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Durch den Monsun

Ein heftiges Gewitter riss uns in den frühen Morgenstunden aus den Träumen. Es blitzte und donnerte. Der Regen war so stark, dass er auf dem Flachdach unseres Zimmers einen höllischen Lärm machte. Da wir so etwas in der Form noch nicht erlebt hatten, beschlossen wir trotz der Müdigkeit, uns den Wolkenbruch draußen anzusehen. Es muss noch sehr früh am Morgen gewesen sein, denn es war noch nicht ganz hell. Die Regentropfen waren so groß wie kleine Elefanten. Das Wasser wurde von der Kanalisation nicht mehr aufgenommen und schoss in wahren Sturzbächen die abschüssigen Straßen von Puerto Iguazú herunter. Es hatte sich auch merklich abgekühlt, aber kalt war es deswegen trotzdem nicht. Da wir noch sehr müde waren, konnte uns das Schauspiel nicht lange fesseln, und wir legten uns wieder hin und schliefen trotz des Trommelkonzerts auf dem Dach wieder ein. Irgendwie hatte der monsunartige Regen auch was Beruhigendes, Monotones.

Früüühstück…

Gegen 11 Uhr sind wir dann aus unserem Koma erwacht und mussten feststellen, dass der Regen kaum nachgelassen hatte. Trotzdem musste einer von uns nach draußen, um Frühstück zu besorgen. Der Regen ließ zwar manchmal ein wenig nach, aber nur, um dann kurz darauf umso stärker wieder loszulegen. So kam die Suche nach etwas Essbarem einem Vollbad gleich. Die zwei heißen Kaffees und diversen Facturas (Süße Teilchen) überlebten den Transport aber schadlos. Der Regen war genau so, wie man ihn sich im Dschungel vorstellt: Warm und heftig. Man könnte mit Shampoo und Seife bewaffnet auf die Straße gehen und duschen.

Wetterkarte der Unwettersituation in der Region Misiones in Argentinien

Plan B

Bis zum frühen Nachmittag hatten wir noch gehofft, dass es aufhören würde. Als es gegen 14 Uhr immer noch aus Eimern schüttete, gaben wir unsere Pläne, in den Nationalpark zu fahren, für heute endgültig auf. Wir haben uns daraufhin verschiedene Wetterprognosen im Internet angeschaut. Alle waren gleich entmutigend: Dauerregen für die nächsten Tage! Der Typ an der Rezeption des Hostels meinte allerdings, dass man sich hier auf die Prognosen nicht verlassen kann. Er sagte, dass bereits für die letzten fünf Tage Dauerregen vorhergesagt war, aber es erst heute anfing zu regnen. Zum Teufel mit den ganzen Prognosen, aber einen Plan B brauchen wir trotzdem! Falls es weiter so regnen sollte, würden unsere Iguazú-Pläne buchstäblich ins Wasser fallen. Also haben wir uns mit möglichen Alternativen beschäftigt. Zurück nach Buenos Aires zu fahren war keine Option. Bariloche war von hier einfach viel zu weit entfernt, denn dorthin wären wir zwei volle Tage im Bus unterwegs. Asunción, die Hauptstadt von Paraguay, wäre zwar leicht zu erreichen, aber die Wettervorhersage war genau die gleiche wie die für Puerto Iguazú. Was ist mit Brasilien? Schließlich befinden wir uns hier in einem Dreiländereck. São Paulo liegt in Reichweite und Interesse an der Megacity hatten wir beide. Im Internet hatten wir drei Busunternehmen und eine Fahrzeit von 14 Stunden recherchiert. Das ist absolut machbar. Und auf dem Rückweg würden wir dann hier nochmal unser Glück versuchen. Klingt gut!

Es war inzwischen schon 19 Uhr und hatte aufgehört zu regnen. Also haben wir uns am Busterminal um Tickets bemüht. Vom Busterminal in Puerto Iguazú fährt allerdings nur eine einzige Gesellschaft nach São Paulo, nämlich Crucero del Norte. Die anderen beiden Gesellschaften Pluma und Expresso Kaiowa fahren auf der brasilianischen Seite in Foz do Iguaçu ab. Bei Crucero del Norte gab es noch zwei Plätze, die jedoch im Bus verstreut lagen. Nachteil zwei war, dass wir zu einer unmöglichen Zeit in São Paulo ankommen würden, nämlich um 6 Uhr morgens. Nachteil drei, wir hätten alles in cash bezahlen müssen. Hier läuft alles über Bargeld! Das Hostel war schließlich auch noch nicht bezahlt und auch die wollen efectivo. Selbst im Nationalpark ist nur Bares Wahres. Wir haben zwar mittlerweise rausbekommen, das wir mehrfach pro Tag 300 Peso abheben können. Pro Transaktion sind dann aber gut 5 Euro fällig. Das größere Problem ist jedoch, dass man dann mit soviel Bargeld rumrennt. Die zweite Gesellschaft, Pluma, fährt zwar von der brasilianischen Seite, hatte aber wenigstens ein Verkaufsbüro in Puerto Iguazú, so dass wir für die simple Buchung nicht gleich nach Brasilien einreisen müssen. Die Tickets konnte man hier sogar mit Karte bezahlen. Pluma hatte aber für Sonntag auch nur noch Plätze mit einer sehr frühen Ankunft. Der Bus, der um 10 Uhr ankommt, hatte erst ab Montag wieder freie Plätze. Hinzu kam, dass wir dafür einen Termin am Donnerstag in Buenos Aires hätten verschieben müssen. Die ganze Aktion würde sich sonst nicht lohnen. Für eine simple Ticketanfrage bei Kaiowa hätten wir uns eine ca. 1,5-2 stündige Einreiseprozedur nach Brasilien aufgehalst. Da uns das alles zu umständlich erschien, haben wir die São Paulo Pläne wieder aufgegeben. So haben wir kurzerhand beschlossen, morgen nach Rosario zu fahren, sollte das schlechte Wetter anhalten. Dorthin gibt es täglich genügend Busse und Plätze.

Hafen von Puerto Iguazú in Argentinien

Dreiländereck

Da wir heute nicht mehr soviel anstellen konnten, blieb nur noch übrig, das Örtchen Puerto Iguazú zu entdecken. Als erstes sind wir zum Puerto, dem Hafen. Dort ist nicht viel los, eigentlich ist der Begriff Hafen schon zu hochgegriffen. Es ist nicht viel mehr als eine Anlagestelle, allerdings mit regelmäßiger Fährverbindung nach Foz do Iguaçu und Ciudad del Este. Der Hafen liegt deutlich unterhalb der Stadt. Auf den Straßen dorthin strömte noch immer das Wasser in Bächen in den Río Iguazú.

Blick auf den Río Iguazú vom Hafen in Puerto Iguazú in Argentinien

Plötzlich füllte sich eine Art Aussichtsplattform etwas oberhalb des Anlegers und aus allen Richtungen kamen Menschen. Dies ist wohl der Platz, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Wir sind aber weiter zum Dreiländereck, dem „Hito Tres Fronteras“ gelaufen. Hier begegnen sich, getrennt durch die Flüsse Iguazú und Paraná, die drei Länder Argentinien, Paraguay und Brasilien. Eine Art Obelisk in weiß und blau symbolisiert den Grenzstein auf argentinischer Seite. Als wir ankamen, war es schon dunkel und wir konnten die Lichter der drei Grenzstädte sehen. Richtige Städte sind eigentlich nur das brasilianische Foz do Iguaçu und Ciudad del Este, die am schnellsten wachsende Stadt Paraguays. Puerto Iguazú ist nicht mehr als ein größeres Dorf, aber gar nicht unsympathisch. Dort haben wir etwas mit Nachtaufnahmen experimentiert und über Belichtungszeiten gesprochen.

Blick auf Ciudad del Este in Paraguay und rechts daneben Foz do Iguaçu in Brasilien vom Hito Tres Fronteras in Puerto Iguazú in Argentinien

Eine Argentinierin aus BsAs hat das Treiben mitbekommen und uns in makellosem Deutsch angesprochen. Wir haben uns noch ein wenig mit ihr unterhalten, bis wir schließlich weitergezogen sind. Auf dem Weg zurück in die Stadt haben wir an einem Kiosk ein paar schöne Postkarten gekauft. Der Kioskbetreiber teilte uns bei der Gelegenheit gleich noch mit, dass Schalke 04 momentan auf dem 7. Tabellenplatz rangiert. Da war er offenbar besser informiert als wir. Zurück im Hostel haben wir uns nach Restaurants mit bargeldloser Zahlung erkundigt. Die beiden Typen vom Empfang übertrafen sich gegenseitig mit ihren Empfehlungen. Sehr gut gegessen haben wir letztlich in dem italienischen Restaurant „Il Fratello„.

In der Hoffnung, dass morgen die Sonne wieder scheint sind wir danach ins Bett gefallen.

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A las Cataratas oder auf nach Iguazú…

Da wir für 19:40 Uhr den Bus nach Iguazú gebucht hatten, blieb nicht so viel Zeit für ausschweifende Tagesaktivitäten. Wir haben wie fast jeden Tag sehr lange geschlafen und dann die ultimativen Reisevorbereitungen getroffen. Wir wollten so wenig Gepäck wie möglich mit uns rumschleppen, d.h. alles sollte in zwei kleine Rucksäcke passen. Dass wir ohne Laptop reisen würden, stand von vornherein fest. Lange Hosen würden wir wohl im subtropischen Regenwald auch nicht brauchen. So reduzierte sich das Mitzunehmende auf das absolute Minimum. Was ist eigentlich mit Schuhen? Werden wir festes Schuhwerk brauchen? Vorsichtshalber wollten wir die Schuhe lieber mitnehmen. In den Rücksäcken war kein Platz dafür, also haben wir sie einfach angezogen und stattdessen die Flip-Flops verstaut. Ein komisches Gefühl nach Wochen in absoluter Fußfreiheit. Naja, dann noch „schnell“ einen Blogeintrag geschrieben und schon ging’s los. Auf die Reise nehme ich Stift und Schreibblock mit, so dass ich auch unterwegs blocken kann. 😉

Eigentlich wollten wir auch noch Lebensmittel aus dem Supermarkt besorgen, da wir nicht wussten, ob es auf der langen Busfahrt ausreichend zu essen und zu trinken geben würde. Aber dafür war es bereits zu spät! Am Bahnhof Retiro haben wir uns dann einfach an einem Stand mit Bocadillos eingedeckt. Das riesige Busterminal ist zwar nicht weit vom Bahnhof entfernt, trotzdem braucht man für die kurze Strecke viel Zeit, weil unglaubliche Massen von Menschen einem entgegen kommen. Auf dem Weg geht es zu wie auf einem Basar. Pünktlich, nämlich genau 11 Minuten vor Abfahrt, erreichten wir mit Schweißperlen auf der Stirn unseren Bus. Puh, das war knapp! Da wir nur Handgepäck hatten, konnten wir sofort einsteigen. Die anderen Mitfahrer mussten erst ihre Koffer vom Fahrer verstauen lassen. In den zweistöckigen Reisebus passten gerade mal etwas mehr als zwei Dutzend Passagiere. Unsere Sitze waren oben, ganz hinten und wir staunten nicht schlecht, wie viel Platz wir da hatten.

Cama Suite im "Via Bariloche" Reisebus von Buenos Aires nach Iguazú

Bequem reisen in der bettartigen "Cama Suite". Hier "Via Bariloche" auf der Fahrt von Buenos Aires nach Iguazú.

Wir breiteten uns aus und machten uns sofort über die Bocadillos her. Wir hatten jetzt schon Hunger. Unsere Bocadillos waren mit dünnen, frisch gegrillten Steaks und frischem Salat belegt und noch warm. Statt normalen Brötchen hatten wir Pan árabe so eine Art Pita ausgewählt. Während wir so vor uns hin mampften, quatschte uns der Typ aus der Nachbarkoje an, ein Brite aus London. Er berichtete uns u.a. von seiner kleinen Odyssee RosarioBuenos Aires – Rosario – Buenos Aires und schwärmte uns förmlich von Rosario vor. Der Typ hatte sich dort in ein argentinisches Mädchen verguckt, das erklärt auch seine totale Begeisterung für diese Stadt. Die Geburtsstadt von Che stand auch auf unserem Reiseplan und so tauschten wir Tipps und Erfahrungen aus. Die übrige Zeit verbrachten wir mit aus dem Fenster schauen und beobachteten die vorbeiziehende Landschaft.

Vorbeiziehende Autos auf der Busfahrt von Buenos nach Iguazú

Schließlich überquerten wir in der Abenddämmerung den Río Paraná. Als uns das Rausgucken zu langweilig wurde, haben wir in unseren Büchern gelesen. Und kurz darauf gab es bereits Abendessen. Wir waren ziemlich überrascht, wie großzügig das ausfiel. Als Hauptgang wurde Pollo, also Hühnchen serviert, und das reichlich. Das Essen war wirklich sehr gut. Auf einem herkömmlichen Linienflug bekommt man vielleicht die Hälfte von dem, was einem hier kredenzt wurde.

Vorspeisenarrangement des Busunternehmens "Via Bariloche" in der Klasse "Cama Suite"

Wie im Flugzeug wurde danach noch ein Film gezeigt und viele Leute legten sich bereits schlafen. Dafür sind die Sitze bestens geeignet, denn man kann die Lehne komplett zurück klappen, so dass man waagerecht wie in einem Bett schlafen kann. Für uns war das aber noch viel zu früh und so lasen wir noch eine ganze Weile. Irgendwann waren dann auch wir müde und schliefen ein.

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Wieviel Schmerz kann eine Kameralinse einfangen?

Heute wollten wir uns in erster Linie um unseren Ausflug nach Puerto Iguazú kümmern. Die großartigen Wasserfälle im Norden Argentiniens im Länderdreieck mit Brasilien und Paraguay müssen wir unbedingt sehen. Da aber zurzeit überall Hauptsaison ist, wurde uns empfohlen, lieber alles im Voraus zu buchen. Die Gefahr, kein Zimmer mehr zu bekommen, wollten wir im Dschungel lieber nicht eingehen.

Bevor wir jedoch die Unterkunft buchen und Bustickets besorgen konnten, waren noch so einige andere Dinge zu erledigen. Inzwischen war unsere Kleidung aufgebraucht, so dass wir nun unbedingt mal waschen mussten und Bargeld brauchten wir auch noch. In unserer Wohnung gibt es leider keine Waschmaschine, aber ganz in der Nähe, in der Independencia, gibt es einen vertrauenerweckenden, kleinen Waschsalon.

Die süße, kleine Wäscherei "Lav Telmo" in der Independencia 510 in Buenos Aires

Da gibt man einfach die Wäsche ab und holt sie später oder am nächsten Tag wieder ab. Im Laden haben wir uns dann mit Händen und Füßen mit der putzigen, älteren Dame verständigt und schließlich unsere Wäsche in Ihre Obhut gegeben. Morgen gegen 12 können wir sie dann abholen. Geschafft! Bezahlen müssen wir die Wäsche erst beim Abholen. Was für ein Glück, denn wir konnten bisher noch kein Geld ziehen obwohl wir mehrere Banken ausprobiert haben. Von halb drei bis halb vier machen die Banken einfach dicht. Dann werden die Geldautomaten wieder aufgefüllt, hat uns unsere Vermieterin erklärt. Gut zu wissen…

… und jetzt erstmal was essen

Da wir wie gesagt kein Bargeld hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als uns nach einem Restaurant umzusehen, in dem man mit Kreditkarte zahlen kann. So sind wir flux ins „El Federal“ an der Ecke Peru und Carlos Calvos. Dort hatten wir einen anständigen Salat in einer Schale aus Brotteig. Im Menü dazu gab es noch ein Getränk nach Wahl und einen Café zum Abschluss.

Das El Federal an der Ecke Carlos Calvos und Peru

So gestärkt konnten wir uns nun um die Tickets kümmern. Da wir für die mehr als 1000 Kilometer ca. 17 Stunden unterwegs sein werden, wollten wir möglichst komfortabel Reisen. Daher kam nur ein Cama Suite (Super Cama) in Frage. Das ist die bestmögliche Art bequem zu reisen, so ähnlich wie Business Class im Flugzeug. Die anderen Kategorien sind zwar günstiger, aber total gerädert ankommen ist das einfach nicht wert.

Subte Linea C zum Bahnhof Retiro in Buenos Aires

Busterminal Retiro

Es gibt sehr viele Anbieter von Busreisen nach Iguazú und alle haben unterschiedliche Bezeichnungen für die Klassen im Bus. Man sollte also genauer hingucken, was man bucht. Am großen Busterminal in Retiro haben wir uns bei „Via Bariloche„, so heißt die von uns favorisierte Busgesellschaft, nach freien Plätzen erkundigt und wollten eine Art Suite buchen, in der sich der Sitz zu einem Bett ganz nach hinten klappen lässt. Man kann also einfach schlafen und morgens aufwachen und hoffentlich entspannt ankommen. Soviel zu unserem Plan. Für Dienstag war aber bereits alles ausgebucht, nur am Mittwoch gab es noch genau zwei Suiten. Die haben wir dann auch genommen und so fahren wir am Mittwochabend, quasi über Nacht, nach Puerto Iguazú.

Gewürzregale in einem Shop am Bahnhof Retiro

Für Dienstag haben wir dann auch gleich Nägel mit Köpfen gemacht und beschlossen nach Tigre ins Delta vom Río Paraná und Río de la Plata zu fahren. Nachdem das organisatorische erledigt war, sind wir zur nahen Plaza San Martín gelaufen, um dort in die Florida Straße shoppen zu gehen. Wir wollten nach kurzen Hosen schauen. Davon kann man bei dem heißen Wetter nicht genug haben. Die Florida ist eigentlich nicht wirklich gut zum Einkaufen geeignet, jedenfalls nicht für uns. Die ganze Meile wirkt wie aus den 1980er Jahren und so ist auch das Angebot da. In der Galeria Pacifico sind wir dennoch fündig geworden.

Aufmacher der Ausstellung "Vidas sitiadas" im Centro Cultural Borges in Buenos Aires

Und weil wir schon mal da waren haben wir nochmal einen Abstecher ins Centro Cultural Borges in den oberen Etagen gemacht. Dort gab es eine neue dokumentarische Fotoausstellung namens „Vidas sitiadas“. Wenn jemand weiß, wie man den Titel am besten übersetzt, möge er doch bitte einen Kommentar hinterlassen.

Ausstellung "Vidas sitiadas" im Centro Cultural Borges in Buenos Aires

Die Ausstellung drehte sich um die Darstellung menschlichen Schmerzes durch die Linse einer Kamera. So sah man beispielweise einen zusammengekrümmten, magersüchtigen jungen Mann in einem Krankenhausbett am Tropf. Oder Portraits von Patienten einer Psychiatrie, die jahrelang mit Psychopharmaka ruhiggestellt wurden. Auch ein Foto eines während der Militärdiktatur mehrfach inhaftierten Pfarrers war zu sehen. Man sah ihm die Verbitterung förmlich an. Die Fotos stimmten alle sehr nachdenklich und die Aufnahmen waren äußerst würdevoll und ästhetisch.

Opfer der argentinischen Militardiktatur

Auf dem Heimweg haben wir uns dann noch ein paar Sachen für den Dschungel besorgt, u.a. Antimückenlotion. Das Geld ist sicher sinnvoll investiert! Zuhause haben wir dann das Hostelzimmer gebucht. Die Verfügbarkeit eines Doppelzimmers war kein Problem, trotz Hochsaison und Karneval. Auf ein Mehrbettzimmer hatten wir beide keine große Lust. Nur wenn es gar nicht anders gegangen wäre.

Die Schauspielerin Maria auf einem Foto von Matias Sacchi Szaqii in der Ausstellung "Vidas Sitiadas" im Centro Cultural Borges

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Simyo funktioniert in Uruguay nicht

Mobiltelefonieren im Ausland mit der Simyo GmbH (eine Tochter von EPlus) funktioniert in Uruguay aus eigenen Erfahrungen überhaupt nicht. Nach kurzer Recherche fand sich auch der Grund dafür. Simyo hat in diesem Land noch keinen Partner. So kann das Handy in Uruguay nur als Notrufhandy benutzt werden. Für Lateinamerika ist Simyo keine besonders gute Wahl aber von einem Discounter war dies auch nicht anders zu erwarten. So kann man in Argentinien nur SMS versenden und Gespräche annehmen aber nicht telefonieren. Außerdem braucht es oft mehrere Anläufe bis eine SMS erfolgreich verschickt werden kann aber es funktioniert wenigstens. Mehr Infos zum Roaming von Simyo gibts hier.

Update 2009: Simyo funktionierte weder in Argentinien noch in Uruguay. Zu keiner Zeit und an keinem Ort war es möglich, sich in Fremdnetze einzubuchen. Somit konnten auch keine SMS versendet werden.

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Uruguay wir kommen

Wir haben uns heute Tickets für Uruguay besorgt und werden morgen ganz früh mit dem Speedboat nach Colonia del Sacramento jetten. Die Tickets kann man bei Buquebus für sagenhafte 105,50 AR$ (etwa 21 Euro) pro Person und Richtung kaufen. Wir werden dann dort nächtigen und mit dem Bus weiter nach Montevideo reisen. Das heißt, ich werde die nächsten Tage nicht bloggen. Wir wissen auch noch nicht genau, wann wir wieder in Buenos Aires sind. Ich denke Montag, Dienstag oder Mittwoch.

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Eine Busfahrt, die ist lustig…

Für heute stand nichts Konkretes auf dem Plan. Mal einfach nur so durch die Stadt zu treiben hat seinen Reiz und schauen was sich so ergibt. So sind wir zu Fuß von San Telmo ins Nachbarquatier Monserrat gelaufen und haben uns dort zum Plaza de Mayo durchgeschlagen und uns bei der Gelegenheit den roten Präsidentenpalast angeschaut. Auf dem Platz fand zur gleichen Zeit eine Demonstration statt. Wir konnten allerdings nicht genau ausmachen wofür oder wogegen die Demonstration gerichtet war. Von dort sind wir dann weiter nach Microcentro, dem Börsen- und Geschäftszentrum von Buenos Aires gelaufen. Dort herrschte reger Betrieb, und auf den Gehsteigen ging es nur sehr schleppend voran. In einem Kaffee haben wir das Treiben eine Weile lang beobachtet und sind dann mit dem Bus 111 in Richtung Palermo aufgebrochen.

Microcentro Buenos Aires

Öffentlicher Nahverkehr in Buenos Aires

Busfahren in BsAs ist eine sehr spezielle Angelegenheit und eine tolle Möglichkeit, die Stadt zu entdecken. Der Busfahrplan für die Hosentasche für Porteños oder jene die es werden wollenAls unwissender Tourist sollte man sich unbedingt den Busfahrplan Guia „T“ für die Hosentasche besorgen. Ein wertvolles Instrument für den Großstadtdschungel. Ohne diesen Plan ist es so gut wie unmöglich, gezielt durch BsAs zu fahren. Um ihn zu kaufen (4 Pesos), sollte man einfach an verschiedenen Zeitungsständen nachfragen, aber nicht jeder hat diesen im Angebot. Nun heißt es Haltestelle suchen. Hat man sie gefunden sollte man zusehen, dass man noch in den Bus kommt. Gerade am Nachmittag und Abend sind diese oft überfüllt. Manchmal kommen aber gleich mehrere Busse der selben Linie auf einmal. Das Ein- und Aussteigen gestaltet sich recht ruppig, und man sollte zusehen das man schnell zusteigt, da die Busfahrer – noch während Gäste ein- oder aussteigen – bereits wieder anfahren. So ist es keine Seltenheit, dass Fahrgäste brüllen, dass sie auch noch aus- bzw. einsteigen wollen.

Bus 111 Richtung Palermo Buenos Aires

Ist man eingestiegen, sagt man dem Fahrer entweder wohin man möchte, also die Station, oder für wieviel Pesos man fahren möchte. Der Preis richtet sich dann nach den gefahrenen Stationen. Für einen Pesos kann man bereits sehr weit fahren und Fahrpreise von mehr als 1 1/2 Pesos haben wir bisher nicht gesehen. Für den Automaten braucht man auf jeden Fall Münzen. Mit Scheinen sollte man erst gar nicht versuchen einzusteigen. Das ganze Bussystem funktioniert nur mit Münzen! Die Münzen schmeißt man dann einfach in den Automaten und erhält so sein Ticket.

Irgendwo in Palermo

Irgendwo in Palermo, wo es interessant aussah, sind wir dann ausgestiegen. Nach kurzem Kartencheck haben wir uns für die Erkundung von Palermo-Soho entschieden, das quasi bereits vor uns lag. Nach ein paar Straßen standen wir plötzlich in der wundersamen Welt von Palermo-Soho. Hier findet der Buenos Aires Style Ausdruck in einem ganzen Viertel. Hier gibt es so viele stylische Modeläden, Boutiquen, Cafes und Bars, Interior-Geschäfte und Galerien, dass man fast schon überfordert wird. Jedes Geschäft präsentiert sich auf seine ganz spezielle Art und Weise, und so kann man hier wahnsinnig viele schöne große und kleine Dinge entdecken. Man fühlt sich auf Anhieb wohl in diesem Quartier, das so ganz anders ist als die Viertel, die wir bisher gesehen haben. Hier scheint die Welt in Ordnung, und das Leben läuft in ruhigeren und leiseren Tönen ab. Jedenfalls kann man das für die Zeit tagsüber sagen. Eine nächtliche Erkundungstour steht allerdings noch aus.

Bilder aus Palermo-Soho:
Design-Shop in Palermo-Soho Buenos Aires

Schaufenster eines Klamottenladens in Palermo-Soho Buenos Aires

Cafe in Palermo-Soho Buenos Aires

Sommerschlussverkauf in einem Shop in Palermo-Soho Buenos Aires

Schaufensterfront Nike Shop in Palermo-Soho Buenos Aires

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Heute gehts los…

Kurz vor dem Flug ist es vielleicht ganz gut zu wissen wo genau das Haus liegt, in dem wir wohnen werden. Grob gesagt befindet es sich in San Telmo dem ältesten, südlich gelegenem Viertel der Stadt. Anhand der Straße sollte sich bei Google Maps recht schnell rausfinden lassen wo das genau sein wird. Erstaunlicherweise ist Google Maps in Lateinamerika so gut wie blind. Es gibt kein Kartenmaterial von Argentinien, nur Luftbilder, die für eine Straßensuche nicht zu gebrauchen sind. Es gibt bemerkenswert viele Lücken in América Latina. Nur Brasilien ist bereits gut erfasst. Zum Glück gibt es andere Angebote, die diese Lücke schliessen. Z.B. die interaktive Karte der Provinzregierung von Buenos Aires. Wir werden in der Perú Av. wohnen, ganz in der Nähe wo Caseros Av. die Grenze zum Viertel Barracas bildet. Wie es da wohl aussieht?

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