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Land unter

Die rumpelnde Apparatur an unserem Fenster, die betagte Klimaanlage, hatte unser Zimmer im Laufe der Nacht auf arktische Temperaturen runter gekühlt. Mitten in der Nacht sind wir durch die Kälte wach geworden und mussten uns mit allen Decken, die wir finden konnten, zudecken. Auf die Klimaanlage hatten wir leider keinen Einfluss. Das Monstrum kühlt nämlich gleich das ganze Hostel und unser Zimmer befand sich ausgerechnet am Beginn der Kühlkette. *bibber* Schöne Scheiße, aber mit den ganzen Decken ging es einigermaßen. Zu allem Übel mussten wir am Morgen feststellen, dass es regnete und der Himmel alles andere als blau war. So hatten wir es nicht besonders eilig, aus dem Bett zu kommen. Gegen Mittag hielt uns dann trotz anhaltender Regenschauer nichts mehr im Hostel und wir beschlossen, den Tag für einen Museumsbesuch im MACRO zu nutzen.

Hintereingang vom MACRo mit Graffiti in Rosario Argentinien

Pfützen-Hopping

In einer Regenpause verließen wir das Haus und machten uns auf die Suche nach einem Café. Das ist in Argentinien keine schwere Aufgabe, Cafés gibt es an jeder Ecke. Kaum, dass wir ein gemütliches Straßencafé gefunden hatten, fing es auch wieder an, stärker zu regnen. Geschützt durch eine Markise konnten wir trotzdem unseren Kaffee ungestört im Freien trinken. Kalt war es durch den Regen ja nicht geworden, nur nass. Als es nur noch leicht nieselte, schlichen wir weiter die Straßen entlang in Richtung des bunten Getreide-Silos, in dem sich das MACRO befindet. Wir waren nur ein paar hundert Meter weiter gekommen, als wir an einer sehr einladenden Bäckerei vorbeikamen. Da die Auslage im Schaufenster einen geradezu anlachte, gingen wir hinein und kauften ein paar Facturas, die wir bisher noch nicht kannten. Aufs Neue hinderte uns der Regen am Weitergehen und so aßen wir den größten Teil des süßen Backwerks direkt vor Ort. Um halbwegs trocken im Museum anzukommen, blieb uns wohl nichts anderes übrig, als es in Etappen zu versuchen.

Sintfluartiger Regen durch Fenster eines Cafés am Boulevard Oroño in Rosario, Argentina

Das nächste Stück, das wir schafften, war kaum länger als das letzte und endete erneut in einem Café. Diesmal meine es der Wettergott wohl ernst. Wir hatten eben zwei Café con Leche bestellt und blätterten in der argentinischen Boulevardpresse, als es anfing wie aus Kübeln zu schütten. Wir beobachteten den Wolkenbruch durch die großen Scheiben des Cafés und freuten uns, dass wir es gerade noch rechtzeitig hierher geschafft hatten. Plötzlich fing es an von der Decke zu tropfen, immer mehr Wasser bahnte sich seinen Weg in den Innenraum des Lokals. Der Wintergarten-ähnliche Anbau war alles andere als dicht und so wechselten wir die Plätze. Der Regen war inzwischen so heftige, dass das Wasser mehr und mehr das Café überflutete. Das Personal versuchte nun eilig mit Wasserschiebern und Eimern dagegen anzukämpfen. Vergebens! Das Wasser drückte inzwischen sogar durch die Spalten unter den Glasschiebetüren.

Überflutetes Café am Boulevard Oroño in Rosario, Argentinien

Schlagartig hörte es auf zu schütten. Die Entspannung beim Personal konnte man regelrecht von deren Gesichtern ablesen. Vor der Tür jedoch war nichts mehr wie es vorher war. Der Boulevard Oroño war nur noch zu erahnen und hatte sich in eine Seenlandschaft verwandelt. Wasser soweit das Auge reichte. Das wollten wir uns aus der Nähe ansehen. Mit festem Schuhwerk hätten wir jetzt echt ein Problem gehabt. Gut aber, dass wir mit „hippen“ Gummischlappen unterwegs waren. Nein, nicht diese hässlichen Croqs! Knöcheltief wateten wir im warmen Wasser weiter unserem Ziel entgegen. Die vorbeiziehenden Autos produzierten Mega-Wasserfontänen beim Durchqueren des neu entstandenen Seengebiets. Wir beobachtet ein älteres Ehepaar, wie es vorsichtig aus einem Taxi stieg und in die Fluten entlassen wurde. Was für ein Spektakel. Die Einwohner machten aber alle samt einen ziemlich gelassenen Eindruck und begegneten der Situation wie Profis. Bei uns wäre diese Art Regen wohl ein Katastrophenfall.

Normale Niederschläge in Argentinien - Boulevard Oroño in Rosario unter Wasser

Taxi in die Flut nach einem heftigen Regen in Rosario, Argentinien

Museo de arte contemporáneo de Rosario

Gegen 15 Uhr erreichten wir einigermaßen trocken unser Ziel. Schon von weiten sahen wir die bunten Silos, in denen das MACRO residiert. Das Museum für zeitgenössische Kunst steht direkt am Ufer des Río Paraná. Dummerweise war es noch geschlossen und würde erst gegen 16 Uhr öffnen. So mussten wir die Zeit überbrücken und sind durch einen kleinen Park flussaufwärts gelaufen. Dort begegneten wir Anglern, die im wässrigen Boden nach Regenwürmern fischten, und natürlich – wie könnte es in Rosario anders sein – einer Gruppe von Joggern. Aus mannshohen Abflussrohren strömte das Wasser aus der Kanalisation in den Río Paraná. Eine Unmenge Zivilisationsmüll, die der Regen von den Straßen gewaschen hatte, trieb nun in seinen Fluten und verfing sich in der Uferböschung. Es dauerte nicht lang bis der Weg zu Ende war und wir zurück gingen. Den Rest der Wartezeit haben wir im Restaurant „Davis“ direkt am MACRO verbracht und sehr lecker gegessen.

Bruschetta, Salat und Pommes im Restaurant "Davis" am MACRo in Rosario, Argentinien

Por favor no tocar las obras – Bitte nicht berühren

Das MACRO würde man sicher nicht in einer Reihe mit dem MoMa, dem Tate Modern oder dem Hamburger Bahnhof nennen, aber verstecken braucht es sich deswegen noch lange nicht. Unkonventionell und originell zeigt es auf zehn Stockwerken ein breites Spektrum an Gegenwartskunst. Am besten man fährt mit dem Fahrstuhl ganz nach oben, genießt eine Weile die tolle Aussicht und arbeitet sich dann nach unten durch. Die Ausstellungsräume sind alle nicht sehr groß, sodass ein Rundgang nicht sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Im 7. Stock gab es eine interessante Audioinstallation namens „Nocturno“ von Diana Schufer. Der größte Raum des ganzen Gebäudes war komplett verdunkelt und von der Decke hingen spärlich beleuchtete Lautsprecher aus denen Stimmen zu hören waren. Ein Weg führte ans Ende des Raumes entlang der verstreut angebrachten, kleinen Lautsprecher, aus denen aufgezeichnete Stadtgespräche aus Buenos Aires tönten. Durch die Dunkelheit wurde der Fokus fast vollständig auf das Gehör gelenkt. Die Idee fanden wir beide ziemlich gut, aber leider scheiterten wir an der Installation auf Grund unserer mangelhaften Spanischkenntnisse.

Besucherinnen im Museum für Gegenwartskunst MACRO in Rosario, Argentinien

Besucherinnen betrachten eine Videoinstallation im MACRo in Rosario, Argentina

Zwei Stockwerke tiefer wurde der Ausstellungsraum in eine Camera obscura umfunktioniert. In der Außenwand des selbstverständlich abgedunkelten Raumes befand sich ein winziges Loch. Die gebündelten Lichtstrahlen zeichneten den Río Paraná samt Inseln auf die gegenüberliegende weiße Wand. Die kopfüberstehende Abbildung war quasi eine Live-Sendung des Geschehens auf dem Fluss. Simple und genial! In den folgenden Stockwerken gab es weitere Installationen und die erst seit Banksy anerkannte Gattung der Street-Art zu sehen. Die Werke erinnerten mich sehr an das, was ich in der kleinen Galerie im „Hollywood in Cambodia“ im Stadtteil Palermo in Baires gesehen habe. Das MACRO ist auch ein Ort zum Anfassen und Mitmachen. Es scheint dort öfters lustige Happenings zu geben, bei denen jedermann „Kunst machen“ kann. Die Werke der letzten Aktion, nämlich mit bunter Farbe punkig beschmierte T-Shirts, gab es dann auch gleich im hauseigenen Design-Shop zu kaufen.

Angeln am Ufer des Río Paraná in Rosario, Argentinien

Wer mal eine virtuelle Tour durch die Gegend rund ums MACRO machen will kann hier klicken, dort findet man auch viele weitere 3D Touren durch Rosario.

Runde durch Rosario

Das Wetter hatte sich mittlerweile stabilisiert und dem Regen war für heute endgültig die Puste ausgegangen. Auf dem Rückweg machten wir einen Rundgang durch die Parks flussabwärts. Am Zentralbahnhof „Rosario Central“ dachten wir für einen Augenblick, dass wir den Hauptbahnhof gefunden hätten. Wir spielten nämlich mit dem Gedanken, den Zug zurück nach Buenos Aires zu nehmen. Dieser Irrtum klärte sich aber relativ schnell durch den Graswuchs zwischen den Schienen und die fehlenden Reisenden auf. Die Anlage dient heute als Gemeindehalle für Kunst und Kultur. So zogen wir ohne Zuginformationen weiter zum Parque España. Die Treppen vor der Plaza dienten den zahlreichen Joggern als Kraft- und Konditionsprobe. Durch die unter Wasser stehenden Wiesen liefen wir weiter zu den alten Lagerhallen, in denen sich die „Escuela de artes urbanas“ befindet. Dort konnten wir Artisten beim Kopfstandüben zusehen. Schließlich kamen wir wieder am Monumento a la Bandera an. Das gleichnamige Museum war für heute schon geschlossen, so dass wir langsam zurück zum Hostel gingen. In der Fußgängerzone feierten wir das Ende des Regens mit einer Portion Eis und besuchten ein wunderschönes, altes Kaufhaus aus dem 19. Jahrhundert, das derzeit zur chilenischen Kaufhauskette „Falabella“ gehört. Der Innenraum des Kaufhauses sah aus, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Galería Falabella in der Fussgängerzone Avenida Cordoba in Rosario, Argentinien

Decke der Galería Falabella in der Fussgangerzone Avenida Cordoba in Rosario, Argentinien

Nach Mitternacht machten wir uns erneut auf die Pirsch durch die Stadt. Wir wollten uns mal das Nachleben anschauen. Im Hostel hatten sie uns dafür die Avenida Pellegrini empfohlen. Wenn was geht, dann da. Dienstag ist aber nicht der beste Tag, um auszugehen. Außerdem sind Semesterferien und den meisten Rosarinos wird es heute zu frisch draußen sein. So liefen wir durch ein fast ausgestorbenes Rosario bis wir endlich die Straße erreichten. Da war auch tatsächlich noch was los. Links und rechts der großen Straße waren etliche Bars und Restaurants geöffnet. Voll war es aber nirgend so richtig, außer in den ungefähr 1000 Eisdielen. Die sind echt toll, aber nicht das, was wir uns unter Nachtleben vorgestellt hatten. Auf dem Rückweg sind wir nochmal am Denkmal der Staatsflagge vorbei und haben ein paar Nachtaufnahmen gemacht. Nachts wird das Wahrzeichen in den argentinischen Nationalfarben weiß und blau angestrahlt.

Nacht über dem Propileo des Monumento a la Bandera in Rosario in Argentinien

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Die Stadt der Jogger

Der Bus schwankte und schaukelte sich mit mächtig viel Schwung durch die noch junge Nacht. Ich versuchte zu schlafen, aber es gelang mir nicht. Mir erschien es, als würde der Bus wie ein Pferd von Bodenwelle zu Bodenwelle springen. Das Schütteln war zeitweise so heftig, dass man den Halt verlor und kurze Momente in Schwerelosigkeit erlebte. Jeder Straßenkrater riss einen erneut aus dem Schlaf und so war der Weg ins Land der Träume noch holpriger als die Straße. Irgendwann berührte mich etwas am Oberarm. Schlaftrunken ignorierte ich das Zeichen. Wieder berührte mich etwas, diesmal mit mehr Nachdruck. Das kann ich unmöglich träumen. Ich klappte die Schlafmaske hoch und sah einen Argentinier, der höflich um seinen Platz bat. Der Bus war inzwischen bis zum letzten Platz gefüllt und ich musste auf meinen Sitz zurück. Wir hatten uns auf mehreren Plätzen breit gemacht und so musste ich zusätzlich noch ein paar Sachen von den benachbarten Sitzen zusammenkramen. Rasch schlief ich aber wieder ein. Plötzlich knallte etwas zu Boden und riss mich erneut, trotz gut verplombter Ohren, aus dem Schlaf. Im Bus war es stockdunkel und nur die Schattenrisse der Passagiere waren zu erkennen. Ich sah wie ein Mann einen schwarzen Gegenstand vom Boden aufhob. Instinktiv griff ich in meine Hosentasche, um zu prüfen, ob mir die Kamera rausgefallen war. Noch bevor ich mich davon überzeugt hatte, dass alles an seinem Platz war, hatte der Mann den Besitzer des Objekts schon ausfindig gemacht und aufgeweckt. So erhielt dieser sein Handy zurück und wir konnten alle wieder schlafen. Gut dachte ich mir, hier kommt nichts weg…

Strasenkreuzung an der Calle San Lorenzo in Rosario im Stadtteil Centro

Quirliges Rosario

Gegen 9 Uhr morgens erwachte ich erstaunlicherweise gut erholt. Der Bus war inzwischen wieder leer und ich fragte mich, ob ich die Geschehnisse der letzten Nacht nur geträumt hatte. Wir waren bereits im äußeren Bereich des Ballungsraums Rosario. Der Verkehr war wesentlich dichter und die Bebauung links und rechts der Straße wurde mit jedem Kilometer urbaner. Dann ging alles recht schnell und pünktlich um 10 Uhr standen wir schließlich auf dem Terminal de Omnibusses in Rosario. Obwohl es bis zum Hostel noch recht weit sein würde, entschieden wir uns zu Fuß zu gehen. Dies war die beste Möglichkeit einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen. Irgendwie hatte ich mir Rosario wesentlich kleiner und provinzieller vorgestellt. Aber auf den Straßen ging es ähnlich zu wie in Buenos Aires. Mit einer Million Einwohnern ist Rosario auch nicht grade klein. Die Quirligkeit hat mich trotzdem überrascht. Nach einigen Blocks entlang der Avenida Santa Fe kamen wir an der Medizinischen Fakultät der Universität Rosario vorbei. Viel war dort allerdings nicht los, denn momentan sind Semesterferien. Die umliegenden Seitenstraßen machen einen gemütlichen Eindruck und sind voll von kleinen Cafés, Copy-Shops und sonstigen Läden, die Studenten so brauchen. Noch ein paar Blocks weiter und wir ließen uns in einem der Straßencafés nieder und bestellten, oh Wunder, ein typisch argentinisches Frühstück: Cafe con Leche und Medialunas. Das alles sollte zusammen dann auch nur 8 Peso kosten und markierte damit das günstigste Frühstück, das wir in Argentinien bisher hatten.

Alte Häuser in der Calle San Lorenzo in Rosario im Stadtzentrum

Gegen halb 12 Uhr kamen wir im Hostel, „La Casona de Don Jaime 2“, an und haben eingecheckt. Die Unterkunft hatten wir tags zuvor im Internet reserviert. Da unser Zimmer gerade noch geputzt wurde, versorgte uns die junge Frau vom Counter in der Zwischenzeit mit nützlichen Informationen über die Stadt. Etwas ungewöhnlich war, dass wir hier das Zimmer bereits im Vorraus bezahlen mussten, natürlich bar. Naja, nachdem wir das alles geklärt hatten, sind wir gleich mit Badesachen zum Fährableger, „La Fluvial„, gelaufen. Durch die schöne Altstadt von Rosario kamen wir direkt zum Monumento Nacional a la Bandera. Das erst 1957 erbaute Denkmal zur Ehrung der argentinischen Staatsflagge steht unweit der Küstenlinie des Flusses Paraná. Am Fluvial haben wir uns Tickets für die Überfahrt zu den Inseln gekauft. Dort soll es die schöneren Strände von Rosario geben. Von den wesentlich populäreren „La Florída“-Stränden hatte uns die Perle vom Hostel eher abgeraten.

Denkmal für die Nationalflagge Argentiniens in Rosario

Vom Fluvial fahren vier verschiedene Fährschiffe zu vier verschiedenen Inselstränden. Jedes hat seinen eigenen Anleger, die „Muelle“, und bringt einen an einen anderen Strand. Der Río Paraná ist ein ziemlich mächtiger Fluss. Die Inseln lagen ganz schön weit weg vom Ufer und dahinter geht der Strom ja noch weiter. Wo die Strände genau liegen, zu denen die verschiedenen Boote fahren, war uns völlig unklar. Also nahmen wir einfach das nächstbeste Boot, das kam. Später haben wir uns darüber gewundert, was für ein Aufriss um die verschiedenen Fährlinien gemacht wird. Es ist nämlich ganz egal ist, welches Boot man nimmt, da die Strände direkt nebeneinander liegen.

Balneario Waikiki auf der Insel im Río Parana vor Rosario in Argentinien

Auf der Insel erwarteten uns dann tatsächlich sehr schöne Sandstrände, die alle samt nicht besonders voll waren. Wir fanden einen schattenspenden Baum, unter dem wir es uns gemütlich machen konnten ohne der prallen Sonne ausgeliefert zu sein, in der sich die Einheimischen aalten. Der Wind trug mal mehr, mal weniger die Musik vom Nachbarstrand zu uns herüber und wir konnten kaum glauben, was da gespielt wurde. Die Musik der Münchner Freiheit sei Beispiel genug, um unser Erstaunen auszudrücken. Wir lasen gemeinsam in dem Buch WIR von Jewgeni Samjatin. Danach haben wir das Baden im Río Paraná ausprobiert. Einen richtig sauberen Eindruck macht er ja nicht, der Paraná. Das braune Sediment störte uns dabei weniger, als das Wissen darum, was so alles in diesen Fluss eingeleitet wird. Soweit oberhalb vom Delta bei Tigre sollte es aber gehen, mit dem Baden. Der Untergrund ist sandig und irgendwie rutschig, fast glitschig. Das Ufer ist sehr flach und auch hier galt, wer richtig nass werden will, muss sich hinlegen. Viele der Einheimischen sind gleich mit Klappstuhl angereist und sitzen stundenlang samt Stuhl im wannenwarmen Wasser. Dazwischen ankern kleine Motorboote. Eine ziemliche Idylle und das Baden ist auch ganz ok.

Fußball spielen am Balneario Waikiki auf der Insel im Río Paraná vor Rosario in Argentinien

Abends hatten wir in einem der Strandrestaurants, einem Parador, eine kleine Picada, da uns der Hunger gepackt hatte. Gesättigt machten wir uns auf den Weg zum Anleger. Um acht fuhren wir mit dem letzten, erwartungsgemäß vollbesetzten Boot zurück in die Stadt. In der Mitte des Bootes stapelten sich die mitgebrachten Sonnenstühle der Rosarinos. Ein herrlich skurriles Bild.

Volkssport Jogging

Zurück an Land machten wir uns auf den Weg zum Hostel, diesmal entlang der Küstenstraße, der Rambla Catalunya. Entweder waren wir zur falschen Zeit hier, oder das ist einfach nicht der Ort, um abends spazieren zu gehen. Es kam uns vor, als wären wir mitten in eine Art Volkslauf oder Marathon geraten. Ständig kamen aus allen Richtungen Horden von Joggern auf uns zu gerannt. Auf den Wiesen seitlich der Rambla gab es sogar noch mehr davon. In Gruppen oder einzeln machten die Läufer hier Dehnübungen oder waren anderweitig aktiv. Rosario ist die Stadt der Jogger. Eine Prise Lifestyle darf dabei natürlich auch nicht fehlen.

Ein Boot ankert auf der Insel im Río Paraná vor Rosario in Argentinien

Für das Abendessen hatten wir uns Zutaten für einen Salat besorgt, den wir in der Hostelküche zubereiteten. Dort war ordentlich Betrieb und es war außerdem viel zu warm und zu laut zum Essen, darum haben wir uns in den Innenhof zurückgezogen, wo außer uns nur noch zwei Kanadierinnen aus Vancouver saßen. Die beiden waren frisch aus Uruguay angekommen und standen erst am Beginn ihre Südamerikareise. Sie erzählten von ihren Plänen und wir hatten nicht den Eindruck, dass sie zu der Gruppe der „Destination-Hopper“ gehören, die in kürzester Zeit soviele Reiseziele wie möglich abhaken wollen. Da sich die eine etwas kränklich fühlte, zogen sie sich bald zurück und machten zwei Brasilianern Platz.

Reggaetón Argentino

Auch mit den beiden, Erick und André, kamen wir sofort ins Gespräch. Nach dem üblichen Smalltalk erzählten sie uns ein bisschen mehr über ihr Land und machten uns sehr neugierig auf Brasilien. Von Deutschland hatten sie bisher nur kitschige Stereotype im Kopf: Gutes Bier, in tausend Sorten, blonde Frauen, schnelle Autos und schlechtes Wetter. Und nein, in Deutschland trinkt man das Bier nicht lauwarm. Letzte Nacht waren die Jungs mit einer argentinischen Bekannten in einen Club in Rosario unterwegs. Sie waren total begeistert vom Reggaetón, der dort gespielt wurde und in Argentinien total angesagt ist. Wie mischt man denn Reggae, Merengue, Hip-Hop und Dancehall so zusammen, dass man dazu in einem Club tanzen kann? Klang echt spannend, was sie berichteten. Erick und André klärten uns außerdem über die deutlichen Unterscheide der Musikszenen beider Nachbarländer auf. Während die Musik in Brasilien viel internationaler ausgerichtet ist, hört man in Argentinien fast ausschließlich Einheimisches oder andere spanischsprachige Künstler. Wir erfuhren noch eine ganze Menge über die brasilianische Art zu leben und haben uns einige Zeit später verabschiedet. Der Abend mit den beiden hat uns viel Spaß gemacht.

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