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A las Cataratas oder auf nach Iguazú…

Da wir für 19:40 Uhr den Bus nach Iguazú gebucht hatten, blieb nicht so viel Zeit für ausschweifende Tagesaktivitäten. Wir haben wie fast jeden Tag sehr lange geschlafen und dann die ultimativen Reisevorbereitungen getroffen. Wir wollten so wenig Gepäck wie möglich mit uns rumschleppen, d.h. alles sollte in zwei kleine Rucksäcke passen. Dass wir ohne Laptop reisen würden, stand von vornherein fest. Lange Hosen würden wir wohl im subtropischen Regenwald auch nicht brauchen. So reduzierte sich das Mitzunehmende auf das absolute Minimum. Was ist eigentlich mit Schuhen? Werden wir festes Schuhwerk brauchen? Vorsichtshalber wollten wir die Schuhe lieber mitnehmen. In den Rücksäcken war kein Platz dafür, also haben wir sie einfach angezogen und stattdessen die Flip-Flops verstaut. Ein komisches Gefühl nach Wochen in absoluter Fußfreiheit. Naja, dann noch „schnell“ einen Blogeintrag geschrieben und schon ging’s los. Auf die Reise nehme ich Stift und Schreibblock mit, so dass ich auch unterwegs blocken kann. 😉

Eigentlich wollten wir auch noch Lebensmittel aus dem Supermarkt besorgen, da wir nicht wussten, ob es auf der langen Busfahrt ausreichend zu essen und zu trinken geben würde. Aber dafür war es bereits zu spät! Am Bahnhof Retiro haben wir uns dann einfach an einem Stand mit Bocadillos eingedeckt. Das riesige Busterminal ist zwar nicht weit vom Bahnhof entfernt, trotzdem braucht man für die kurze Strecke viel Zeit, weil unglaubliche Massen von Menschen einem entgegen kommen. Auf dem Weg geht es zu wie auf einem Basar. Pünktlich, nämlich genau 11 Minuten vor Abfahrt, erreichten wir mit Schweißperlen auf der Stirn unseren Bus. Puh, das war knapp! Da wir nur Handgepäck hatten, konnten wir sofort einsteigen. Die anderen Mitfahrer mussten erst ihre Koffer vom Fahrer verstauen lassen. In den zweistöckigen Reisebus passten gerade mal etwas mehr als zwei Dutzend Passagiere. Unsere Sitze waren oben, ganz hinten und wir staunten nicht schlecht, wie viel Platz wir da hatten.

Cama Suite im "Via Bariloche" Reisebus von Buenos Aires nach Iguazú

Bequem reisen in der bettartigen "Cama Suite". Hier "Via Bariloche" auf der Fahrt von Buenos Aires nach Iguazú.

Wir breiteten uns aus und machten uns sofort über die Bocadillos her. Wir hatten jetzt schon Hunger. Unsere Bocadillos waren mit dünnen, frisch gegrillten Steaks und frischem Salat belegt und noch warm. Statt normalen Brötchen hatten wir Pan árabe so eine Art Pita ausgewählt. Während wir so vor uns hin mampften, quatschte uns der Typ aus der Nachbarkoje an, ein Brite aus London. Er berichtete uns u.a. von seiner kleinen Odyssee RosarioBuenos Aires – Rosario – Buenos Aires und schwärmte uns förmlich von Rosario vor. Der Typ hatte sich dort in ein argentinisches Mädchen verguckt, das erklärt auch seine totale Begeisterung für diese Stadt. Die Geburtsstadt von Che stand auch auf unserem Reiseplan und so tauschten wir Tipps und Erfahrungen aus. Die übrige Zeit verbrachten wir mit aus dem Fenster schauen und beobachteten die vorbeiziehende Landschaft.

Vorbeiziehende Autos auf der Busfahrt von Buenos nach Iguazú

Schließlich überquerten wir in der Abenddämmerung den Río Paraná. Als uns das Rausgucken zu langweilig wurde, haben wir in unseren Büchern gelesen. Und kurz darauf gab es bereits Abendessen. Wir waren ziemlich überrascht, wie großzügig das ausfiel. Als Hauptgang wurde Pollo, also Hühnchen serviert, und das reichlich. Das Essen war wirklich sehr gut. Auf einem herkömmlichen Linienflug bekommt man vielleicht die Hälfte von dem, was einem hier kredenzt wurde.

Vorspeisenarrangement des Busunternehmens "Via Bariloche" in der Klasse "Cama Suite"

Wie im Flugzeug wurde danach noch ein Film gezeigt und viele Leute legten sich bereits schlafen. Dafür sind die Sitze bestens geeignet, denn man kann die Lehne komplett zurück klappen, so dass man waagerecht wie in einem Bett schlafen kann. Für uns war das aber noch viel zu früh und so lasen wir noch eine ganze Weile. Irgendwann waren dann auch wir müde und schliefen ein.

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Ein Traumtag im Delta

Zum ersten Mal seit Wochen haben wir uns den Wecker gestellt. Auf zwölf Uhr! Wir wollten ja noch die Wäsche abholen, bevor es nach Tigre ins Paraná-Delta geht. Gestern hatten wir uns bereits schlau gemacht, wie das mit dem Tren de la Costa funktioniert und waren sehr gespannt, ob sich dieser Umweg lohnen würde. Wir hatten uns vorgenommen, den Zug um 14:24 ab Retiro zu nehmen. Also nichts wie zur U-Bahn (Linea C) und zum großen Bahnhof.

Bahnhof Retiro in Buenos Aires am Nachmittag

Das Gedränge ist dort nachmittags gar nicht so schlimm, trotzdem haben wir unseren Zug um genau eine Minute verpasst. Das ist aber kein großes Problem, denn die Züge fahren ca. alle 20 Minuten. Man darf eben nicht vergessen, das Fahrkartenkaufen einzuplanen. An den Schaltern sind nämlich immer lange Schlangen. Automaten gibt es zwar auch, aber die schlucken nur die raren Münzen, hinter denen hier jeder her ist. Münzen, egal welchen Nennwerts, sind Mangelware und werden von allen gesammelt und gehortet. Sie sind besonders beim Bus- und Zugfahren wertvoll, wobei im Bus ohne Münzen gleich gar nichts geht. Aber selbst an Automaten muss man hier Geduld haben und anstehen. Kaum hatten wir uns in die Schlange am Fahrkartenschalter eingereiht, wurden wir auch schon um Wasser angebettelt, da wir eine große Wasserflasche in der Hand hatten. Der kleine, schmutzige Junge hatte extra eine Plastikflasche dabei zum Umfüllen. Er sagte immer wieder, das Wasser sei für seine kleine Schwester im Kinderwagen. So was kann einen ganz schön runterziehen. Um Wasser angebettelt zu werden ist ziemlich krass.

Tren de la Costa

Obwohl wir noch 15 Minuten bis zur Abfahrt des Zuges hatten, sind wir gleich auf den Bahnsteig. Die Bahnsteige kann man hier nur mit gültigen Tickets betreten. Der Bahnhof ist eine typische Stahlkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert und wirkt, als wäre er seit seiner Errichtung kaum verändert worden. Die Eisenbahnen in Argentinien stammen fast vollständig aus England. So wundert man sich wenig, dass an den reichlich verzierten, massiven Stahlträgern „Liverpool“ eingeprägt ist.

Bahnhof Retiro in Buenos Aires

Der Bahnhof wirkt völlig überdimensioniert für die paar Züge, die wir gesehen haben. Um mit dem Tren de la Costa nach Tigre zu kommen, muss man von Retiro zunächst zum Bahnhof Bartolomé Mitre fahren. Dort steigt man nicht einfach nur um, sondern wechselt auch gleich noch in den gegenüberliegenden Bahnhof, Estación Maipú. Die beiden Bahnhöfe sind durch eine Überführung verbunden. Dort taucht man in eine völlig andere Welt. Man wird mit Musik empfangen, alles ist ruhig fast schon gediegen. Das schlägt sich auch im Ticketpreis nieder. Mit 12 Pesos pro Person bezahlt man ungefähr das 10-fache vom normalen Fahrpreis. Das können sich wahrscheinlich nur die gutverdienenden Argentinier leisten. Der Zug ist dafür dann auch sehr modern, klimatisiert und hat große Fenster.

Zugstation Maipu in Buenos Aires, wo der Tren de la Costa nach Tigre fährt

Wer nun erwartet, dass der Zug direkt an der Küste entlang fährt, wird enttäuscht sein. Nur ein paar Mal hat man kurz Sicht auf den Rìo de la Plata. Ansonsten gibt es echt nicht viel zu sehen außer gepflegten Holzbahnhöfen, die sehr an das British Empire erinnern. Mit dem Tren de la Costa kommt man in Tigre am Bahnhof Delta an. Dieser liegt ca. 1 km vom anderen Bahnhof in Tigre entfernt. Wir sind der Meinung, die Fahrt mit dem Tren de la Costa lohnt sich nicht. Die Zeit, die man mit Warten und Umsteigen verbringt und für den ganzen Umweg benötigt, ist besser in den Flüsschen des Deltas investiert.

Paraná-Delta

Da es schon fast 16 Uhr war, war das touristische Angebot etwas ausgedünnt. Wir sind zuerst in die Touristeninformation gegangen und haben uns beraten lassen. Dort haben wir erfahren, dass man am besten zur Rama Negra oder nach Tres Bocas fährt. Dort kann man etwas Zeit verbringen, spazieren gehen und die Umgebung erkunden. Es gibt auch Restaurants und kleine Lädchen. Dorthin kommt man am besten mit einem der Holzboote, die man zuhauf durchs Delta kreuzen sieht. Die Colectivos des Deltas sozusagen.

Seitenarm der Rama Negra im Paraná-Delta in Tigre nahe Buenos Aires

Alternativ gibt es noch Ausflugs-Katamarane und Charterboote, von denen uns verschiedene Leute ausdrücklich abgeraten haben. Die Fahrkarten für die urigen Holzboote gibt es gleich im Nachbarraum der Touristeninformation. Wir hatten Glück, dass der Mann vom Fahrkartenschalter das Boot, das gerade los wollte, per Funk für uns aufhielt und so wurden wir noch mitgenommen. Wir saßen in einem fast leeren Transportboot und konnten uns die besten Plätze aussuchen. Was die Fahrt für uns besonders interessant machte, ist zu sehen, welche Bedeutung diese Boote für das tägliche Leben der Menschen im Delta haben. Fast an jedem Steg sieht man jemand etwas mitgeben, etwas in Empfang nehmen oder für ein paar Stationen mitfahren. Eine Frau gab für den Bootsführer Empanadas ab, eine andere ein frisch gewaschenes und gebügeltes Hemd. So verging die Zeit wie im Fluge und plötzlich hieß es, wir müssen aussteigen. Wir waren an der Rama Negra angekommen.

Rama Negra

Okay… und was machen wir hier nun? … und wie kommen wir hier wieder weg, wenn wir wollen? Überall standen Privathäuschen und es sah nicht so aus, als könne man hier großartig was unternehmen. Wir folgten einem Pfad am Wasser entlang in ein Seitenärmchen, tiefer ins Delta. Allmählich zog uns die Ruhe und Schönheit des Deltas in ihren Bann. Wir hörten die Grillen zirpen und begegneten freilaufenden Hühnern und Gänsen.

Gans relaxed am Steg

Vor einigen Häusern lagen Hunde, die nur beiläufig Notiz von uns nahmen. Wir folgten dem Pfad bis zu einem Almacen. In dieser Mischung aus Tante Emma Laden und Kiosko bediente uns eine ältere Dame. Wir setzten uns, tranken eine kühle Coke und beobachteten das Geschehen. Der nächste Kunde war ein alter Mann mit seinem noch älteren Hund. Ein tolles Paar. Außer diesem und den beiden kleinen Mädchen, die sich dort ein Eis holten, hatte die ältere Dame nicht viele Kunden. Wir gingen ein paar Meter weiter und fanden auch schon das einzige Restaurant am Platz.

Das Restaurant "Alpenhaus" im Paraná-Delta in Tigre nahe Buenos Aires

Wir hatten viel erwartet aber nicht sowas. Das „Alpenhaus“ macht seinem Namen alle Ehre: Gartenzwerge in saftig grünen Wiesen, ein Rehkitz unter einer Palme und deutschsprachige Bedienung. Nur die Alpen fehlten. Dafür  gab es einen schönen Pool. Zwei Deutsche – gefühlte Münchnerinnen – lagen unten am Steg und aalten sich laut unterhaltend in der Sonne. Wir nahmen auf der Terrasse Platz und bestellten auf deutsch einen Apfelstrudel mit Vanilleeis.

Versorgungsboot im Paraná-Delta macht Hausbesuch am Alpenhaus

Versorgungsboot am Restaurant "Alpenhaus" im Paraná-Delta in Tigre nahe Buenos Aires

Während wir faul in der Sonne lenzten, legte das Versorgungsboot von „Juan & Juan“ an. Das ist so eine Art schwimmender Supermarkt, der im Delta Hausbesuche macht. Wir beobachteten eine Weile, was da so passierte, und mussten uns dann auch schon auf den Rückweg machen. Wieder war die Zeit wahnsinnig schnell vergangen und wir mussten unbedingt das letzte Boot nach Tigre kriegen, das ungefähr um halb acht fuhr. Ganz genau konnte uns das niemand sagen. Eine Übernachtung im Alpenhaus hätte sonst mit 450 Pesos zu Buche geschlagen, in einem eigenen Bungalow immerhin. Am Bootsanleger vertrieben wir uns die Zeit bis das Boot kam, kühlten unsere Füße und testeten wie viele Stufen unter Wasser man die Treppe des Anlegers noch hinabsteigen kann. Die Flüsschen im Delta scheinen uns allesamt nicht sehr tief zu sein, an vielen Stellen sah man die Leute im Wasser stehen. Das Abendlicht war wunderschön und alles strahlte sommerlich in warmen Farben. Die Rückfahrt genossen wir bei diesem Licht umso mehr.

Entspannung pur im Paraná-Delta auf dem Rio Sarmiento in Tigre nahe Buenos Aires

Der Bootsführer sammelte weiter Fahrgäste links und rechts der Wasserstraße von den Stegen ein. Ein älterer Herr hatte es wohl besonders eilig. Unbeholfen versuchte er an Bord zu springen, als das Boot noch viel zu weit weg war. Gerade konnte man ihn noch sehen und schwupp war er weg. Wir hörten etwas ins Wasser plumpsen! Im ersten Augenblick fuhr uns der Schreck in die Glieder und wir ahnten was passiert war. Wie sich herausstellte war aber alles halb so schlimm und der Mann stieg nass wie ein Puddel und laut schimpfend die Treppe zum Steg hinauf. Wahrscheinlich ärgerte er sich über seine eigene Dummheit. Der Mann brabbelte, dass er so wohl nicht mehr in die Stadt kann und zog bedient von dannen. Der Bootsführer rief ihm noch hinterher, ob er warten solle, aber der mutige Springer winkte nur noch ab. Wir fanden die Szene urkomisch und mussten lachen. Der Kapitän fuhr weiter.

Abendstimmung im Paraná-Delta in Tigre nahe Buenos Aires

Als wir im Hafen anlegten war die Sonne schon fast untergegangen. Wir gingen noch eine Weile an der Promenade spazieren und sind dann zum Bahnhof Tigre aufgebrochen. Wir wollten den Direktzug nehmen, weil es einfach am schnellsten geht. Im runtergekülten Zug haben wir uns mal wieder den Arsch abgefroren und waren heil froh, als wir nach 50 Minuten im warmen Bahnhof Retiro ankamen. Die Subte hatte ihren Dienst für heute bereits eingestellt und so blieb uns nur der Colectivo. Wir mausern uns so langsam zu Colectivo-Spezialisten.

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Wieviel Schmerz kann eine Kameralinse einfangen?

Heute wollten wir uns in erster Linie um unseren Ausflug nach Puerto Iguazú kümmern. Die großartigen Wasserfälle im Norden Argentiniens im Länderdreieck mit Brasilien und Paraguay müssen wir unbedingt sehen. Da aber zurzeit überall Hauptsaison ist, wurde uns empfohlen, lieber alles im Voraus zu buchen. Die Gefahr, kein Zimmer mehr zu bekommen, wollten wir im Dschungel lieber nicht eingehen.

Bevor wir jedoch die Unterkunft buchen und Bustickets besorgen konnten, waren noch so einige andere Dinge zu erledigen. Inzwischen war unsere Kleidung aufgebraucht, so dass wir nun unbedingt mal waschen mussten und Bargeld brauchten wir auch noch. In unserer Wohnung gibt es leider keine Waschmaschine, aber ganz in der Nähe, in der Independencia, gibt es einen vertrauenerweckenden, kleinen Waschsalon.

Die süße, kleine Wäscherei "Lav Telmo" in der Independencia 510 in Buenos Aires

Da gibt man einfach die Wäsche ab und holt sie später oder am nächsten Tag wieder ab. Im Laden haben wir uns dann mit Händen und Füßen mit der putzigen, älteren Dame verständigt und schließlich unsere Wäsche in Ihre Obhut gegeben. Morgen gegen 12 können wir sie dann abholen. Geschafft! Bezahlen müssen wir die Wäsche erst beim Abholen. Was für ein Glück, denn wir konnten bisher noch kein Geld ziehen obwohl wir mehrere Banken ausprobiert haben. Von halb drei bis halb vier machen die Banken einfach dicht. Dann werden die Geldautomaten wieder aufgefüllt, hat uns unsere Vermieterin erklärt. Gut zu wissen…

… und jetzt erstmal was essen

Da wir wie gesagt kein Bargeld hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als uns nach einem Restaurant umzusehen, in dem man mit Kreditkarte zahlen kann. So sind wir flux ins „El Federal“ an der Ecke Peru und Carlos Calvos. Dort hatten wir einen anständigen Salat in einer Schale aus Brotteig. Im Menü dazu gab es noch ein Getränk nach Wahl und einen Café zum Abschluss.

Das El Federal an der Ecke Carlos Calvos und Peru

So gestärkt konnten wir uns nun um die Tickets kümmern. Da wir für die mehr als 1000 Kilometer ca. 17 Stunden unterwegs sein werden, wollten wir möglichst komfortabel Reisen. Daher kam nur ein Cama Suite (Super Cama) in Frage. Das ist die bestmögliche Art bequem zu reisen, so ähnlich wie Business Class im Flugzeug. Die anderen Kategorien sind zwar günstiger, aber total gerädert ankommen ist das einfach nicht wert.

Subte Linea C zum Bahnhof Retiro in Buenos Aires

Busterminal Retiro

Es gibt sehr viele Anbieter von Busreisen nach Iguazú und alle haben unterschiedliche Bezeichnungen für die Klassen im Bus. Man sollte also genauer hingucken, was man bucht. Am großen Busterminal in Retiro haben wir uns bei „Via Bariloche„, so heißt die von uns favorisierte Busgesellschaft, nach freien Plätzen erkundigt und wollten eine Art Suite buchen, in der sich der Sitz zu einem Bett ganz nach hinten klappen lässt. Man kann also einfach schlafen und morgens aufwachen und hoffentlich entspannt ankommen. Soviel zu unserem Plan. Für Dienstag war aber bereits alles ausgebucht, nur am Mittwoch gab es noch genau zwei Suiten. Die haben wir dann auch genommen und so fahren wir am Mittwochabend, quasi über Nacht, nach Puerto Iguazú.

Gewürzregale in einem Shop am Bahnhof Retiro

Für Dienstag haben wir dann auch gleich Nägel mit Köpfen gemacht und beschlossen nach Tigre ins Delta vom Río Paraná und Río de la Plata zu fahren. Nachdem das organisatorische erledigt war, sind wir zur nahen Plaza San Martín gelaufen, um dort in die Florida Straße shoppen zu gehen. Wir wollten nach kurzen Hosen schauen. Davon kann man bei dem heißen Wetter nicht genug haben. Die Florida ist eigentlich nicht wirklich gut zum Einkaufen geeignet, jedenfalls nicht für uns. Die ganze Meile wirkt wie aus den 1980er Jahren und so ist auch das Angebot da. In der Galeria Pacifico sind wir dennoch fündig geworden.

Aufmacher der Ausstellung "Vidas sitiadas" im Centro Cultural Borges in Buenos Aires

Und weil wir schon mal da waren haben wir nochmal einen Abstecher ins Centro Cultural Borges in den oberen Etagen gemacht. Dort gab es eine neue dokumentarische Fotoausstellung namens „Vidas sitiadas“. Wenn jemand weiß, wie man den Titel am besten übersetzt, möge er doch bitte einen Kommentar hinterlassen.

Ausstellung "Vidas sitiadas" im Centro Cultural Borges in Buenos Aires

Die Ausstellung drehte sich um die Darstellung menschlichen Schmerzes durch die Linse einer Kamera. So sah man beispielweise einen zusammengekrümmten, magersüchtigen jungen Mann in einem Krankenhausbett am Tropf. Oder Portraits von Patienten einer Psychiatrie, die jahrelang mit Psychopharmaka ruhiggestellt wurden. Auch ein Foto eines während der Militärdiktatur mehrfach inhaftierten Pfarrers war zu sehen. Man sah ihm die Verbitterung förmlich an. Die Fotos stimmten alle sehr nachdenklich und die Aufnahmen waren äußerst würdevoll und ästhetisch.

Opfer der argentinischen Militardiktatur

Auf dem Heimweg haben wir uns dann noch ein paar Sachen für den Dschungel besorgt, u.a. Antimückenlotion. Das Geld ist sicher sinnvoll investiert! Zuhause haben wir dann das Hostelzimmer gebucht. Die Verfügbarkeit eines Doppelzimmers war kein Problem, trotz Hochsaison und Karneval. Auf ein Mehrbettzimmer hatten wir beide keine große Lust. Nur wenn es gar nicht anders gegangen wäre.

Die Schauspielerin Maria auf einem Foto von Matias Sacchi Szaqii in der Ausstellung "Vidas Sitiadas" im Centro Cultural Borges

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Wer hat sie verraten, die toten Aristokraten?

Wow! Blauer Himmel und Sonne satt. So muss ein Tag aussehen, dann klappt’s auch mit dem Rausgehen. Konkrete Pläne hatten wir für heute nicht, aber den Tag mit Medialunas und Kaffee zu beginnen, ist erstmal keine so schlechte Idee. Und nein, wir sehen noch nicht aus wie Teigkugeln und man kann auch nicht genug davon kriegen!

Publikumsmagnet: Cementario de la Recoleta

Wie wäre es mit dem Aristokraten-Friedhof in Recoleta? Ein Besuch dort lohnt sich immer. In der „Gräberstadt“ kann man im Schatten schlendern und ein wenig Geschichte atmen. Also, vámanos. Mal sehen, ob wir das ohne Karte finden. Nach zirka einer Stunde Fußweg durch die staubigen Straßen von Buenos Aires standen wir direkt vor dem Haupteingang des Friedhofs. Es war Samstag und so war es noch voller als sonst und bei meinem letzten Besuch.

Prunk und Verwahrlosung im Cementario de la Recoleta Buenos Aires

Wenn all die Toten gewusst hätten, dass sich täglich so viele Menschen an ihren Grabstätten vorbei schieben, dann hätten sie es sich vielleicht noch mal überlegt mit dem Pomp. Aber vielleicht ist das ja auch pure Absicht. Die Wichtigkeit und Bedeutung einer Familie misst sich hier an ihrem Mausoleum. Je mehr Macht und Geld eine Familie anhäufen konnte, desto pompöser ist auch deren Gruft. Sehen und gesehen werden, weniger für die Toten als für die Lebenden. Und so pflegen die Angehörigen die prunkvollen Gruften wie Ihr Wohnzimmer und damit Ihren Status. Dass es so viele Touristen sind, ist wahrscheinlich IHR „Verdienst“. An ihrem Grab musste man heute anstehen, um einen Blick zu erhaschen.

Besucherandrang vor der Grabstätte von Evita (Eva Peron) im Cementario de la Recoleta in Buenos Aires

Wer etwas mehr Beschaulichkeit sucht, sollte den Friedhof lieber an einem gewöhnlichen Wochentag besuchen. Man kann in zunehmendem Maße eine gewisse Verwahrlosung der Grabstätten beobachten. Viele Familien sind inzwischen ausgestorben und so verfallen die Gruften und geben dem Friedhof seinen extramorbiden Touch.

Verwahrloste Gruft auf dem Cementario de la Recoleta in Buenos Aires

Gegen 18 Uhr marschierte ein Uniformierter mit Trillerpfeife zwischen den Lippen durch die Gräbergassen und pfiff die Touristen höflich aber bestimmt zusammen, auf dass sie den Friedhof nun verlassen.

In der Grünanlage vor dem Friedhof fand, wie jedes Wochenende, die Feria de Plaza Francia statt. Eigentlich nicht mehr als eine Art Flohmarkt mit Kleinkunst-Ramsch. Das benachbarte Centro Cultural Recoleta war im Begriff zu schließen und so sind wir nur kurz durch geschlendert. Direkt darunter liegt die Buenos Aires Design-Mall, in der es Designermöbel und Einrichtungsgegenstände zu kaufen gibt. Spektakulär ist sie allerding nicht. Im Café La Biela, gleich in der Nähe, machten wir Pause und tranken einen Milchkaffee. Die Terrasse des Cafés liegt direkt unter der schattenspendenden Krone eines gigantischen Gummibaums (Gomero). Er wurde 1878 gepflanzt und hat eine Spannweite von über 50m. Wunderschön! Die riesigen Äste werden mit Balken gestützt.

Großer Gummibaum in Recoleta Buenos Aires (Gran Gomero)

Seit wir in Buenos Aires sind, haben wir schon mehrfach die „Festivales de Buenos Aires„-Plakate gesehen. Diese kündigten jeweils für das Wochenende Konzerte an der Constanera Sur an. Heute wollten wir uns das mal anschauen. Also sind wir dorthin. Auf kürzestem Weg, durch die mondäne Avenida Alvear in Recoleta, über die Plaza San Martín in Retiro, weiter nach Puerto Madero. Auf dem ganzen Weg dorthin hatten wir einen treuen Begleiter: Einen dieser umherstreunenden Hunde, von denen es hier sehr viele gibt. Die Hundedame heftete sich an unsere Fersen und lies uns keine Minute aus den Augen. Man muss echt mal gesehen haben, wie geschickt diese Hunde die heftig befahrenen Straßen überqueren.

Avenida Leandro N. Alem in Retiro Buenos Aires

Costanera Sur

Auf der Avenida Carlos M. Noel an der Constanera Sur reiht sich eine Imbissbude an die andere. Mindestens alle 30 Meter eine und dazwischen knattern die Stromgeneratoren, die die Imbisse für Licht und Kühlung brauchen. Man muss unbedingt auf die tollen Namen achten, die sich die Stände gegeben haben.

La Parrilla de Julio an der Costanera Sur in Buenos Aires

Das Wort „Parrilla“ darf auf keinen Fall fehlen und so gut wie alle spanischen Pronomen wurden mindestens einmal verwendet: Mein (mi), dein (tu), Ihr (su), unser (nuestra), euer (vuestra) Parrilla und so weiter… Die Dinger qualmten was das Zeug hielt und es roch ziemlich verführerisch nach Gegrilltem. Wir wollten aber nicht beim erstbesten essen und uns schon gar nicht den Magen verrenken. Bei 8 Peso (ca. 1,80 Euro) für ein Riesenstück Fleisch wird man ja doch etwas skeptisch. Aber wo viele Argentinier essen, kann es so schlecht nicht sein. Die wissen sicher was sie tun. Und so aßen wir ein saftiges Steak dort, wo es am vollsten war. Es war ultralecker und ich kann jedem empfehlen, dort mal zu essen.

La Parrilla de Julio an der Costanera Sur in Buenos Aires

Das Treiben auf der Promenade hat nach Einbruch der Dunkelheit Volksfestcharakter. Im Gegensatz zu den vielen Ferias, die oft nur für die Touristen gemacht sind, ist man hier aber unter Porteños. Um einen kleinen aber recht authentischen Einblick in den Alltag von BsAs zu kriegen, sollte man das nicht verpassen. Allmählich konnte man auch schon erahnen, wo die besagten Konzerte stattfinden. Die Musik wurde immer lauter und es wurde voller und voller. Nachdem wir ein paar Minuten der Darbietung eines argentinischen Roland-Kaiser-Verschnitts auf den Leim gegangen waren, zogen wir dann weiter zum eigentlichen Open-Air Event. Dort spielte dann vor einigen hundert jungen Leuten Iván Noble. Wir haben noch nie was von ihm gehört. Es klang ein bisschen wie Eros Ramazzotti auf Spanisch.

Iván Noble Open Air Costanera Sur Buenos Aires

Iván Noble Open Air an der Costanera Sur in Buenos Aires

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Schöne Künste in Buenos Aires

Heute wollten wir ins MALBA. Dort hat es mir bei meinem letzten Besuch sehr gut gefallen. Das relativ junge Museum (eröffnet 2001) widmet sich lateinamerikanischer Kunst von den Anfängen des zwanzigsten Jahrhunderts bis heute. Das MALBA liegt nördlich des Stadtzentrums in Palermo Chico. Also zum Laufen zu weit. Unweit der Defensa, an der Avenida Paseo Colón sollten wir eigentlich einen Colectivo in die Richtung erwischen. An den Haltestellen angekommen wurden wir noch bevor wir den Guia“T“ aus der Tasche holen konnten von einem Porteño japanischer Abstammung angequatscht. Man sieht uns an, dass wir mit den Bussen in Baires noch Probleme haben. 😉 Er erklärte uns welche Linien in Frage kommen und fing mit uns ein Gespräch an. Er war ziemlich redselig und als er erfuhr, dass wir Deutsche sind, kam er sofort auf die gemeinsame Geschichte im Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Ab da wurde das Gespräch etwas unheimlich, besonders als er fragte, ob wir auch Patrioten seien. Wir stiegen in den nächstbesten Bus ein und fuhren bis zum Gebäude der juristischen Fakultät. Von dort sind es nur noch ein paar hundert Meter zu Fuß.

Die Floralis Genérica von Eduardo Catalano in Buenos Aires

Spaziergang zum MALBA

Das Universitätsgebäude stammt aus den 1940er Jahren und ist architektonisch entsprechend monumental. Gleich daneben, in dem angrenzenden kleinen Park, Plaza Naciones Unidas, steht die Floralis Genérica in ihrem Wasserbassin. Die überdimensionale Blüte, erschaffen vom Architekten Eduardo Catalano, ist aus Aluminium und poliertem Edelstahl. Ihre Besonderheit ist, dass sie sich morgens öffnet und zum Abend hin schließt.

MALBA - Museum für Lateinamerikanische Kunst in Buenos Aires

MALBA – Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires

Danach ging es noch ein ganzes Stück, vorbei an einem Villenviertel, bis wir an dem Neubau aus Glas und Naturstein ankamen. Derzeit gab es neben der Dauerausstellung mit Werken von Frieda Kahlo, Grete Stern etc.., eine Ausstellung über die „Amigos del Arte“. Die Kunstfreunde förderten in der Zeit von 1924 bis 1942 Kunst und Literatur in Buenos Aires. Leider hatte man von der Ausstellung ohne fundierte Spanischkenntnisse nur wenig. Zu sehen gab es u.a. Fotos aus den 1920er-Jahren in Buenos Aires.

Amigos de la Arte - MALBA Buenos Aires

Im Erdgeschoss war unter dem Titel „Diseño en proceso“ eine Schauwand aufgestellt, die den unsichtbaren Prozess des Designens bei der Entstehung von Industrieprodukten aufzeigt. Außer viel Text und ein paar Beispielobjekten (z.B. Spielzeug, Schuhe, Wasserhahn) gab es nicht viel zu entdecken. Daraus hätte man mehr machen können, finde ich.

Küchenarmatur "Nabuco" aus der Ausstellung "Diseño en Proceso" im MALBA Buenos Aires

Das Highlight war jedoch eine Fotoreihe mit dem Titel „El triunfo de la muerte“ (Der Triumpf des Todes). Der Fotograf, Oscar Bony, hatte sich mit Fernauslöser in mehreren Posen abgelichtet, als würde er im Moment des Fotos erschossen werden. Danach hat er dann wohl die bereits gerahmten Fotos hinter Glas beschossen, so dass man nicht nur die Einschusslöcher, sondern auch das gesprungene Glas sehen konnte.

Der Triumpf des Todes von Oscar Bony im MALBA Buenos Aires

Paseo Alcorta – Yet another shopping mall

Inzwischen machte sich der Hunger bemerkbar und wir beschlossen Essen zu gehen. Ganz nahe beim MALBA liegt eine Shopping Mall, das Paseo Alcorta, mit riesigem Supermarkt. In der obersten Etage kann man an einigen Imbissen Kleinigkeiten essen. Es ist echt erstaunlich, wie gut in Argentinien selbst in solchen Läden das Fleisch schmeckt. In dem Supermarkt, einem Carrefour, haben wir dann endlich eine italienische Espressomaschine gefunden und Kaffee, der OHNE Zucker geröstet wurde, 100% Arabica. Ab jetzt gibt es auch zuhause guten Kaffee! Bisher haben wir ihn nämlich nach „Art des Hauses“ mit einem zum Filter umfunktionierten Teestrumpf gebrüht.

Palermo Chico

Auf dem Weg zum Museo Nacional de Bellas Artes haben wir uns dann das Villenviertel, an dem wir vorhin vorbeigelaufen sind, vorgenommen. Vorbei an etlichen Botschaften (z.B. von der Islamischen Republik Iran und von Haiti) sind wir dann tiefer ins das kleine Viertel gelaufen. Hier gibt es unheimliche schicke Privathäuser in der Größe einer kleinen Villa, aber auf minimalstem Raum. Alles ist unheimlich gepflegt und der Rasen saftig grün, sofern man dass durch die mannshohen Stahlzäune mit Sichtschutz erkennen konnte. Um das Rasensprengen müssen sich hier die Besitzer sicher nicht selbst kümmern, das machen Angestellte. Dumm nur, dass dieses exklusive Quartier direkt an der vielbefahrenen Eisenbahnstrecke von und nach Retiro und in der Einflugschneise des Stadtflughafens Jorge Newberry liegt. Allein in der Zeit, in der wir da waren, donnerten zwei Flugzeuge über uns hinweg. Das nimmt dem Viertel irgendwie seine Exklusivität und wir waren uns einig, dass wir hier nicht wohnen wollten.

MNBA – Museo National de Buenos Aires

Das Nationalmuseum der schönen Künste war gerade noch geöffnet (es schließt um 20 Uhr) und wir haben uns dort 2 Ausstellungen angeschaut. Eine hieß „Aproximaciones“ (Annäherungen) von Jacques Bedel, der mit Folien hinter Glas gearbeitet hat.

Annäherungen/Aproximaciones von Jacques Bedel im MNBA Buenos Aires

Die andere mit Fotos verschiedener Künstler nannte sich „Mirando la Historia“ (Die Geschichte Betrachtend) und widmete sich neben argentinischen Themen, wie der Militärdiktatur und Ihren Folgen und der Wirtschaftskrise von 2001, auch internationalen Ereignissen wie dem Anschlag auf den US-Präsidenten Reagan, dem Wahlkampf Mitterrands und der Ankunft des ersten Zeppelins 1934 in Buenos Aires.

Hier mit Bild von Julio Pantoja, Pablo Gargiulo

Besonders beeindruckt hat mich das Foto eines jungen Mannes, der Fotografien seiner Eltern in den Händen hält, die während der Diktatur verschwunden sind. Faszinierend war auch die Aufnahme eines jungen Pärchens. Über das Foto von den beiden war ein zweites abgerissenes gelegt. Auf dem abgerissenem war ihnen der Mund mit einer Mullbinde verbunden, was die Zensur versinnbildlichen sollte. Die Werke der klassischen europäischen und südamerikanischen Künstler haben wir uns für einen anderen Besuch aufgehoben.

Anos de plomo, die bleiernen Jahre, Censura/Zensur

Ganz in der Nähe liegt in einer Grünanlage an der Plaza Francia der berühmte Friedhof von Recoleta. Der hatte aber schon zu. Die Kirche gleich nebenan (Nuestra Señora del Pilar) ist ziemlich überladen golden und wahrscheinlich ohne besonderen kulturhistorischen Wert. Eindrücklich war aber, dass in jeder Seitenkapelle vor den riesigen Altären je 2 monströse, uralte Ventilatoren standen. Allmählich wurde es auch schon dunkel und wir mussten noch ziemlich weit nach Hause laufen.

Die Avenida Corrientes, der Broadway von Buenos Aires

Auf dem Heimweg entdeckten wir eine Straße, die Libertad, parallel zur Avenida 9 de Julio, in der auf mehreren hundert Metern Länge ein Juweliergeschäft nach dem anderen kam. Meist mit Werbeschildern für den An- und Verkauf teurer Uhren (Rolex). Diese Spezialstraßen waren mir schon bei meinem letzten Aufenthalt aufgefallen.

Zuhause angekommen gab es zuerst, auch wenn es schon später Abend war, einen Kaffee…

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Seremos tan felices en Buenos Aires – Wir sind so froh in Buenos Aires

Das war der Titel einer von sieben Ausstellungen, die wir uns heute im Centro Cultural Borges angesehen haben. Die Menschen, die auf den Bildern dargestellt waren, sahen aber alles andere als glücklich aus. Der Titel war wohl eher ironisch gemeint. Man sah Hausfrauen, die mit technischen Geräten kämpften, Fabriken, rauchende Schornsteine, Geschäftsleute in Schlips und Kragen oder Menschenmassen beim gleichgeschalteten Vergnügen in überfüllten Cafés. Eigentlich hatten wir gar nicht vor, heute ins CCB zu gehen. Aber alles der Reihe nach…

Galeria Pacifico in Retiro Buenos Aires

WLAN für alle

Der Tag begann damit, dass wir uns über die langsame Internetverbindung ärgerten. Wir nutzen momentan ein unverschlüsseltes WLAN von einem Copy-Shop bei uns um die Ecke. Das Surfen damit ist allerdings die reinste Qual! So bat ich Brenda (unsere Vermieterin), uns ihr WLAN aus der Galerie zugänglich zu machen. Wir hatten zwar schon alles, was wir für den Zugang brauchten, es funktionierte aber bisher trotzdem nicht richtig. Hinzu kommt, dass die Galerie um 19 Uhr schließt und dann auch das Netz weg ist. Brenda hat sich sowas wie einen Generalschalter gebastelt, damit auch wirklich alles aus ist, wenn sie geht. Ganz süß, aber für uns eher blöd. Wir konnten Sie überzeugen, wenigstens den Router anzulassen. Jetzt scheint alles zu klappen. So können wir einigermaßen schnell Sachen recherchieren oder bloggen. Bei der Gelegenheit haben wir sie gleich noch gefragt, was es mit der Kampagne „No al Tarifazo de los Kirchner!! No Pague La Luz“ auf sich hat. Die Plakate haben wir am Sonntag auf der Feria an vielen der Stände gesehen. Klar war, dass es um Strom ging und dass er wohl teurer wird. Brenda erzählte, dass die Regierung die Strompreise drastisch erhöht hat und der Strom nun mehr als das 3-fache kostet. Auch sei der Vermittlungsversuch eines Ombudmans gescheitert.

Centro Cultural Borges

Wir hatten uns also vorgenommen, der Defensa in nördlicher Richtung zu folgen und dann irgendwann mit dem Bus weiter in Stadtteil Palermo zu fahren. Ab der Plaza de Mayo heißt die Straße dann übrigens Reconquista. Der Hunger trieb uns allerdings bereits in Retiro in eine der interessanten Nebenstraßen (Tres Sargentos). In der BarBaroBar hatten wir dann ein sehr spätes Frühstück und Mittag. Und da wir bereits ganz in der Nähe der Galeria Pacifico waren, sind wir von unserem ursprünglichen Plan abgewichen und haben uns das noble Einkaufszentrum angeschaut. Im oberen Bereich des Shopping-Centers befindet sich das Centro Cultural Borges. Das CCB ist auf zeitgenössische Kunst spezialisiert und hat ständig wechselnde Ausstellungen. Manche kann man gratis ansehen und für andere muss man Eintritt bezahlen. Wir hatten keine Karten und konnten uns trotzdem alles anschauen. Jedenfalls wurden wir von niemandem aufgehalten, als wir durch die verschiedenen Ausstellungssäle gelaufen sind. Es waren außer uns auch nicht sehr viele Besucher unterwegs.

Austellung im Centro Cultural Borges in Buenos Aires

Am besten hat uns die Ausstellung „Objectos de mi pasión“ gefallen. Die Sammlung mit den Namen „Prólogo“ von Esteban Tedesco sollte die enge Bindung des Künstlers mit seinem Werk zeigen. Zu sehen gab es Installationen, Fotografien und Gemälde. Das „Back to the lost garden“ von Matías Duville würde ich auch in meine Kunstsammlung aufnehmen. 😉 Dieser hatte auf einer OSB-Platte eine völlig zerstörte Umwelt dargestellt. Die Spanplatte war nicht vollständig bemalt, an vielen Stellen war der raue Untergrund deutlich zu sehen. Zusätzlich wurden, wahrscheinlich nachträglich, einzelne Bereiche der Holzplatte mit einem Meisel bearbeitet und bemalte und nicht bemalte Stücke raus gebrochen. So entstand ein ziemlich aussagekräftiges Gemälde.

Back to the lost garden von Matias Duville [2008] im Centro Cultural Borges in Buenos Aires

Auch die bunte Installation mit kreisrunden Milchglasplatten von Graciela Hasper war sehr schön. Der Bezug zum Titel der Ausstellung wurde besonders deutlich bei den Fotografien von Rosanna Schoijett. Die Aufnahmen zeigen Künstler aller Couleur – Maler, Bildhauer, Aktionskünstler – vor ihren Werken. Hund und Herrchen, sozusagen.

Centro Cultural Borges - Installation von Graciela Hasper ohne Titel und Back to the lost garden von Matias Duville

Nachdem wir uns sattgesehen hatten, sind wir in die Escuela Argentina de Tango (Tango-Schule), die sich in den Nachbarräumen befindet. Wir wollten mal gucken, wie Leute Tango tanzen und haben dann Anfängern beim Lernen zugeschaut. Die Schule macht echt einen sehr angenehmen Eindruck. Der freundliche Mann vom Empfang hielt uns für Interessenten und präsentierte uns gleich die verschiedenen Angebote der Schule. Das ist übrigens gar nicht so teuer: Eine Stunde kostet hier 25 Pesos, nimmt man mehrere Stunden im Paket wird es billiger. Bei dem Überangebot an Tanzschulen in Buenos Aires geht das aber bestimmt noch günstiger.

Tangoschule im Centro Cultural Borges Buenos Aires

Retiro

Irgendwie verging die Zeit rasend schnell und es war schon wieder fast halb acht. Wir verließen das CCB in Richtung Plaza San Martin im Herzen von Retiro. Dort schlenderten wir durch den angrenzenden Park und ruhten uns aus. Hinter der Plaza, wo die Calle Florida beginnt, haben wir uns ein Dulce de Leche Diät-Eis gekauft. Das war total lecker, aber trotzdem noch sehr süß. Ich will nicht wissen, wie dann die normale Variante schmeckt. An Dulce de Leche kommt man hier einfach nicht vorbei.

Cartoneros an der Plaza San Martin im Stadtteil Retiro in Buenos Aires

Retiro macht einen sehr französischen Eindruck. Man kommt sich vor wie in Paris. Sehr schöne und gepflegte Häuser, kleine Lädchen und Cafés überall. Auch sind hier die Bürgersteige tadellos in Ordnung. Das ist nicht selbstverständlich in Buenos Aires. Cartoneros, die im Müll nach Papier und Pappe suchen, gibt es aber auch hier. Wir haben noch eine Weile die vorbeilaufenden Menschen beobachtet. In der Dämmerung machten wir uns über die Avenida Santa Fe und die Avenida 9 de Julio in Richtung Heimat auf. Dabei haben wir allerlei interessante Dinge entdeckt, wie z.B. dass das Teatro Colón immer noch geschlossen ist, obwohl es im Oktober letzten Jahres wiedereröffnet werden sollte. Es sieht noch immer so aus, wie bei meinem letzten Besuch. Auch das Teatro Cervantes ist noch immer eingerüstet. Wir werden die Tage mal vorbei gehen und schauen ob es dort Führungen gibt.

Avenida 9 de Julio mit Obelisk in Buenos Aires

Kapitalismus ist Egoismus. Gefunden in den Strassen von Buenos Aires

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Impressionen einer Stadt

Für heute, den 15. März hatten wir uns eine lange Fuß-Tour entlang des Hafens und der Küste vorgenommen. Der Plan war von San Telmo über Retiro, Recoleta nach Palermo zu laufen und dabei links und rechts des Weges die Stadt zu endecken. Das haben wir auch aber wir haben ein wenig die Entfernungen unterschätzt. Von San Telmo sind wir in den Parque Natural y Zone de Reserva Ecologica Costanera Sur gelangt, der wirklich riesig ist. Bei sengender Hitze sind wir zur besten Mittagszeit durch die Sonne und den Park gegangen. Das Resultat ist wohl jedem klar. Der Park ist aber wirklich schön und lädt besonders zum Radfahren und Schlendern ein. Wenn man mittendrin ist kann man von weitem die Skyline von Buenos Aires sehen.

Parque Natural y Zone de Reserva Ecologica Costanera Sur nahe San Telmo

Hafenviertel Puerto Madero

Von dort sind wir zum super-chicen und modernen Hafenviertel Puerto Madero gelaufen und haben da erst mal etwas verschnauft bei Kaffee und Kuchen. Es war inzwischen auch schon 15 Uhr geworden. Dort haben wir eine interessante Endeckung gemacht. An eines der Hafenbecken stehen zwei Kräne aus der ehemaligen DDR. Wie die wohl nach Argentinien kamen?

DDR Kräne an einem Hafenbecken in Puerto Madero (Buenos Aires)

Nahaufnahme eines DDR-Krans aus Eberswalde in Buenos Aires

Aufnahme eines DDR-Krans in Buenos Aires

Von hier an konnten wir unserer Route nicht mehr treu bleiben. Links und rechts gab es soviele interessante Dinge die ad hoc erkundet werden wollten. So sind wir an einem kleinen Laden vorbeigeschlendert der coole Kleinigkeiten zum Kauf anbot. Hier gab es u.a. ziemlich krasse Kalebassen und Bombillas. Krass, weil sie sehr schrill und bunt waren. Mit diesem Zubehör können wir nun unseren Mate-Tee stilecht trinken. 🙂

Wenig später haben wir ein Gebäude gefunden wo auffällig viele Jugendliche rein und raus strömten. Einer krasse gestylt wie der nächste. Den Stil würde ich als Punk-Techno-Hiphop-Skaterstyle beschreiben. D.h. viele punkartige Frisuren, Piercings und Tattoos gemischt mit Hiphop- und Streetwearelementen. Sehr spannend. Das Gebäude in das sie wie Pilger zum Schrein strömten war eine Einkaufsmeile wie sie interessanter nicht sein konnte. Überall coole Graffiti und Tags an den Wänden und Klamotten- und Headshops sowie Piercing- und Tattoostudios. Und überall junge Leute die wie Ameisen durch das mehrstöckige Gebäude strömten oder in Gruppen zusammenkamen. Ich habe einen Blog gefunden der einen recht guten Einblick in das Gebäude liefert allerdings ohne Leute. Ich werde die nächsten Tage sicher dahin zurückkehren und das Treiben in der „Galeria Bond Street“ fotografieren. Die Gegend rund um dieses Gebäude machte ebenfalls einen sehr spannenden Eindruck. Buenos Aires rockt!!!

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