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Wer hat sie verraten, die toten Aristokraten?

Wow! Blauer Himmel und Sonne satt. So muss ein Tag aussehen, dann klappt’s auch mit dem Rausgehen. Konkrete Pläne hatten wir für heute nicht, aber den Tag mit Medialunas und Kaffee zu beginnen, ist erstmal keine so schlechte Idee. Und nein, wir sehen noch nicht aus wie Teigkugeln und man kann auch nicht genug davon kriegen!

Publikumsmagnet: Cementario de la Recoleta

Wie wäre es mit dem Aristokraten-Friedhof in Recoleta? Ein Besuch dort lohnt sich immer. In der „Gräberstadt“ kann man im Schatten schlendern und ein wenig Geschichte atmen. Also, vámanos. Mal sehen, ob wir das ohne Karte finden. Nach zirka einer Stunde Fußweg durch die staubigen Straßen von Buenos Aires standen wir direkt vor dem Haupteingang des Friedhofs. Es war Samstag und so war es noch voller als sonst und bei meinem letzten Besuch.

Prunk und Verwahrlosung im Cementario de la Recoleta Buenos Aires

Wenn all die Toten gewusst hätten, dass sich täglich so viele Menschen an ihren Grabstätten vorbei schieben, dann hätten sie es sich vielleicht noch mal überlegt mit dem Pomp. Aber vielleicht ist das ja auch pure Absicht. Die Wichtigkeit und Bedeutung einer Familie misst sich hier an ihrem Mausoleum. Je mehr Macht und Geld eine Familie anhäufen konnte, desto pompöser ist auch deren Gruft. Sehen und gesehen werden, weniger für die Toten als für die Lebenden. Und so pflegen die Angehörigen die prunkvollen Gruften wie Ihr Wohnzimmer und damit Ihren Status. Dass es so viele Touristen sind, ist wahrscheinlich IHR „Verdienst“. An ihrem Grab musste man heute anstehen, um einen Blick zu erhaschen.

Besucherandrang vor der Grabstätte von Evita (Eva Peron) im Cementario de la Recoleta in Buenos Aires

Wer etwas mehr Beschaulichkeit sucht, sollte den Friedhof lieber an einem gewöhnlichen Wochentag besuchen. Man kann in zunehmendem Maße eine gewisse Verwahrlosung der Grabstätten beobachten. Viele Familien sind inzwischen ausgestorben und so verfallen die Gruften und geben dem Friedhof seinen extramorbiden Touch.

Verwahrloste Gruft auf dem Cementario de la Recoleta in Buenos Aires

Gegen 18 Uhr marschierte ein Uniformierter mit Trillerpfeife zwischen den Lippen durch die Gräbergassen und pfiff die Touristen höflich aber bestimmt zusammen, auf dass sie den Friedhof nun verlassen.

In der Grünanlage vor dem Friedhof fand, wie jedes Wochenende, die Feria de Plaza Francia statt. Eigentlich nicht mehr als eine Art Flohmarkt mit Kleinkunst-Ramsch. Das benachbarte Centro Cultural Recoleta war im Begriff zu schließen und so sind wir nur kurz durch geschlendert. Direkt darunter liegt die Buenos Aires Design-Mall, in der es Designermöbel und Einrichtungsgegenstände zu kaufen gibt. Spektakulär ist sie allerding nicht. Im Café La Biela, gleich in der Nähe, machten wir Pause und tranken einen Milchkaffee. Die Terrasse des Cafés liegt direkt unter der schattenspendenden Krone eines gigantischen Gummibaums (Gomero). Er wurde 1878 gepflanzt und hat eine Spannweite von über 50m. Wunderschön! Die riesigen Äste werden mit Balken gestützt.

Großer Gummibaum in Recoleta Buenos Aires (Gran Gomero)

Seit wir in Buenos Aires sind, haben wir schon mehrfach die „Festivales de Buenos Aires„-Plakate gesehen. Diese kündigten jeweils für das Wochenende Konzerte an der Constanera Sur an. Heute wollten wir uns das mal anschauen. Also sind wir dorthin. Auf kürzestem Weg, durch die mondäne Avenida Alvear in Recoleta, über die Plaza San Martín in Retiro, weiter nach Puerto Madero. Auf dem ganzen Weg dorthin hatten wir einen treuen Begleiter: Einen dieser umherstreunenden Hunde, von denen es hier sehr viele gibt. Die Hundedame heftete sich an unsere Fersen und lies uns keine Minute aus den Augen. Man muss echt mal gesehen haben, wie geschickt diese Hunde die heftig befahrenen Straßen überqueren.

Avenida Leandro N. Alem in Retiro Buenos Aires

Costanera Sur

Auf der Avenida Carlos M. Noel an der Constanera Sur reiht sich eine Imbissbude an die andere. Mindestens alle 30 Meter eine und dazwischen knattern die Stromgeneratoren, die die Imbisse für Licht und Kühlung brauchen. Man muss unbedingt auf die tollen Namen achten, die sich die Stände gegeben haben.

La Parrilla de Julio an der Costanera Sur in Buenos Aires

Das Wort „Parrilla“ darf auf keinen Fall fehlen und so gut wie alle spanischen Pronomen wurden mindestens einmal verwendet: Mein (mi), dein (tu), Ihr (su), unser (nuestra), euer (vuestra) Parrilla und so weiter… Die Dinger qualmten was das Zeug hielt und es roch ziemlich verführerisch nach Gegrilltem. Wir wollten aber nicht beim erstbesten essen und uns schon gar nicht den Magen verrenken. Bei 8 Peso (ca. 1,80 Euro) für ein Riesenstück Fleisch wird man ja doch etwas skeptisch. Aber wo viele Argentinier essen, kann es so schlecht nicht sein. Die wissen sicher was sie tun. Und so aßen wir ein saftiges Steak dort, wo es am vollsten war. Es war ultralecker und ich kann jedem empfehlen, dort mal zu essen.

La Parrilla de Julio an der Costanera Sur in Buenos Aires

Das Treiben auf der Promenade hat nach Einbruch der Dunkelheit Volksfestcharakter. Im Gegensatz zu den vielen Ferias, die oft nur für die Touristen gemacht sind, ist man hier aber unter Porteños. Um einen kleinen aber recht authentischen Einblick in den Alltag von BsAs zu kriegen, sollte man das nicht verpassen. Allmählich konnte man auch schon erahnen, wo die besagten Konzerte stattfinden. Die Musik wurde immer lauter und es wurde voller und voller. Nachdem wir ein paar Minuten der Darbietung eines argentinischen Roland-Kaiser-Verschnitts auf den Leim gegangen waren, zogen wir dann weiter zum eigentlichen Open-Air Event. Dort spielte dann vor einigen hundert jungen Leuten Iván Noble. Wir haben noch nie was von ihm gehört. Es klang ein bisschen wie Eros Ramazzotti auf Spanisch.

Iván Noble Open Air Costanera Sur Buenos Aires

Iván Noble Open Air an der Costanera Sur in Buenos Aires

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Hace mucho calor y sol – Es ist sau heiß hier

Während die Leute zu Hause wahrscheinlich eher frieren, schwitzen wir uns hier einen Wolf. Unser Lebensrhythmus hat sich bereits um 100% verlangsamt und sich Stadt und Klima angepasst. Wir fühlen uns puddelwohl dabei! Heute war die Hitze ziemlich extrem. Wir sind extra erst spät am Nachmittag aus dem Haus gegangen. Die Sonne knallte aber trotzdem noch gnadenlos vom Himmel und öffnete uns jede Pore. Ich weiß nicht genau, wie heiß es wirklich war, aber es fühlte sich an wie 38 Grad oder mehr.

Auf der Puente de la Mujer in Puerto Madero in Buenos Aires

Puerto Madero – Das moderne Hafenviertel

Puerto Madero ist das neuste Viertel der Stadt. Das heißt eigentlich ist es gar nicht neu. Hier wurden die alten Speicher entlang von vier alten Hafenbecken aufwendig saniert und bieten heute exklusive Wohn- und Geschäftsräume.

Wohnen im Hafenviertel Puerto Madero in Buenos Aires

Der Bauboom ist scheinbar ungebrochen und es entstehen immer mehr Wolkenkratzer auf der zum Rio de la Plata zugewandten Seite. Hier wollten wir ein wenig rumschlendern. Wir haben es jedoch grad so bis zur Puente de la Mujer von Calatrava geschafft, die ungefähr in der Mitte des Viertels liegt. Es war nur im Schatten wirklich auszuhalten.

Calatravas Puente de la Mujer im Hafenviertel Puerto Madero in Buenos Aires

Also beschlossen wir, uns in die kühleren Straßenschluchten der Innenstadt zurückzuziehen. Die Stadt machte einen ziemlich lethargischen Eindruck: Es waren nur wenig Leute, meist Touristen, unterwegs und viele Geschäfte waren (noch) geschlossen. So war es gar nicht so leicht, unseren Wasserbedarf zu decken. In der Florida-Straße haben wir Rast gemacht und die wenigen Menschen in den Straßen beobachtet. Dabei haben wir bei Dreharbeiten zu einem argentinischen Kinofilm zugeschaut. Sehr spannend.

Dreharbeiten in der Calle Florida in Buenos Aires

Ich mag das ungeschminkte, schlichte argentinische Kino sehr. Die Filme erzählen überwiegend Alltagsgeschichten von den Sehnsüchten, Sorgen und Wünschen der Menschen. Das argentinische Kino hat eine lange Tradition und ist stark im Kulturgedächtsnis des Landes verwurzelt. Die meisten Filme spielen natürlich in der Metropole Buenos Aires. Nachdem wir das Treiben eine Weile beobachtet hatten, sind wir auf dem Weg nach Hause noch einkaufen gegangen. In einer dieser urigen Pastarias in einer Seitenstraße haben wir Salat, Empanadas und Nachtisch (Tiramisu) gekauft.

Italienische Pastaria unweit der Avenida Belgrano in Buenos Aires

Zu Hause haben wir damit unsere charmante Küche eingeweiht und am Tisch in der Galerie zum Hof gemütlich zu Abend gegessen. Dann haben wir uns mit der Sprache beschäftigt und spanisch gelernt. Es ist gar nicht so schwer. Nur die Aussprache ist manchmal nicht so einfach, aber nach einer Weile ging auch das ganz gut. Theoretisch kann man hier auch ohne Spanisch überleben. Die Menschen sind unglaublich höflich und geben sich alle Mühe, einen zu verstehen. Hin und wieder spricht auch mal einer englisch.

Bar "Rey Castro" in San Telmo in Buenos Aires

Am Abend haben uns die Mücken ordentlich zugesetzt. Sobald es dunkel wird kommen die Biester in Scharen und greifen an wie Kamikaze-Flieger. Sie lassen keine Stelle am Körper verschont! Man hat nicht den Hauch einer Chance. Gegen Mitternacht sind wir nochmal raus und haben uns in San Telmo rumgetrieben. Das Klima war jetzt ultraangenehm. Kein Wunder, dass sich das Leben hier nachts abspielt. Wir genossen die warme Luft und die frische Brise. Wir aßen Eis und mischten uns unter die Einheimischen. Die Plaza Dorrego war voll bis auf den letzten Platz. Ich kann mir momentan keinen schöneren Ort vorstellen, als diese Stadt. Das Leben hier fühlt sich so leicht an. Einfach genial.

Altes Kirche im spanischen Kolonialstil in San Telmo Buenos Aires

HDR Streetart in der Calle Defensa in San Telmo Buenos Aires

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Wir sind zurück aus Uruguay…

… mit vielen tollen Eindrücken und schönen Erlebnissen. Seit Montagabend [31.03.08] sind wir wieder in Buenos Aires.

Nachdem wir uns am Freitag gen Uruguay aufgemacht haben, ist viel passiert. Unsere erste Station sollte Colonia del Sacramento auf der anderen Seite des Río de la Plata sein. Wir haben die erste Fähre dorthin genommen und konnten San Telmo so mal in aller Frühe erleben. Ein sehr schöner Eindruck. Die Straßen sind noch leer, der ganze Müll und Dreck des Vortages ist verschwunden, und man sieht vereinzelt Leute, die die Straße vor Ihrem Haus oder Laden mit dem Wasserschlauch reinigen. Nur die Bäcker haben bereits geöffnet, und der süße Duft der Verführung zieht durch die Straßen und Gassen. Wir konnten nicht sehr lange widerstehen und haben bei einem Bäcker ein paar Medialunas und andere Leckereien gekauft.

Buquebus

Eigentlich wollten wir mit der Subte bis „Lavalle“ fahren und den Rest zur Fährstation laufen, aber irgendwie ging da was schief. 🙂 So haben wir kurzerhand umdisponiert und sind gleich bis Puerto Madero gelaufen und wollten dort dann in die Tram steigen, Station „Independencia“.

Die “Puente de la Mujer” in Puerto Madero in Buenos Aires

Die Bahn stand auch schon da. Super. Fahrplan? Fehlanzeige. Der Fahrer zeigte uns jedoch durch die Scheibe zwei Hände mit 8 Fingern. Die Bahn würde also erst ab 8 Uhr fahren. Also blieb uns nichts anderes übrig, als zu laufen, den ganzen Weg entlang der Hafenbecken bis zum letzten. Die Fähre sollte gegen 8:30 ablegen, und so wäre Auf-die-Tram-warten knapp geworden. Man hat uns geraten, ca. 1h vorher da zu sein, zwecks Check-in und so weiter. Immerhin geht es ins Ausland. Nachdem wir nach ca. 30 Minuten am letzten Hafenbecken waren, kam „plötzlich“ die Frage auf, wo eigentlich ganz genau das Terminal ist. Nun, eigentlich einfach der Straße „Cecilia Grierson“ hoch in Richtung Wasser folgen, also unweit vom Buquebus-Gebäude in der Av. Antartida Argentina. Vor Ort ist es wirklich schlecht ausgeschildert, aber die kleine Informationsbroschüre der Reisegesellschaft gab einen guten Anhaltspunkt. Der Straße einfach zu folgen, war eine gute Idee, und so fanden wir nach weiteren 5 Minuten Fußweg den Schiffsableger.

Aufnahme aus der SeaCat Schnellfähre in Puerto Madero in Buenos Aires

Die Schnellfähre (1h anstatt 3h) nach Colonia wird nicht direkt von Buquebus sondern von SeaCat Colonia angeboten. Das sollte uns aber egal sein. Endlich im Check-in Terminal, haben wir mit den Tickets eingecheckt. Das lief alles schnell und easy. Danach mussten wir durch eine ziemlich lasche (und irgendwie überflüssige) Sicherheitskontrolle. Der Metalldetektor piepste bei jedem zweiten Passagier und nachkontrolliert wurde nicht. Ist auch besser so. Das nervt ja bereits an Flughäfen so ab und bringt so gut wie keine Sicherheit, nur „gefühlte“. Mit den bereits ausgefüllten Ausreisepapieren, die wir beim Check-in erhalten hatten, sind wir dann zur „Migration“. Da wir offiziell das Land wieder verlassen, haben sie uns dort ein paar Stempel für unsere Stempelsammlung in die Reisepässe reingedrückt, und das war’s dann auch schon. Da es grad kurz nach 8 Uhr, war haben wir noch einen Kaffee im Wartesaal getrunken und die mitgebrachten Medialunas verspeist. Dann ging es auch schon los.

Ankunft in Colonia, UY

Die Fahrt dauerte nur ca. eine Stunde. In Uruguay angekommen, mussten wir dann noch mal durch die Immigration, wo uns ein älterer Grenzbeamter fragte ob wir «Pack» hätten. Pack? Pax? Pak? Was meint der nur? Er wiederholte es noch mehrmals aber wurde nicht konkreter. Man hätte alles Mögliche verstehen können aber Pack machte am meisten Sinn, da wohl das Gepäck gemeint war. Eigentlich meinte er unsere Rucksäcke (Backpack), aber mehr als diese hatten wir nicht dabei, und so wurden wir durchgewunken, ohne zusätzliche Zollkontrolle und Taschenröntgen. So, endlich in Uruguay! Das Land empfing uns mit herrlichem Wetter und Sonne pur – fantastisch. Der Río de la Plata schimmerte silberbraun in der Sonne und lag wie ein Meer vor uns.

Der “Silberfluss” Río de la Plata in Colonia Uruguay

Wasserturm am Río de la Plata in Colonia del Sacramento in Uruguay

Wir sind erst mal drauflos gelaufen, denn viel falsch machen kann man im kleinen Colonia nicht. Ziemlich schnell fanden wir auch das Hostel „El Viajero„, das wir uns am Abend zuvor im Internet rausgesucht hatten. Vor Ort haben wir dann nach einem Zimmer gefragt und hatten auf Anhieb Glück, Doppelzimmer mit TV im obersten Stock. Na dann, Sachen ins Zimmer und ab in die Stadt.

Unser Zimmer im Hostel “El Viajero” in Colonia del Sacramento in Uruguay

Uruguay Pesos

Für Aktivitäten in der Stadt brauchten wir auf jeden Fall erst einmal ein paar uruguayische Pesos. Dazu kann man argentinische Pesos in Wechselstuben tauschen, oder man hebt an einer Bank die entsprechende Menge ab. Auf der Av. Gral Flores fanden wir schließlich eine Bank, die einen Automaten hatte. Wir hatten beim Schlendern bereits gesehen, dass die meisten Preise hier 3-stellig waren, d.h. mehr als 100 $U kosteten.

3000 Uruguanische Pesos aus einem Automaten in Colonia del Sacramento, Uruguay

Da wir noch kein Gefühl für diese Währung hatten, hob ich erstmal nur 3000 $U (ca. EUR 100) ab. Wie sich später rausstellen sollte, reichte das Geld für einen Tag.

Barrio Histórico

Colonia ist die älteste Stadt Uruguays und ein ziemlich übersichtliches, verschlafenes Örtchen, dessen Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Wir haben uns gleich mal einen ersten Eindruck von der Altstadt verschafft, die nur einen Steinwurf vom Hostel entfernt ist. Das Barrio Histórico präsentiert sich verschlafen bis romantisch. Ein ziemlich schönes Ambiente, um ganz entspannt zu schlendern und zu entspannen.

Herbstrauschen in Colonia del Sacramento in Uruguay

Die Häuser sind alt und teilweise recht gut erhalten. Es gibt einen Hauptplatz (Plaza Mayor), einen Leuchtturm und ein paar Ruinen und Straßen, die so herrlich grob und holprig sind, dass man sich wohl hier mit High-Heals alle Knochen brechen würde. Selbst Flip-Flops sind hier schon riskant. Die Via Appia in Rom ist glatt dagegen. An einem schönen Punkt am Wasser haben wir uns auf Schiefersteinen ausgeruht und sind dem Rauschen des Flusses gefolgt. Das war die perfekte Raststelle, um zu entspannen. Nach einer Weile sind wir weitergezogen und haben uns wenig später in einem der zahlreichen Restaurants niedergelassen. Dort hatten wir Mittag mit anschließendem Kaffee, der nur mit Milch genießbar war. Ziemlich gruseliger Abgang, aber der „Meerblick“ und das Essen davor sowie die total freundliche Bedienung waren es wert. Die Rechnung belief sich auf etwas über 1.500 $U, und so war schon die Hälfte des grad abgehobenen Geldes fort. Am Plaza Mayor haben wir dann die Eintrittskarte für die „Museo Colonienses“ Colonia gekauft, mit der man sieben Museen besuchen kann. Das Museo Español war allerdings geschlossen und so waren es nur noch sechs. Der Leuchturm (Faro) gehörte erst gar nicht dazu und musste extra bezahlt werden.

Leuchturm in Colonia del Sacramento in Uruguay

Schiffe im Hafen von Colonia del Sacramento in Uruguay

Wir haben uns nur das Museo Municipal und das Casa Nacarello angesehen. Das Museo Municipal ist ein typisches, kleines Naturkundemuseum mit allerlei Exponaten. Besonders die präparierten Tiere waren sehenswert. Das Casa Nacarello ist gleich nebenan und ist ein originalgetreu restauriertes, portugiesisches Haus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Nach der kleinen Geschichtstour sind wir zurück ins Hostel und haben zünftig Siesta gehalten. Die Nacht zuvor war doch sehr kurz.

Vamos a la Playa

Gegen halb 5 sind wir noch mal raus in die Stadt und haben die Strände erkundet. Dort waren wir fast allein. Vereinzelt ein Angler oder jemand mit Hund, aber sonst war an den Stränden nicht viel los. Im Gegensatz zu den Stränden in Buenos Aires war hier auch (fast) alles sauber.

Playa El Alamo in Colonia del Sacramento in Uruguay

Wir sind einfach von Strand zu Strand gelaufen, die sich doch einige Kilometer hinzogen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit sind wir dann auf der Av. Costanera zurück in Richtung Stadtzentrum gelaufen. Als es bereits dunkel war, sind wir schließlich in der Altstadt von Colonia etwas essen gegangen. Witzig: Die Karte des Restaurants (http://www.sacramentorestaurante.com) hatte genau das gleiche im Menü wie dasjenige, wo wir mittags waren. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Der sehr junge Kellner hatte offensichtlich seinen ersten Tag oder half der Tante, der das Restaurant gehörte, in den Ferien aus. Und später gab es eine ziemlich sehnsüchtige, melancholische Gesangseinlage eines örtlichen Sängers. Ziemlich gut, aber fast zu viel. Es passte aber alles herrlich zu diesem Örtchen und der altertümlichen Umgebung. Colonia weiß, wie es sich präsentieren und vermarkten muss. Für die Einlage fanden wir dann ungefragt einen zusätzlichen Posten „Derecho Show“ für den Sänger in Höhe von 40 $U (etwa 1,50 Euro) auf der Rechnung. Auf dem Heimweg sind wir noch mal durch die zauberhafte Altstadt gegangen in der keine Menschenseele mehr unterwegs war.

Die “Calle de los Suspiros” in Colonia del Sacramento in Uruguay

Die “Calle de los Suspiros” in Colonia del Sacramento in Uruguay bei Nacht

Zurück im Hostel haben wir uns vom Spanischen Fernsehen berieseln lassen und eine Dokumentation über ein Wolkenkratzerprojekt in Dubai gesehen. Lange ging das allerdings nicht, da wir ziemlich müde und geschafft waren, und so sind wir wenig später eingeschlafen.

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Einmal Kunst und dann zurück

Heute sind wir noch mal nach La Boca rein gelaufen, nachdem wir in San Telmo in der Perú 1086 eine große Portion Eis zum Frühstück hatten. In der Eisdiele gab es allerdings so viele leckere Sorten, dass eine Auswahl wirklich schwer fiel. Wer Eis mag, sollte der „Heladeria Dylan“ auf jeden Fall mal einen Besuch abstatten. Beim zweiten Mal fühlte sich La Boca übrigens auch nicht mehr so krass an wie neulich. Inzwischen haben wir auch gelernt, dass es noch sehr viele Abstufungen nach unten gibt. Beim ersten Mal haben wir auch Barracas gestreift. Das Viertel ist schon noch mal was anderes als La Boca. Es ist sehr faszinierend, wie unterschiedlich sich eine Stadt präsentieren kann.

Wie auch immer, eigentlich wollten wir heute in La Boca das PROA besuchen. Ein Museum für Moderne Kunst. Leider haben wir dann vor Ort feststellen müssen, das es renoviert und umgebaut wird und erst im Oktober 2008 wiedereröffnet. Das ist schade, aber dann besuchen wir es eben im Oktober. 🙂 Durch einen Zufall hatten wir vorm PROA einen netten Kontakt mit einem einheimischen Polizisten. Er fragte uns auf Deutsch wo wir hinlaufen und wies uns nach unserer Antwort darauf hin, dass es dort nicht sicher sei. Sicher sei es für Touristen in La Boca nur in Caminito. Der Rest wäre eigenes Risiko. Wir haben es dann auch gelassen, das Viertel weiter zu erkunden, da wir wahrscheinlich nichts Interessantes mehr entdeckt hätten. Der Polizist hatte Deutschunterricht in der Schule, was wir alleine schon sehr erstaunlich fanden. Noch erstaunlicher war allerdings, dass er es noch recht gut konnte. Ich glaube er hatte Spaß dabei, mit uns auf Deutsch zu sprechen. Die Menschen hier sind wirklich fantastisch.

Von Boca haben wir dann den Colectivo 39 genommen und sind am Plaza de Mayo ausgestiegen. Eine Station früher wäre allerdings besser gewesen, da wir in den Bus 130 wechseln wollten. Aber dann hätten wir nichts von der Demonstration am Plaza de Mayo mitbekommen. Zum Jahrestag der Beendigung der Militärdiktatur 1983 wurde heute der verschollenen Opfer gedacht. Überhaupt war heute Demotag in BsAs, denn auch am Plaza Dorrego und in der Av. Defensa, ganz bei uns in der Nähe, fanden lautstarke Demos statt. Worum es da ging, wissen wir nicht.

Demostration auf dem Plaza de Mayo zum Jahrestag des Endes der Militärdiktatur

Wir sind dann jedenfalls eine Station zurück gelaufen und haben den Bus 130 bis zum MNBA genommen. Das liegt direkt gegenüber der peronistischen Universität. Das „Museo Nacional de Bellas Artes“ verfügt über eine recht große Sammlung lateinamerikanischer und europäischer Kunst vieler Epochen. Wir haben mit den argentinischen Künstlern begonnen, da wir diese am wenigsten kennen. Also sind wir gleich in die erste Etage gegangen.

“D�a Gris” von Justo Lynch aus dem Jahre 1913 mit der La Boca Brücke im Hintergrund

Von dort aus lohnt es sich, gleich in den zweiten Stock zu gehen, denn da sind vor allem argentinische Fotografien ausgestellt. Dort kann man z.B. sehr alte oder auch neuere Aufnahmen aus dem Alltag der Menschen sehen. Oder auch herrlich zurechtgemachte Fotos von den damaligen wohlhabenden Familien.

Wohlhabende Familie aus Buenos Aires um die Jahrhunderwende 1900

Im zweiten Stock gibt es übrigens zwei Terrassen, die einen guten Blick auf das Grün der Stadt und der „Facultad de Derecho“ gewähren. Im Erdgeschoss, wenn man am Museumshop vorbei geht, gelangt man in einen Zwischenbau, in dem die Ausstellung „Signos de Existencia“ präsentiert wurde.

Der Zwischensaal des MNBAs in Buenos Aires

Dort stellten sehr viele junge Künstler ihre modernen Werke aus, meist Fotografien, Videokunst oder Installationen. Sehr spannend, und für uns das Highlight im ganzen Museum. Das Museum befindet sich übrigens in der Av. Libertador 1478 und öffnet dienstags bis freitags von 12:30 – 19:30 und samstags, sonntags sowie an Feiertagen von 9:30 bis 19:30. Der Eintritt ist frei. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.

Nach dem MNBA sind wir durch „Barrio Norte“ geschlendert. Dort befindet sich ein Luxusladen neben dem anderen, und alle Nobelhotels haben dort eine Niederlassung. Was für ein krasser Gegensatz zu La Boca. Da bereits die Dunkelheit über uns rein gebrochen war, sind wir noch durch das „Puerto Madero„-Viertel gelaufen, das sich abends effektvoll im Lichterglanz präsentiert.

Das Puerto Madero Viertel von Buenos Aires bei Nacht

Auf dem langen Rückweg haben wir noch in San Telmo in einem atmosphärischen Restaurant an lauer Sommerluft gegessen. Das „La Rosalia“ ist besonders bei Touristen beliebt, denn so viel Deutsch und Englisch wie dort haben wir die ganze Zeit bisher in BsAs nicht gehört. Der Besuch lohnt sich schon allein wegen des szenischen Hofs, in dem die Tische des Restaurants stehen.

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Impressionen einer Stadt

Für heute, den 15. März hatten wir uns eine lange Fuß-Tour entlang des Hafens und der Küste vorgenommen. Der Plan war von San Telmo über Retiro, Recoleta nach Palermo zu laufen und dabei links und rechts des Weges die Stadt zu endecken. Das haben wir auch aber wir haben ein wenig die Entfernungen unterschätzt. Von San Telmo sind wir in den Parque Natural y Zone de Reserva Ecologica Costanera Sur gelangt, der wirklich riesig ist. Bei sengender Hitze sind wir zur besten Mittagszeit durch die Sonne und den Park gegangen. Das Resultat ist wohl jedem klar. Der Park ist aber wirklich schön und lädt besonders zum Radfahren und Schlendern ein. Wenn man mittendrin ist kann man von weitem die Skyline von Buenos Aires sehen.

Parque Natural y Zone de Reserva Ecologica Costanera Sur nahe San Telmo

Hafenviertel Puerto Madero

Von dort sind wir zum super-chicen und modernen Hafenviertel Puerto Madero gelaufen und haben da erst mal etwas verschnauft bei Kaffee und Kuchen. Es war inzwischen auch schon 15 Uhr geworden. Dort haben wir eine interessante Endeckung gemacht. An eines der Hafenbecken stehen zwei Kräne aus der ehemaligen DDR. Wie die wohl nach Argentinien kamen?

DDR Kräne an einem Hafenbecken in Puerto Madero (Buenos Aires)

Nahaufnahme eines DDR-Krans aus Eberswalde in Buenos Aires

Aufnahme eines DDR-Krans in Buenos Aires

Von hier an konnten wir unserer Route nicht mehr treu bleiben. Links und rechts gab es soviele interessante Dinge die ad hoc erkundet werden wollten. So sind wir an einem kleinen Laden vorbeigeschlendert der coole Kleinigkeiten zum Kauf anbot. Hier gab es u.a. ziemlich krasse Kalebassen und Bombillas. Krass, weil sie sehr schrill und bunt waren. Mit diesem Zubehör können wir nun unseren Mate-Tee stilecht trinken. 🙂

Wenig später haben wir ein Gebäude gefunden wo auffällig viele Jugendliche rein und raus strömten. Einer krasse gestylt wie der nächste. Den Stil würde ich als Punk-Techno-Hiphop-Skaterstyle beschreiben. D.h. viele punkartige Frisuren, Piercings und Tattoos gemischt mit Hiphop- und Streetwearelementen. Sehr spannend. Das Gebäude in das sie wie Pilger zum Schrein strömten war eine Einkaufsmeile wie sie interessanter nicht sein konnte. Überall coole Graffiti und Tags an den Wänden und Klamotten- und Headshops sowie Piercing- und Tattoostudios. Und überall junge Leute die wie Ameisen durch das mehrstöckige Gebäude strömten oder in Gruppen zusammenkamen. Ich habe einen Blog gefunden der einen recht guten Einblick in das Gebäude liefert allerdings ohne Leute. Ich werde die nächsten Tage sicher dahin zurückkehren und das Treiben in der „Galeria Bond Street“ fotografieren. Die Gegend rund um dieses Gebäude machte ebenfalls einen sehr spannenden Eindruck. Buenos Aires rockt!!!

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