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Abri los ojos – Mach die Augen auf

Wir hatten im Internet recherchiert, dass es in Argentiniens Nationalkongress von Montag bis Freitag um 16 Uhr englischsprachige Führungen geben soll. Also machten wir uns am Nachmittag auf den Weg dorthin. Vorher haben wir versucht Geld abzuheben und mussten feststellen, dass das in Argentinien die gleichen Probleme wie in Uruguay bereitet: Wir können pro Tag nur maximal 300 Pesos (ca. 65 EUR) abheben. Das ist zwar genug Geld, um ein paar Tage über die Runden zu kommen, aber ein so niedriges Limit für internationale EC-Karten hat uns doch überrascht. Nun werfen wir den Banken eben alle paar Tage ein paar Euros mehr in den gierigen Schlund. Für jede Transaktion werden ja neben dem schlechten Wechselkurs auch noch Gebühren fällig. Naja, dafür ist das Leben hier recht günstig und man braucht vielleicht 1/3 von dem was man in Deutschland bräuchte.

Palacio del Congreso de la Nación Argentina in Buenos Aires

Pünktlich gegen vier Uhr waren wir dann am Besuchereingang des Palacio del Congreso de la Nación Argentina in der Hipólito Yrigoyen Straße. Hier erfuhren wir aber, dass im Januar keine Führungen stattfinden. Erst im Februar wieder. So mussten wir unverrichteter Dinge gehen und haben uns in der Nähe der Subte Sáenz Peña in ein Café zurückgezogen. Dort gab es richtig klietschige Medialunas, so wie ich sie liebe. Der Kellner hat uns noch zwei andere süße Schweinereien gratis dazu gepackt, die auch sehr lecker waren.

Van mit Graffiti auf der Plaza de los Dos Congresos Buenos Aires

Palermo

Da wir es gestern nicht nach Palermo geschafft hatten, wollten wir das heute nachholen. Von der Plaza de los Dos Congresos fahren sehr viele Colectivos. Als wir gerade den Guia“T“ zurate ziehen wollten, fuhr ein Bus der Linie 12 vorbei, auf dem groß „Plaza Italia“ stand. Dieser fuhr also ungefähr dahin, wohin wir wollten. Sicherheitshalber haben wir beim Einsteigen nochmal nachgefragt. Das sollte man immer tun, denn nicht alle Busse der selben Linie fahren auch zwangsläufig auf der selben Route.

Urban Streetart in Palermo-Soho, Buenos Aires

Im Bus haben wir dann versucht für 80 Centavos mitzufahren, aber der Fahrer hat uns bis zur Plaza Italia 1,20 Pesos abgeknöpft. So wie es aussieht, gab es auch hier Preissteigerungen. Für unter einen Peso Bus zu fahren, scheint der Vergangenheit anzugehören. Auch die meisten anderen Passagiere bezahlten mehr als einen Peso. So fuhren wir mit aufgeklappten Guia“T“ und folgten der Strecke, die der Bus nahm, auf der Karte. Auch das ist ratsam, um das Aussteigen nicht zu verpassen. Die Plaza Italia ist erstmal kein so schlechter Ausgangspunkt, um Palermo zu erkunden. Von dort kann man in relativ kurzer Zeit nach Las Cañitas oder in Richtung Palermo-Soho laufen. Wir entschieden uns für Letzteres. So liefen wir die Calle Thames hoch und nach zirka fünf Straßenblocks waren wir dann auch schon im Herzen von Palermo-Soho.

Hollywood in Cambodia in der Calle Thames 1885 in Palermo Soho Buenos Aires

Erste Station war das „Hollywood in Cambodia“ in der Thames 1885. Die Bar ist innen über und über mit Graffitis und Stencils zugesprayt. Im hinteren Bereich gibt es eine kleine Galerie, in der man Streetart diverser Künstler kaufen kann. Über die Treppe in der Galerie gelangt man noch auf eine Terrasse. Auch hier ist alles voll mit Graffitis. Die Bar ist eher was für die Nacht und so waren wir die einzigen Besucher.

Terasse des "Hollywood in Cambodias" in der Calle Thames 1885 in Palermo-Soho, Buenos Aires

Hollywood in Cambodia in der Calle Thames 1885 in Palermo-Soho in Buenos Aires

Also sind wir weiter in Richtung Plazoleta Cortázar. Hier gibt es unzählige Geschäfte und weitere Cafés und Bars. Wir haben einige Shops durchstöbert aber nichts gefunden. Die meisten Sachen, die uns gefielen, gab es nicht mehr in unserer Größe. Gegen halb acht sind wir dann rüber nach Las Cañitas gelaufen. Auf dem Weg dorthin sind wir an einer fantastischen Bäckerei vorbeigekommen. Die hatten diese Ninjas, so kleine kreisrunde, herzhafte Torten mit Kürbis-Käse-Füllung. Ultra lecker!

Sonnenbrillenladen in Palermo-Soho in Buenos Aires

In der Kneipenmeile Las Cañitas sieht noch fast alles aus wie im letzten Jahr. Nur mehr Hundekacke. So richtig erwärmen konnten wir uns für keines der vielen Restaurants, die auch eher den Eindruck von Masse als Klasse vermitteln. Mein Gefühl von „Disneyland“ wurde ich auch diesmal nicht los. Las Cañitas und Soho sind insgesamt ganz schön öde. So sind wir zurück zur Plaza Italia und haben uns für die U-Bahn zurück nach Hause entschieden. Am Fahrkartenschalter haben wir uns gleich eine 10er-Karte für die Subte gekauft. So erspart man sich das lästige anstehen nach Tickets. Automaten sucht man hier nämlich vergeblich. Die U-Bahnpreise haben auch angezogen. So kostet eine Fahrt mit der Subte nun 1,10 Pesos. In der U-Bahn wurden wir von zwei Typen mit Gitarren und Verstärker musikalisch unterhalten. Die Porteños klatschten höflich aber gelangweilt. Der eine oder andere gab dann aber doch einen Peso. Es war kuschlig warm und elend laut. Wir sind bis zur Endstation „Catedral“ in der Nähe der Plaza de Mayo gefahren und den Rest gelaufen. Wann immer wir nachts nach Hause kommen, sehen die Straßen in unserer Gegend anders aus. Mal ist überall Müll verstreut, wenn die Cartoneros gerade da waren, mal ist alles blitzeblank sauber, mal haben die Geschäfte noch geöffnet, mal ist schon alles geschlossen und die Häuser mit den verrammelten Läden wirken abwehrend, fast bedrohlich, mal sind die Straßen von Nachtschwärmern und sogar kleinen Kindern bevölkert, mal menschenleer.

Pasteleria in Palermo-Soho in Buenos Aires

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Let’s not think about tomorrow – Lass uns nicht an morgen denken

Kurz war sie, die vergangene Nacht. Ich bin durchs Bloggen erst wieder sehr spät ins Bett gekommen. Das Schreiben, die Bilderauswahl und das Hochladen nehmen doch mehr Zeit in Anspruch als man eigentlich wollte. Und die Internetverbindung war so unendlich lahm wie die ganzen Tage zuvor nicht, und so gestaltete sich der Upload der Bilder als mittelschwere Geduldsprobe.

Avenida Belgrano

Wie dem auch sei, bereits um 10 Uhr waren wir erneut mit Billie verabredet, um mit ihr ein paar Details zu besprechen und um sie besser kennenzulernen. 10 Uhr ist ziemlich früh für diese Stadt aber so hatten wir Gelegenheit ihr Apartment an einem Freitagvormittag zu erleben. Die Stadt präsentiert sich je nach Wochentag und Uhrzeit in einem jeweils anderen Licht. Mal stickig, laut und überlaufen und mal ruhig, ausgestorben und gemütlich. Jedenfalls war das mit dem aus dem Bett kommen nicht ganz so einfach heute aber wir haben es dann doch noch mit einer kleinen Verspätung zu Billie geschafft. Und schon standen wir in dem alten, schmiedeeisernen Aufzug der uns krächzend und gemütlich nach fast ganz oben in Billies Appartment brachte. Zum Glück hat sie uns gleich einen Kaffee angeboten, der dann auch etwas Leben in den müden Körper brachte. Billie sprudelte bereits nur so über und sprach wie ein Wasserfall. Ihre Informationen stürzten wie Fremdkörper auf mich ein und ich hatte noch Mühe alles zu verfolgen.

Der Motor des Aufzugs in Billies' Wohnhaus im englischen Stil in Buenos Aires

Internet mal ganz plastisch

Billie hatte bereits eine kleine Gruppe an Montagearbeitern einer Kabelfirma in der Wohnung, die die von ihr abgeschnittenen Telefonleitungen ordentlicher verlegen sollten. Dazu muss man wissen, dass man sich in Buenos Aires ein ziemlich plastisches Bild vom Internet machen kann und es tatsächlich sieht. Es spannt sich über die Dächer der Stadt wie ein riesiges Spinnennetz. Dabei entstehen sehr abstrakte Eindrücke, wenn man mal hier und da gen Himmel schaut. Braucht man in BsAs einen Anschluss, kommen die Jungs von der Kabelgesellschaft und werfen einfach ein neues Kabel von Dach zu Dach und gut ist. Eigentlich ist diese Praxis illegal aber keiner kümmert sich drum, außer Billie. Heute soll sie nun den ersehnten Verteilerkasten bekommen und sie will streng darauf achten, dass die Kabel nun sauber verlegt werden.

"Das Internet" über den Dächern von Buenos Aires

Der vernetzte Himmel von Buenos Aires

Gegen 14 Uhr sind wir bei Billie aufgebrochen um einen Copy-Shop aufzusuchen. Glücklicherweise war so ein Laden gleich an der nächsten Straßenecke, so dass dies recht schnell erledigt war. L. wollte unbedingt ein paar bürokratische Erledigungen machen, die uns mit seinem kopierten Pass erst zur Polizeistation von San Telmo führte und dann noch einmal zu Billie. Gut, erledigt! Heute ist unser vorerst letzter Tag in Buenos Aires und den wollten wir noch einmal genießen. Gegen 16 Uhr waren wir mit dem bürokratischen Teil des Tages durch und konnten uns wieder dem touristischen Buenos Aires widmen. Ich schlug vor in ein tolles Café entlang der Subte Linea A zu fahren. Der Gedanke an morgen macht mir ehrlich gesagt keine gute Stimmung aber noch ist es ja nicht soweit und so stürzten wir uns noch einmal in einen Nachmittag. Das Wetter war, wie fast jeden Tag, sehr sommerlich und sehr angenehm.

Die Cafés, die Seele der Stadt

Die Cafés der Stadt gehören zur Lebensart von Buenos Aires wie Tango, Evita oder Parrilla. Die Confitería Las Violetas in der Avenida Rivadavia 3899 (Subte „Castro Barros“) ist ähnlich wie das Grand Café Tortoni ein Traditionscafé. Es wird größten Wert auf Authentizität gelegt und sehr viel Aufwand betrieben um die eleganten, historischen Cafés der Stadt in Schuss zu halten. Es gibt sogar ein Gesetzt zum Schutz und Erhalt dieser Traditionscafés und Bars. Das Las Violetas im Viertel „Almagro“ ist hell und klassisch eingerichtet und bietet eine große Auswahl an Torten und Gebäck. Diese kann man entweder im mondänen Ambiente des Cafés gebührend genießen oder einfach mit nach Hause nehmen.

Birthday Bash im Las Violetas im Stadtteil Almagro in Buenos Aires

Toastecken mit Marmelade sowie Cappuccino

Bei Toastecken mit Marmelade, Cappuccino und Coke light haben wir die letzten Postkarten an unsere Liebsten geschrieben und die Seele baumeln lassen. Den Weg zurück sind wir zu Fuß gegangen. So bekommt man einfach den besten Eindruck von einer Stadt und man entdeckt immer wieder spannendes links und rechts des Weges. Wir sind einfach dem Linienverlauf der Subte Linea A entlang der Avenida Rivadavia in Richtung Monserrat gefolgt. Dabei kamen wir an der Plaza Miserere vorbei. Der Platz war ziemlich bevölkert. Hier treffen sich die Menschen um zu plauschen oder zu handeln. Einige verkauften Dies und Das auf am Boden ausgebreiteten Tüchern. Wenig später sind wir noch am National Kongress und der Plaza del Congreso vorbeigekommen. Dort parkte ein ziemlich cooles und ziemlich zugetaggtes Wohnmobil.

Zugetaggtes Wohnmobil auf der Plaza del Congresso

Rush Hour Chaos

An der Megakreuzung 9 de Julio / De Mayo haben wir die allabendliche Rush-Hour beobachtet. Heute waren sogar Polizisten im Einsatz die das Regeln des Verkehrs zusätzlich zu den Ampeln übernahmen. Zirka 10 Sekunden bevor eine Ampel auf Rot schaltete hielten die Polizisten bereits den Verkehr an. Das sollte verhindern, dass die Leute mit Ihren Autos den Kreuzungsbereich verstopfen. Hier zählt jeder Meter der gefahren werden kann. Um also das größtmögliche Chaos zu vermeiden sperren die Polizisten rechtszeitig die Kreuzung für die jeweilige Richtung, die als nächstes Rot bekommt.

Der allabendliche Wahnsinn (Rush Hour) an der Megakreuzung Avendida 9 de Julio und Avenida de Mayo

Die Italienerin in Algerien

In der Av. De Mayo haben wir uns dann ganz spontan für einen Theaterbesuch am Abend entschieden. Genauer gesagt haben wir uns für eine Oper entschieden und zwar Rossinis L’Italiana in Algeri, deren Neuinszenierung heute Premiere in der „La Nueva Ópera de Buenos Aires“ feierte. Das kulturelle Angebot in Buenos Aires ist wirklich überwältigend. In keiner anderen Großstadt soll es so viele Bühnen geben wie hier. Man sagt es seien um die 180 Bühnen.

Rossinis L'Italiana in Algeri in der La Nueva Opera de Buenos Aires

Wie dem auch sei, unsere Vorstellung startete aber erst um 20 Uhr sodass wir noch Zeit für einen Salat in einem Restaurant ganz in der Nähe hatten. Dort machten wir zum wiederholten Male tierische Bekanntschaft mit einem der vielen umherstreunenden Hunde. Er schaute uns an, wir schauten ihn an und schon lag er ganz entspannt unter unserem Tisch. Was er genau wollte blieb allerdings unklar. Gebettelt hat er nicht!

"Pedro" einer unser vielen tierischen Teilzeitfreunde

Nach dem ersten Akt haben wir die Oper aber wieder verlassen, weil wir noch packen mussten und schon wieder Hunger hatten. Zum Abendessen haben wir uns dann das moderne Eckrestaurant gegenüber dem “El Federal” in San Telmo an der Ecke der Straßenkreuzung Carlos Calvo und Peru ausgesucht. Dort gab es einen superleckeren Salat mit mindestens einem Kilo Blauschimmelkäse. (: Na soviel war es nicht aber immerhin soviel, das ich es nicht aufessen konnte und das mag bei Käse schon was heißen. Dann sind wir nach Hause und dort hieß es packen. *Schnief*

Architektonischer Blick von der Plaza del Congresso in Richtung Avenida 9 de Julio

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