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Schöne Künste in Buenos Aires

Heute wollten wir ins MALBA. Dort hat es mir bei meinem letzten Besuch sehr gut gefallen. Das relativ junge Museum (eröffnet 2001) widmet sich lateinamerikanischer Kunst von den Anfängen des zwanzigsten Jahrhunderts bis heute. Das MALBA liegt nördlich des Stadtzentrums in Palermo Chico. Also zum Laufen zu weit. Unweit der Defensa, an der Avenida Paseo Colón sollten wir eigentlich einen Colectivo in die Richtung erwischen. An den Haltestellen angekommen wurden wir noch bevor wir den Guia“T“ aus der Tasche holen konnten von einem Porteño japanischer Abstammung angequatscht. Man sieht uns an, dass wir mit den Bussen in Baires noch Probleme haben. 😉 Er erklärte uns welche Linien in Frage kommen und fing mit uns ein Gespräch an. Er war ziemlich redselig und als er erfuhr, dass wir Deutsche sind, kam er sofort auf die gemeinsame Geschichte im Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Ab da wurde das Gespräch etwas unheimlich, besonders als er fragte, ob wir auch Patrioten seien. Wir stiegen in den nächstbesten Bus ein und fuhren bis zum Gebäude der juristischen Fakultät. Von dort sind es nur noch ein paar hundert Meter zu Fuß.

Die Floralis Genérica von Eduardo Catalano in Buenos Aires

Spaziergang zum MALBA

Das Universitätsgebäude stammt aus den 1940er Jahren und ist architektonisch entsprechend monumental. Gleich daneben, in dem angrenzenden kleinen Park, Plaza Naciones Unidas, steht die Floralis Genérica in ihrem Wasserbassin. Die überdimensionale Blüte, erschaffen vom Architekten Eduardo Catalano, ist aus Aluminium und poliertem Edelstahl. Ihre Besonderheit ist, dass sie sich morgens öffnet und zum Abend hin schließt.

MALBA - Museum für Lateinamerikanische Kunst in Buenos Aires

MALBA – Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires

Danach ging es noch ein ganzes Stück, vorbei an einem Villenviertel, bis wir an dem Neubau aus Glas und Naturstein ankamen. Derzeit gab es neben der Dauerausstellung mit Werken von Frieda Kahlo, Grete Stern etc.., eine Ausstellung über die „Amigos del Arte“. Die Kunstfreunde förderten in der Zeit von 1924 bis 1942 Kunst und Literatur in Buenos Aires. Leider hatte man von der Ausstellung ohne fundierte Spanischkenntnisse nur wenig. Zu sehen gab es u.a. Fotos aus den 1920er-Jahren in Buenos Aires.

Amigos de la Arte - MALBA Buenos Aires

Im Erdgeschoss war unter dem Titel „Diseño en proceso“ eine Schauwand aufgestellt, die den unsichtbaren Prozess des Designens bei der Entstehung von Industrieprodukten aufzeigt. Außer viel Text und ein paar Beispielobjekten (z.B. Spielzeug, Schuhe, Wasserhahn) gab es nicht viel zu entdecken. Daraus hätte man mehr machen können, finde ich.

Küchenarmatur "Nabuco" aus der Ausstellung "Diseño en Proceso" im MALBA Buenos Aires

Das Highlight war jedoch eine Fotoreihe mit dem Titel „El triunfo de la muerte“ (Der Triumpf des Todes). Der Fotograf, Oscar Bony, hatte sich mit Fernauslöser in mehreren Posen abgelichtet, als würde er im Moment des Fotos erschossen werden. Danach hat er dann wohl die bereits gerahmten Fotos hinter Glas beschossen, so dass man nicht nur die Einschusslöcher, sondern auch das gesprungene Glas sehen konnte.

Der Triumpf des Todes von Oscar Bony im MALBA Buenos Aires

Paseo Alcorta – Yet another shopping mall

Inzwischen machte sich der Hunger bemerkbar und wir beschlossen Essen zu gehen. Ganz nahe beim MALBA liegt eine Shopping Mall, das Paseo Alcorta, mit riesigem Supermarkt. In der obersten Etage kann man an einigen Imbissen Kleinigkeiten essen. Es ist echt erstaunlich, wie gut in Argentinien selbst in solchen Läden das Fleisch schmeckt. In dem Supermarkt, einem Carrefour, haben wir dann endlich eine italienische Espressomaschine gefunden und Kaffee, der OHNE Zucker geröstet wurde, 100% Arabica. Ab jetzt gibt es auch zuhause guten Kaffee! Bisher haben wir ihn nämlich nach „Art des Hauses“ mit einem zum Filter umfunktionierten Teestrumpf gebrüht.

Palermo Chico

Auf dem Weg zum Museo Nacional de Bellas Artes haben wir uns dann das Villenviertel, an dem wir vorhin vorbeigelaufen sind, vorgenommen. Vorbei an etlichen Botschaften (z.B. von der Islamischen Republik Iran und von Haiti) sind wir dann tiefer ins das kleine Viertel gelaufen. Hier gibt es unheimliche schicke Privathäuser in der Größe einer kleinen Villa, aber auf minimalstem Raum. Alles ist unheimlich gepflegt und der Rasen saftig grün, sofern man dass durch die mannshohen Stahlzäune mit Sichtschutz erkennen konnte. Um das Rasensprengen müssen sich hier die Besitzer sicher nicht selbst kümmern, das machen Angestellte. Dumm nur, dass dieses exklusive Quartier direkt an der vielbefahrenen Eisenbahnstrecke von und nach Retiro und in der Einflugschneise des Stadtflughafens Jorge Newberry liegt. Allein in der Zeit, in der wir da waren, donnerten zwei Flugzeuge über uns hinweg. Das nimmt dem Viertel irgendwie seine Exklusivität und wir waren uns einig, dass wir hier nicht wohnen wollten.

MNBA – Museo National de Buenos Aires

Das Nationalmuseum der schönen Künste war gerade noch geöffnet (es schließt um 20 Uhr) und wir haben uns dort 2 Ausstellungen angeschaut. Eine hieß „Aproximaciones“ (Annäherungen) von Jacques Bedel, der mit Folien hinter Glas gearbeitet hat.

Annäherungen/Aproximaciones von Jacques Bedel im MNBA Buenos Aires

Die andere mit Fotos verschiedener Künstler nannte sich „Mirando la Historia“ (Die Geschichte Betrachtend) und widmete sich neben argentinischen Themen, wie der Militärdiktatur und Ihren Folgen und der Wirtschaftskrise von 2001, auch internationalen Ereignissen wie dem Anschlag auf den US-Präsidenten Reagan, dem Wahlkampf Mitterrands und der Ankunft des ersten Zeppelins 1934 in Buenos Aires.

Hier mit Bild von Julio Pantoja, Pablo Gargiulo

Besonders beeindruckt hat mich das Foto eines jungen Mannes, der Fotografien seiner Eltern in den Händen hält, die während der Diktatur verschwunden sind. Faszinierend war auch die Aufnahme eines jungen Pärchens. Über das Foto von den beiden war ein zweites abgerissenes gelegt. Auf dem abgerissenem war ihnen der Mund mit einer Mullbinde verbunden, was die Zensur versinnbildlichen sollte. Die Werke der klassischen europäischen und südamerikanischen Künstler haben wir uns für einen anderen Besuch aufgehoben.

Anos de plomo, die bleiernen Jahre, Censura/Zensur

Ganz in der Nähe liegt in einer Grünanlage an der Plaza Francia der berühmte Friedhof von Recoleta. Der hatte aber schon zu. Die Kirche gleich nebenan (Nuestra Señora del Pilar) ist ziemlich überladen golden und wahrscheinlich ohne besonderen kulturhistorischen Wert. Eindrücklich war aber, dass in jeder Seitenkapelle vor den riesigen Altären je 2 monströse, uralte Ventilatoren standen. Allmählich wurde es auch schon dunkel und wir mussten noch ziemlich weit nach Hause laufen.

Die Avenida Corrientes, der Broadway von Buenos Aires

Auf dem Heimweg entdeckten wir eine Straße, die Libertad, parallel zur Avenida 9 de Julio, in der auf mehreren hundert Metern Länge ein Juweliergeschäft nach dem anderen kam. Meist mit Werbeschildern für den An- und Verkauf teurer Uhren (Rolex). Diese Spezialstraßen waren mir schon bei meinem letzten Aufenthalt aufgefallen.

Zuhause angekommen gab es zuerst, auch wenn es schon später Abend war, einen Kaffee…

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In der Hitze der Stadt

Nach dem wir erst am frühen morgen ins Bett gegangen sind, wurden wir gefühlt nur wenige Augenblicke später wieder wach. Das Hostel erwachte nach und nach zum Leben. Schon gestern ging es in der Lobby sehr lebhaft zu. Zudem lief die halbe Nacht DJ-Mucke. Eigentlich wollten wir noch ein bisschen schlafen, also haben wir uns Oropax ins Ohr gestopft. Was für eine Stille! Nach dem Aufstehen begann der Tag genau wie gestern: Nämlich mit Duschen, hektischen Zusammenpacken und Auschecken. Aber darin haben wir ja inzwischen Routine.

Stadtgetümmel

Unser erster Weg führte uns mit Sack & Pack zu Buquebus. Dort wollten wir uns Tickets für die letzte Fähre nach Buenos Aires kaufen, um noch so viel Zeit wie möglich in Montevideo zu verbringen. Die frühen Fähren waren ohnehin schon alle ausgebucht, also blieb nur die um 21 Uhr. Dass wir erst um Mitternacht in Buenos Aires ankommen, war für unseren Vermieter dort kein Problem. Wir hatten uns bereits im Vorfeld um ein Zimmer in Buenos Aires bemüht und eine flexible Ankunft ausgemacht. Unser ganzes Gepäck konnten wir zum Glück komplett am Buquebus-Terminal im Hafen deponieren. Und das kostenlos!

Kreuzfahrtschiff im Hafen von Montevideo, Uruguay

Nachdem wir von den ganzen Kilos befreit waren, haben wir uns nochmal ins Stadtgetümmel gestürzt. Bevor es aber so richtig losgehen konnte brauchten wir unbedingt noch einen Kaffee. Zuvor jedoch, wo wir schon mal in der Nähe waren, haben wir noch den Mercado del Puerto besichtigt. Heute war er geöffnet und so schlenderten wir durch die alte, schmiedeeiserne Markthalle. Zur Mittagszeit herrscht hier Hochbetrieb. Heute war die Altstadt viel voller als noch gestern.

Mercado del Puerto in der Altstadt von Montevideo, Uruguay

Vielleicht lag das daran, dass im Hafen ein Riesen-Kreuzfahrtschiff festgemacht hatte und seine Passagiere an Land spuckte. So sah man viele Leute in der Markthalle Parrilla essen. Von dort ging es dann direkt weiter ins Café Bacacay, wo wir gestern schon waren. Nach diesem ultraspäten Frühstück sind wir in das unterirdische Mausoleum von General Artigas gegangen, das unterhalb der Plaza Independencia liegt. Die Urne des Generals wird von zwei Uniformierten bewacht.

Mausoleum General Artigas Plaza Independencia in Montevideo, Uruguay

Bei meinem ersten Besuch in Montevideo habe ich mich über eine Militärparade auf der Plaza gewundert. Jetzt ist mir klar, dass es sich hier um die Wachablösung handelte, die man jeden Sonntag erleben kann. Anschließend sind wir durch die ruhigeren Seitenstraßen rechts der Avenida 18 de Julio gestreift. Die Platanen, die die Einbahnstraßen säumten, bildeten ein geniales Blätterdach, das fast wie ein Tunnel wirkte und so angenehm Schatten spendete. Es war so heiß in der Stadt, dass sie Klimaanlagen auf Hochtouren liefen und das Kondenswasser auf die Bürgersteige regnete. Hier gab es viele kleine Läden zu entdecken, wie man sie bei uns kaum noch kennt.

Panaderia in Montevideo Centro, Uruguay

Besonders gefallen haben uns die vielen kleinen Bäckereien mit unendlich vielen verschiedenen Süßigkeiten, aber auch herzhaften Empanadas und Quiches. Abseits der Touristenmeile kann man zudem Bars, Cafés, Kurzwaren- und andere Spezialgeschäfte finden.

Industrie- und Modedesignausstellung

Auf der Plaza Fabini haben wir dann eine Ausstellung im SUBTE (Centro Municipal de Exposiciones) besucht. Dort lief die Ausstellung „20 años del Centro de Diseño Industrial“, in welcher der Fachbereich Industrie- und Modedesign der Universidad de la República sein 20-jähriges Bestehen feierte. Die Exponate stammten von Studenten und Absolventen der Uni. Ausgestellt waren Arbeiten, die von ersten Konzeptionen bis zu marktreifen oder auch rein funktionalen Produkten reichten.

Industrie- und Modedesign Ausstellung in Montevideo Subte

Industrie- und Modedesignausstellung in Montevideo Subte

Studentische Industriedesign Ausstellung in Montevideo Subte

Teatro Solís

Der Höhepunkt des Tages war eine englischsprachige Führung durch das wunderschöne Teatro Solís.

Panorama Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Das wollten wir eigentlich gestern schon machen, aber wir waren zu spät dran. Zwischen Dienstag und Sonntag werden jeweils um 11, 12 und 17 Uhr Führungen durch das Gebäude für 40 UY$ (ca. 1,37 EUR) angeboten. Eine Führung in spanische kostet die Hälfte. Ursprünglich wollte ich diese Führung bereits letztes Jahr machen, aber da ich an einem Montag abgereist bin, ging das nicht.

Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Das Interesse an den Führungen scheint recht groß zu sein, da sich bereits einige Leute im Foyer des Theater einfanden. Die Führungen sind sehr persönlich und so kommen nur wenige Leute auf einen Guide. Unser Guide sprach extrem gutes Englisch und führte unsere Gruppe durch alle wichtigen Bereiche des Theaters. Außer uns waren nur noch zwei sehr junge Norwegerinnen dabei, von denen die eine in Montevideo lebte. Unsere Tour begann auf dem Vorplatz, wo wir eine Einführung in die verschiedenen Bauphasen des Gebäudes bekamen.

Decke des Saals im Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Dann führte er uns in einen prachtvoll mit viel Gold dekorierten Saal im ersten Stock. Dieser diente früher als Aufenthaltsraum während den Pausen, heute wird er für andere Veranstaltungen, genutzt. So finden hier von Zeit zu Zeit mondäne Tangoabende statt. Als nächstes ging es dann in den Theatersaal. Dort erfuhren wir, dass das Theater insgesamt Platz für 1250 Menschen bietet. Der Bürgermeister von Montevideo und der Präsident Uruguays haben jeweils eine großzügige Privatloge im ersten bzw. im zweiten Stock mit bester Sicht auf das Bühnengeschehen. Wir erfuhren auch, dass die Avanzen (eine Art Loge) direkt links und rechts der Bühne noch bis 1998 zu den teuersten Plätzen im Theater zählten.

Hinter der Bühne des Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Dort hat man zwar keine gute Sicht auf die Bühne, aber man kann alle Anwesenden sehen und wird von allen gesehen. Der Opernsaal ist am ehesten mit der Scala in Milano zu vergleichen. Für eine Vorstellung im Teatro Solis muss man aber nur maximal 180 UY Peso (ca. 6,20 EUR) bezahlen. Selbst bei diesen Preisen ist der Saal selten ausverkauft. Danach sind wir hinter die Bühne gegangen und haben uns die sehr moderne Bühnentechnik erklären lassen. Unsere 40-minütige Tour endete im rechten Seitenflügel der Oper, in dem sich eine weitere kleine Bühne befindet. Dort gibt es momentan Tanzperformances zu sehen. Die Opernsaison in Montevideo beginnt wieder im August. Bis dahin wir die Oper als Theater benutzt.

Hinter der Bühne im Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Auf nach Buenos Aires

Bis unsere Fähre abfahren würde, blieb uns noch etwas Zeit in Montevideo. Die haben wir in der Altstadt mit Eis essen und Trinken verbracht.

Justizministerium in Montevideo, Uruguay

Dann sind wir gemächlich zum Hafen geschlendert. Das Ausreisen verlief total problemlos und nur wenig später saßen wir in der Fähre Santa Maria Ana L nach Buenos Aires. Gegen Mitternacht sind wir im Hafen von Buenos Aires eingelaufen. Wir freuten uns total auf diese Stadt. Nur wenig später holten uns unsere Gastgeber, ein amerikanisch-argentinisches Paar, ab und wir fuhren zusammen in die Wohnung die wir angemietet hatten. Von der Wohnung sind wir total begeistert. Wir hatten sie uns auf den Bildern viel spartanischer vorgestellt. Die beiden zeigten uns alles und meinten wir sollen uns wie zu Hause fühlen. Ich glaube das werden wir hier auch.

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Música para los ojos – Musik für die Augen

Nach einem herrlich entspannten Sonntag in Montevideo freuten wir uns auf einen neuen Tag in Montevideo. Die Stadt hatte sich uns Samstag und Sonntag auf so unterschiedliche Weise präsentiert, dass wir auf einen ganz normalen Werktag in dieser Metropole gespannt waren. Heute wollten wir auf jeden Fall mal die Museen der Stadt besuchen. Montag ist ein Werktag und da sollten wir nicht allzu oft vor verschlossenen Türen stehen, auch wenn Museen gern mal am Montag geschlossen haben. Gegen 10 Uhr haben wir im Hostel ausgecheckt, da heute unser vorerst letzter Tag in Uruguay sein sollte. Wie wir genau nach Buenos Aires kommen, wussten wir noch nicht, aber da boten sich einige Wege an. Der Portier sagte uns, dass die Verkaufsstelle von Buquebus sich in unmittelbarer Nähe des Hostels befindet.

Buquebus

Wir haben noch kurz eine Recherche am Internet-Terminal im Hostel gemacht, um grob abzuschätzen, mit welchen Kosten wir rechnen müssen. Im Verkaufsbüro ließen wir uns dann genauer über die Möglichkeiten und Kosten der Reise nach Buenos Aires aufklären. Der einfachste Weg war auch der teuerste. Mit der Schnellfähre kann man in drei Stunden in BsAs sein. Eine andere Möglichkeit wäre, mit dem Bus 2,5 Stunden zurück nach Colonia zu fahren und von dort die Fähre zu nehmen. Noch günstiger wird es, wenn man von dort einen weiteren Bus nach Buenos Aires nimmt. Wir wollten aber nicht den ganzen Tag im Bus verbringen und auch noch so viel Zeit wie möglich in Montevideo verbringen. Also haben wir uns für die Schnellfähre entschieden. Das Ticket kam um die 75 US$ (ca. 48 EUR) pro Person, und so haben wir die letzte Fähre um 19:15 gebucht. Das war ziemlich perfekt, denn so konnten wir noch den ganzen Tag hier verbringen und die Stadt unsicher machen.

Quirlige Altstadt

Nachdem das geklärt war sind wir in die Altstadt und haben sie fast nicht mehr wieder erkannt. Plötzlich tobte dort das pralle Leben, nachdem man gestern mit dem Besen durchgehen konnte. Viele Läden links und rechts der Av. Sarandi waren geöffnet, und die Straße entpuppte sich als Einkaufs- und Flaniermeile. Ebenso hatten viele Straßencafés geöffnet und überall waren Menschen. Wow, das ist also das urbane Montevideo, das man wohl so nur unter der Woche erleben kann.

Centro Cultural de España in Montevideo Uruguay

Vorgestern waren wir bereits in der Nähe des Hostels an einem Kulturzentrum vorbei gelaufen, das von außen schon ziemlich interessant aussah. Die Fassade war sehr modern aufgehübscht, und zu dem Zeitpunkt als wir daran vorbei liefen, fand gerade ein Fotoshooting vor den Schaufenstern statt. Nach einem kurzen Fußweg hatten wir das Gebäude auch wiedergefunden. Das CCE befindet sich in der Avenida Rincón 629. Von der Plaza Independencia ist es nur ein kurzer Weg dorthin. Leider waren wir 40 Minuten zu früh dran. Das Zentrum öffnete erst um 11:30 Uhr seine Räumlichkeiten. So mussten wir wohl noch mal wiederkommen. Die Zeit bis dahin totzuschlagen sollte uns allerdings nicht schwerfallen. Das Altstadtviertel, so entfesselt wie es vor uns lag, kannten wir nicht. So sind wir durch die Straßen geschlendert und haben u.a. das bunte Treiben an der „Plaza Matriz“ beobachtet.

Centro Cultural de España

Gegen halb 12 sind wir zurück zum Centro Cultural de España gelaufen. Wir waren die ersten Besucher. Der Portier knipste für uns die Monitore an und zog die Rollos hoch. Eilig hat es hier niemand und das ist total angenehm. Im Eingangsbereich gab es die kleine Design-Ausstellung „Living Spain“ zu sehen, in der Einrichtungsgegenstände und Accessoires gezeigt wurden. Nichts wirklich Spektakuläres aber nett anzusehen.

Living Spain Designausstellung im Centro Cultural de España

In der untersten Etage konnte man sich lateinamerikanische Videokunst auf mehreren LCD-Fernsehern ansehen. Jeder Bildschirm war thematisch unterteilt, und auf einer großen Leinwand in der Mitte des Raumes liefen abwechselnd Sequenzen aus allen Beiträgen. Jeder LCD-Bildschirm war mit jeweils einem Paar Kopfhörern ausgestattet. In einen Film fuhr z.B. ein Mann auf einem Mofa durch die Pampa von Brasilien. Dabei fuhr er durch die unterschiedlichste, wunderschöne Natur. Der Clou war allerding die Trompete die im Auspuff des Mofas steckte. So gab es je nachdem über welchen (Straßen-)Belag er fuhr oder je nachdem wie er beschleunigte oder abbremste die unterschiedlichsten Töne aus der Trompete. Das fand ich eine sehr coole Idee und wirklich gut geschnitten (Videoschnitt). Die Filme, die folgten waren alle zum Thema „Música para los ojos“, also zu Deutsch „Musik für die Augen“. Das brachte die Sache genau auf den Punkt. Zwei Bildschirme weiter flimmerte eine ruhige Kamerafahrt durch ein äußerst prächtiges Operntheater, an dem der Zahn der Zeit bereits gründlich genagt hatte. Wenige Augenblicke später wurde dazu eine nackte Frau in diese Szenerie montiert. Die Frau bewegte sich schwimmend durch das Theater. Untermalt wurden die Szenen mit klassischer Musik. Das war sehr zauberhaft. Wir haben ziemlich viel Zeit in diesem Raum verbracht und uns alle Bildschirme angesehen. Alle Sequenzen in voller Länge zu sehen, hätte jedoch mindestens 6 Stunden gebraucht.

Im Innern des Centro Cultural de España

Wer in Montevideo ist sollte unbedingt mal dieses Kulturzentrum besuchen. Schon alleine das Innere des Gebäudes ist den Besuch wert. Ruhig auch mal die Stockwerke nach oben gehen. In einem Stock ist ein Café versteckt und noch weiter oben sind Büroarbeitsplätze für die Mitarbeiter. Geöffnet hat es von Montag-Freitag 11:30 – 20:00 Uhr und samstags von 11:30 – 18:00 Uhr. Der Eintritt ist frei und die Ausstellungen wechseln ständig.

Zweiter Stock im Centro Cultural de España in Montevideo

Architektur von Montevideo

Man sagt, dass sich Montevideo bis zum Ende der 1920er Jahre, also bis zur Weltwirtschaftskrise, auf gleicher Augenhöhe mit Buenos Aires befand. Nach der Weltwirtschaftskrise ging es allerdings für beide rapide abwärts. Die zwei Städte standen schon immer in ständiger Konkurrenz zueinander und dieser Umstand ist deutlich zu sehen. Besonders in der Architektur beider Städte kann man das heute noch nachvollziehen. Es gibt so viele Gebäude, die in einer ähnlichen Ausführung auch in Buenos Aires stehen bzw. standen.

Plaza Independencia mit Blick auf Palicio Salvo in Montevideo Uruguay

Während in Buenos Aires viele der alten Häuser den städtebaulichen Maßnahmen zum Opfer fielen, ist in Montevideo eine weitaus breitere Vielfalt an Häusern und Gebäuden erhalten geblieben. Bei einem Spaziergang durch die Av. 18 de Julio kann man das sehr deutlich beobachten. Hier wechseln sich (historischer) Eklektizismus (französischer, italienischer und spanischer Art), Bauhaus, Art Déco, Niederländischer Expressionismus sowie Spanischer und Italienischer Neoklassizismus ab, um nur einige Baustile zu nennen.

Buntes Gebäude in der Avenida 18 de Julio in Montevideo Uruguay

Dabei entsteht ein wirklich beeindruckendes und teilweise skurriles Stadtbild. Manche Gebäude sind so unwirklich und gewaltig, dass man aus dem Staunen nicht mehr heraus kommt. Kein Foto kann diese Pracht auch nur annähernd vermitteln auch wenn viele der Gebäude ihre beste Zeit bereits erlebt haben. Montevideo muss man einfach gesehen haben.

Gebäude entlang der Avenida 18 de Julio in Montevideo Uruguay

Bauhaus Gebäude in Montevideo Uruguay an der Avenida 18 de Julio

Ich möchte schon allein wegen der prachtvollen Architektur dorthin zurück. In drei Tagen kann man das Thema nur anreißen. So haben wir den Nachmittag u.a. damit verbracht, die fantastischen Häuser zu studieren. Wenn man sich an der Plaza Fabini befindet und am Beginn der Av. Libertator steht (Richtung Nordosten) kann man eine ziemlich beeindruckende Straßenschlucht sehen, an deren Ende, ganz weit in der Ferne, der mächtige Regierungspalast thront.

Regierungspalast Casa de la Moneda in Montevideo Uruguay

Sehr beindruckend. Wir sind der Straße einfach mal gefolgt und nach einem langen Fußmarsch haben wir schließlich den Regierungspalast erreicht. Leider konnte man ihn nur von außen besichtigen. Im Innern standen Wachen in Traditionsuniformen, soviel konnte man jedoch sehen.

Spielplatz in Nähe des Regierunspalastes in Montevideo Uruguay

Avenida Tristan Narvaja

Da es langsam Zeit wurde, sich wieder in Richtung Altstadt zu orientieren, sind wir über die Av. D. Fernandez Crespo in Richtung Av. 18 de Julio gelaufen. Dabei wollten wir uns noch die in der Karte andersfarbig markierten Straßenzüge ansehen, in deren unmittelbarer Nähe wir uns bereits befanden. Wir entdeckten das San Telmo von Montevideo. Überall gab es Buchläden, die zum überwiegenden Teil nur gebrauchte Bücher hatten. Die überwiegenden Titel zählten zur Bildungsliteratur und waren oftmals philosophischer, politischer oder geschichtlicher Natur. Auf der ganzen Av. Tristan Narvaja reihte sich Buchladen an Buchladen sowie Antiquitätengeschäft an Antiquitätengeschäft.

Antiquitätengeschäft in der Avenida Tristan Narvaja in Montevideo Uruguay

Dazwischen immer mal wieder ein Café und eine Universität. Die Straße soll am Wochenende besonders schön sein, da dann in ihr und den Nachbarstraßen ein großer Kunst- und Straßenflohmarkt stattfinden. Leider zog sich gegen 16 Uhr der Himmel gänzlich zu, und wenig später fing es ganz leicht an, zu regnen, und es wurde kühl. Langsam aber sicher kamen wir auch der Av. 18 de Julio näher. Dort hatten wir einen Kaffee in einem McCafé. Auf dem weiteren Weg in die Altstadt sind wir zum wiederholten Mal am „Palacio Municipal“ vorbei gekommen. Leider hatte dieser immer geschlossen. Heute war das anders, und der Vorplatz des Gebäudes war bereits „gut besucht“.

Palacio Municipal & Palacio Díaz

Das riesige Gebäude im „Modern Heterodoxa“-Stil ist das Rathaus von Montevideo und zentrale Anlaufstelle für seine Einwohner. Wir sind einfach mal reingegangen und haben uns den Koloss von innen angesehen. Drinnen gab es für uns nicht viel zu sehen, da wir nur Besucher waren. Im hinteren Eingangsbereich gab es ein kleines Café, das aus einem Metallgerüst „aufgebaut“ war. Sah ziemlich lustig aus das Ganze. Gleich vorne an der Eingangspforte klebt ein riesiges Satellitenbild von Montevideo auf dem Boden. Und so konnten wir viele kleinere Details nur schon allein im Eingangsbereich entdecken.

Bodenbelag im Palacio Municipal in Montevideo Uruguay

Weiter entlang der Av. 18 de Julio standen wir noch eine Zeit lang vor dem Palacio Díaz und bewunderten sein abstrakt-futuristisches Aussehen. Ein alter Mann muss uns wohl dabei beobachtet haben und sprach uns an. Er erzählte uns, dass er noch ein kleiner Junge war, als das Gebäude errichtet wurde (1929), und ein paar weitere Details, die wir leider nicht verstanden haben. Daraufhin wollten wir aber versuchen, mal in das Gebäude zu gehen. Bereits unten wurden wir vom Portier aufgehalten und gefragt, wo wir hin wollen.

Palacio Díaz in Avenida 18 de Julio in Montevideo Uruguay

Er fragte uns in welchen Stock wir wollten, aber da wir in dem Haus niemanden kannten, kamen wir hier nicht weiter. Er meinte das Haus sei ein privates Wohnhaus und nicht für Touristen zugänglich. Im unteren Bereich gab es nur eine riesige Bowlingbahn zu sehen. Wie auch immer. Es empfiehlt sich sehr, mit offenen Augen durch die Straßen zu laufen. Es lohnt sich auch ruhig mal die Straßenseite zu wechseln. Nachdem wir irgendwann wieder an der Plaza Independencia angelangt waren, sind wir zum Teatro Solís gelaufen. Auch dieses Gebäude, im historischen Eklektizismus von 1846, ist wunderschön anzusehen. Leider gibt es montags keine Führungen und so blieb auch dieses Gebäude nur von außen für uns erschließbar. Gleich gegenüber dem Solís Theater liegt ein sehr nettes Café, dessen Namen ich leider vergessen habe. Die Einrichtung ist sehr schön gemacht und vor allem die Stühle sind uns gleich ins Auge gefallen. Dort hatten wir eine Cola, Kaffee und jeder einen Riesenmedialuna. Das Café wird scheinbar von einer Deutschen geführt. Wir hörten sie fließend deutsch reden und sie verabschiedete sich wenig später mit „Auf Wiedersehen“ von uns. Sehr lustig und überall in der Gegend trifft man auf viele Deutsche. Leider hatten wir keine Zeit mehr für ein Gespräch. Wäre sicher interessant gewesen.

Abfahrt gen Buenos Aires

Pünktlich wie die Maurer waren wir dann gegen 18:30 bereits im Terminal von Buquebus. Natürlich mussten wir wieder Ausreisepapiere ausfüllen, aber komischerweise hat sich niemand dafür interessiert. Weder in Uruguay noch in Argentinien wollte die jemand sehen oder haben. Die haben uns in Uruguay einfach wieder zwei Stempel in den Pass gedrückt, und das war es dann auch schon. Die Fähre, mit der wir nach Buenos Aires fuhren, war riesig und konnte diesmal auch Autos mitnehmen. Mit einer kleinen Verspätung von 10 Minuten legten wir schließlich ab und kamen gg. 22:30 Uhr in Buenos Aires an.

Leere und unbenutzte Tram in Buenos Aires im Barrio Puerto Madero

Dort haben wir dann zum ersten Mal die Tram benutzt. Die Bahn fährt dort bereits seit 2005, sieht aber noch total neu und unbenutzt aus. Wir waren die einzigen Fahrgäste und so kamen wir schließlich doch noch in den Genuss einer Tramfahrt. Irgendwie macht die Streckenführung keinen Sinn und lässt vermuten, dass die Tram nur zur Promotion des exklusiven Hafenviertels dient. Wie haben in der Tram nie viele Leute gesehen, und Käufer der Luxuswohnungen am Puerto Madero fahren sicher auch keine Tram. Wir sind bis zur Endstation gefahren und den Rest in die Casa Perú gelaufen. Kaputt und erledigt sind wir dann wenig später ins Bett gefallen.

Typische Straßenenszene in Montevideo Uruguay

Art Deco Gebäude in Montevideo Uruguay an der 18 de Julio

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Eine Busfahrt, die ist lustig…

Für heute stand nichts Konkretes auf dem Plan. Mal einfach nur so durch die Stadt zu treiben hat seinen Reiz und schauen was sich so ergibt. So sind wir zu Fuß von San Telmo ins Nachbarquatier Monserrat gelaufen und haben uns dort zum Plaza de Mayo durchgeschlagen und uns bei der Gelegenheit den roten Präsidentenpalast angeschaut. Auf dem Platz fand zur gleichen Zeit eine Demonstration statt. Wir konnten allerdings nicht genau ausmachen wofür oder wogegen die Demonstration gerichtet war. Von dort sind wir dann weiter nach Microcentro, dem Börsen- und Geschäftszentrum von Buenos Aires gelaufen. Dort herrschte reger Betrieb, und auf den Gehsteigen ging es nur sehr schleppend voran. In einem Kaffee haben wir das Treiben eine Weile lang beobachtet und sind dann mit dem Bus 111 in Richtung Palermo aufgebrochen.

Microcentro Buenos Aires

Öffentlicher Nahverkehr in Buenos Aires

Busfahren in BsAs ist eine sehr spezielle Angelegenheit und eine tolle Möglichkeit, die Stadt zu entdecken. Der Busfahrplan für die Hosentasche für Porteños oder jene die es werden wollenAls unwissender Tourist sollte man sich unbedingt den Busfahrplan Guia „T“ für die Hosentasche besorgen. Ein wertvolles Instrument für den Großstadtdschungel. Ohne diesen Plan ist es so gut wie unmöglich, gezielt durch BsAs zu fahren. Um ihn zu kaufen (4 Pesos), sollte man einfach an verschiedenen Zeitungsständen nachfragen, aber nicht jeder hat diesen im Angebot. Nun heißt es Haltestelle suchen. Hat man sie gefunden sollte man zusehen, dass man noch in den Bus kommt. Gerade am Nachmittag und Abend sind diese oft überfüllt. Manchmal kommen aber gleich mehrere Busse der selben Linie auf einmal. Das Ein- und Aussteigen gestaltet sich recht ruppig, und man sollte zusehen das man schnell zusteigt, da die Busfahrer – noch während Gäste ein- oder aussteigen – bereits wieder anfahren. So ist es keine Seltenheit, dass Fahrgäste brüllen, dass sie auch noch aus- bzw. einsteigen wollen.

Bus 111 Richtung Palermo Buenos Aires

Ist man eingestiegen, sagt man dem Fahrer entweder wohin man möchte, also die Station, oder für wieviel Pesos man fahren möchte. Der Preis richtet sich dann nach den gefahrenen Stationen. Für einen Pesos kann man bereits sehr weit fahren und Fahrpreise von mehr als 1 1/2 Pesos haben wir bisher nicht gesehen. Für den Automaten braucht man auf jeden Fall Münzen. Mit Scheinen sollte man erst gar nicht versuchen einzusteigen. Das ganze Bussystem funktioniert nur mit Münzen! Die Münzen schmeißt man dann einfach in den Automaten und erhält so sein Ticket.

Irgendwo in Palermo

Irgendwo in Palermo, wo es interessant aussah, sind wir dann ausgestiegen. Nach kurzem Kartencheck haben wir uns für die Erkundung von Palermo-Soho entschieden, das quasi bereits vor uns lag. Nach ein paar Straßen standen wir plötzlich in der wundersamen Welt von Palermo-Soho. Hier findet der Buenos Aires Style Ausdruck in einem ganzen Viertel. Hier gibt es so viele stylische Modeläden, Boutiquen, Cafes und Bars, Interior-Geschäfte und Galerien, dass man fast schon überfordert wird. Jedes Geschäft präsentiert sich auf seine ganz spezielle Art und Weise, und so kann man hier wahnsinnig viele schöne große und kleine Dinge entdecken. Man fühlt sich auf Anhieb wohl in diesem Quartier, das so ganz anders ist als die Viertel, die wir bisher gesehen haben. Hier scheint die Welt in Ordnung, und das Leben läuft in ruhigeren und leiseren Tönen ab. Jedenfalls kann man das für die Zeit tagsüber sagen. Eine nächtliche Erkundungstour steht allerdings noch aus.

Bilder aus Palermo-Soho:
Design-Shop in Palermo-Soho Buenos Aires

Schaufenster eines Klamottenladens in Palermo-Soho Buenos Aires

Cafe in Palermo-Soho Buenos Aires

Sommerschlussverkauf in einem Shop in Palermo-Soho Buenos Aires

Schaufensterfront Nike Shop in Palermo-Soho Buenos Aires

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