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Reflektion und Karneval

Wie heißt es so schön: Wer früh aufsteht, muss auch früh zu Bett gehen. Das widerspricht jedoch vollkommen dem Lebensgefühl einer ganzen Stadt. Zudem passte dieses fragwürdige Ziel weder zu unserer Ankunft in der letzten Nacht, noch zu unserer heutigen Tagesplanung. Es war Donnerstag und bereits für die letzten Donnerstage hatten wir uns vorgenommen, auf die Piste zu gehen. Wir wollten den Tag ruhiger angehen lassen und uns dafür lieber nachts verausgaben. Für den Nachmittag stand ein fester Termin auf dem Programm, mit dem ich aber nicht viel zu schaffen hatte.

Restobar "El Hipopotamo" in der Calle Defensa in San Telmo in Buenos Aires Argentinien

Ich ging stattdessen in ein gemütliches Café in San Telmo und ließ mir die Sonne auf den Bauch scheinen. Für mich sind die Cafés in Buenos Aires was ganz besonderes. Man kann den ganzen Tag mit nur einem einzigen Kaffee in ein und demselben Laden verbringen. Hat man erstmal bestellt, wird man komplett in Ruhe gelassen, ja fast ignoriert. Die Bedienung überlässt es dem Gast, ob und wann er mehr bestellen möchte, und belästigt ihn nur dann, wenn es gar nicht mehr anders geht. Für Europäer mag dies auf den ersten Blick unhöflich erscheinen, aber diese Art der Zurückhaltung ist Teil der argentinischen Lebensart. Es läuft eben alles ein bisschen langsamer, entspannter und unaufdringlicher ab. Mir gefällt dieses Laissez-faire.

San Telmo – Das unliebsame Viertel

Eine ganze Weile später kam ich mit einem anderen Gast ins Gespräch. Nach den typischen Fragen, was man hier so macht und wie es einem so gefällt, kamen wir ziemlich bald auf San Telmo zu sprechen. Er meinte, er sei nicht mehr so oft hier, weil sich San Telmo in seinen Augen sehr verändert hat. Mir war sofort klar, was er damit meinte. Ich wusste bereits vor meinem ersten Besuch in Buenos Aires, dass die allermeisten Porteños diesem Viertel nicht viel abgewinnen können. Man hat sich aber inzwischen arrangiert und lebt ganz gut von und mit den vielen Touristen und Zugezogenen. Ein Viertel im totalen Umbruch!

Avenida San Juan mit Mafalda in San Telmo Buenos Aires, Argentinien

Vor wenigen Jahren war San Telmo so verarmt wie es La Boca heute noch ist. Die Touristen haben dem Viertel dann jedoch einen bescheidenen Aufschwung gebracht. Viele Häuser wurden und werden saniert. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Der Wunsch nach mehr Wohlstand führt teilweise zu bizarren Auswüchsen. So gibt es nicht wenige Familien, die ihre Wohnungen komplett räumen und zu Freunden ziehen, um die Zimmer dann gegen harte Währung zu vermieten. Man kann schon verstehen, dass viele Einheimische dies eher skeptisch beäugen. Vielleicht handelt es sich dabei auch einfach nur um die Angst, von zahlungskräftigen Ausländern aus dem eigenen Stadtviertel vertrieben zu werden. Ich erzählte ihm von der Situation in Berlin-Prenzlauer Berg oder Mitte. Auch dort haben sich innerhalb nur weniger Jahre die Strukturen komplett verändert. Neuberliner und Touristen lieben diese Stadtteile und die übrig gebliebenen Alteingesessenen schauen argwöhnisch zu. Eine Medaille hat eben immer zwei Seiten, das war ihm auch klar. Ich war ihm total dankbar für diese nicht unkritischen Einblicke. Er gab mir noch wertvolle Tipps, was ich mir unbedingt ansehen müsste, und dann war es leider auch schon Zeit sich zu verabschieden.

Crazy Germans

Pünktlich um 17 Uhr trafen wir uns wieder in der Wohnung. Brenda war in ihrem Büro und so nutzten wir gleich die Gelegenheit, uns offiziell zurück zu melden. Die Gute hatte sich schon Sorgen gemacht, aber wir erklärten ihr, dass wir so schnell nicht unter die Räder kämen. Wir berichteten von unseren Abenteuern und sie schmunzelte nur und fand uns crazy. – „Ihr seid von Brasilien nach Argentinien gelaufen?“, „Ihr wolltet nach Ciudad del Este und Ascuncíon?“ Die Argentinier denken über Paraguay genauso klischeebehaftet, wie viele Deutsche über Polen. Ein Land voll von Autodieben und Ganoven. Brenda war ja auch schon im Dreiländereck unterwegs. Sie aber hatte sich dort nur mit dem Taxi fortbewegt. Ob aus reiner Bequemlichkeit, oder weil sie sich so am sichersten fühlte, wurde nicht ganz klar. Wir verstehen auch nicht, wovor die Leute eigentlich Angst haben und ob diese tatsächlich berechtigt ist. Vielleicht basiert diese ganze Furcht ja auch nur auf Halbwahrheiten und Gerüchten. Man sollte sich immer selbst ein Bild machen und so schnell wird man schon nicht umgebracht. Um es noch mal ganz klar zu sagen, es ist absolut kein Problem sich dort aufzuhalten. Naja, Brenda fand ja schon unseren Beschluss, lieber den Reisebus als das Flugzeug nach Iguazú zu nehmen, ungewöhnlich. Wir erklärten ihr, worauf es für uns beim Reisen ankommt. Der Trick ist die Geschwindigkeit. Man muss langsam reisen! Wer schnell reist sieht zwar viel, aber erlebt wenig.

Picada in der Restobar "La Poesia" in San Telmo Buenos Aires, Argentinien

Inzwischen hatte uns der Hunger gepackt und wir sind ganz in der Nähe ins „La Poesia“ gegangen. Wieder eine dieser charmanten Restobars (eine Mischung aus Restaurant und Bar), von denen es so viele in San Telmo gibt. Wir bestellten uns eine Picada und unterhielten uns darüber, was wir heute so erlebt hatten. Nach dem Abendbrot beschlossen wir, noch durch den Park an der Costanera Sur zu laufen. Als wir dort ankamen, war der Park jedoch bereits verschlossen. Hier fällt der Hammer um Punkt 18 Uhr, obwohl es noch Stunden hell sein würde. Das fanden wir alles andere als sinnvoll. Auf den fast schattenlosen Wegen durchs Naturreservat könnte man jetzt viel besser spazieren gehen als in der prallen Sonne. Naja, man muss nicht alles verstehen und so zogen wir einfach weiter entlang der Straße. Irgendwann landeten wir wieder zu Hause.

Break-Dance-Show beim Club 69 im Niceto Club in Palermo in Buenos Aires, Argentinien

Nachtleben

Fit für die Nacht brachen wir gegen zwei Uhr in Richtung Palermo auf. Wir wollten den Niceto-Club ausprobieren. Alles was wir im Netz dazu gefunden haben, klang sehr vielversprechend. Zu unserer Überraschung gab es auch einen Colectivo, der uns ohne Umsteigen genau dorthin fahren würde. Am Paseo Colón mussten wir noch gut 20 Minuten auf den Bus warten. Der füllte sich dann an jeder weiteren Haltstelle mit mehr und mehr Nachtschwärmern und brauste fast so voll wie am Tag durch das nächtliche Buenos Aires. Glücklicherweise haben wir auf Anhieb die richtige Kreuzung zum Aussteigen erwischt. Das erfordert im dunklen Bus schon ein wenig Konzentration vor allem, wenn man die Strecke noch nie gefahren ist. Wir gewöhnen uns aber mehr und mehr an die Colectivos.

Karneval beim Club69 im Niceto Club in Palermo in Buenos Aires, Argentinien

Kurz vor drei Uhr standen wir dann in der Schlange vor dem Nachtclub. Nach nur fünf Minuten waren wir auch schon drin und jeder um 40 Peso leichter. Innen war es brechend voll und wir kamen keinen Augenblick zu früh oder zu spät. Die Party brodelte. Das Niceto ist eigentlich nur die Location. Hier gibt es jeden Tag Partys. Immer von anderen Machern. Heute war Club 69. Das Publikum war bunt gemischt und nicht übertrieben schick. Man hätte diesen Club auch irgendwo in Europa finden können, aber sicher nicht in Berlin. Auffällig war das krasse Branding: Überall prangte Camel-, Sony-, Quilmes-, Philips- und andere Werbung. Zudem stand fast an jeder Wand, das rauchen nicht erlaubt sei. Das kümmerte aber niemanden und so wurde geraucht was die Schachteln her gaben. Wir holten uns ein Bier. Das läuft hier etwas anders als man es gewohnt ist. Zuerst steht man in einer Schlange an der Kasse an, um das Getränk zu bestellen und zu bezahlen. Dann stellt man sich mit dem Kassenbon an der nächsten Schlange an, um sein Getränk letztlich in Empfang zu nehmen. Wir staunten nicht schlecht über die Preise. Eine kleine Büchse Quilmes lag bei 12 Peso. Für argentinische Verhältnisse mächtig teuer. Die anderen Marken Brahma (14 ARS) und Stella Artois (17 ARS) waren auch nicht günstiger.

Karneval im Club69 im Niceto Club in Palermo Buenos Aires, Argentinien

Quilmes kann man allerdings nur trinken, wenn man an einem Rausch interessiert ist oder deutsches Bier nicht kennt. Die anderen Sorten waren auch nicht besser. Das tat der Party aber keinen Abbruch. Das Konzept war wirklich cool. Auf der Bühne gaben ein paar Jungs Break-Dance zum Besten, während unten die Meute zu einer elektronischen aber für mich undefinierbaren Musik tanzte. Eigentlich war die Performance auch kein wirklicher Break-Dance sondern Reggaetón. Jetzt war uns auch schlagartig klar, was wohl die beiden Brasilianer im Hostel in Rosario genau mit Reggaetón meinten. Der passt ganz wunderbar in einen Club. Reggaetón ist ein loser Sammelbegriff, wie bei uns das Wort Techno. Es gibt unglaublich viele Spielarten und Styles, die sich wie Tag und Nacht von einander unterscheiden können. Später zog dann eine bunt verkleidete Gruppe durch den Club bis auf die Bühne. Jetzt war Show-Time. Dafür ist der Club 69 bekannt.

Bühnenshow beim Club69 im Niceto Club in Palermo in Buenos Aires, Argentinien

Partyreihe Club69 im Niceto Club in Palermo in Buenos Aires Argentinien

Die lasziv gekleideten Männer und Frauen führten eine improvisiert wirkende Varieté- und Travestie-Show vor. Ja es ist Karneval, überall, nicht nur in Rio! Auf einmal fielen riesige Luftballons von der Decke. Der Höhepunkt der Show war aber immer noch nicht erreicht. Die Musik hatte sich inzwischen auch verändert und wurde wesentlich elektronischer und progressiver. Sehr ähnlich der Panorama-Bar in Berlin. Ein heftiger Lametta-Regen brachte das Partyvolk erneut zum Johlen und Grölen und bildete gleichzeitig den Abschluss der Bühnenshow. Die Tänzer mischten sich unter die Leute. Eigentlich nicht wirklich unter die Leute, sie tanzten auf mehreren Podesten, die von einer Ecke des Raumes zur anderen geschoben wurden. Wir fanden die Party total geil und würden jederzeit wieder in diesen Club gehen. Clubbing ist sooo international…

GoGo-Tänzer beim Club69 im Niceto Club in Palermo in Buenos Aires in Argentinien

Gegen sieben Uhr, es war noch stockdunkel draußen, sind wir zurück nach San Telmo gefahren. Den Bus für die Gegenrichtung fanden wir auf Anhieb. Der Busfahrer raste in lässiger Manier durch die Straßen von Buenos Aires. Als wir zu Hause waren ging langsam die Sonne auf und wir ins Bett.

Relaxt Busfahren im Colectivo 93 morgens um 6 Uhr in Palermo in Buenos Aires, Argentinien

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Oh rainy day

Wenn Faulheit weh tun würde, dann hätten wir uns heute vor Schmerzen krümmen müssen. Bereits als wir wach wurden, regnete es in Strömen, der Himmel hing voller Wolken und die Straßen waren wie leergefegt. So haben wir beschlossen, den Tag in der Wohnung zuverbringen. Es war zwar recht mild, aber nach draußen zog es uns trotzdem nicht. Schon die letzten Tage sah es immer mal wieder nach Regen und Gewitter aus. Aber außer dem kurzen Intermezzo in La Boca, blieb es die ganze Zeit trocken. Dafür hat es heute so richtig geschüttet. In einer der kurzen Regenpausen sind wir mal raus zur nächsten Bäckerei und haben uns mit Medialunas eingedeckt. Kaum waren wir wieder zu Hause, begann der Regen aufs Neue. Der Tag kam eigentlich wie gerufen und wir nutzen ihn zum Entspannen, Lesen und Surfen. Erst kurz vor Sonnenuntergang, also ca. um 20 Uhr, riss der Himmel dann doch noch mal auf. Das Licht am Abend ist einfach wunderschön. Die ganze Stadt scheint wie angemalt.

Gefunden in San Telmo, Buenos Aires

Gegen 23 Uhr sind wir hungrig auf die Suche nach Nahrung gegangen. Nur von Medialunas kann man schließlich nicht leben. In San Telmo gibt es unzählige Restaurants aber die meisten sind sehr touristisch, besonders um die Plaza Dorrego. Also sind wir abseits davon durch die Straßen gezogen. In der Perú hat uns dann das „Las Mazorcas“ auf Anhieb angesprochen und nur wenige Augenblicke später saßen wir in bequemen Polsterstühlen. Die Kellnerin war total cool und das Essen absolut lecker. Leider gibt es keine Internetadresse zum Verlinken, aber wer es sucht, findet das „Las Mazorcas“ in der Calle Peru 1024. Die Küche ist einheimisch (Cocina Porteña), angeboten wird Frühstück, Mittag- und Abendessen.

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Feria de San Telmo

Jeden Sonntag findet in San Telmo in der Defensa, Humberto 1° und auf der Plaza Dorrego die Feria de San Pedro Telmo statt. Ähnliche Kunsthandwerks- und Trödelmärkte gibt es in Buenos Aires viele, aber keine Feria ist so beliebt und groß wie diese. Besonders die vielen Touristen flanieren hier durch das spanisch-koloniale Ambiente und genießen ihren Sonntag. Ich hatte bei meinem letzten Besuch keine Gelegenheit mir das Treiben anzusehen. Da es aber nun quasi direkt vor der Haustür stattfand, mischten wir uns einfach in die Menschenmenge und haben uns den Trubel genauer angeschaut.

Feria de San Telmo an der Plaza Dorrego

So weit das Augen reichte schlenderten Menschen die Defensa hoch und runter. Für das Ereignis werden sonntags die betroffenen Bereiche für den Verkehr gesperrt. So kann man ganz gemütlich auf den Straßen bummeln und muss keine Angst haben, von einem Colectivo überfahren zu werden. Vor allem bei Touristen scheint die Feria sehr beliebt zu sein und so hört man an allen Ecken englisch, italienisch, französisch und deutsch. Links und rechts der Straße haben Händler und Kleinkünstler ihre Stände aufgebaut. Viele bieten ihre Waren auch direkt auf Tüchern, die auf dem Boden ausgebreitet sind, an.

Teigtaschenverkaufer am Plaza Dorrego in San Telmo Buenos Aires

Hier kann man fast alles kaufen: Von selbstgestrickter Kleidung, Evita und Che Guevara Postern, plattgewalzten, bunten Glasflaschen mit oder ohne Uhrwerk, bis hin zu komischen Handyständern aus Draht. Kunstmaler und Grafiker stellen ihre Werke aus und suchen Käufer. Das Angebot auf diesem bunten Basar ist unüberschaubar groß. Auch wurde selbstgebackenes unter die Leute gebracht, wie z.B. kleine Empanadas und große, mit Zwiebel, Käse und Gemüse gefüllte Teigtaschen. Zwischen den Ständen haben die ansässigen Cafés und Bars ihre Stühle und die für Buenos Aires so typisch quadratischen Tische aufgestellt. Dort konnte man wunderbar Kaffee trinken und das Geschehen beobachten.

Zwei Milchkaffee und 2 Medialunas auf der Feria de San Telmo

Die Plaza Dorrego war ebenfalls komplett mit Ständen zugebaut. Dort gab es gleichermaßen Kleinkunst und Trödel zu kaufen. An einigen Stellen gab es Tango-Shows, vor denen sich die Touristen stapelten. Wir haben uns die Vorführung eines älteren Paars angeschaut. Der Tanz der beiden wirkte sehr anmutig.

Tango auf der Plaza Dorrego in San Telmo Buenos Aires

Eines der vielen Antiquitätengeschäfte in San Telmo Buenos Aires

So gegen 16 Uhr sind wir unweit der Plaza Dorrego in die Iglesia Nuestra Señora de Belén. Ein ehemaliges Jesuitenkloster mit einem schönen, eklektizistischen Portal. In der Kirche sollten heute Führungen stattfinden. Wir haben dann eine persönliche Führung in spanischer Sprache für 3 Peso gebucht. Englisch war leider nicht verfügbar, von Deutsch ganz zu schweigen. So wurden wir ca. 40 Minuten durch das Gebäude geführt und erfuhren trotz der Sprachbarriere so einiges über die Geschichte der Anlage.

HDR Aufnahme eines Altars in der Kirche Nuestra Señora de Belén in San Telmo

Das kirchliche Gebäude wird heute nur noch für Konzerte und Veranstaltungen genutzt. Um 17 Uhr sollte hier die musikalische Fakultät des amerikanischen Williams College ein Gastkonzert mit Werken klassischer und moderner Komponisten aufführen. Die Proben dazu waren bereits voll im Gange.

Tango auf der Plaza Dorrego in San Telmo Buenos Aires

Zum Nachmittag riss dann doch noch der Himmel auf und die Sonne kam zum Vorschein. So heiß wie gestern wurde es allerdings nicht. So wie heute war das Wetter genau richtig. Sehr angenehm und warm. Die Zeit verging unglaublich schnell, weil es so viel zu sehen gab. Zum Abschluss der Feria, so gegen 19 Uhr, zog dann die Centro Murga Caprichosos de San Telmo (eine karnevalsähnliche Truppe) lärmend mit Pauken, Schellen aber ohne Trompeten durch die Defensa. Danach wurden die meisten Stände auch schon wieder abgebaut und die Feria ging langsam zu Ende.

Centro Murga Caprichosos de San Telmo auf der Feria

Centro Murga Caprichosos de San Telmo auf der Feria

Centro Murga Caprichosos de San Telmo auf der Feria

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Hace mucho calor y sol – Es ist sau heiß hier

Während die Leute zu Hause wahrscheinlich eher frieren, schwitzen wir uns hier einen Wolf. Unser Lebensrhythmus hat sich bereits um 100% verlangsamt und sich Stadt und Klima angepasst. Wir fühlen uns puddelwohl dabei! Heute war die Hitze ziemlich extrem. Wir sind extra erst spät am Nachmittag aus dem Haus gegangen. Die Sonne knallte aber trotzdem noch gnadenlos vom Himmel und öffnete uns jede Pore. Ich weiß nicht genau, wie heiß es wirklich war, aber es fühlte sich an wie 38 Grad oder mehr.

Auf der Puente de la Mujer in Puerto Madero in Buenos Aires

Puerto Madero – Das moderne Hafenviertel

Puerto Madero ist das neuste Viertel der Stadt. Das heißt eigentlich ist es gar nicht neu. Hier wurden die alten Speicher entlang von vier alten Hafenbecken aufwendig saniert und bieten heute exklusive Wohn- und Geschäftsräume.

Wohnen im Hafenviertel Puerto Madero in Buenos Aires

Der Bauboom ist scheinbar ungebrochen und es entstehen immer mehr Wolkenkratzer auf der zum Rio de la Plata zugewandten Seite. Hier wollten wir ein wenig rumschlendern. Wir haben es jedoch grad so bis zur Puente de la Mujer von Calatrava geschafft, die ungefähr in der Mitte des Viertels liegt. Es war nur im Schatten wirklich auszuhalten.

Calatravas Puente de la Mujer im Hafenviertel Puerto Madero in Buenos Aires

Also beschlossen wir, uns in die kühleren Straßenschluchten der Innenstadt zurückzuziehen. Die Stadt machte einen ziemlich lethargischen Eindruck: Es waren nur wenig Leute, meist Touristen, unterwegs und viele Geschäfte waren (noch) geschlossen. So war es gar nicht so leicht, unseren Wasserbedarf zu decken. In der Florida-Straße haben wir Rast gemacht und die wenigen Menschen in den Straßen beobachtet. Dabei haben wir bei Dreharbeiten zu einem argentinischen Kinofilm zugeschaut. Sehr spannend.

Dreharbeiten in der Calle Florida in Buenos Aires

Ich mag das ungeschminkte, schlichte argentinische Kino sehr. Die Filme erzählen überwiegend Alltagsgeschichten von den Sehnsüchten, Sorgen und Wünschen der Menschen. Das argentinische Kino hat eine lange Tradition und ist stark im Kulturgedächtsnis des Landes verwurzelt. Die meisten Filme spielen natürlich in der Metropole Buenos Aires. Nachdem wir das Treiben eine Weile beobachtet hatten, sind wir auf dem Weg nach Hause noch einkaufen gegangen. In einer dieser urigen Pastarias in einer Seitenstraße haben wir Salat, Empanadas und Nachtisch (Tiramisu) gekauft.

Italienische Pastaria unweit der Avenida Belgrano in Buenos Aires

Zu Hause haben wir damit unsere charmante Küche eingeweiht und am Tisch in der Galerie zum Hof gemütlich zu Abend gegessen. Dann haben wir uns mit der Sprache beschäftigt und spanisch gelernt. Es ist gar nicht so schwer. Nur die Aussprache ist manchmal nicht so einfach, aber nach einer Weile ging auch das ganz gut. Theoretisch kann man hier auch ohne Spanisch überleben. Die Menschen sind unglaublich höflich und geben sich alle Mühe, einen zu verstehen. Hin und wieder spricht auch mal einer englisch.

Bar "Rey Castro" in San Telmo in Buenos Aires

Am Abend haben uns die Mücken ordentlich zugesetzt. Sobald es dunkel wird kommen die Biester in Scharen und greifen an wie Kamikaze-Flieger. Sie lassen keine Stelle am Körper verschont! Man hat nicht den Hauch einer Chance. Gegen Mitternacht sind wir nochmal raus und haben uns in San Telmo rumgetrieben. Das Klima war jetzt ultraangenehm. Kein Wunder, dass sich das Leben hier nachts abspielt. Wir genossen die warme Luft und die frische Brise. Wir aßen Eis und mischten uns unter die Einheimischen. Die Plaza Dorrego war voll bis auf den letzten Platz. Ich kann mir momentan keinen schöneren Ort vorstellen, als diese Stadt. Das Leben hier fühlt sich so leicht an. Einfach genial.

Altes Kirche im spanischen Kolonialstil in San Telmo Buenos Aires

HDR Streetart in der Calle Defensa in San Telmo Buenos Aires

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San Telmo, qué tal?

Heute sind wir den ganzen Tag in San Telmo unterwegs gewesen. Dieser Kiez ist unglaublich liebenswert. Die morbide Pracht der Häuser ist schön anzusehen und dazwischen mischen sich immer mal wieder neue oder sanierte Gebäude. Auf den Straßen gibt’s Kleinkunst an fast jeder Ecke und man trifft auf Einheimische und Touristen aller Altersklassen. Die Mischung stimmt hier einfach! Wir wohnen mitten im Herzen von San Telmo, in der Calle Defensa. Von hier aus sind viele Attraktionen easy zu Fuß zu erreichen. So haben wir erstmal eine Begehung der unmittelbaren Umgebung gemacht. In der Defensa gibt es sehr viele Galerien. Es erinnert ein wenig an die Auguststraße in Berlin nur eben nicht ganz so durchsaniert. Außerdem hat man hier 6 Monate Sommer und der Rest des Jahres ist warm. Alles wirkt hier viel persönlicher und hat unbeschreiblich viel Charme. Nur zwei Blocks weiter ist auch schon das Café Origen, in dem ich mich bei meinem letzten Besuch in Buenos Aires öfter aufgehalten habe.

Cafe Origen in San Telmo Buenos Aires

Den Kaffee hatte ich allerdings viel besser in Erinnerung. An den im Café Bacacay in Montevideo reicht er nicht heran. Aber egal. Es fühlt sich total schön an, wieder hier zu sein, und diesmal die Umgebung bereits zu kennen. Es hat sich nicht so viel verändert. Ein paar neue Läden haben aufgemacht und einige Häuser haben einen neuen Anstrich verpasst bekommen. Streckenweise wird das Abwassersystem in den Straßen erneuert. Die Busse hupen sich aber immer noch ihren Weg frei und knattern fröhlich rußend durch die engen Straßen von San Telmo. Und im Parque Lezama geht man immer noch den eher gemütlichen Tätigkeiten nach und spielt Schach, aalt sich wahlweise im Schatten oder in der Sonne und trifft Freunde.

Schach spielende Männer im Parque Lezama San Telmo in Buenos Aires

Auf der Plaza Dorrego wird noch immer die Nacht zum Tag gemacht und Tango getanzt so lang die Füße tragen. Tagsüber geht es dort eher beschaulich zu und man kann Touristen beobachten oder die vielen angrenzenden Antiquitäten- und Krimskramgeschäfte durchstöbern. Wir beschlossen in der Nacht wiederzukommen und machten einen Abstecher in die Pasaje San Telmo.

Vintage Charme in San Telmo, hier Pasaje Defensa

Auch der alten Markthalle statteten wir einen Besuch ab. An den Obstständen roch es herrlich intensiv nach reifen Pfirsichen. Damit haben wir uns schon in Uruguay den Bauch vollgehauen.

Mercado San Telmo in Buenos Aires

Von dort sind wir weiter in Richtung Plaza de Mayo zur Casa Rosada. Der Platz war übersät mit Tauben und wirkte irgendwie kleiner als ich ihn in Erinnerung hatte. Dort stand noch ein krüppliger Weihnachtsbaum nur aus Draht gemacht und armselig dekoriert. Wer weiß, was es damit auf sich hatte. Der „offizielle“ Weihnachtsbaum der Stadt wird das wohl kaum gewesen sein. Dann liefen wir zum Café Tortoni. Scheinbar sind auch jetzt im Januar, in der heißen Hochsommerphase, sehr viele Touristen in der Stadt. Das Café war sehr voll und wir wurden platziert. Hier stillten wir erstmal unseren Hunger und Durst. Kein Mensch weiß, auf wie vielen Fotos wir dabei verewigt wurden.

Cafe Tortoni in Buenos Aires

Bei untergehender Sonne liefen wir über die Avenida 9 de Julio zum großen Obelisk in der Mitte der größten Straße der Welt. Licht und Schatten erzeugten ein stimmungsvolles Bild und bejubelten die Architektur der Magistrale. Von dort sind wir über die Touristenmeile Avenida Florida zurück in unsere Unterkunft. In der Nacht um halb zwei sind wir dann zur Plaza Dorrego gelaufen und haben eine ganze Weile das quirlige Treiben beobachtet. Hier kann man das Lebensgefühl einer ganzen Stadt studieren. Die Restaurants waren voll und überall wurde noch gegessen. Das ganze Viertel schien auf den Beinen und machte die Straßen voller als am Tage. Das Leben spielt sich hier eher nachts und vorallem draußen ab. Auf der Plaza wurde diesmal Flamenco getanzt. Unglaublich anmutig und schön anzusehen. Man kann das alles nicht mit Worten beschreiben. Am besten, man macht sich selbst ein Bild davon.

Flamenco auf der Plaza Dorrego in San Telmo Buenos Aires

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Te quiero, Buenos Aires

Nach einer sehr kurzen und unruhigen Nacht bin ich heute ziemlich unwillig um 7:38 Uhr aufgestanden. Weil es die letzte Nacht war, durfte die schwarze Miez ausnahmsweise an meinem Fußende schlafen. Die Katze hat die halbe Nacht gebettelt und erst Ruhe gegeben als sie bei uns schlafen durfte. Ich glaube sie mochte uns. *miau*

Die schwarze Katze in der Casa Peru

Abreisetag

Heute um 12:20 geht unser Flieger zurück nach Europa. Gepackt hatten wir bereits am Abend zuvor, aber ein paar Sachen waren noch immer nicht verstaut. Auch wollten wir noch mal duschen bevor wir über 24 Stunden unterwegs sein würden. Der Abschied von Buenos Aires fiel mir nicht leicht und so verspürte ich bereits so eine gewisse Melancholie. Argentinien, insbesondere Buenos Aires, hatte sich uns auf eine zauberhafte Art und Weise präsentiert, dass wir die Stadt einfach lieben mussten. Mit Buenos Aires ist es wie mit Berlin. Entweder man hasst die Stadt oder man liebt sie.

Nach dem Duschen und dem Zusammenkramen der letzten Sachen hat L. ein Remise-Taxi bestellt. Das ging natürlich nicht auf Englisch, aber irgendwie versteht man sich schon, wenn man will. Die Frau am Telefon meinte, die Fahrt würde 67 Pesos + Mautgebühr (=75 Pesos) betragen und das Taxi wäre in etwa 10 Minuten da. So haben wir noch ein paar Fotos von der Casa Peru gemacht und die frisch geholten Medialunas gegessen; die werden wir auf jeden Fall auch vermissen. Als das Taxi kam ging alles recht schnell: Sachen ins Auto, einsteigen und los. San Telmo war noch ganz verschlafen und es gab kaum Verkehr. Die Fahrt zum Flughafen Ezeiza dauerte so auch nur knapp 40 Minuten und um 9:20 waren wir bereits am Terminal A.

Flughafen Ministrini Pestrano Ezeiza

Beim Einchecken verlief alles unkompliziert und da wir noch viel Zeit hatten haben wir uns in ein Café in der oberen Ebene gesetzt. Dort hatte ich den wohl teuersten Kaffee in ganz Buenos Aires. Wir hatten einen Cappuccino Italiano für 18 Peso und einen Café con Leche für 9 Pesos und 4 Medialunas. Wenigstens war der Kaffee ganz gut und so saßen wir ziemlich still in dem Café rum und schlugen Zeit tot. Gegen 10:30 sind wir dann mal Richtung Gate 4 aufgebrochen. Wir stellten uns an einer Reihe an und als wir dran waren erklärte uns ein Kontrolleur, dass er uns nicht durch lassen könne. Da wir ihn nicht verstanden, waren wir etwas verwirrt und dachten, dass wir vielleicht am falschen Durchgang sind oder so. Ein Amerikaner hinter uns meinte dann allerdings, dass wir noch eine Steuer zahlen müssten. Ich fragte, wofür? Er wusste es auch nicht so genau, aber so sei das eben hier. Der Stand war gleich neben an und dort sind wir einfach so noch mal 18 US$ pro Person losgeworden. Eigentlich ein Unding, aber in Argentinien darf einen sowas nicht wundern. Für Inlandsflüge beträgt die Gebühr 8 US$. Die Flughafensteuer hatten wir ja eigentlich bereits mit unseren Flugtickets bezahlt, aber wenn es um Steuern geht, sind die Argentinier so erfinderisch wie die Deutschen. Nun ja, nachdem wir nun einen Aufkleber für unsere Tickets gekauft hatten, konnten wir auch problemlos passieren. Es ist auch unglaublich wie englischresistent die Argentinier selbst an einer so internationalen Umgebung wie Flughäfen sind.

Das Innere des Flughafens Ministrini Pestrano Ezeiza in Buenos Aires

Als nächstes mussten wir noch durch den Sicherheitscheck. Dieser verlief reibungslos. „Sicherheitscheck“ sieht in meinen Augen auch anders aus, aber ich finde das angenehm, weil es nicht so abnervt wie z.B. in Deutschland oder schlimmer noch in England oder den USA. Jetzt noch durch die Immigrationsbehörde und wir sind zum Abflug fertig, aber nicht bereit. Wenn ich ehrlich bin, wäre ich gern länger geblieben. Auch heute gab es wieder einen strahlendblauen Himmel und Temperaturen um die 29 Grad waren angekündigt. Am Schalter der Ausreisebehörde fragte mich die Beamtin, wo ich denn hinfliege, und ich sagte ihr nach Italien. Dann faselte sie noch irgendwas anderes, was ich nicht verstanden habe. Vielleicht war es eine Frage, aber die Antwort schien sie auch nicht sonderlich zu interessieren. Argentinien ist so ein unglaublich unorganisiertes Land, dass man sich manchmal nur wundern kann. Das Ganze ist mir jedoch unheimlich sympathisch und ich werde wiederkommen.

An Bord der Boeing-777/200

Das unangenehmste an der Reise nach Argentinien ist eindeutig der Flug. Das Fliegen an sich ist nicht wirklich „schlimm“, aber so gequetscht mit anderen auf kleinstem Raum und das bis aufs Gramm abgezählte Essen ist nicht wirklich eine gute Sache. Verglichen mit den Auswandererschiffen des letzten und vorletzten Jahrhunderts, ist das, was wir heute erleben jedoch ein wahrer Luxus. Der Start verlief problemlos und ich hatte diesmal den Fensterplatz. Scheinbar flogen wir mit derselben Maschine, mit der wir bereits zuvor hingeflogen waren, da immer noch die Kopfhörerbuchse defekt war. Ziemlich schade, denn so konnte ich keinen Film gucken. Die Zeit im Flieger totschlagen ist nicht so einfach. Schlafen geht, wenn überhaupt, nur schlecht und unkomfortabel, und die ganze Zeit lesen ist auch keine Lösung. Wenigstens konnte man kleinere Computerspiele direkt am Platz spielen, so z.B. Bowling oder Solitär etc.

Nette Gesellschaft

Auf dem Platz am Gang saß diesmal ein Deutscher. Ein Vater, der mit seiner ganzen Familie in der Finca des Schwiegervaters Urlaub gemacht hatte. Sie waren inzwischen das vierte Mal dort und der Mann pries das gute Wetter in Argentinien. Das konnte ich nur unterschrieben. Ein Traum in strahlendem blau!

Bei Tageslicht zu fliegen hat auch seinen Reiz. Nach ca. zwei Stunden konnte man die weißen Strände entlang der Küste Brasiliens sehen und sogar das azurblaue Wasser. Auch die Regenwälder konnte ich bei glasklarer Sicht sehen. Irgendwann sind wir dann in die bereits über Europa liegende Dunkelheit geflogen und die Sicht verschwand. Ein guter Zeitpunkt für ein kleines Nickerchen. Die letzten vier Stunden quält sich der Flug so dahin. Man hofft eigentlich nur noch, dass der Flieger bald ankommt. Der letzte Blick auf die Flight Map im letzten Stück über der Sahara zeigte 1111 km bis zum Ziel, das wir in 2h:13min erreichen würden. Na das sind doch mal gute Nachrichten.

Langer Aufenthalt in Rom

Um kurz vor 6 Uhr sind wir dann im „kalten“ Rom gelandet. Es waren gerade mal 11 Grad und noch ziemlich dunkel. Ziemlich kaputt sind wir aus dem Flieger raus und haben uns, aufgrund der langen Wartezeit, für einen Abstecher in die Stadt entschieden. Beim Rumsitzen auf dem Flughafen wären wir nur eingepennt. Bewegung, guter Kaffee und viel frische Luft waren einfach die bessere Alternative.

Ein silberner Fiat in einer Gasse in Italiens Hauptstadt Rom

Also haben wir uns ein Zugticket nach Roma Termini gekauft und sind in die ewige Stadt gefahren. Die Sonne war grad im Begriff aufzugehen und bot eine schöne Kulisse für die Fahrt. Nach ca. 40 Minuten sind wir in Termini angekommen. Der Bahnhof war ziemlich leer und die meisten Geschäfte waren geschlossen. Es war ja auch Sonntag und dazu noch sehr, sehr früh am morgen. L. versuchte eine Touristeninformation zu finden, die es auch irgendwo gab. Die Beschreibung, die uns die Frau vom Bahnschalter gegeben hatte, war aber allerdings alles andere als zielführend. Für alle Fälle haben wir uns dann anschließend in der Metro-Station eine kleine Karte für Rom gekauft. Also sind wir in die Linie A eingestiegen und bis zur Haltestelle „Spagna“ gefahren. Auf der Piazza di Spagna standen wir dann vor einer völlig leeren Spanischen Treppe, die ich so noch nie gesehen hatte. Ich kenne Rom nur mit Touristen und schon gar nicht so früh am morgen. Von dort sind wir erst mal in eine geöffnete Café-Bar gefallen und haben uns einen Kaffee gegönnt. Also der Kaffee ist in Rom wirklich überall gut und überhaupt kein Vergleich zu dem, was wir oft in Argentinien aufgetischt bekamen. Danach sind wir etwas gestärkt weiter durch die Stadt gezogen und haben die menschenleere Altstadt auf uns wirken lassen.

Die Piazza Navona in Rom am Morgen nach einer Wahlveranstaltung

Viele Plätze wirkten ohne Touristen so komplett anders als gewohnt. So ab 9 Uhr füllte sich die Stadt langsam und auch die Touristen eroberten das Straßenbild. An einem Zeitungskiosk haben wir ein paar Postkarten gekauft und sind ins nächste Café gegangen, das offen hatte. Dort haben wir uns ein wenig ausgeruht, uns mit Kaffee gedopt und die Postkarten beschrieben. Danach sind wir einfach so drauflos gelaufen, vorbei an den wichtigsten Plätzen der antiken Stadt. Rom ist so eine wunderschöne und beeindruckende Stadt aber leider waren wir viel zu geschafft, um das alles noch entsprechend zu würdigen.

Das Pantheon in Rom Anfang April

Dem Pantheon haben wir dann noch mal etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt, da es wohl das mit Abstand beeindruckenste Gebäude des alten Roms ist. In der Nähe des Kolosseums haben wir uns eine Kleinigkeit zu Essen gekauft und sind dann weiter durch die Stadt gelaufen um nicht einzuschlafen. Laufen, laufen, laufen… Gegen 15 Uhr waren wir zurück in Termini. Dort aßen wir noch ein wenig Pasta aber ich war eigentlich schon viel zu müde, um zu Essen. Da wir erst gegen 20 Uhr in Zürich landen würden, war essen keine so schlechte Idee. Zurück am Flughafen freuten wir uns auf den Flug, weil es eine gute Möglichkeit war, um ein bisschen zu schlafen. In Zürich warteten bereits die Eltern von L. auf uns. Was für ein Segen. Nach mehr als 30 Stunden waren wir total im Eimer und froh dass wir abgeholt wurden. Natürlich gab es wahnsinnig viel zu berichten und zu erzählen. Wir haben so viele schöne Eindrücke mitgebracht, die wir bisher nur schriftlich über diesen Blog übermitteln konnten. Und so haben wir noch die halbe Nacht damit zugebracht, von unserer Reise zu berichten.

Argentinien, wir sehen uns wieder. Versprochen!

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Let’s not think about tomorrow – Lass uns nicht an morgen denken

Kurz war sie, die vergangene Nacht. Ich bin durchs Bloggen erst wieder sehr spät ins Bett gekommen. Das Schreiben, die Bilderauswahl und das Hochladen nehmen doch mehr Zeit in Anspruch als man eigentlich wollte. Und die Internetverbindung war so unendlich lahm wie die ganzen Tage zuvor nicht, und so gestaltete sich der Upload der Bilder als mittelschwere Geduldsprobe.

Avenida Belgrano

Wie dem auch sei, bereits um 10 Uhr waren wir erneut mit Billie verabredet, um mit ihr ein paar Details zu besprechen und um sie besser kennenzulernen. 10 Uhr ist ziemlich früh für diese Stadt aber so hatten wir Gelegenheit ihr Apartment an einem Freitagvormittag zu erleben. Die Stadt präsentiert sich je nach Wochentag und Uhrzeit in einem jeweils anderen Licht. Mal stickig, laut und überlaufen und mal ruhig, ausgestorben und gemütlich. Jedenfalls war das mit dem aus dem Bett kommen nicht ganz so einfach heute aber wir haben es dann doch noch mit einer kleinen Verspätung zu Billie geschafft. Und schon standen wir in dem alten, schmiedeeisernen Aufzug der uns krächzend und gemütlich nach fast ganz oben in Billies Appartment brachte. Zum Glück hat sie uns gleich einen Kaffee angeboten, der dann auch etwas Leben in den müden Körper brachte. Billie sprudelte bereits nur so über und sprach wie ein Wasserfall. Ihre Informationen stürzten wie Fremdkörper auf mich ein und ich hatte noch Mühe alles zu verfolgen.

Der Motor des Aufzugs in Billies' Wohnhaus im englischen Stil in Buenos Aires

Internet mal ganz plastisch

Billie hatte bereits eine kleine Gruppe an Montagearbeitern einer Kabelfirma in der Wohnung, die die von ihr abgeschnittenen Telefonleitungen ordentlicher verlegen sollten. Dazu muss man wissen, dass man sich in Buenos Aires ein ziemlich plastisches Bild vom Internet machen kann und es tatsächlich sieht. Es spannt sich über die Dächer der Stadt wie ein riesiges Spinnennetz. Dabei entstehen sehr abstrakte Eindrücke, wenn man mal hier und da gen Himmel schaut. Braucht man in BsAs einen Anschluss, kommen die Jungs von der Kabelgesellschaft und werfen einfach ein neues Kabel von Dach zu Dach und gut ist. Eigentlich ist diese Praxis illegal aber keiner kümmert sich drum, außer Billie. Heute soll sie nun den ersehnten Verteilerkasten bekommen und sie will streng darauf achten, dass die Kabel nun sauber verlegt werden.

"Das Internet" über den Dächern von Buenos Aires

Der vernetzte Himmel von Buenos Aires

Gegen 14 Uhr sind wir bei Billie aufgebrochen um einen Copy-Shop aufzusuchen. Glücklicherweise war so ein Laden gleich an der nächsten Straßenecke, so dass dies recht schnell erledigt war. L. wollte unbedingt ein paar bürokratische Erledigungen machen, die uns mit seinem kopierten Pass erst zur Polizeistation von San Telmo führte und dann noch einmal zu Billie. Gut, erledigt! Heute ist unser vorerst letzter Tag in Buenos Aires und den wollten wir noch einmal genießen. Gegen 16 Uhr waren wir mit dem bürokratischen Teil des Tages durch und konnten uns wieder dem touristischen Buenos Aires widmen. Ich schlug vor in ein tolles Café entlang der Subte Linea A zu fahren. Der Gedanke an morgen macht mir ehrlich gesagt keine gute Stimmung aber noch ist es ja nicht soweit und so stürzten wir uns noch einmal in einen Nachmittag. Das Wetter war, wie fast jeden Tag, sehr sommerlich und sehr angenehm.

Die Cafés, die Seele der Stadt

Die Cafés der Stadt gehören zur Lebensart von Buenos Aires wie Tango, Evita oder Parrilla. Die Confitería Las Violetas in der Avenida Rivadavia 3899 (Subte „Castro Barros“) ist ähnlich wie das Grand Café Tortoni ein Traditionscafé. Es wird größten Wert auf Authentizität gelegt und sehr viel Aufwand betrieben um die eleganten, historischen Cafés der Stadt in Schuss zu halten. Es gibt sogar ein Gesetzt zum Schutz und Erhalt dieser Traditionscafés und Bars. Das Las Violetas im Viertel „Almagro“ ist hell und klassisch eingerichtet und bietet eine große Auswahl an Torten und Gebäck. Diese kann man entweder im mondänen Ambiente des Cafés gebührend genießen oder einfach mit nach Hause nehmen.

Birthday Bash im Las Violetas im Stadtteil Almagro in Buenos Aires

Toastecken mit Marmelade sowie Cappuccino

Bei Toastecken mit Marmelade, Cappuccino und Coke light haben wir die letzten Postkarten an unsere Liebsten geschrieben und die Seele baumeln lassen. Den Weg zurück sind wir zu Fuß gegangen. So bekommt man einfach den besten Eindruck von einer Stadt und man entdeckt immer wieder spannendes links und rechts des Weges. Wir sind einfach dem Linienverlauf der Subte Linea A entlang der Avenida Rivadavia in Richtung Monserrat gefolgt. Dabei kamen wir an der Plaza Miserere vorbei. Der Platz war ziemlich bevölkert. Hier treffen sich die Menschen um zu plauschen oder zu handeln. Einige verkauften Dies und Das auf am Boden ausgebreiteten Tüchern. Wenig später sind wir noch am National Kongress und der Plaza del Congreso vorbeigekommen. Dort parkte ein ziemlich cooles und ziemlich zugetaggtes Wohnmobil.

Zugetaggtes Wohnmobil auf der Plaza del Congresso

Rush Hour Chaos

An der Megakreuzung 9 de Julio / De Mayo haben wir die allabendliche Rush-Hour beobachtet. Heute waren sogar Polizisten im Einsatz die das Regeln des Verkehrs zusätzlich zu den Ampeln übernahmen. Zirka 10 Sekunden bevor eine Ampel auf Rot schaltete hielten die Polizisten bereits den Verkehr an. Das sollte verhindern, dass die Leute mit Ihren Autos den Kreuzungsbereich verstopfen. Hier zählt jeder Meter der gefahren werden kann. Um also das größtmögliche Chaos zu vermeiden sperren die Polizisten rechtszeitig die Kreuzung für die jeweilige Richtung, die als nächstes Rot bekommt.

Der allabendliche Wahnsinn (Rush Hour) an der Megakreuzung Avendida 9 de Julio und Avenida de Mayo

Die Italienerin in Algerien

In der Av. De Mayo haben wir uns dann ganz spontan für einen Theaterbesuch am Abend entschieden. Genauer gesagt haben wir uns für eine Oper entschieden und zwar Rossinis L’Italiana in Algeri, deren Neuinszenierung heute Premiere in der „La Nueva Ópera de Buenos Aires“ feierte. Das kulturelle Angebot in Buenos Aires ist wirklich überwältigend. In keiner anderen Großstadt soll es so viele Bühnen geben wie hier. Man sagt es seien um die 180 Bühnen.

Rossinis L'Italiana in Algeri in der La Nueva Opera de Buenos Aires

Wie dem auch sei, unsere Vorstellung startete aber erst um 20 Uhr sodass wir noch Zeit für einen Salat in einem Restaurant ganz in der Nähe hatten. Dort machten wir zum wiederholten Male tierische Bekanntschaft mit einem der vielen umherstreunenden Hunde. Er schaute uns an, wir schauten ihn an und schon lag er ganz entspannt unter unserem Tisch. Was er genau wollte blieb allerdings unklar. Gebettelt hat er nicht!

"Pedro" einer unser vielen tierischen Teilzeitfreunde

Nach dem ersten Akt haben wir die Oper aber wieder verlassen, weil wir noch packen mussten und schon wieder Hunger hatten. Zum Abendessen haben wir uns dann das moderne Eckrestaurant gegenüber dem “El Federal” in San Telmo an der Ecke der Straßenkreuzung Carlos Calvo und Peru ausgesucht. Dort gab es einen superleckeren Salat mit mindestens einem Kilo Blauschimmelkäse. (: Na soviel war es nicht aber immerhin soviel, das ich es nicht aufessen konnte und das mag bei Käse schon was heißen. Dann sind wir nach Hause und dort hieß es packen. *Schnief*

Architektonischer Blick von der Plaza del Congresso in Richtung Avenida 9 de Julio

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