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Reflektion und Karneval

Wie heißt es so schön: Wer früh aufsteht, muss auch früh zu Bett gehen. Das widerspricht jedoch vollkommen dem Lebensgefühl einer ganzen Stadt. Zudem passte dieses fragwürdige Ziel weder zu unserer Ankunft in der letzten Nacht, noch zu unserer heutigen Tagesplanung. Es war Donnerstag und bereits für die letzten Donnerstage hatten wir uns vorgenommen, auf die Piste zu gehen. Wir wollten den Tag ruhiger angehen lassen und uns dafür lieber nachts verausgaben. Für den Nachmittag stand ein fester Termin auf dem Programm, mit dem ich aber nicht viel zu schaffen hatte.

Restobar "El Hipopotamo" in der Calle Defensa in San Telmo in Buenos Aires Argentinien

Ich ging stattdessen in ein gemütliches Café in San Telmo und ließ mir die Sonne auf den Bauch scheinen. Für mich sind die Cafés in Buenos Aires was ganz besonderes. Man kann den ganzen Tag mit nur einem einzigen Kaffee in ein und demselben Laden verbringen. Hat man erstmal bestellt, wird man komplett in Ruhe gelassen, ja fast ignoriert. Die Bedienung überlässt es dem Gast, ob und wann er mehr bestellen möchte, und belästigt ihn nur dann, wenn es gar nicht mehr anders geht. Für Europäer mag dies auf den ersten Blick unhöflich erscheinen, aber diese Art der Zurückhaltung ist Teil der argentinischen Lebensart. Es läuft eben alles ein bisschen langsamer, entspannter und unaufdringlicher ab. Mir gefällt dieses Laissez-faire.

San Telmo – Das unliebsame Viertel

Eine ganze Weile später kam ich mit einem anderen Gast ins Gespräch. Nach den typischen Fragen, was man hier so macht und wie es einem so gefällt, kamen wir ziemlich bald auf San Telmo zu sprechen. Er meinte, er sei nicht mehr so oft hier, weil sich San Telmo in seinen Augen sehr verändert hat. Mir war sofort klar, was er damit meinte. Ich wusste bereits vor meinem ersten Besuch in Buenos Aires, dass die allermeisten Porteños diesem Viertel nicht viel abgewinnen können. Man hat sich aber inzwischen arrangiert und lebt ganz gut von und mit den vielen Touristen und Zugezogenen. Ein Viertel im totalen Umbruch!

Avenida San Juan mit Mafalda in San Telmo Buenos Aires, Argentinien

Vor wenigen Jahren war San Telmo so verarmt wie es La Boca heute noch ist. Die Touristen haben dem Viertel dann jedoch einen bescheidenen Aufschwung gebracht. Viele Häuser wurden und werden saniert. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Der Wunsch nach mehr Wohlstand führt teilweise zu bizarren Auswüchsen. So gibt es nicht wenige Familien, die ihre Wohnungen komplett räumen und zu Freunden ziehen, um die Zimmer dann gegen harte Währung zu vermieten. Man kann schon verstehen, dass viele Einheimische dies eher skeptisch beäugen. Vielleicht handelt es sich dabei auch einfach nur um die Angst, von zahlungskräftigen Ausländern aus dem eigenen Stadtviertel vertrieben zu werden. Ich erzählte ihm von der Situation in Berlin-Prenzlauer Berg oder Mitte. Auch dort haben sich innerhalb nur weniger Jahre die Strukturen komplett verändert. Neuberliner und Touristen lieben diese Stadtteile und die übrig gebliebenen Alteingesessenen schauen argwöhnisch zu. Eine Medaille hat eben immer zwei Seiten, das war ihm auch klar. Ich war ihm total dankbar für diese nicht unkritischen Einblicke. Er gab mir noch wertvolle Tipps, was ich mir unbedingt ansehen müsste, und dann war es leider auch schon Zeit sich zu verabschieden.

Crazy Germans

Pünktlich um 17 Uhr trafen wir uns wieder in der Wohnung. Brenda war in ihrem Büro und so nutzten wir gleich die Gelegenheit, uns offiziell zurück zu melden. Die Gute hatte sich schon Sorgen gemacht, aber wir erklärten ihr, dass wir so schnell nicht unter die Räder kämen. Wir berichteten von unseren Abenteuern und sie schmunzelte nur und fand uns crazy. – „Ihr seid von Brasilien nach Argentinien gelaufen?“, „Ihr wolltet nach Ciudad del Este und Ascuncíon?“ Die Argentinier denken über Paraguay genauso klischeebehaftet, wie viele Deutsche über Polen. Ein Land voll von Autodieben und Ganoven. Brenda war ja auch schon im Dreiländereck unterwegs. Sie aber hatte sich dort nur mit dem Taxi fortbewegt. Ob aus reiner Bequemlichkeit, oder weil sie sich so am sichersten fühlte, wurde nicht ganz klar. Wir verstehen auch nicht, wovor die Leute eigentlich Angst haben und ob diese tatsächlich berechtigt ist. Vielleicht basiert diese ganze Furcht ja auch nur auf Halbwahrheiten und Gerüchten. Man sollte sich immer selbst ein Bild machen und so schnell wird man schon nicht umgebracht. Um es noch mal ganz klar zu sagen, es ist absolut kein Problem sich dort aufzuhalten. Naja, Brenda fand ja schon unseren Beschluss, lieber den Reisebus als das Flugzeug nach Iguazú zu nehmen, ungewöhnlich. Wir erklärten ihr, worauf es für uns beim Reisen ankommt. Der Trick ist die Geschwindigkeit. Man muss langsam reisen! Wer schnell reist sieht zwar viel, aber erlebt wenig.

Picada in der Restobar "La Poesia" in San Telmo Buenos Aires, Argentinien

Inzwischen hatte uns der Hunger gepackt und wir sind ganz in der Nähe ins „La Poesia“ gegangen. Wieder eine dieser charmanten Restobars (eine Mischung aus Restaurant und Bar), von denen es so viele in San Telmo gibt. Wir bestellten uns eine Picada und unterhielten uns darüber, was wir heute so erlebt hatten. Nach dem Abendbrot beschlossen wir, noch durch den Park an der Costanera Sur zu laufen. Als wir dort ankamen, war der Park jedoch bereits verschlossen. Hier fällt der Hammer um Punkt 18 Uhr, obwohl es noch Stunden hell sein würde. Das fanden wir alles andere als sinnvoll. Auf den fast schattenlosen Wegen durchs Naturreservat könnte man jetzt viel besser spazieren gehen als in der prallen Sonne. Naja, man muss nicht alles verstehen und so zogen wir einfach weiter entlang der Straße. Irgendwann landeten wir wieder zu Hause.

Break-Dance-Show beim Club 69 im Niceto Club in Palermo in Buenos Aires, Argentinien

Nachtleben

Fit für die Nacht brachen wir gegen zwei Uhr in Richtung Palermo auf. Wir wollten den Niceto-Club ausprobieren. Alles was wir im Netz dazu gefunden haben, klang sehr vielversprechend. Zu unserer Überraschung gab es auch einen Colectivo, der uns ohne Umsteigen genau dorthin fahren würde. Am Paseo Colón mussten wir noch gut 20 Minuten auf den Bus warten. Der füllte sich dann an jeder weiteren Haltstelle mit mehr und mehr Nachtschwärmern und brauste fast so voll wie am Tag durch das nächtliche Buenos Aires. Glücklicherweise haben wir auf Anhieb die richtige Kreuzung zum Aussteigen erwischt. Das erfordert im dunklen Bus schon ein wenig Konzentration vor allem, wenn man die Strecke noch nie gefahren ist. Wir gewöhnen uns aber mehr und mehr an die Colectivos.

Karneval beim Club69 im Niceto Club in Palermo in Buenos Aires, Argentinien

Kurz vor drei Uhr standen wir dann in der Schlange vor dem Nachtclub. Nach nur fünf Minuten waren wir auch schon drin und jeder um 40 Peso leichter. Innen war es brechend voll und wir kamen keinen Augenblick zu früh oder zu spät. Die Party brodelte. Das Niceto ist eigentlich nur die Location. Hier gibt es jeden Tag Partys. Immer von anderen Machern. Heute war Club 69. Das Publikum war bunt gemischt und nicht übertrieben schick. Man hätte diesen Club auch irgendwo in Europa finden können, aber sicher nicht in Berlin. Auffällig war das krasse Branding: Überall prangte Camel-, Sony-, Quilmes-, Philips- und andere Werbung. Zudem stand fast an jeder Wand, das rauchen nicht erlaubt sei. Das kümmerte aber niemanden und so wurde geraucht was die Schachteln her gaben. Wir holten uns ein Bier. Das läuft hier etwas anders als man es gewohnt ist. Zuerst steht man in einer Schlange an der Kasse an, um das Getränk zu bestellen und zu bezahlen. Dann stellt man sich mit dem Kassenbon an der nächsten Schlange an, um sein Getränk letztlich in Empfang zu nehmen. Wir staunten nicht schlecht über die Preise. Eine kleine Büchse Quilmes lag bei 12 Peso. Für argentinische Verhältnisse mächtig teuer. Die anderen Marken Brahma (14 ARS) und Stella Artois (17 ARS) waren auch nicht günstiger.

Karneval im Club69 im Niceto Club in Palermo Buenos Aires, Argentinien

Quilmes kann man allerdings nur trinken, wenn man an einem Rausch interessiert ist oder deutsches Bier nicht kennt. Die anderen Sorten waren auch nicht besser. Das tat der Party aber keinen Abbruch. Das Konzept war wirklich cool. Auf der Bühne gaben ein paar Jungs Break-Dance zum Besten, während unten die Meute zu einer elektronischen aber für mich undefinierbaren Musik tanzte. Eigentlich war die Performance auch kein wirklicher Break-Dance sondern Reggaetón. Jetzt war uns auch schlagartig klar, was wohl die beiden Brasilianer im Hostel in Rosario genau mit Reggaetón meinten. Der passt ganz wunderbar in einen Club. Reggaetón ist ein loser Sammelbegriff, wie bei uns das Wort Techno. Es gibt unglaublich viele Spielarten und Styles, die sich wie Tag und Nacht von einander unterscheiden können. Später zog dann eine bunt verkleidete Gruppe durch den Club bis auf die Bühne. Jetzt war Show-Time. Dafür ist der Club 69 bekannt.

Bühnenshow beim Club69 im Niceto Club in Palermo in Buenos Aires, Argentinien

Partyreihe Club69 im Niceto Club in Palermo in Buenos Aires Argentinien

Die lasziv gekleideten Männer und Frauen führten eine improvisiert wirkende Varieté- und Travestie-Show vor. Ja es ist Karneval, überall, nicht nur in Rio! Auf einmal fielen riesige Luftballons von der Decke. Der Höhepunkt der Show war aber immer noch nicht erreicht. Die Musik hatte sich inzwischen auch verändert und wurde wesentlich elektronischer und progressiver. Sehr ähnlich der Panorama-Bar in Berlin. Ein heftiger Lametta-Regen brachte das Partyvolk erneut zum Johlen und Grölen und bildete gleichzeitig den Abschluss der Bühnenshow. Die Tänzer mischten sich unter die Leute. Eigentlich nicht wirklich unter die Leute, sie tanzten auf mehreren Podesten, die von einer Ecke des Raumes zur anderen geschoben wurden. Wir fanden die Party total geil und würden jederzeit wieder in diesen Club gehen. Clubbing ist sooo international…

GoGo-Tänzer beim Club69 im Niceto Club in Palermo in Buenos Aires in Argentinien

Gegen sieben Uhr, es war noch stockdunkel draußen, sind wir zurück nach San Telmo gefahren. Den Bus für die Gegenrichtung fanden wir auf Anhieb. Der Busfahrer raste in lässiger Manier durch die Straßen von Buenos Aires. Als wir zu Hause waren ging langsam die Sonne auf und wir ins Bett.

Relaxt Busfahren im Colectivo 93 morgens um 6 Uhr in Palermo in Buenos Aires, Argentinien

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Schöne Künste in Buenos Aires

Heute wollten wir ins MALBA. Dort hat es mir bei meinem letzten Besuch sehr gut gefallen. Das relativ junge Museum (eröffnet 2001) widmet sich lateinamerikanischer Kunst von den Anfängen des zwanzigsten Jahrhunderts bis heute. Das MALBA liegt nördlich des Stadtzentrums in Palermo Chico. Also zum Laufen zu weit. Unweit der Defensa, an der Avenida Paseo Colón sollten wir eigentlich einen Colectivo in die Richtung erwischen. An den Haltestellen angekommen wurden wir noch bevor wir den Guia“T“ aus der Tasche holen konnten von einem Porteño japanischer Abstammung angequatscht. Man sieht uns an, dass wir mit den Bussen in Baires noch Probleme haben. 😉 Er erklärte uns welche Linien in Frage kommen und fing mit uns ein Gespräch an. Er war ziemlich redselig und als er erfuhr, dass wir Deutsche sind, kam er sofort auf die gemeinsame Geschichte im Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Ab da wurde das Gespräch etwas unheimlich, besonders als er fragte, ob wir auch Patrioten seien. Wir stiegen in den nächstbesten Bus ein und fuhren bis zum Gebäude der juristischen Fakultät. Von dort sind es nur noch ein paar hundert Meter zu Fuß.

Die Floralis Genérica von Eduardo Catalano in Buenos Aires

Spaziergang zum MALBA

Das Universitätsgebäude stammt aus den 1940er Jahren und ist architektonisch entsprechend monumental. Gleich daneben, in dem angrenzenden kleinen Park, Plaza Naciones Unidas, steht die Floralis Genérica in ihrem Wasserbassin. Die überdimensionale Blüte, erschaffen vom Architekten Eduardo Catalano, ist aus Aluminium und poliertem Edelstahl. Ihre Besonderheit ist, dass sie sich morgens öffnet und zum Abend hin schließt.

MALBA - Museum für Lateinamerikanische Kunst in Buenos Aires

MALBA – Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires

Danach ging es noch ein ganzes Stück, vorbei an einem Villenviertel, bis wir an dem Neubau aus Glas und Naturstein ankamen. Derzeit gab es neben der Dauerausstellung mit Werken von Frieda Kahlo, Grete Stern etc.., eine Ausstellung über die „Amigos del Arte“. Die Kunstfreunde förderten in der Zeit von 1924 bis 1942 Kunst und Literatur in Buenos Aires. Leider hatte man von der Ausstellung ohne fundierte Spanischkenntnisse nur wenig. Zu sehen gab es u.a. Fotos aus den 1920er-Jahren in Buenos Aires.

Amigos de la Arte - MALBA Buenos Aires

Im Erdgeschoss war unter dem Titel „Diseño en proceso“ eine Schauwand aufgestellt, die den unsichtbaren Prozess des Designens bei der Entstehung von Industrieprodukten aufzeigt. Außer viel Text und ein paar Beispielobjekten (z.B. Spielzeug, Schuhe, Wasserhahn) gab es nicht viel zu entdecken. Daraus hätte man mehr machen können, finde ich.

Küchenarmatur "Nabuco" aus der Ausstellung "Diseño en Proceso" im MALBA Buenos Aires

Das Highlight war jedoch eine Fotoreihe mit dem Titel „El triunfo de la muerte“ (Der Triumpf des Todes). Der Fotograf, Oscar Bony, hatte sich mit Fernauslöser in mehreren Posen abgelichtet, als würde er im Moment des Fotos erschossen werden. Danach hat er dann wohl die bereits gerahmten Fotos hinter Glas beschossen, so dass man nicht nur die Einschusslöcher, sondern auch das gesprungene Glas sehen konnte.

Der Triumpf des Todes von Oscar Bony im MALBA Buenos Aires

Paseo Alcorta – Yet another shopping mall

Inzwischen machte sich der Hunger bemerkbar und wir beschlossen Essen zu gehen. Ganz nahe beim MALBA liegt eine Shopping Mall, das Paseo Alcorta, mit riesigem Supermarkt. In der obersten Etage kann man an einigen Imbissen Kleinigkeiten essen. Es ist echt erstaunlich, wie gut in Argentinien selbst in solchen Läden das Fleisch schmeckt. In dem Supermarkt, einem Carrefour, haben wir dann endlich eine italienische Espressomaschine gefunden und Kaffee, der OHNE Zucker geröstet wurde, 100% Arabica. Ab jetzt gibt es auch zuhause guten Kaffee! Bisher haben wir ihn nämlich nach „Art des Hauses“ mit einem zum Filter umfunktionierten Teestrumpf gebrüht.

Palermo Chico

Auf dem Weg zum Museo Nacional de Bellas Artes haben wir uns dann das Villenviertel, an dem wir vorhin vorbeigelaufen sind, vorgenommen. Vorbei an etlichen Botschaften (z.B. von der Islamischen Republik Iran und von Haiti) sind wir dann tiefer ins das kleine Viertel gelaufen. Hier gibt es unheimliche schicke Privathäuser in der Größe einer kleinen Villa, aber auf minimalstem Raum. Alles ist unheimlich gepflegt und der Rasen saftig grün, sofern man dass durch die mannshohen Stahlzäune mit Sichtschutz erkennen konnte. Um das Rasensprengen müssen sich hier die Besitzer sicher nicht selbst kümmern, das machen Angestellte. Dumm nur, dass dieses exklusive Quartier direkt an der vielbefahrenen Eisenbahnstrecke von und nach Retiro und in der Einflugschneise des Stadtflughafens Jorge Newberry liegt. Allein in der Zeit, in der wir da waren, donnerten zwei Flugzeuge über uns hinweg. Das nimmt dem Viertel irgendwie seine Exklusivität und wir waren uns einig, dass wir hier nicht wohnen wollten.

MNBA – Museo National de Buenos Aires

Das Nationalmuseum der schönen Künste war gerade noch geöffnet (es schließt um 20 Uhr) und wir haben uns dort 2 Ausstellungen angeschaut. Eine hieß „Aproximaciones“ (Annäherungen) von Jacques Bedel, der mit Folien hinter Glas gearbeitet hat.

Annäherungen/Aproximaciones von Jacques Bedel im MNBA Buenos Aires

Die andere mit Fotos verschiedener Künstler nannte sich „Mirando la Historia“ (Die Geschichte Betrachtend) und widmete sich neben argentinischen Themen, wie der Militärdiktatur und Ihren Folgen und der Wirtschaftskrise von 2001, auch internationalen Ereignissen wie dem Anschlag auf den US-Präsidenten Reagan, dem Wahlkampf Mitterrands und der Ankunft des ersten Zeppelins 1934 in Buenos Aires.

Hier mit Bild von Julio Pantoja, Pablo Gargiulo

Besonders beeindruckt hat mich das Foto eines jungen Mannes, der Fotografien seiner Eltern in den Händen hält, die während der Diktatur verschwunden sind. Faszinierend war auch die Aufnahme eines jungen Pärchens. Über das Foto von den beiden war ein zweites abgerissenes gelegt. Auf dem abgerissenem war ihnen der Mund mit einer Mullbinde verbunden, was die Zensur versinnbildlichen sollte. Die Werke der klassischen europäischen und südamerikanischen Künstler haben wir uns für einen anderen Besuch aufgehoben.

Anos de plomo, die bleiernen Jahre, Censura/Zensur

Ganz in der Nähe liegt in einer Grünanlage an der Plaza Francia der berühmte Friedhof von Recoleta. Der hatte aber schon zu. Die Kirche gleich nebenan (Nuestra Señora del Pilar) ist ziemlich überladen golden und wahrscheinlich ohne besonderen kulturhistorischen Wert. Eindrücklich war aber, dass in jeder Seitenkapelle vor den riesigen Altären je 2 monströse, uralte Ventilatoren standen. Allmählich wurde es auch schon dunkel und wir mussten noch ziemlich weit nach Hause laufen.

Die Avenida Corrientes, der Broadway von Buenos Aires

Auf dem Heimweg entdeckten wir eine Straße, die Libertad, parallel zur Avenida 9 de Julio, in der auf mehreren hundert Metern Länge ein Juweliergeschäft nach dem anderen kam. Meist mit Werbeschildern für den An- und Verkauf teurer Uhren (Rolex). Diese Spezialstraßen waren mir schon bei meinem letzten Aufenthalt aufgefallen.

Zuhause angekommen gab es zuerst, auch wenn es schon später Abend war, einen Kaffee…

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Abri los ojos – Mach die Augen auf

Wir hatten im Internet recherchiert, dass es in Argentiniens Nationalkongress von Montag bis Freitag um 16 Uhr englischsprachige Führungen geben soll. Also machten wir uns am Nachmittag auf den Weg dorthin. Vorher haben wir versucht Geld abzuheben und mussten feststellen, dass das in Argentinien die gleichen Probleme wie in Uruguay bereitet: Wir können pro Tag nur maximal 300 Pesos (ca. 65 EUR) abheben. Das ist zwar genug Geld, um ein paar Tage über die Runden zu kommen, aber ein so niedriges Limit für internationale EC-Karten hat uns doch überrascht. Nun werfen wir den Banken eben alle paar Tage ein paar Euros mehr in den gierigen Schlund. Für jede Transaktion werden ja neben dem schlechten Wechselkurs auch noch Gebühren fällig. Naja, dafür ist das Leben hier recht günstig und man braucht vielleicht 1/3 von dem was man in Deutschland bräuchte.

Palacio del Congreso de la Nación Argentina in Buenos Aires

Pünktlich gegen vier Uhr waren wir dann am Besuchereingang des Palacio del Congreso de la Nación Argentina in der Hipólito Yrigoyen Straße. Hier erfuhren wir aber, dass im Januar keine Führungen stattfinden. Erst im Februar wieder. So mussten wir unverrichteter Dinge gehen und haben uns in der Nähe der Subte Sáenz Peña in ein Café zurückgezogen. Dort gab es richtig klietschige Medialunas, so wie ich sie liebe. Der Kellner hat uns noch zwei andere süße Schweinereien gratis dazu gepackt, die auch sehr lecker waren.

Van mit Graffiti auf der Plaza de los Dos Congresos Buenos Aires

Palermo

Da wir es gestern nicht nach Palermo geschafft hatten, wollten wir das heute nachholen. Von der Plaza de los Dos Congresos fahren sehr viele Colectivos. Als wir gerade den Guia“T“ zurate ziehen wollten, fuhr ein Bus der Linie 12 vorbei, auf dem groß „Plaza Italia“ stand. Dieser fuhr also ungefähr dahin, wohin wir wollten. Sicherheitshalber haben wir beim Einsteigen nochmal nachgefragt. Das sollte man immer tun, denn nicht alle Busse der selben Linie fahren auch zwangsläufig auf der selben Route.

Urban Streetart in Palermo-Soho, Buenos Aires

Im Bus haben wir dann versucht für 80 Centavos mitzufahren, aber der Fahrer hat uns bis zur Plaza Italia 1,20 Pesos abgeknöpft. So wie es aussieht, gab es auch hier Preissteigerungen. Für unter einen Peso Bus zu fahren, scheint der Vergangenheit anzugehören. Auch die meisten anderen Passagiere bezahlten mehr als einen Peso. So fuhren wir mit aufgeklappten Guia“T“ und folgten der Strecke, die der Bus nahm, auf der Karte. Auch das ist ratsam, um das Aussteigen nicht zu verpassen. Die Plaza Italia ist erstmal kein so schlechter Ausgangspunkt, um Palermo zu erkunden. Von dort kann man in relativ kurzer Zeit nach Las Cañitas oder in Richtung Palermo-Soho laufen. Wir entschieden uns für Letzteres. So liefen wir die Calle Thames hoch und nach zirka fünf Straßenblocks waren wir dann auch schon im Herzen von Palermo-Soho.

Hollywood in Cambodia in der Calle Thames 1885 in Palermo Soho Buenos Aires

Erste Station war das „Hollywood in Cambodia“ in der Thames 1885. Die Bar ist innen über und über mit Graffitis und Stencils zugesprayt. Im hinteren Bereich gibt es eine kleine Galerie, in der man Streetart diverser Künstler kaufen kann. Über die Treppe in der Galerie gelangt man noch auf eine Terrasse. Auch hier ist alles voll mit Graffitis. Die Bar ist eher was für die Nacht und so waren wir die einzigen Besucher.

Terasse des "Hollywood in Cambodias" in der Calle Thames 1885 in Palermo-Soho, Buenos Aires

Hollywood in Cambodia in der Calle Thames 1885 in Palermo-Soho in Buenos Aires

Also sind wir weiter in Richtung Plazoleta Cortázar. Hier gibt es unzählige Geschäfte und weitere Cafés und Bars. Wir haben einige Shops durchstöbert aber nichts gefunden. Die meisten Sachen, die uns gefielen, gab es nicht mehr in unserer Größe. Gegen halb acht sind wir dann rüber nach Las Cañitas gelaufen. Auf dem Weg dorthin sind wir an einer fantastischen Bäckerei vorbeigekommen. Die hatten diese Ninjas, so kleine kreisrunde, herzhafte Torten mit Kürbis-Käse-Füllung. Ultra lecker!

Sonnenbrillenladen in Palermo-Soho in Buenos Aires

In der Kneipenmeile Las Cañitas sieht noch fast alles aus wie im letzten Jahr. Nur mehr Hundekacke. So richtig erwärmen konnten wir uns für keines der vielen Restaurants, die auch eher den Eindruck von Masse als Klasse vermitteln. Mein Gefühl von „Disneyland“ wurde ich auch diesmal nicht los. Las Cañitas und Soho sind insgesamt ganz schön öde. So sind wir zurück zur Plaza Italia und haben uns für die U-Bahn zurück nach Hause entschieden. Am Fahrkartenschalter haben wir uns gleich eine 10er-Karte für die Subte gekauft. So erspart man sich das lästige anstehen nach Tickets. Automaten sucht man hier nämlich vergeblich. Die U-Bahnpreise haben auch angezogen. So kostet eine Fahrt mit der Subte nun 1,10 Pesos. In der U-Bahn wurden wir von zwei Typen mit Gitarren und Verstärker musikalisch unterhalten. Die Porteños klatschten höflich aber gelangweilt. Der eine oder andere gab dann aber doch einen Peso. Es war kuschlig warm und elend laut. Wir sind bis zur Endstation „Catedral“ in der Nähe der Plaza de Mayo gefahren und den Rest gelaufen. Wann immer wir nachts nach Hause kommen, sehen die Straßen in unserer Gegend anders aus. Mal ist überall Müll verstreut, wenn die Cartoneros gerade da waren, mal ist alles blitzeblank sauber, mal haben die Geschäfte noch geöffnet, mal ist schon alles geschlossen und die Häuser mit den verrammelten Läden wirken abwehrend, fast bedrohlich, mal sind die Straßen von Nachtschwärmern und sogar kleinen Kindern bevölkert, mal menschenleer.

Pasteleria in Palermo-Soho in Buenos Aires

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39 Kaffeebohnen aus Costa Rica fahren Bus nach San Telmo

Das ist meine Eselsbrücke, um mir zu merken wo der Colectivo 39 in Palermo Soho in Richtung San Telmo abfährt. Das ist notwendig, da wir wiederholt in Palermo Soho nach der richtigen Bushaltestelle gesucht haben. Wir waren ja schon mehrfach dort, aber eine geeignete Haltestelle haben wir uns noch nicht gemerkt. Das dürfte sich nun aber mit der Eselbrücke ändern. Busfahren und Haltestellen in Buenos Aires sind ohnehin was ganz besonderes, und ich kündige hiermit schon mal ein „Colectivo-Spezial“ an, demnächst hier auf diesem Blog. Ich glaube, dass dies nicht nur interessant sondern auch für andere hilfreich sein wird.

Buen Díaz

Nachdem wir heute Morgen unsanft durch Hammer- & Meißelschläge geweckt wurden haben wir gegen 10 Uhr das Haus ohne bestimmtes Ziel verlassen. Für heute ab 9 Uhr hatten sich Handwerker angekündigt, um in der gesamten WG an der Heizung zu bauen. Eigentlich waren die Handwerker bereits gestern für 8 Uhr bestellt, aber wie es eben hier so ist. Entweder kommen sie oder sie kommen nicht, oder später. Also heute Morgen kamen sie und so war nicht mehr an ausschlafen zu denken. Nach unserem Quasi-«Morgenritual» im „Café Origen“ in der Perú / Humberto 1˚ mit Cafe con leche und Medialunas, sind wir einfach mal die Perú weiter hoch in Richtung Stadtzentrum gelaufen.

Belgrano

Dort haben wir spontan beschlossen, in die Subte Linea D einzusteigen und bis zur Endstation „Congreso de Tucumán“ zu fahren. Wir dachten, da steht das große Kongressgebäude, was wir noch nicht gesehen haben. Naja, falsch gedacht. Einen Blick auf die Karte hätte es uns gleich gesagt, aber Buenos Aires ist die perfekte Stadt um sich auch einfach mal treiben zu lassen. Nachdem wir also an der Endstation bemerkten, dass sich das gesuchte Gebäude ganz woanders befindet, sind wir nicht zurückgefahren. Stattdessen sind wir in die ruhigeren Seitenstraßen parallel zur Av. Cabildo eingebogen. Wir befanden uns gewissermaßen am letzten Ende des Barrios Belgrano. Auf der Hauptstraße sah es aus wie überall. Viele Autos, viele Geschäfte, viele Menschen, viel Lärm und kein Schatten weit und breit für L. Die Seitenstraßen hingegen sahen aber recht vielversprechend aus. So hatten wir beschlossen, diese entlang der Av. Cabildo zu erkunden und so langsam wieder in Richtung Zentrum zu schlendern. Dabei haben wir viele wundervolle Häuser und schöne, ruhige Alleen gesehen. Belgrano ist scheinbar auch eines der besseren Wohnquartiere. So sind wir die Av. Vuelta de Obligado vorbei am Plaza Belgrano Richtung Palermo gelaufen.

Shopping Day

Auf der Höhe der Av. Olazabal haben wir dann einen coolen Klamottenladen entdeckt und dort auch gleich so einige Sachen gekauft. Shopping in Buenos Aires ist wirklich ultra-geil. Überall sind Geschäfte, die man am liebsten leerkaufen möchte. Die Preise sind niedrig und die Klamotten „fancy“. Für Shopping-Süchtige ist Buenos Aires auf jeden Fall „tödlich“. In einem nette Café etwas weiter entlang der Straße hatten wir dann unser Mittagessen (Home Made Salad, sehr lecker) und einen weiteren Kaffee. Als wir nach einigem Fußmarsch endlich in Palermo ankamen haben wir dort gleich weiter geschoppt. Palermo Soho ist allerdings nicht mehr so preiswert, und viele der Sachen, die man dort findet, kann man auch in jeder europäischen Großstadt kaufen. Die Geschäfte kannten wir ja bereits, und so war es noch mal eine gute Gelegenheit, etwas genauer zu schauen. So wurde der Tag zu einem Einkauftag.

Street Art Buenos Aires

Im Sixfeet drückte uns der Verkäufer auch gleich noch einen Flyer für eine kleine Vernissage in die Hand, die heute gegen 20 Uhr stattfinden sollte. Die Vernissage über Streetart war ganz in der Nähe.

Flyer für Streetart Vernissage in Palermo Buenos Aires

Nachdem wir den Laden gefunden hatten, sind wir erstmal was essen gegangen, da erst ab 20 Uhr dort was los sein würde und wir 8 Minuten zu früh da waren. 🙂 Es gehört zum guten Ton in Buenos Aires, eher zu spät oder gar nicht als zu früh zu kommen. Gegen 21 Uhr sind wir dann zurückgekehrt und haben einen ziemlich geilen Laden entdeckt. Das ganze Café/Bar war über und über mit Graffiti übersät. Sehr cool. Es war leider schon zu dunkel um Fotos davon zu machen. Im ersten Stock gab es dann die Vernissage mit der Graffiti-Kunst, die man auch gleich kaufen konnte. Wir werden den Laden die nächsten Tage noch mal besuchen. Dann gibt’s auch ein paar Fotos davon.

Heimfahrt

Mit diesen tollen Eindrücken sind wir, nachdem wir dann den Bus 39 gefunden hatten, zurück nach San Telmo gefahren. Auf der Santa Fe / Montevideo sind wir dann auch heute wieder in eine Demonstration geraten. Lauter Menschen mit Trommeln und Schüsseln, die ordentlich Radau gemacht haben. Hier wird scheinbar genauso viel oder mehr demonstriert wie in Berlin. Sehr lustig, das alles zu beobachten. Irgendwie haben wir dann auch noch die richtige Haltestelle in San Telmo verpasst und befanden uns plötzlich am Busbahnhof Constitución. Da ist es gegen 23 Uhr nicht mehr so lustig, aber es ging. Wir sind einfach mit dem Bus 39 ein paar Stationen zurück gefahren und den Rest gelaufen. Beim nächsten Mal müssen wir etwas besser aufpassen. Den Rest der Strecke sind wir dann nach Hause gelaufen.

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Soho am Wochenende

Heute sind wir mal extra nicht so spät nach Hause gekommen, um uns noch mal kurz auf’s Ohr zu legen bevor wir noch mal raus gehen. Nach einer kleinen Odysee mit dem Colectivo 39 (Wir wissen nun wo die Endstation ist. 🙂 ) sind wir ziemlich geschafft zu Hause angekommen. Momentan hämmern straffe Beats eine Etage unter uns wie aus einem Club. Ich schließe daraus, dass wir entweder über einer DJ-Schule wohnen, denn es ist grad erst 21 Uhr, oder da unten ist tatsächlich ein Club versteckt. Nein, ich denke, da findet eher ein Konzert oder eine Feier statt, da die Stile zu krass wechseln. Das könnte man in einem Club so nicht bringen. Das mit dem kurz ausruhen fällt damit allerdings flach, denn bei der Lautstärke kann man nicht schlafen.

Wir sind heute zwar viel rumgekommen aber in bereits bekanntem Terrain. Mal wieder Palermo, Ortsteil Soho, weil wir dort einen Flohmarkt besuchen wollten. Heute hat er sich wieder in einem ganz anderen Licht gezeigt. Am Wochenende ist da ja echt die Hölle los. Entlang der Av. Honduras um die Plazoleta Cortazar war Kunsthandwerksmarkt (wie jeden Samstag, Sonntag und Feiertags) für allerlei Dinge. Es gibt unzählige Marktstände und entlang der Nebenstraßen bieten Leute Ihre Bastelwaren auf ausgebreiteten Tüchern auf den Gehsteigen an. Meist Hippie- und Ethnoware, die man nicht wirklich gebrauchen kann. Dazu sitzen zur gleichen Zeit unglaublich viele Menschen in den vielen umliegenden Cafés und Restaurants, während sich der Rest durch die Straßen schiebt. Es ist ganz nett, mal da durch zu schlendern, aber wirklich der Hammer ist es nicht. Ich hatte wahrscheinlich was anderes erwartet und wurde enttäuscht. Von der Szenerie erinnert es sogar ein bisschen an einen ganz „normalen“, spießigen Sonntag in Berlin-Prenzlauer Berg. Überall Kaffee-Tanten, Modeopfer und vor allem viel Schiki-Miki-Pseudo, wo das Auge hinsieht. Kaum wirklich interessante Menschen und viel Kommerz. Ich würde es eher nicht empfehlen, aber andere mögen es vielleicht. Unter der Woche ist das Viertel wesentlich ertragbarer. Ich bin froh, dass ich wieder in San Telmo bin.

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Karfreitag in Buenos Aires

Nachdem wir heute Morgen die WaMa bestückt hatten sind wir erstmal frühstücken gegangen. Ganz argentinisch. Dazu gehört ein Kaffee (in unserem Fall Cappuccino Italiano) und Medialunas (wir hatten 5 davon). Medialunas sind kleine Croissant-Halbmonde. Die heute waren besonders gut, da sie so schön klietschig waren, und auch der Kaffee war eine Freude. Auch in BsAs war heute Karfreitag. Allerdings merkt man das kaum. Es war ein fast ganz normaler Tag.

In der Subte Buenos Aires an einem Karfreitag

Es läuft nur alles ein wenig ruhiger ab als sonst. Besonders merkt man das am Verkehr und an einigen geschlossenen Geschäften. Unser Supermarkt gleich hier um die Ecke hatte ganz normal geöffnet. Letztes Jahr zu Ostern in Madrid ging bereits ab Gründonnerstag nichts mehr. Die Stadt war wie ausgestorben und nur ein paar Touristen irrten durch die fast leere City, auf der Suche nach einem geöffnetem Restaurant oder ähnlichem. Hier ist das zum Glück nicht so. Wir waren ab Nachmittag ein wenig in der Gegend rund um die Av. Santa Fe und Cordoba unterwegs, und da hatten viele Geschäfte ganz normal offen. Von Ostern ist hier nicht so viel zu spüren. Eigentlich wollten wir heute in Palermo eine Grafitti-Ausstellung in einer Garage besuchen und danach das Quartier weiter erkunden. Palermo ist übrigens das größte Barrio der insgesamt 48 Stadtteile von BsAs. Bis wir das alles erkundet haben, wird wohl noch ein wenig Wasser den Puerto de la Plata herunterfließen.

Ein Unwetter zieht auf

Für heute hatte das Wetter allerdings andere Pläne für uns. Nachdem wir es uns in einem Restaurant in der Av. Las Heras gemütlich gemacht hatten, zog unbemerkt ein Unwetter auf. Wir haben das zuerst nur im Fernseher des Restaurants gesehen und uns nicht viel dabei gedacht. Das Fernsehprogramm wurde extra dafür unterbrochen. Doch bereits nach kurzer Zeit sahen wir auch schon die pechschwarzen Wolken über uns hereinbrechen. Das ging sehr schnell. Plötzlich kam starker, böiger Wind auf und nur wenig später goss es aus allen Kübeln. Zum Glück waren wir drinnen. Die Temperatur fiel schlagartig von 30 Grad auf 25 Grad und innerhalb einer Stunde sank sie weiter auf 19 Grad. Man konnte das Geschehen live im Fernsehen verfolgen. Der einfache Blick durch die Fensterscheibe des Cafés war allerdings realer (siehe unten). Der März ist der feuchteste Monat im Jahr, heißt es. Für den heutigen Tag können wir das bestätigen. Bis jetzt hat es noch nicht aufgehört zu regnen. Morgen wird die Sache wieder anders aussehen. Der Sommer bleibt uns also erhalten.

Heraufziehendes Unwetter Buenos Aires

Live Unwetter im argentinischem TV Buenos Aires

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Das MALBA, Palermo und der Regen

Nass sind wir geworden auf den letzten paar Metern vom Bus zum Haus. Schon während der Busfahrt fing es heftig an zu regnen, so dass die Scheiben im Bus im Nu beschlagen waren. Heute war die Luftfeuchte im Vergleich zu den anderen Tagen extrem hoch, und zum Abend hin wurde es dann auch noch drückend schwül, so dass ein Gewitter wohl die logische Konsequenz war. Also, wenn es hier regnet, dann regnet es richtig. Die Straßen sind dann schlagartig frei von Fußgängern und der Colectivo noch voller als sonst. Gewitter in Buenos Aires ist ein echtes Spektakel. Schon nach wenigen Minuten schwollen links und rechts der Straßen die Wassermaßen zu kleinen Bächen an, und aus Schlaglöchern wurden plötzlich kleine Seen. Nach ca. 30 Minuten war alles wieder vorbei, und der Regen brachte eine wohltuende Abkühlung mit sich.

Foto wurde aus einem Colectivo aufgenommen

Der Tag an sich verlief sehr schön. Wir waren erst in Palermo Viejo einen unbekannten Bekannten besuchen und haben uns dann bei der Gelegenheit dessen schöne Wohnung angesehen und uns ein paar BsAs Tipps geben lassen. Von dort sind wir zu Fuß ins Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires in der Av. Figueroa Alcorta 3415 (http://www.malba.org.ar) gelaufen. Von San Telmo fährt übrigens der Bus 130 direkt bis vor die Türe. Der elegante Neubau beherbergt eine recht interessante Sammlung zu moderner lateinamerikanischer Kunst. Die Sammlung umfasst z.B. Arbeiten von Antonio Berni, Fernando Botero, Martha Boto oder Julio De Para, um nur einige zu nennen. Allein das Gebäude (Innen wie Außen) ist bereits sehenswert, schon wenn man ein wenig für Architektur übrig hat. Der Eintritt ist mittwochs übrigens immer frei und das Museum hat von 12:00 bis 21:00 Uhr geöffnet. Von Donnerstag bis Montag und an Feiertagen ist bis 20:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt dann 14 Pesos. Dienstag ist das Museum geschlossen. Für Argentinien- und Kunstinteressierte ist ein Besuch des Museums empfehlenswert.

Das MALBA in Buenos Aires

Das MALBA in Buenos Aires

Bereits gestern haben wir im Centro Cultural Recoleta (http://www.centroculturalrecoleta.org) verschiedene Ausstellungen gesehen. U.a. eine Fotoausstellung von Adriana Lestido. Die Fotoausstellung von Gustavo Miguel Germano hat uns am besten gefallen. Dieser hat Szenen aus alten (Familien-)Fotos an den Originalschauplätzen mit den damals abgebildeten Personen nachgestellt, sofern das noch möglich war. Dabei sind teilweise sehr melancholische Aufnahmen entstanden. Sehr sehenswert. Bei allen Ausstellungen waren jeweils die Künstler anwesend.

Gustavo Miguel Germano im Centro Cultural Recoleta Buenos Aires

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