Streetart in Palermo-Soho, Buenos Aires

Im Bus haben wir dann versucht für 80 Centavos mitzufahren, aber der Fahrer hat uns bis zur Plaza Italia 1,20 Pesos abgeknöpft. So wie es aussieht, gab es auch hier Preissteigerungen. Für unter einen Peso Bus zu fahren, scheint der Vergangenheit anzugehören. Auch die meisten anderen Passagiere bezahlten mehr als einen Peso. So fuhren wir mit aufgeklappten Guia“T“ und folgten der Strecke, die der Bus nahm, auf der Karte. Auch das ist ratsam, um das Aussteigen nicht zu verpassen. Die Plaza Italia ist erstmal kein so schlechter Ausgangspunkt, um Palermo zu erkunden. Von dort kann man in relativ kurzer Zeit nach Las Cañitas oder in Richtung Palermo-Soho laufen. Wir entschieden uns für Letzteres. So liefen wir die Calle Thames hoch und nach zirka fünf Straßenblocks waren wir dann auch schon im Herzen von Palermo-Soho.

Hollywood in Cambodia in der Calle Thames 1885 in Palermo Soho Buenos Aires

Erste Station war das „Hollywood in Cambodia“ in der Thames 1885. Die Bar ist innen über und über mit Graffitis und Stencils zugesprayt. Im hinteren Bereich gibt es eine kleine Galerie, in der man Streetart diverser Künstler kaufen kann. Über die Treppe in der Galerie gelangt man noch auf eine Terrasse. Auch hier ist alles voll mit Graffitis. Die Bar ist eher was für die Nacht und so waren wir die einzigen Besucher.

Terasse des "Hollywood in Cambodias" in der Calle Thames 1885 in Palermo-Soho, Buenos Aires

Hollywood in Cambodia in der Calle Thames 1885 in Palermo-Soho in Buenos Aires

Also sind wir weiter in Richtung Plazoleta Cortázar. Hier gibt es unzählige Geschäfte und weitere Cafés und Bars. Wir haben einige Shops durchstöbert aber nichts gefunden. Die meisten Sachen, die uns gefielen, gab es nicht mehr in unserer Größe. Gegen halb acht sind wir dann rüber nach Las Cañitas gelaufen. Auf dem Weg dorthin sind wir an einer fantastischen Bäckerei vorbeigekommen. Die hatten diese Ninjas, so kleine kreisrunde, herzhafte Torten mit Kürbis-Käse-Füllung. Ultra lecker!

Sonnenbrillenladen in Palermo-Soho in Buenos Aires

In der Kneipenmeile Las Cañitas sieht noch fast alles aus wie im letzten Jahr. Nur mehr Hundekacke. So richtig erwärmen konnten wir uns für keines der vielen Restaurants, die auch eher den Eindruck von Masse als Klasse vermitteln. Mein Gefühl von „Disneyland“ wurde ich auch diesmal nicht los. Las Cañitas und Soho sind insgesamt ganz schön öde. So sind wir zurück zur Plaza Italia und haben uns für die U-Bahn zurück nach Hause entschieden. Am Fahrkartenschalter haben wir uns gleich eine 10er-Karte für die Subte gekauft. So erspart man sich das lästige anstehen nach Tickets. Automaten sucht man hier nämlich vergeblich. Die U-Bahnpreise haben auch angezogen. So kostet eine Fahrt mit der Subte nun 1,10 Pesos. In der U-Bahn wurden wir von zwei Typen mit Gitarren und Verstärker musikalisch unterhalten. Die Porteños klatschten höflich aber gelangweilt. Der eine oder andere gab dann aber doch einen Peso. Es war kuschlig warm und elend laut. Wir sind bis zur Endstation „Catedral“ in der Nähe der Plaza de Mayo gefahren und den Rest gelaufen. Wann immer wir nachts nach Hause kommen, sehen die Straßen in unserer Gegend anders aus. Mal ist überall Müll verstreut, wenn die Cartoneros gerade da waren, mal ist alles blitzeblank sauber, mal haben die Geschäfte noch geöffnet, mal ist schon alles geschlossen und die Häuser mit den verrammelten Läden wirken abwehrend, fast bedrohlich, mal sind die Straßen von Nachtschwärmern und sogar kleinen Kindern bevölkert, mal menschenleer.

Pasteleria in Palermo-Soho in Buenos Aires

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Feria de San Telmo

Jeden Sonntag findet in San Telmo in der Defensa, Humberto 1° und auf der Plaza Dorrego die Feria de San Pedro Telmo statt. Ähnliche Kunsthandwerks- und Trödelmärkte gibt es in Buenos Aires viele, aber keine Feria ist so beliebt und groß wie diese. Besonders die vielen Touristen flanieren hier durch das spanisch-koloniale Ambiente und genießen ihren Sonntag. Ich hatte bei meinem letzten Besuch keine Gelegenheit mir das Treiben anzusehen. Da es aber nun quasi direkt vor der Haustür stattfand, mischten wir uns einfach in die Menschenmenge und haben uns den Trubel genauer angeschaut.

Feria de San Telmo an der Plaza Dorrego

So weit das Augen reichte schlenderten Menschen die Defensa hoch und runter. Für das Ereignis werden sonntags die betroffenen Bereiche für den Verkehr gesperrt. So kann man ganz gemütlich auf den Straßen bummeln und muss keine Angst haben, von einem Colectivo überfahren zu werden. Vor allem bei Touristen scheint die Feria sehr beliebt zu sein und so hört man an allen Ecken englisch, italienisch, französisch und deutsch. Links und rechts der Straße haben Händler und Kleinkünstler ihre Stände aufgebaut. Viele bieten ihre Waren auch direkt auf Tüchern, die auf dem Boden ausgebreitet sind, an.

Teigtaschenverkaufer am Plaza Dorrego in San Telmo Buenos Aires

Hier kann man fast alles kaufen: Von selbstgestrickter Kleidung, Evita und Che Guevara Postern, plattgewalzten, bunten Glasflaschen mit oder ohne Uhrwerk, bis hin zu komischen Handyständern aus Draht. Kunstmaler und Grafiker stellen ihre Werke aus und suchen Käufer. Das Angebot auf diesem bunten Basar ist unüberschaubar groß. Auch wurde selbstgebackenes unter die Leute gebracht, wie z.B. kleine Empanadas und große, mit Zwiebel, Käse und Gemüse gefüllte Teigtaschen. Zwischen den Ständen haben die ansässigen Cafés und Bars ihre Stühle und die für Buenos Aires so typisch quadratischen Tische aufgestellt. Dort konnte man wunderbar Kaffee trinken und das Geschehen beobachten.

Zwei Milchkaffee und 2 Medialunas auf der Feria de San Telmo

Die Plaza Dorrego war ebenfalls komplett mit Ständen zugebaut. Dort gab es gleichermaßen Kleinkunst und Trödel zu kaufen. An einigen Stellen gab es Tango-Shows, vor denen sich die Touristen stapelten. Wir haben uns die Vorführung eines älteren Paars angeschaut. Der Tanz der beiden wirkte sehr anmutig.

Tango auf der Plaza Dorrego in San Telmo Buenos Aires

Eines der vielen Antiquitätengeschäfte in San Telmo Buenos Aires

So gegen 16 Uhr sind wir unweit der Plaza Dorrego in die Iglesia Nuestra Señora de Belén. Ein ehemaliges Jesuitenkloster mit einem schönen, eklektizistischen Portal. In der Kirche sollten heute Führungen stattfinden. Wir haben dann eine persönliche Führung in spanischer Sprache für 3 Peso gebucht. Englisch war leider nicht verfügbar, von Deutsch ganz zu schweigen. So wurden wir ca. 40 Minuten durch das Gebäude geführt und erfuhren trotz der Sprachbarriere so einiges über die Geschichte der Anlage.

HDR Aufnahme eines Altars in der Kirche Nuestra Señora de Belén in San Telmo

Das kirchliche Gebäude wird heute nur noch für Konzerte und Veranstaltungen genutzt. Um 17 Uhr sollte hier die musikalische Fakultät des amerikanischen Williams College ein Gastkonzert mit Werken klassischer und moderner Komponisten aufführen. Die Proben dazu waren bereits voll im Gange.

Tango auf der Plaza Dorrego in San Telmo Buenos Aires

Zum Nachmittag riss dann doch noch der Himmel auf und die Sonne kam zum Vorschein. So heiß wie gestern wurde es allerdings nicht. So wie heute war das Wetter genau richtig. Sehr angenehm und warm. Die Zeit verging unglaublich schnell, weil es so viel zu sehen gab. Zum Abschluss der Feria, so gegen 19 Uhr, zog dann die Centro Murga Caprichosos de San Telmo (eine karnevalsähnliche Truppe) lärmend mit Pauken, Schellen aber ohne Trompeten durch die Defensa. Danach wurden die meisten Stände auch schon wieder abgebaut und die Feria ging langsam zu Ende.

Centro Murga Caprichosos de San Telmo auf der Feria

Centro Murga Caprichosos de San Telmo auf der Feria

Centro Murga Caprichosos de San Telmo auf der Feria

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In der Hitze der Stadt

Nach dem wir erst am frühen morgen ins Bett gegangen sind, wurden wir gefühlt nur wenige Augenblicke später wieder wach. Das Hostel erwachte nach und nach zum Leben. Schon gestern ging es in der Lobby sehr lebhaft zu. Zudem lief die halbe Nacht DJ-Mucke. Eigentlich wollten wir noch ein bisschen schlafen, also haben wir uns Oropax ins Ohr gestopft. Was für eine Stille! Nach dem Aufstehen begann der Tag genau wie gestern: Nämlich mit Duschen, hektischen Zusammenpacken und Auschecken. Aber darin haben wir ja inzwischen Routine.

Stadtgetümmel

Unser erster Weg führte uns mit Sack & Pack zu Buquebus. Dort wollten wir uns Tickets für die letzte Fähre nach Buenos Aires kaufen, um noch so viel Zeit wie möglich in Montevideo zu verbringen. Die frühen Fähren waren ohnehin schon alle ausgebucht, also blieb nur die um 21 Uhr. Dass wir erst um Mitternacht in Buenos Aires ankommen, war für unseren Vermieter dort kein Problem. Wir hatten uns bereits im Vorfeld um ein Zimmer in Buenos Aires bemüht und eine flexible Ankunft ausgemacht. Unser ganzes Gepäck konnten wir zum Glück komplett am Buquebus-Terminal im Hafen deponieren. Und das kostenlos!

Kreuzfahrtschiff im Hafen von Montevideo, Uruguay

Nachdem wir von den ganzen Kilos befreit waren, haben wir uns nochmal ins Stadtgetümmel gestürzt. Bevor es aber so richtig losgehen konnte brauchten wir unbedingt noch einen Kaffee. Zuvor jedoch, wo wir schon mal in der Nähe waren, haben wir noch den Mercado del Puerto besichtigt. Heute war er geöffnet und so schlenderten wir durch die alte, schmiedeeiserne Markthalle. Zur Mittagszeit herrscht hier Hochbetrieb. Heute war die Altstadt viel voller als noch gestern.

Mercado del Puerto in der Altstadt von Montevideo, Uruguay

Vielleicht lag das daran, dass im Hafen ein Riesen-Kreuzfahrtschiff festgemacht hatte und seine Passagiere an Land spuckte. So sah man viele Leute in der Markthalle Parrilla essen. Von dort ging es dann direkt weiter ins Café Bacacay, wo wir gestern schon waren. Nach diesem ultraspäten Frühstück sind wir in das unterirdische Mausoleum von General Artigas gegangen, das unterhalb der Plaza Independencia liegt. Die Urne des Generals wird von zwei Uniformierten bewacht.

Mausoleum General Artigas Plaza Independencia in Montevideo, Uruguay

Bei meinem ersten Besuch in Montevideo habe ich mich über eine Militärparade auf der Plaza gewundert. Jetzt ist mir klar, dass es sich hier um die Wachablösung handelte, die man jeden Sonntag erleben kann. Anschließend sind wir durch die ruhigeren Seitenstraßen rechts der Avenida 18 de Julio gestreift. Die Platanen, die die Einbahnstraßen säumten, bildeten ein geniales Blätterdach, das fast wie ein Tunnel wirkte und so angenehm Schatten spendete. Es war so heiß in der Stadt, dass sie Klimaanlagen auf Hochtouren liefen und das Kondenswasser auf die Bürgersteige regnete. Hier gab es viele kleine Läden zu entdecken, wie man sie bei uns kaum noch kennt.

Panaderia in Montevideo Centro, Uruguay

Besonders gefallen haben uns die vielen kleinen Bäckereien mit unendlich vielen verschiedenen Süßigkeiten, aber auch herzhaften Empanadas und Quiches. Abseits der Touristenmeile kann man zudem Bars, Cafés, Kurzwaren- und andere Spezialgeschäfte finden.

Industrie- und Modedesignausstellung

Auf der Plaza Fabini haben wir dann eine Ausstellung im SUBTE (Centro Municipal de Exposiciones) besucht. Dort lief die Ausstellung „20 años del Centro de Diseño Industrial“, in welcher der Fachbereich Industrie- und Modedesign der Universidad de la República sein 20-jähriges Bestehen feierte. Die Exponate stammten von Studenten und Absolventen der Uni. Ausgestellt waren Arbeiten, die von ersten Konzeptionen bis zu marktreifen oder auch rein funktionalen Produkten reichten.

Industrie- und Modedesign Ausstellung in Montevideo Subte

Industrie- und Modedesignausstellung in Montevideo Subte

Studentische Industriedesign Ausstellung in Montevideo Subte

Teatro Solís

Der Höhepunkt des Tages war eine englischsprachige Führung durch das wunderschöne Teatro Solís.

Panorama Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Das wollten wir eigentlich gestern schon machen, aber wir waren zu spät dran. Zwischen Dienstag und Sonntag werden jeweils um 11, 12 und 17 Uhr Führungen durch das Gebäude für 40 UY$ (ca. 1,37 EUR) angeboten. Eine Führung in spanische kostet die Hälfte. Ursprünglich wollte ich diese Führung bereits letztes Jahr machen, aber da ich an einem Montag abgereist bin, ging das nicht.

Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Das Interesse an den Führungen scheint recht groß zu sein, da sich bereits einige Leute im Foyer des Theater einfanden. Die Führungen sind sehr persönlich und so kommen nur wenige Leute auf einen Guide. Unser Guide sprach extrem gutes Englisch und führte unsere Gruppe durch alle wichtigen Bereiche des Theaters. Außer uns waren nur noch zwei sehr junge Norwegerinnen dabei, von denen die eine in Montevideo lebte. Unsere Tour begann auf dem Vorplatz, wo wir eine Einführung in die verschiedenen Bauphasen des Gebäudes bekamen.

Decke des Saals im Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Dann führte er uns in einen prachtvoll mit viel Gold dekorierten Saal im ersten Stock. Dieser diente früher als Aufenthaltsraum während den Pausen, heute wird er für andere Veranstaltungen, genutzt. So finden hier von Zeit zu Zeit mondäne Tangoabende statt. Als nächstes ging es dann in den Theatersaal. Dort erfuhren wir, dass das Theater insgesamt Platz für 1250 Menschen bietet. Der Bürgermeister von Montevideo und der Präsident Uruguays haben jeweils eine großzügige Privatloge im ersten bzw. im zweiten Stock mit bester Sicht auf das Bühnengeschehen. Wir erfuhren auch, dass die Avanzen (eine Art Loge) direkt links und rechts der Bühne noch bis 1998 zu den teuersten Plätzen im Theater zählten.

Hinter der Bühne des Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Dort hat man zwar keine gute Sicht auf die Bühne, aber man kann alle Anwesenden sehen und wird von allen gesehen. Der Opernsaal ist am ehesten mit der Scala in Milano zu vergleichen. Für eine Vorstellung im Teatro Solis muss man aber nur maximal 180 UY Peso (ca. 6,20 EUR) bezahlen. Selbst bei diesen Preisen ist der Saal selten ausverkauft. Danach sind wir hinter die Bühne gegangen und haben uns die sehr moderne Bühnentechnik erklären lassen. Unsere 40-minütige Tour endete im rechten Seitenflügel der Oper, in dem sich eine weitere kleine Bühne befindet. Dort gibt es momentan Tanzperformances zu sehen. Die Opernsaison in Montevideo beginnt wieder im August. Bis dahin wir die Oper als Theater benutzt.

Hinter der Bühne im Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Auf nach Buenos Aires

Bis unsere Fähre abfahren würde, blieb uns noch etwas Zeit in Montevideo. Die haben wir in der Altstadt mit Eis essen und Trinken verbracht.

Justizministerium in Montevideo, Uruguay

Dann sind wir gemächlich zum Hafen geschlendert. Das Ausreisen verlief total problemlos und nur wenig später saßen wir in der Fähre Santa Maria Ana L nach Buenos Aires. Gegen Mitternacht sind wir im Hafen von Buenos Aires eingelaufen. Wir freuten uns total auf diese Stadt. Nur wenig später holten uns unsere Gastgeber, ein amerikanisch-argentinisches Paar, ab und wir fuhren zusammen in die Wohnung die wir angemietet hatten. Von der Wohnung sind wir total begeistert. Wir hatten sie uns auf den Bildern viel spartanischer vorgestellt. Die beiden zeigten uns alles und meinten wir sollen uns wie zu Hause fühlen. Ich glaube das werden wir hier auch.

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Let’s not think about tomorrow – Lass uns nicht an morgen denken

Kurz war sie, die vergangene Nacht. Ich bin durchs Bloggen erst wieder sehr spät ins Bett gekommen. Das Schreiben, die Bilderauswahl und das Hochladen nehmen doch mehr Zeit in Anspruch als man eigentlich wollte. Und die Internetverbindung war so unendlich lahm wie die ganzen Tage zuvor nicht, und so gestaltete sich der Upload der Bilder als mittelschwere Geduldsprobe.

Avenida Belgrano

Wie dem auch sei, bereits um 10 Uhr waren wir erneut mit Billie verabredet, um mit ihr ein paar Details zu besprechen und um sie besser kennenzulernen. 10 Uhr ist ziemlich früh für diese Stadt aber so hatten wir Gelegenheit ihr Apartment an einem Freitagvormittag zu erleben. Die Stadt präsentiert sich je nach Wochentag und Uhrzeit in einem jeweils anderen Licht. Mal stickig, laut und überlaufen und mal ruhig, ausgestorben und gemütlich. Jedenfalls war das mit dem aus dem Bett kommen nicht ganz so einfach heute aber wir haben es dann doch noch mit einer kleinen Verspätung zu Billie geschafft. Und schon standen wir in dem alten, schmiedeeisernen Aufzug der uns krächzend und gemütlich nach fast ganz oben in Billies Appartment brachte. Zum Glück hat sie uns gleich einen Kaffee angeboten, der dann auch etwas Leben in den müden Körper brachte. Billie sprudelte bereits nur so über und sprach wie ein Wasserfall. Ihre Informationen stürzten wie Fremdkörper auf mich ein und ich hatte noch Mühe alles zu verfolgen.

Der Motor des Aufzugs in Billies' Wohnhaus im englischen Stil in Buenos Aires

Internet mal ganz plastisch

Billie hatte bereits eine kleine Gruppe an Montagearbeitern einer Kabelfirma in der Wohnung, die die von ihr abgeschnittenen Telefonleitungen ordentlicher verlegen sollten. Dazu muss man wissen, dass man sich in Buenos Aires ein ziemlich plastisches Bild vom Internet machen kann und es tatsächlich sieht. Es spannt sich über die Dächer der Stadt wie ein riesiges Spinnennetz. Dabei entstehen sehr abstrakte Eindrücke, wenn man mal hier und da gen Himmel schaut. Braucht man in BsAs einen Anschluss, kommen die Jungs von der Kabelgesellschaft und werfen einfach ein neues Kabel von Dach zu Dach und gut ist. Eigentlich ist diese Praxis illegal aber keiner kümmert sich drum, außer Billie. Heute soll sie nun den ersehnten Verteilerkasten bekommen und sie will streng darauf achten, dass die Kabel nun sauber verlegt werden.

"Das Internet" über den Dächern von Buenos Aires

Der vernetzte Himmel von Buenos Aires

Gegen 14 Uhr sind wir bei Billie aufgebrochen um einen Copy-Shop aufzusuchen. Glücklicherweise war so ein Laden gleich an der nächsten Straßenecke, so dass dies recht schnell erledigt war. L. wollte unbedingt ein paar bürokratische Erledigungen machen, die uns mit seinem kopierten Pass erst zur Polizeistation von San Telmo führte und dann noch einmal zu Billie. Gut, erledigt! Heute ist unser vorerst letzter Tag in Buenos Aires und den wollten wir noch einmal genießen. Gegen 16 Uhr waren wir mit dem bürokratischen Teil des Tages durch und konnten uns wieder dem touristischen Buenos Aires widmen. Ich schlug vor in ein tolles Café entlang der Subte Linea A zu fahren. Der Gedanke an morgen macht mir ehrlich gesagt keine gute Stimmung aber noch ist es ja nicht soweit und so stürzten wir uns noch einmal in einen Nachmittag. Das Wetter war, wie fast jeden Tag, sehr sommerlich und sehr angenehm.

Die Cafés, die Seele der Stadt

Die Cafés der Stadt gehören zur Lebensart von Buenos Aires wie Tango, Evita oder Parrilla. Die Confitería Las Violetas in der Avenida Rivadavia 3899 (Subte „Castro Barros“) ist ähnlich wie das Grand Café Tortoni ein Traditionscafé. Es wird größten Wert auf Authentizität gelegt und sehr viel Aufwand betrieben um die eleganten, historischen Cafés der Stadt in Schuss zu halten. Es gibt sogar ein Gesetzt zum Schutz und Erhalt dieser Traditionscafés und Bars. Das Las Violetas im Viertel „Almagro“ ist hell und klassisch eingerichtet und bietet eine große Auswahl an Torten und Gebäck. Diese kann man entweder im mondänen Ambiente des Cafés gebührend genießen oder einfach mit nach Hause nehmen.

Birthday Bash im Las Violetas im Stadtteil Almagro in Buenos Aires

Toastecken mit Marmelade sowie Cappuccino

Bei Toastecken mit Marmelade, Cappuccino und Coke light haben wir die letzten Postkarten an unsere Liebsten geschrieben und die Seele baumeln lassen. Den Weg zurück sind wir zu Fuß gegangen. So bekommt man einfach den besten Eindruck von einer Stadt und man entdeckt immer wieder spannendes links und rechts des Weges. Wir sind einfach dem Linienverlauf der Subte Linea A entlang der Avenida Rivadavia in Richtung Monserrat gefolgt. Dabei kamen wir an der Plaza Miserere vorbei. Der Platz war ziemlich bevölkert. Hier treffen sich die Menschen um zu plauschen oder zu handeln. Einige verkauften Dies und Das auf am Boden ausgebreiteten Tüchern. Wenig später sind wir noch am National Kongress und der Plaza del Congreso vorbeigekommen. Dort parkte ein ziemlich cooles und ziemlich zugetaggtes Wohnmobil.

Zugetaggtes Wohnmobil auf der Plaza del Congresso

Rush Hour Chaos

An der Megakreuzung 9 de Julio / De Mayo haben wir die allabendliche Rush-Hour beobachtet. Heute waren sogar Polizisten im Einsatz die das Regeln des Verkehrs zusätzlich zu den Ampeln übernahmen. Zirka 10 Sekunden bevor eine Ampel auf Rot schaltete hielten die Polizisten bereits den Verkehr an. Das sollte verhindern, dass die Leute mit Ihren Autos den Kreuzungsbereich verstopfen. Hier zählt jeder Meter der gefahren werden kann. Um also das größtmögliche Chaos zu vermeiden sperren die Polizisten rechtszeitig die Kreuzung für die jeweilige Richtung, die als nächstes Rot bekommt.

Der allabendliche Wahnsinn (Rush Hour) an der Megakreuzung Avendida 9 de Julio und Avenida de Mayo

Die Italienerin in Algerien

In der Av. De Mayo haben wir uns dann ganz spontan für einen Theaterbesuch am Abend entschieden. Genauer gesagt haben wir uns für eine Oper entschieden und zwar Rossinis L’Italiana in Algeri, deren Neuinszenierung heute Premiere in der „La Nueva Ópera de Buenos Aires“ feierte. Das kulturelle Angebot in Buenos Aires ist wirklich überwältigend. In keiner anderen Großstadt soll es so viele Bühnen geben wie hier. Man sagt es seien um die 180 Bühnen.

Rossinis L'Italiana in Algeri in der La Nueva Opera de Buenos Aires

Wie dem auch sei, unsere Vorstellung startete aber erst um 20 Uhr sodass wir noch Zeit für einen Salat in einem Restaurant ganz in der Nähe hatten. Dort machten wir zum wiederholten Male tierische Bekanntschaft mit einem der vielen umherstreunenden Hunde. Er schaute uns an, wir schauten ihn an und schon lag er ganz entspannt unter unserem Tisch. Was er genau wollte blieb allerdings unklar. Gebettelt hat er nicht!

"Pedro" einer unser vielen tierischen Teilzeitfreunde

Nach dem ersten Akt haben wir die Oper aber wieder verlassen, weil wir noch packen mussten und schon wieder Hunger hatten. Zum Abendessen haben wir uns dann das moderne Eckrestaurant gegenüber dem “El Federal” in San Telmo an der Ecke der Straßenkreuzung Carlos Calvo und Peru ausgesucht. Dort gab es einen superleckeren Salat mit mindestens einem Kilo Blauschimmelkäse. (: Na soviel war es nicht aber immerhin soviel, das ich es nicht aufessen konnte und das mag bei Käse schon was heißen. Dann sind wir nach Hause und dort hieß es packen. *Schnief*

Architektonischer Blick von der Plaza del Congresso in Richtung Avenida 9 de Julio

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