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Schöne Künste in Buenos Aires

Heute wollten wir ins MALBA. Dort hat es mir bei meinem letzten Besuch sehr gut gefallen. Das relativ junge Museum (eröffnet 2001) widmet sich lateinamerikanischer Kunst von den Anfängen des zwanzigsten Jahrhunderts bis heute. Das MALBA liegt nördlich des Stadtzentrums in Palermo Chico. Also zum Laufen zu weit. Unweit der Defensa, an der Avenida Paseo Colón sollten wir eigentlich einen Colectivo in die Richtung erwischen. An den Haltestellen angekommen wurden wir noch bevor wir den Guia“T“ aus der Tasche holen konnten von einem Porteño japanischer Abstammung angequatscht. Man sieht uns an, dass wir mit den Bussen in Baires noch Probleme haben. 😉 Er erklärte uns welche Linien in Frage kommen und fing mit uns ein Gespräch an. Er war ziemlich redselig und als er erfuhr, dass wir Deutsche sind, kam er sofort auf die gemeinsame Geschichte im Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Ab da wurde das Gespräch etwas unheimlich, besonders als er fragte, ob wir auch Patrioten seien. Wir stiegen in den nächstbesten Bus ein und fuhren bis zum Gebäude der juristischen Fakultät. Von dort sind es nur noch ein paar hundert Meter zu Fuß.

Die Floralis Genérica von Eduardo Catalano in Buenos Aires

Spaziergang zum MALBA

Das Universitätsgebäude stammt aus den 1940er Jahren und ist architektonisch entsprechend monumental. Gleich daneben, in dem angrenzenden kleinen Park, Plaza Naciones Unidas, steht die Floralis Genérica in ihrem Wasserbassin. Die überdimensionale Blüte, erschaffen vom Architekten Eduardo Catalano, ist aus Aluminium und poliertem Edelstahl. Ihre Besonderheit ist, dass sie sich morgens öffnet und zum Abend hin schließt.

MALBA - Museum für Lateinamerikanische Kunst in Buenos Aires

MALBA – Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires

Danach ging es noch ein ganzes Stück, vorbei an einem Villenviertel, bis wir an dem Neubau aus Glas und Naturstein ankamen. Derzeit gab es neben der Dauerausstellung mit Werken von Frieda Kahlo, Grete Stern etc.., eine Ausstellung über die „Amigos del Arte“. Die Kunstfreunde förderten in der Zeit von 1924 bis 1942 Kunst und Literatur in Buenos Aires. Leider hatte man von der Ausstellung ohne fundierte Spanischkenntnisse nur wenig. Zu sehen gab es u.a. Fotos aus den 1920er-Jahren in Buenos Aires.

Amigos de la Arte - MALBA Buenos Aires

Im Erdgeschoss war unter dem Titel „Diseño en proceso“ eine Schauwand aufgestellt, die den unsichtbaren Prozess des Designens bei der Entstehung von Industrieprodukten aufzeigt. Außer viel Text und ein paar Beispielobjekten (z.B. Spielzeug, Schuhe, Wasserhahn) gab es nicht viel zu entdecken. Daraus hätte man mehr machen können, finde ich.

Küchenarmatur "Nabuco" aus der Ausstellung "Diseño en Proceso" im MALBA Buenos Aires

Das Highlight war jedoch eine Fotoreihe mit dem Titel „El triunfo de la muerte“ (Der Triumpf des Todes). Der Fotograf, Oscar Bony, hatte sich mit Fernauslöser in mehreren Posen abgelichtet, als würde er im Moment des Fotos erschossen werden. Danach hat er dann wohl die bereits gerahmten Fotos hinter Glas beschossen, so dass man nicht nur die Einschusslöcher, sondern auch das gesprungene Glas sehen konnte.

Der Triumpf des Todes von Oscar Bony im MALBA Buenos Aires

Paseo Alcorta – Yet another shopping mall

Inzwischen machte sich der Hunger bemerkbar und wir beschlossen Essen zu gehen. Ganz nahe beim MALBA liegt eine Shopping Mall, das Paseo Alcorta, mit riesigem Supermarkt. In der obersten Etage kann man an einigen Imbissen Kleinigkeiten essen. Es ist echt erstaunlich, wie gut in Argentinien selbst in solchen Läden das Fleisch schmeckt. In dem Supermarkt, einem Carrefour, haben wir dann endlich eine italienische Espressomaschine gefunden und Kaffee, der OHNE Zucker geröstet wurde, 100% Arabica. Ab jetzt gibt es auch zuhause guten Kaffee! Bisher haben wir ihn nämlich nach „Art des Hauses“ mit einem zum Filter umfunktionierten Teestrumpf gebrüht.

Palermo Chico

Auf dem Weg zum Museo Nacional de Bellas Artes haben wir uns dann das Villenviertel, an dem wir vorhin vorbeigelaufen sind, vorgenommen. Vorbei an etlichen Botschaften (z.B. von der Islamischen Republik Iran und von Haiti) sind wir dann tiefer ins das kleine Viertel gelaufen. Hier gibt es unheimliche schicke Privathäuser in der Größe einer kleinen Villa, aber auf minimalstem Raum. Alles ist unheimlich gepflegt und der Rasen saftig grün, sofern man dass durch die mannshohen Stahlzäune mit Sichtschutz erkennen konnte. Um das Rasensprengen müssen sich hier die Besitzer sicher nicht selbst kümmern, das machen Angestellte. Dumm nur, dass dieses exklusive Quartier direkt an der vielbefahrenen Eisenbahnstrecke von und nach Retiro und in der Einflugschneise des Stadtflughafens Jorge Newberry liegt. Allein in der Zeit, in der wir da waren, donnerten zwei Flugzeuge über uns hinweg. Das nimmt dem Viertel irgendwie seine Exklusivität und wir waren uns einig, dass wir hier nicht wohnen wollten.

MNBA – Museo National de Buenos Aires

Das Nationalmuseum der schönen Künste war gerade noch geöffnet (es schließt um 20 Uhr) und wir haben uns dort 2 Ausstellungen angeschaut. Eine hieß „Aproximaciones“ (Annäherungen) von Jacques Bedel, der mit Folien hinter Glas gearbeitet hat.

Annäherungen/Aproximaciones von Jacques Bedel im MNBA Buenos Aires

Die andere mit Fotos verschiedener Künstler nannte sich „Mirando la Historia“ (Die Geschichte Betrachtend) und widmete sich neben argentinischen Themen, wie der Militärdiktatur und Ihren Folgen und der Wirtschaftskrise von 2001, auch internationalen Ereignissen wie dem Anschlag auf den US-Präsidenten Reagan, dem Wahlkampf Mitterrands und der Ankunft des ersten Zeppelins 1934 in Buenos Aires.

Hier mit Bild von Julio Pantoja, Pablo Gargiulo

Besonders beeindruckt hat mich das Foto eines jungen Mannes, der Fotografien seiner Eltern in den Händen hält, die während der Diktatur verschwunden sind. Faszinierend war auch die Aufnahme eines jungen Pärchens. Über das Foto von den beiden war ein zweites abgerissenes gelegt. Auf dem abgerissenem war ihnen der Mund mit einer Mullbinde verbunden, was die Zensur versinnbildlichen sollte. Die Werke der klassischen europäischen und südamerikanischen Künstler haben wir uns für einen anderen Besuch aufgehoben.

Anos de plomo, die bleiernen Jahre, Censura/Zensur

Ganz in der Nähe liegt in einer Grünanlage an der Plaza Francia der berühmte Friedhof von Recoleta. Der hatte aber schon zu. Die Kirche gleich nebenan (Nuestra Señora del Pilar) ist ziemlich überladen golden und wahrscheinlich ohne besonderen kulturhistorischen Wert. Eindrücklich war aber, dass in jeder Seitenkapelle vor den riesigen Altären je 2 monströse, uralte Ventilatoren standen. Allmählich wurde es auch schon dunkel und wir mussten noch ziemlich weit nach Hause laufen.

Die Avenida Corrientes, der Broadway von Buenos Aires

Auf dem Heimweg entdeckten wir eine Straße, die Libertad, parallel zur Avenida 9 de Julio, in der auf mehreren hundert Metern Länge ein Juweliergeschäft nach dem anderen kam. Meist mit Werbeschildern für den An- und Verkauf teurer Uhren (Rolex). Diese Spezialstraßen waren mir schon bei meinem letzten Aufenthalt aufgefallen.

Zuhause angekommen gab es zuerst, auch wenn es schon später Abend war, einen Kaffee…

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In der Hitze der Stadt

Nach dem wir erst am frühen morgen ins Bett gegangen sind, wurden wir gefühlt nur wenige Augenblicke später wieder wach. Das Hostel erwachte nach und nach zum Leben. Schon gestern ging es in der Lobby sehr lebhaft zu. Zudem lief die halbe Nacht DJ-Mucke. Eigentlich wollten wir noch ein bisschen schlafen, also haben wir uns Oropax ins Ohr gestopft. Was für eine Stille! Nach dem Aufstehen begann der Tag genau wie gestern: Nämlich mit Duschen, hektischen Zusammenpacken und Auschecken. Aber darin haben wir ja inzwischen Routine.

Stadtgetümmel

Unser erster Weg führte uns mit Sack & Pack zu Buquebus. Dort wollten wir uns Tickets für die letzte Fähre nach Buenos Aires kaufen, um noch so viel Zeit wie möglich in Montevideo zu verbringen. Die frühen Fähren waren ohnehin schon alle ausgebucht, also blieb nur die um 21 Uhr. Dass wir erst um Mitternacht in Buenos Aires ankommen, war für unseren Vermieter dort kein Problem. Wir hatten uns bereits im Vorfeld um ein Zimmer in Buenos Aires bemüht und eine flexible Ankunft ausgemacht. Unser ganzes Gepäck konnten wir zum Glück komplett am Buquebus-Terminal im Hafen deponieren. Und das kostenlos!

Kreuzfahrtschiff im Hafen von Montevideo, Uruguay

Nachdem wir von den ganzen Kilos befreit waren, haben wir uns nochmal ins Stadtgetümmel gestürzt. Bevor es aber so richtig losgehen konnte brauchten wir unbedingt noch einen Kaffee. Zuvor jedoch, wo wir schon mal in der Nähe waren, haben wir noch den Mercado del Puerto besichtigt. Heute war er geöffnet und so schlenderten wir durch die alte, schmiedeeiserne Markthalle. Zur Mittagszeit herrscht hier Hochbetrieb. Heute war die Altstadt viel voller als noch gestern.

Mercado del Puerto in der Altstadt von Montevideo, Uruguay

Vielleicht lag das daran, dass im Hafen ein Riesen-Kreuzfahrtschiff festgemacht hatte und seine Passagiere an Land spuckte. So sah man viele Leute in der Markthalle Parrilla essen. Von dort ging es dann direkt weiter ins Café Bacacay, wo wir gestern schon waren. Nach diesem ultraspäten Frühstück sind wir in das unterirdische Mausoleum von General Artigas gegangen, das unterhalb der Plaza Independencia liegt. Die Urne des Generals wird von zwei Uniformierten bewacht.

Mausoleum General Artigas Plaza Independencia in Montevideo, Uruguay

Bei meinem ersten Besuch in Montevideo habe ich mich über eine Militärparade auf der Plaza gewundert. Jetzt ist mir klar, dass es sich hier um die Wachablösung handelte, die man jeden Sonntag erleben kann. Anschließend sind wir durch die ruhigeren Seitenstraßen rechts der Avenida 18 de Julio gestreift. Die Platanen, die die Einbahnstraßen säumten, bildeten ein geniales Blätterdach, das fast wie ein Tunnel wirkte und so angenehm Schatten spendete. Es war so heiß in der Stadt, dass sie Klimaanlagen auf Hochtouren liefen und das Kondenswasser auf die Bürgersteige regnete. Hier gab es viele kleine Läden zu entdecken, wie man sie bei uns kaum noch kennt.

Panaderia in Montevideo Centro, Uruguay

Besonders gefallen haben uns die vielen kleinen Bäckereien mit unendlich vielen verschiedenen Süßigkeiten, aber auch herzhaften Empanadas und Quiches. Abseits der Touristenmeile kann man zudem Bars, Cafés, Kurzwaren- und andere Spezialgeschäfte finden.

Industrie- und Modedesignausstellung

Auf der Plaza Fabini haben wir dann eine Ausstellung im SUBTE (Centro Municipal de Exposiciones) besucht. Dort lief die Ausstellung „20 años del Centro de Diseño Industrial“, in welcher der Fachbereich Industrie- und Modedesign der Universidad de la República sein 20-jähriges Bestehen feierte. Die Exponate stammten von Studenten und Absolventen der Uni. Ausgestellt waren Arbeiten, die von ersten Konzeptionen bis zu marktreifen oder auch rein funktionalen Produkten reichten.

Industrie- und Modedesign Ausstellung in Montevideo Subte

Industrie- und Modedesignausstellung in Montevideo Subte

Studentische Industriedesign Ausstellung in Montevideo Subte

Teatro Solís

Der Höhepunkt des Tages war eine englischsprachige Führung durch das wunderschöne Teatro Solís.

Panorama Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Das wollten wir eigentlich gestern schon machen, aber wir waren zu spät dran. Zwischen Dienstag und Sonntag werden jeweils um 11, 12 und 17 Uhr Führungen durch das Gebäude für 40 UY$ (ca. 1,37 EUR) angeboten. Eine Führung in spanische kostet die Hälfte. Ursprünglich wollte ich diese Führung bereits letztes Jahr machen, aber da ich an einem Montag abgereist bin, ging das nicht.

Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Das Interesse an den Führungen scheint recht groß zu sein, da sich bereits einige Leute im Foyer des Theater einfanden. Die Führungen sind sehr persönlich und so kommen nur wenige Leute auf einen Guide. Unser Guide sprach extrem gutes Englisch und führte unsere Gruppe durch alle wichtigen Bereiche des Theaters. Außer uns waren nur noch zwei sehr junge Norwegerinnen dabei, von denen die eine in Montevideo lebte. Unsere Tour begann auf dem Vorplatz, wo wir eine Einführung in die verschiedenen Bauphasen des Gebäudes bekamen.

Decke des Saals im Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Dann führte er uns in einen prachtvoll mit viel Gold dekorierten Saal im ersten Stock. Dieser diente früher als Aufenthaltsraum während den Pausen, heute wird er für andere Veranstaltungen, genutzt. So finden hier von Zeit zu Zeit mondäne Tangoabende statt. Als nächstes ging es dann in den Theatersaal. Dort erfuhren wir, dass das Theater insgesamt Platz für 1250 Menschen bietet. Der Bürgermeister von Montevideo und der Präsident Uruguays haben jeweils eine großzügige Privatloge im ersten bzw. im zweiten Stock mit bester Sicht auf das Bühnengeschehen. Wir erfuhren auch, dass die Avanzen (eine Art Loge) direkt links und rechts der Bühne noch bis 1998 zu den teuersten Plätzen im Theater zählten.

Hinter der Bühne des Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Dort hat man zwar keine gute Sicht auf die Bühne, aber man kann alle Anwesenden sehen und wird von allen gesehen. Der Opernsaal ist am ehesten mit der Scala in Milano zu vergleichen. Für eine Vorstellung im Teatro Solis muss man aber nur maximal 180 UY Peso (ca. 6,20 EUR) bezahlen. Selbst bei diesen Preisen ist der Saal selten ausverkauft. Danach sind wir hinter die Bühne gegangen und haben uns die sehr moderne Bühnentechnik erklären lassen. Unsere 40-minütige Tour endete im rechten Seitenflügel der Oper, in dem sich eine weitere kleine Bühne befindet. Dort gibt es momentan Tanzperformances zu sehen. Die Opernsaison in Montevideo beginnt wieder im August. Bis dahin wir die Oper als Theater benutzt.

Hinter der Bühne im Teatro Solis in Montevideo, Uruguay

Auf nach Buenos Aires

Bis unsere Fähre abfahren würde, blieb uns noch etwas Zeit in Montevideo. Die haben wir in der Altstadt mit Eis essen und Trinken verbracht.

Justizministerium in Montevideo, Uruguay

Dann sind wir gemächlich zum Hafen geschlendert. Das Ausreisen verlief total problemlos und nur wenig später saßen wir in der Fähre Santa Maria Ana L nach Buenos Aires. Gegen Mitternacht sind wir im Hafen von Buenos Aires eingelaufen. Wir freuten uns total auf diese Stadt. Nur wenig später holten uns unsere Gastgeber, ein amerikanisch-argentinisches Paar, ab und wir fuhren zusammen in die Wohnung die wir angemietet hatten. Von der Wohnung sind wir total begeistert. Wir hatten sie uns auf den Bildern viel spartanischer vorgestellt. Die beiden zeigten uns alles und meinten wir sollen uns wie zu Hause fühlen. Ich glaube das werden wir hier auch.

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