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In den Fluten des Río Iguazú

Unser letzter Tag in Puerto Iguazú war angebrochen. Also mussten wir unsere sieben Sachen packen und freuten uns, dass wir nur das Nötigste dabei hatten. So ging alles ziemlich stressfrei. Danach haben wir in aller Ruhe gefrühstückt und anschließend ausgecheckt. Am Busterminal wollten wir uns Tickets für den späten Abend nach Rosario besorgen. Wir hatten geplant, so spät wie möglich zu fahren, sodass wir noch den ganzen Tag im Nationalpark verbringen konnten. Es stellte sich jedoch heraus, dass der letzte Bus bereits um 17 Uhr abfahren würde. Keine der zahlreichen Busgesellschaften hatte eine spätere Abfahrt im Programm. Die Zeit reichte trotzdem für einen weiteren Abstecher in den Nationalpark. Da die meisten Busgesellschaft nur cash akzeptieren, mussten wir vorher noch der Bank einen Besuch abstatten. Unser letztes Bargeld hatten wir im Hostel gelassen und so brauchten wir vor dem Kauf der Tickets erneut efectivo. Hatten wir schon erwähnt, dass in Puerto Iguazú bargeldlos so gut wie gar nichts geht?

Blick in die Garganta del Diablo im Parque Nacional Iguazu in Argentinien

Blick auf den Salto Mbigua im Parque Nacional Iguazú in Misiones, Argentinien

An der Bank angekommen, hieß es dann erstmal anstehen und warten. Scheinbar heben die Argentinier gerne jeden Tag Geld ab oder sie lieben es einfach, in der Schlange zu stehen. Ich glaube hier trifft beides zu, denn viele hoben nur Kleinstbeträge ab. Außerdem haben wir jeden Tag, den wir an der Bank vorbei liefen, lange Schlangen vor den Geldautomaten gesehen. Die Argentinier sind sehr diszipliniert, wenn es darum geht, in einer Schlange anzustehen. Es wird nicht gemeckert, es wird nicht gedrängelt und es wird auch nicht gegängelt. So waren wir auch schon bald dran und konnten Geld ziehen. Zurück am Busterminal haben wir die Tickets nach Rosario gekauft und los ging es in den Parque Nacional Iguazú. Zuvor sind wir noch unser überflüssiges Gepäck in der Gepäckaufbewahrung losgeworden. Wir hatten alles so gepackt, dass wir nur mit einem Rucksack im Park unterwegs sein würden. Darin befanden sich unsere Badesachen und eine große Wasserflasche. Badesachen deshalb, weil heute die Badestelle auf der „Isla San Martín“ fest auf unserem Plan stand. Bei unserem ersten Besuch am Donnerstag war es, als wir im Park ankamen, dafür leider schon zu spät dafür. Also wollten wir es heute nochmal versuchen. Baden ist das, was wir bei den subtropischen Temperaturen hier besonders vermissten. Unser Hostel hatte leider keinen Pool und so war die kalte Dusche in den letzten drei Tagen unser bester Freund.

Kaltes klares Wasser: Parque Nacional Iguazú in Argentinien

Auf einen Bus in den Park mussten wir nicht lang warten und so waren wir bereits kurz vor 12 Uhr da. Es war ziemlich voll an der einzig geöffneten Kasse. Es scheint hier mehr Personal zum Kontrollieren und Abreißen der Karten als Kassierer bzw. Kassen zu geben. Das Verhältnis war 6:1. Besonders geschäftstüchtig sind die Argentinier wirklich nicht, aber das macht sie so unheimlich liebenswert und sympathisch. Wenn man erstmal in dem gemächlichen argentinischen Tempo angekommen ist, kann man sich über die Hektik und den Stress in Deutschland nur noch wundern und mit dem Kopf schütteln. Das Motto aus dem Dschungelbuch: „Probier´s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit…„, scheint man hier wortwörtlich zu nehmen. Vielleicht hat sich aber auch Balu der Bär die Inspiration zu seinem Lied in Argentinien geholt. Wer weiß… 😉

Nasenbären auf dem Sendero Verde im Iguazú Nationalpark in Argentinien

Heute wollten wir keine Zeit mit der quälenden Schmalspurbahn verschwenden und sind zu Fuß das kurze Stück zum Paseo Inferior gelaufen. Das geht wesentlich schneller! So ziemlich am Anfang des Sendero Verde (Grüner Pfad) begegnete uns auch gleich eine ganze Nasenbärkolonie. Die putzigen Tierchen haben sich so sehr an den Menschen gewöhnt, dass sie einem sehr nahe kommen. Ihre natürliche Scheu haben sie komplett verloren, so konnten wir die neugierigen Tiere aus nächster Nähe beobachten. Wer hier allerdings wen beobachtet, ist die Frage. Die Nasenbären behielten die potentiellen Nahrungsspender die ganze Zeit im Auge. Einige Touristen konnten es trotz der Warnungen nicht lassen, die Tiere zu füttern. Diese strömten daraufhin rudelweise von überall her und schnappten in der Hoffnung auf mehr nach den Taschen der Touristen. Dummheit bleibt eben nicht lange ungesühnt. Wir zogen weiter und erfreuten uns am Spaziergang auf dem schattigen Dschungelpfad. Wir sahen zahlreiche Tiere und Pflanzen entlang des Weges und liefen vorbei an handtellergroßen Schmetterlingen, deren Schönheit nur von den Blüten, nach denen sie Ausschau hielten, übertroffen wurde. Ein faszinierendes Ökosystem!

Gelbe Blüte im Parque Nacional Iguazú in Argentinien

Schließlich kamen wir lange vor der Schmalspurbahn an dem „Bahnhof Cataratas“ an. Gleich dahinter beginnt der Paseo Inferior, der Trail, der uns ans Ufer des Río Iguazú und die Anlegestelle des Bootes zur Isla San Martín bringen würde. Von dort fährt ein Boot im 10-Minuten-Takt auf die Insel. Wir kamen viel langsamer voran als wir dachten, denn wir wurden wie die Tage zuvor von immer neuen und immer anderen Blickwinkeln auf die Wasserfälle aufgehalten. Die Iguazú-Fälle gehören garantiert zu den am häufigsten fotografierten Plätzen der Erde. Bei den Fotoperspektiven, die einem hier ständig geboten werden, mag das auch kaum verwundern. Über Stock und über Stein ging es letztlich abwärts zum Ufer des Flusses. Der Abstieg über Steintreppen und schmale Wanderpfade war beschwerlich und langwierig. Immer wieder kamen uns Touristen auf dem sehr engen Weg entgegen. Zwischendrin standen Menschen, die einfach Pause machten, sich ausruhten und die atemberaubende Natur bestaunten. Endlich erreichten wir den Bootsanleger. Die geniale Idee mit der Badestelle auf der Isla San Martín hatten außer uns noch viele andere Besucher. So hieß es erneut: Join the queue!

Warten auf die Überfahrt zur Isla San Martín im Iguazú Nationalpark in Argentinien

Nachdem wir uns in die Schlange eingereiht hatten, ging es nur schleppend vorwärts. Es war unglaublich heiß und ausgerechnet hier gab es keinen einzigen Baum oder Strauch, der Schatten spenden konnte. In der prallen Sonne standen wir auf den Stufen hinab zum Anleger und warteten, warteten und warteten. Uns lief das Wasser aus allen Poren und zum ersten Mal in der ganzen Zeit war uns die Hitze zu viel. Das Boot zur Insel nahm zu jeder Überfahrt genau 18 Personen mit und keine mehr. Nach mehr als 30 Minuten war es dann endlich soweit. Viel länger hätten wir es in dieser Hitze auch nicht mehr ausgehalten. Nach der kurzen Überfahrt (die übrigens im Eintrittspreis enthalten ist) sind wir sofort im Río Iguazú baden gegangen. Die Abkühlung war bitter nötig! Das Wasser war sauber und erfrischend, man konnte aber nur knietief hinein. Wenn man überall nass werden wollte, dann musste man sich hinlegen. Das Ufer des Flusses ist sehr steinig und die Strömung heftig. Das erklärt die geringe Tiefe, die fürs Baden freigegeben ist. Und so lagen wir in großartiger Kulisse eine ganze Weile zusammen mit anderen Touristen bis zum Hals im Wasser. Ein wirklich tolles Erlebnis, so umzingelt von Wasserfällen zu baden!

Badestelle auf der Isla San Martín im Parque Nacional Iguazú in Argentinien

Isla San Martin mit Blick auf den gleichnamigen Wasserfall im Iguazú Nationalpark in Argentinien

Baden ist aber längst nicht alles, was man auf dem kleinen Eiland machen kann. Auch hier kann man entlang eines Wanderpfades die Aussicht auf die Fälle vertiefen und die Natur erkunden. Um uns vor der Hitze zu schützen, haben wir unsere T-Shirts wieder angezogen und sind nochmals mit Klamotten ins Wasser gegangen. Die Verdunstungskühle beim Trocknen der Sachen sollte uns helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Um den Pfad auf dem Plateau der Insel zu erreichen, hieß es wieder Treppen steigen. Oben angelangt wurden wir sogleich von Leguanen und bunten Vögeln begrüßt. Der Pfad führte uns einmal um die gesamte Insel und schließlich zu einer Aussichtsplattform mit fantastischem Blick auf den Salto San Martín. Der Geräuschpegel ist hier immens. Die Ausflugsboote, die bis ganz an den Fuß des Wasserfalls heranfahren, sehen von oben aus wie kleine Nussschalen, die scheinbar willenlos in den tosenden Fluten tanzen. Wenn man sich vorstellt, dass es bis weit in die 1930er Jahre möglich war, das Spektakel auch direkt von oben, von der Abbruchkante, zu erleben, wird einem ganz schummrig. Man konnte sich damals von einem Einheimischen bis an die Kante rudern lassen, um dann todesmutig in den Abgrund zu spucken. Dass das früher oder später schief gehen musste, war klar, und so sind diese lebensmüden Fahrten seither verboten.

Blick auf den Salto Escondido im Parque Nacional Iguazu in Argentinien

Isla San Martin im Iguazú Nationalpark in Argentinien

Auf dem Rückweg zum Anleger des Shuttle-Boots haben wir dann noch eine ganze Weile dem Spiel einer Tukan-Familie zugesehen. Die Natur ist wirklich unbeschreiblich schön, bunt und artenreich. Ich will nicht wissen, was nach Einbruch der Dunkelheit hier los ist. Langsam mussten wir uns aber losreißen. Spätestens bis 15 Uhr sollten wir den Park verlassen haben, um unseren Bus nach Rosario zu schaffen. Während wir auf das Boot warteten, haben wir uns nochmal die inzwischen abgetrockneten Klamotten nass gemacht. Angekommen auf der anderen Seite des Flussarmes hatten wir leider keine Zeit mehr für die Fototapeten links und rechts des Weges, sondern eilten direkt zum Ausgang.

Blick in den Schlund des Teufels im Parque Nacional Iguazú in Argentinien

An der Haltestelle vor dem Parkeingang stand dann zum Glück auch der Bus, der uns rechtzeitig nach Puerto Iguazú brachte. So hatten wir noch ausreichend Puffer bis zur Abfahrt nach Rosario. Den würden wir brauchen, um Essen und Trinken für die Fahrt zu kaufen. Auf den Service im Bus wollten wir uns lieber nicht verlassen, da wir nur normale Holzklasse gebucht hatten. Der Supermarkt am Busterminal hatte allerdings geschlossen. Verwöhnt durch die Öffnungszeiten in Baires haben wir mit derartigen Störungen gar nicht gerechnet. Naja es war Sonntag, was will man erwarten? Zum Glück würde der Minimercado in einer halben Stunde wieder öffnen. Ziemlich knapp zwar, aber verhungern will man ja auch nicht. Wir beschlossen also, dass einer die Last-Minute Einkäufe macht, während der andere schon mal das Gepäck auslöst. Am verwaisten Busterminal war auch tote Hose und man konnte quasi die Grillen zirpen hören. An der Gepäckaufbewahrung begrüßte mich dann zu allem Übel ein Zettel: „Bin gleich wieder da!“ ‒ Bin gleich wieder da? Das kann in Argentinien fast alles bedeuten: Bin nur kurz auf Klo oder komme morgen wieder. Also von fünf Minuten bis zu einer Ewigkeit ist alles drin. Mit einem Schlag war meine hitzebedingte Müdigkeit wie weggeblasen und ich überlegte mir, wie ich die Frau wohl ausfindig machen könnte. Wegen sowas den Bus zu verpassen, wäre echt blöd gewesen. Die ganze Aufregung war aber gar nicht nötig, denn nur kurze Zeit später kam die „junge Dame“ in argentinischer Ruhe um die Ecke geschlendert.

Rosario, wir kommen!

Punkt 17 Uhr saßen wir als erste und einzige völlig erledigt im Bus. Nur allmählich trudelten die anderen drei Fahrgäste ein und es ging los. Die drei Backpacker waren in puncto „argentinisches Tempo“ schon einen Schritt weiter als wir. Dieser Doppelstockbus war wesentlich angeranzter und längst nicht so bequem wie unser letzter, aber immer noch besser als alles was ich an Reisebussen aus Europa kenne. Der untergehenden Sonne entgegen, mit dem aufgehenden Mond hinter uns fuhren wir zurück nach Süden. Bei einem Halt an einer Mautstelle irgendwo in Misiones kamen wir in eine Polizeikontrolle. Nach einer sehr kurzen Inspektion unserer Pässe und Rucksäcke ging es auch schon weiter. Mittlerweile war es dunkel geworden, das Essen wurde uns in die Hand gedrückt und das Unterhaltungsprogramm begann. Das alles interessierte uns wenig, wir wollten lieber unsere Erinnerungen auf Papier festhalten. An unseren Plätzen war leider das Licht defekt und so haben wir uns einfach umgesetzt. Gegen 22 Uhr hielt der Bus in Posadas. Wir kauften uns ein paar Empanadas und stiegen wieder ein. Schließlich wurden wir müde und wollten uns schlafen legen. Wir klappten die Sitze nach hinten und mussten feststellen, dass uns das Kondensat der Klimaanlage ins Gesicht tropfte. Also sind wir zurück auf unsere ursprünglichen Plätze. Dort stank es aber inzwischen bestialisch nach Abgasen und es war unsicher, ob wir auf diesen Sitzen am nächsten Morgen auch tatsächlich wieder aufwachen würden. Am Ende haben wir in der Sitzreihe vor uns einen angemessenen Schlafplatz gefunden…

Mond über der Ruta 12 in Misiones in Argentinien

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Ländergrenzen und andere Konzepte von gestern

Unsere Hoffnung hat sich erfüllt und ein neuer heißer und subtropischer Tag wartete auf uns. Die Klimaanlage hatten wir die letzte Nacht gar nicht erst an gemacht, da es ausreichend kühl zum Schlafen im Zimmer war. Doch heute Morgen, als wir erwachten, war es bereits so stickig, dass wir in unserem eigenen Schweiß lagen. Nach der kalten Dusche haben wir das Frühstück im Hostel ausprobiert. Normalerweise ist das Frühstück in Hostels nicht zu gebrauchen, aber dieses war unerwartet gut. Es gab einen großen Brotkorb voll mit kleinen Brötchen und diversen Facturas (Schweineöhrchen, Blätterteigbatzen, Medialunas etc.). Dazu gab es Kaffee, Butter und Marmelade bzw. Dulce de Leche. Wegen des herrlichen Wetters haben wir unseren Aufenthalt im Hostel für eine Nacht verlängert, um unseren ursprünglichen Plan weiterzuverfolgen. Wir wollten in den Iguaçu-Nationalpark, diesmal in den auf der brasilianischen Seite. Pedro vom Empfang des Hostels empfahl uns, ein Taxi dorthin zu nehmen, weil es dann mit der Einreise schneller gehen würde und wir so mehr Zeit für den Park hätten.

Aussichtsplattform mit Blick auf den Salto Tres Mosqueteros im Parque Nacional Iguazú in Argentinien

Grenzerfahrung

Wir sind also erstmal zum Busterminal und haben uns nach einem Taxi erkundigt. Dieses sollte 80 Peso kosten, und wer weiß was da noch so alles hinzu kommt, wenn man erstmal im Taxi sitzt. Eine natürliche Skepsis beim Taxifahren in Lateinamerika ist ratsam! Die Idee mit dem Taxi nach Brasilien zu fahren, war uns von Anfang an unsympathisch. Den öffentlichen Nahverkehr zu benutzen ist einfach viel näher dran am Alltag und den Menschen. Also haben wir beschlossen, es ohne Taxi zu versuchen. Da gibt’s wesentlich mehr zu erleben. Der Linienbus nach Foz do Iguaçu stand dann auch schon zur Abfahrt bereit. Wir mussten nur noch einsteigen und 3 Peso pro Person bezahlen. Die Grenze lag gleich am Stadtrand, viel näher als ich erwartet hatte. Dort mussten erstmal alle aussteigen und die Ausreiseformalitäten durchlaufen. Nachdem alle ihren argentinischen Ausreisestempel im Dokument hatten, ging es mit demselben Bus über die Brücke über den Río Iguazú zur brasilianischen Grenzstation.

Salto Rivadavia und Salto Tres Mosqueteros im Parque Nacional Iguazú in Argentinien

Dort hieß es dann wieder aussteigen, um diesmal die Einreisestempel für Brasilien zu bekommen. Dabei gab es keinerlei Schwierigkeiten. Nervig ist die ganze Prozedur trotzdem, u.a. weil der Bus weiterfährt und man auf den nächsten warten muss. Grenzen sind schon ein absurdes Konstrukt, an denen Menschen zu Ausländern gemacht werden. Auf den Bus zur Weiterfahrt mussten wir nicht lange warten, höchstens 10 min, und unser Ticket war weiter gültig. Gleich an der nächsten Haltestelle nach der Grenze sind wir wieder ausgestiegen, um auf der anderen Straßenseite mit einem anderen Bus in Richtung Aeroporto / Parque Nacional do Iguaçú zu fahren. So erspart man sich den Weg in die Stadt und hierher zurück. Nach genau einer Stunde und 20 Minuten kamen wir im brasilianischen Nationalpark an. Die Einreise mit dem Bus verlief total easy und unkompliziert. Ein Taxi hätte uns höchstens 20 Minuten erspart. Diese Ersparnis steht allerdings in keinem Verhältnis zu dem Erlebnis der Busfahrt und den gewonnenen Erkenntnissen über die öffentlichen Verkehrsmittel im Grenzgebiet.

Busfahren auf Brasilianisch nach Foz do Iguaçu in Brasilien

Benvindo, Bienvenido und Willkommen

Das Parkgelände macht einen viel moderneren und großzügigeren Eindruck als auf der argentinischen Seite. Der Eintritt ist billiger und man kann die 21,15 Reais (knapp 7 EUR) mit EC-Karte bezahlen. Am Einlass wurden wir überraschenderweise mit „Hallo“ und „Viel Spaß“ begrüßt. Auf den Karten war nämlich vermerkt, das wir Deutsche sind. Die Fortbewegung im Park erfolgt ausschließlich mit Bussen. Die Entfernungen sind deutlich größer als die im argentinischen Nationalpark. Zu Fuß kann man gar nichts erreichen. Als erstes wollten wir natürlich die Fälle sehen und sind bis zur vorletzten Haltestelle gefahren. Hier beginnt der Wanderweg, der einen mit Dauerpanoramen auf die Wasserfälle verwöhnt.

Blick aus Brasilien in die Garganta del Diablo im Parque Nacional Iguazú in Argentinien

Am Beginn des Wanderpfads begegnete uns auch gleich ein Nasenbär. Diese Tiere sehen total putzig aus, trotzdem ist Vorsicht geboten. Nasenbären können ganz schön aggressiv werden, wenn sie sich bedrängt fühlen. Dass man sie nicht füttern soll, versteht sich ja von selbst. Nach nur wenigen Metern bietet sich dann auch schon der erste Panoramablick auf die Fälle. Hier bleibt einem zum ersten Mal die Spucke weg! Egal wie nah man den Fällen in Argentinien kommt, ihre schiere Größe kann man nur von dieser Seite erahnen. Wie es halt so ist: Der mit dem schönsten Haus sieht am wenigsten davon. So auch hier: Argentinien hat zwar den größeren Teil der Fälle auf seinem Territorium, aber die spektakulärsten Sichten hat man von Brasilien aus. Es ist also unbedingt empfehlenswert, sich beide Seiten anzusehen. Da es wiedermal sehr heiß war, klebten nach kurzer Zeit die Klamotten am Körper. Hut ab vor den Leuten, die hier in langen Jeans rumrennen! Der Wanderpfad führt einen immer dichter und dichter an die Wasserfälle und eröffnet einen spektakulären Blick nach dem anderen. Den Höhepunkt bildet ein Besuchersteg, der auf halber Höhe an den Eingang der Garganta del Diablo führt. Auf allen Seiten tost das Wasser und fällt in die Tiefe. Die Gischt kann man hier von unten sehen, wird von ihr eingehüllt und nass gemacht.

Gischt zum Duschen am Steg oberhalb des Wasserfalls Santa Maria mit Blick in die Garganta del Diablo im Parque Nacional do Iguaçu in Brasilien

Erfrischende Gischt am Steg zur Garganta del Diablo im Parque Nacional do Iguaçu in Brasilien

Ich kann absolut nachvollziehen, wie sich die Guaraní, die Ureinwohner, die Entstehung der Wasserfälle erklärt haben: Einer ihrer Krieger, Caroba, war in die Frau eines Waldgottes verliebt. Die junge Naipur erwiderte diese Liebe und eines Tages beschlossen die beiden, flussabwärts mit einem Kanu zu fliehen. Der Waldgott bemerkte die Flucht jedoch und wollte sie aufhalten. Mit göttlicher Kraft senkte er das Flussbett ab. Die Fluten schlugen über Naipur zusammen und sie kam ums Leben. Als Fels steht sie nun für ewig am Fuße der Wasserfälle. Caroba hatte auch kein Glück. Er wurde in einen Baum verwandelt und musste fortan auf die zu Fels gewordene Geliebte schauen.

Salto Lanusse im Parque Nacional Iguazú in Argentinien

Nass und erfrischt zurück vom Steg haben wir am Ende des Pfades den Fahrstuhl auf die obere Besucherplattform genommen. Auch hier bieten sich wieder neue Aussichten auf das großartige Naturschauspiel und es fällt schwer, sich davon zu lösen. Wir wollten aber noch den Dschungel sehen und sind zu einer der anderen Haltepunkte an der Parkstraße aufgebrochen. Von dort geht der „Poço Preto“-Trail los. Diese ca. 4 stündige Wanderung führt einen durch den Dschungel direkt an das Ufer des Río Iguazú, von wo es mit einem Boot weiter flussabwärts geht. An einer anderen Stelle kommt man dann wieder an Land und zurück zur Straße. Ein Dschungel-Parcours sozusagen. Das klang sehr vielversprechend.

Steg an den Schlund des Teufels im Parque Nacional do Iguaçu in Brasilien

Besucherplattform_am_Salto Floriano im Parque do Iguaçu in Brasilien

Als wir jedoch gegen 16 Uhr dort ankamen, war der Trail bereits geschlossen. Leider sind diese wichtigen Informationen über Schließ- und Öffnungszeiten der verschieden Attraktionen nur schwer zugänglich. Auf der Karte, die wir am Eingang erhalten haben, stand jedenfalls nichts davon. Es blieb uns noch die Möglichkeit, wieder eine Busstation zurück zu fahren und unser Glück an einem anderen Trail zu versuchen. Dort angekommen, hätten wir auch noch an einer Tour teilnehmen können. Ob sich das lohnen würde, blieb jedoch völlig unklar. Die meiste Zeit würde man eingepfercht in einem Elektrowagen durch den Dschungel chauffiert. Bis auf einen ca. 600m kurzen geführten Fußmarsch und eine Bootsfahrt an die Wasserfälle versprach der Trail wenig Abenteuer und Entdeckungen. Es roch nach einer klassischen Touristenfalle. Wir hatten kein großes Interesse an dieser Ausfahrt und wollten die knapp 100 Euro pro Person lieber für etwas ausgeben, was uns mehr Spaß machen würde. So langsam erklärt sich auch der günstige Eintritt. Für jeden Trail und für jede Attraktion wird man auf brasilianischer Seite kräftig zur Kasse gebeten. Der einzig kostenfreie Wanderpfad, war der an die Garganta. Eigentlich schade, dass die Natur unter dem Vorwand des Naturschutzes so kommerzialisiert wird. Auf der argentinischen Seite ist das besser und man kann mehr von der Natur erleben ohne weitere Kosten. Wir beschlossen, den Park zu verlassen und stattdessen noch Foz do Iguaçu anzuschauen.

Salto Rivadavia und Salto Tres Mosqueteros im Parque Nacional Iguazú in Argentinien

Stippvisite in Foz do Iguaçu

Die Fahrt in die Stadt dauerte recht lange, aber so hatten wir genügend Muse, die an uns vorbeiziehenden Örtlichkeiten zu studieren. Brasilien ist schon anders als Argentinien oder Uruguay. Nicht nur durch die Sprache. Auf dem Weg zum Busterminal haben wir z.B. etliche Biergärten gesehen, die haargenau einem deutschen Biergarten entsprachen. Die nannten sich sogar „Biergarten“. Die Fahrt bis zur Endstation am Busterminal hätten wir uns eigentlich sparen können, denn dort gibt es nichts zu sehen. Man steigt besser früher aus, dort wo die Biergärten sind. So liefen wir also die halbe Busstrecke wieder zurück. Foz do Iguazçu scheint über eine ziemlich große arabische Minderheit zu verfügen. Überall gab es Schawarma und Döner. Wie man das bei der Hitze essen kann, bleibt eines von vielen brasilianischen Geheimnissen.

Salto Floriano an der Garganta del Diablo im Parque do Iguaçu in Brasilien

In einer Farmacia haben wir uns Apres Sun Lotion besorgt, um unsere verbrannten Arme einzucremen. Irgendwann an der Straße, in der Nähe des Rathauses, fanden wir auch eine Touristeninformation, bei der wir uns über die touristischen Attraktionen von Foz do Iguaçu erkundigen wollten. Neben fließend Spanisch wurde hier auch gutes Englisch gesprochen. Die Wahrscheinlichkeit, auf jemanden zu treffen, der Englisch spricht, ist in Brasilien sehr hoch. Das kann man nicht genug hervorheben. Vielleicht liegt das daran, dass die Landessprache Portugiesisch nicht sehr verbreitet ist. Bemerkenswert war, dass die Dame frei heraus meinte, dass es hier eigentlich nichts zu sehen gäbe. Eventuell wäre der große Paraná-Staudamm von Interesse, der insbesondere bei Dunkelheit sehenswert sei. Dann machte sie uns auf ein kleines Problem aufmerksam, nämlich, dass der letzte Bus nach Argentinien in ca. 5 Minuten, kurz vor 19 Uhr, von der Bushaltestelle gegenüber der Touristeninformation abfahren würde. Später kommt man dann nur noch mit einem Taxi rüber. Damit war unser brasilianisches Abenteuer auch schon fast zu Ende.

Stadtansicht mit Bus von Foz do Iguaçu in Brasilien

So weit die Füsse tragen…

Nur Augenblicke später saßen wir im Bus zur Grenze. Auf der Fahrt fiel uns noch eine große Werbetafel für eine Wäscherei auf. An dieser hing tatsächlich richtige Wäsche und flatterte fröhlich im Wind. Das nenn‘ ich mal plastische Werbung! An dem brasilianischen Grenzposten hätte der Busfahrer wohl erst gar nicht angehalten, hätten wir ihn nicht laut rufend dazu aufgefordert. Wir wollten die Ein- und Ausreiseregularien dieser Staaten aber lieber nicht missachten. Ein fehlender Ausreisestempel kann bei einem späteren Einreiseversuch leicht als Überziehung des 90-Tage-Visums interpretiert werden. Wir haben auch davon gehört, dass Touristen in Paraguay mit empfindlichen Strafen rechnen müssen, wenn sie ohne argentinischen Ausreisestempel im Pass angetroffen werden. Das gleiche ist für die beiden anderen Länder auch anzunehmen. Also sind wir raus aus dem Bus und rein in den Grenzposten. Anders als bei der Einreise wartete dieser Bus jedoch nicht bis wir fertig waren, und so standen wir an der Grenzstation in dem Bewusstsein, dass uns wohl gerade der letzte Bus weggefahren ist. Wir überlegten, ob wir ein vorbeifahrendes Taxi anhalten, trampen oder einfach die paar hundert Meter zur argentinischen Seite zu Fuß gehen sollten. Wir entschieden uns für das letztere und machten uns auf den Weg. Es dauerte nur wenige Minuten und uns wurde klar, dass wir den Weg total unterschätzt hatten. Nach jeder Biegung hofften wir endlich an die Brücke zu kommen, aber diese kam und kam nicht. Da wir keine andere Wahl hatten gingen wir immer weiter und hofften noch bei Tageslicht anzukommen. Die Vorstellung, im Dunkeln zwischen zwei Staaten umherzuirren, war nicht sehr verlockend. Da kam sie endlich!

Internationale Grenze zwischen Argentinien und Brasilien

Gleich nach der Brücke ist auch schon der argentinische Grenzposten mit dem angeblich besten Duty-free Supermarkt des Kontinents. Uns trieb der Durst in diesen Shopping-Schuppen. Aber außer überteuerten Klamotten, Sonnenbrillen, Parfüm, legalen Drogen aller Art und Bausets für Bahlsen-Lebkuchenhäuser, gab es nichts zu kaufen. Nicht mal Wasser! Wer fällt eigentlich heute noch auf Duty-free Shops rein? Nach dieser Enttäuschung erledigten wir schleunigst die Grenzformalitäten und stellten erfreut fest, dass das Glück uns wieder treu war: Wir waren gerade rechtzeitig gekommen, um von einem Bus, der nach Puerto Iguazú fuhr, mitgenommen zu werden. Was lernen wir daraus? Der letzte Bus ist nie der letzte Bus! Einen halben Tag und vier neue Stempel im Pass später waren wir wieder zurück, glücklich und zufrieden und um viele Eindrücke reicher.

Río Iguazú als natürliche Grenze zwischen Argentinien und Brasilien bei Foz do Iguaçu

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