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No hay moneda

Nachdem wir uns letzte Nacht bestens amüsiert hatten und erst sehr früh am Morgen im Bett waren, mussten wir zuerst etwas Schlaf nachholen. Irgendwann am Nachmittag sind wir dann wieder wach geworden und bummelten in den bereits fortgeschrittenen Tag. Wenig später meldete sich auch schon der Hunger zu Wort und so bin ich in den nächsten Supermarkt, um ein paar Dinge zu besorgen.

Nach besten Wissen und Gewissen

So richtig volle Supermärkte habe ich hier eigentlich nie erlebt. Dank der langen Öffnungszeiten verteilt sich alles sehr gut über den Tag. Man sollte aber trotzdem nicht glauben, dass sowas banales wie Einkaufen schnell erledigt ist. Selbst bei nur drei Leuten vor einem an der Kasse kann man schon mal bis zu 15 Minuten anstehen und warten. Hier hat es niemand wirklich eilig und auch ein Schwätzchen an der Kasse, während die anderen geduldig in der Schlange warten, ist nichts Ungewöhnliches. Wesentlich mehr Zeit aber wird durch den permanenten Mangel an Münzgeld vernichtet. Die ständige Suche nach Münzen ist nicht nur anstrengend, sondern auch mächtig absurd. Die Frage nach Kleingeld wird wohl zu den am häufigsten gestellten Fragen in Argentinien gehören. Im Stadtbild sieht man überall Schilder wie „No hay moneda!“ — zu Deutsch „Wir haben kein Kleingeld!“ — in Shops und Kiosken gehören sie fast schon zum guten Ton. Münzen rückt man hier nur raus, wenn es nicht anders geht. Die übrige Zeit hütet man seinen Münzschatz wie den Heiligen Gral, denn man weiß ja nie, wo man seine Münzen einmal unbedingt brauchen wird, z.B. im Colectivo.

Buchhandlung "El Ateneo" im ehemaligen Theater "Grand Splendid" in der Avenida Santa Fe in Buenos Aires

So stand ich also im Supermarkt in der Schlange an der Kasse, vor mir nur vier Leute und alle bezahlten bar. Die Frage nach Kleingeld wurde erwartungsgemäß von allen höflich verneint und so blieb der Kassiererin oft nur, das Rückgeld zu ihren Ungunsten aufzurunden. Bei ein paar Cents ist das hier durchaus üblich und wir haben das oft erlebt. Als ich dann dran war, waren die Münzen vollends alle, und so blieb mir nichts weiter übrig als zu warten, bis sich ihr Kleingeldvorrat wieder füllte. Das tat ich dann auch. Die Kassiererin spekulierte darauf, dass schon irgendjemand passend und mit Kleingeld zahlen würde, aber da hatte sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Und so wartete ich bald nicht mehr allein auf Wechselgeld. Nachdem wir bereits eine kleinere Gruppe geworden waren, rief sie Ihre Kollegin zur Hilfe und bat sie, Münzgeld zu besorgen. Die Frau machte sich dann auch gleich auf den Weg, wahrscheinlich zur nächsten Bank, und so dauerte es abermals eine Weile, bis ich zu guter Letzt zu meinem Wechselgeld kam.

Treppenaufgang im ehemaligen Theater "Grand Splendid", heute Buchhandlung "El Ateneo" in der Avenida Santa Fe in Buenos Aires

Der schönste Buchladen der Welt

Nachdem wir zu Hause gegessen hatten, sind wir zur Plaza de Mayo, um dort in die Subte Cathedral zu steigen. Wir hatten uns für einen Besuch der Galería Bond Street und des Kulturkaufhaus „El Ateneo“ entschieden. Beide Ziele liegen nah beieinander, entlang der Avenida Santa Fe, und sind einen Besuch wert. Die Subte Linie B würde uns direkt dorthin bringen. In der rappelvollen U-Bahn stapelten sich die Berufspendler, die bereits auf dem Heimweg waren. Es roch nach Schweiß, Parfüm und sonstigen nicht wirklich angenehmen Ausdünstungen. Es gibt wahnsinnig viele Menschen, die zugeknöpft bis zum Hals im Anzug rumrennen. Bei der Hitze etwas seltsam aber die Etiquette fordert ihren Tribut. An der Haltestelle Pueyrredón waren wir heil froh, dass wir wieder aussteigen durften. Eigentlich hatten wir vor, schon zwei Stationen früher auszusteigen, aber der Mief in der Bahn hatte uns scheinbar den Verstand vernebelt. Wieder an der frischen Luft liefen ein paar Straßenblöcke zurück und ließen die geschäftige Avenida an uns vorbei ziehen.

Leseprobe in der Buchhandlung "El Ateneo" im ehemaligen Theater "Grand Splendid" in der Avenida Santa Fe in Buenos Aires

Dann standen wir vor dem „El Ateneo Grand Splendid“. Das prächtige Gebäude wurde 1919 als Theater eröffnet und fungierte eine Weile als Veranstaltungsbühne für diverse Künstler. Hier feierten Tangogrößen wie Carlos Gardel und Ignacio Corsini ihre größten Erfolge. Das Theater ist ein weiterer prunkvoller Zeuge für den Reichtum dieser Stadt. Argentinien zählte zu dieser Zeit zu den sechs reichsten Ländern der Welt. 1929 wurde das Theater zu einem Kino umgebaut, in dem der erste vertonte Film in Argentinien gezeigt wurde. In den späten 1990er Jahren musste auch das Kino schließen. Das Gebäude wurde erneut umgebaut und beherbergt seit 2000 eine Filiale der Buchkette „El Ateneo“.

Bücherregale in der Buchhandlung "El Ateneo" im ehemaligen Theater "Grand Splendid" in der Avenida Santa Fe in Buenos Aires

Die Zahlen sind beeindruckend: Auf nur 2.000 qm gibt es über 120.000 Bücher, davon allein 4.000 fremdsprachige, vor allem in englischer und italienischer Sprache. Jeden Tag kommen 3.000 Besucher in den Buchladen, pro Jahr sind das 700.000 Gäste und potentielle Kunden. Es gibt ein reichhaltiges Kulturprogramm mit fast täglichen Lesungen und Diskussionsrunden. Die meisten Besucher kommen wahrscheinlich wegen dem großartigen Flair des ehemaligen Theatersaals. In den einstigen Avanzen links und rechts der Bühne und in den Logen kann man die Bücher vor dem Kauf schon mal in aller Ruhe Probelesen. Man kann Schüler beobachten, die hier ihre Hausaufgaben machen und die reichhaltige „Bibliothek“ als Recherchequelle nutzen. Die alte Bühne ist heute ein Café. Hier kann man lesen, Kaffee trinken und bei entspannter Live-Musik das schöne Ambiente genießen. Kann man Bücher besser in Szene setzen?

Bühne und Theatersaal im ehemaligen Theater "Grand Splendid", heute Buchhandlung "El Ateneo", in der Avenida Santa Fe in Buenos Aires

Kontrastprogramm Galería Bond Street

Ein auf eine ganz andere Art inspirierender Ort, ganz in der Nähe, ist die Galería Bond Street, der Shopping-Himmel für rebellierende Teens und junge Erwachsene aller Couleur. Hier kriegt man nicht nur schrille und ausgefallene Klamotten und Schuhe, sondern auch allerhand Klimbim, was man als Jugendlicher von heute eben so zum Auflehnen braucht.

Zugetaggte Wand in den Galerías Bond Street in der Avenida Santa Fe in Buenos Aires, Argentinien

Gefühlte 70% des Gebäudes bestehen allerdings aus Tattoo- und Piercing-Stuben. Die interessante, kleine Veganer-Bar im Untergeschoß, in der ich vor knapp einem Jahr einen Algen-Weizengras-was-weiß-ich-was-noch-Wellness Drink hatte, ist inzwischen verschwunden und durch einen weiteren Tattoo-Schuppen ersetzt worden. Das ganze Gebäude ist über und über mit Graffiti und Tags zugekleistert. Alles wirkt ziemlich lässig und cool. Es war aber leider nicht mehr viel los, da wir kurz vor Ladenschluss erst eintrafen. Nur in den Tattoo-Studios summten die Nadeln auch nach Ladenschluss noch fleißig weiter.

Graffiti in den Galerías Bond Street in der Avenida Santa Fe in Buenos Aires

Wir aber brachen auf und machten uns auf den Rückweg entlang der Avenida Santa Fe. Auf dem Weg nach San Telmo wollten wir irgendwo noch einen Stopp einlegen, um etwas zu Abend zu essen. In der Calle Esmeralda stolperten wir über ein „All-You-Can-Eat“-Lokal, in dem ich schon mal gegessen hatte. Dort hauten wir uns ordentlich die Bäuche voll und beobachteten die Gäste. Die meisten verfolgten total gebannt und geistesabwesend das Fußballspiel in den aufgehängten TV-Geräten. Brot und Spiele im doppeldeutig-buchstäblichen Sinne…

Graffitis an einer Rolltreppe in der Galería Bond Street in Avenida Santa Fe in Buenos Aires

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Unterwegs in den Straßen von Buenos Aires

Heute wollten wir es noch mal wissen. Wie lange muss man eigentlich laufen bis einem die Füße weh tun? Das Ziel für den Tag war u.a. das Shoppingcenter Abasto de Buenos Aires im gleichnamigen Stadtteil. Noch ein bisschen mehr Shopping könnte sicher nicht schaden und dabei gleich ein paar unbekannte Viertel und Straßenzüge in Buenos Aires aufdecken. Perfekt! Also sind wir so gegen halb zwei, nach unserem alltäglichen „Cafe con leche y medialunas“-Ritual im Café Origen, in Richtung Westen aufgebrochen. Unser Weg führte uns von San Telmo, durch den nördlichsten Zipfel von Constitución direkt in das nächste Quartier „San Cristóbal„.

San Cristóbal an einem ganz normalen Tag

Viel war an diesem Tag (noch) nicht los und so präsentierte sich das Viertel beschaulich und ruhig. Ab uns zu kamen uns Schüler entgegen oder standen nach Schulschluss noch vor den Colleges. Das Tragen von Schuluniformen scheint in Argentinien absolut Usus zu sein. Das ist uns bereits bei unserem Kurztrip nach Tigre aufgefallen. Dort sind wir kurz vor Tigre an unzähligen, ziemlich noblen und privaten Colleges vorbeigefahren und immer wieder mal sind Schüler in den Bus 60 gestiegen, um ein paar Stationen mitzufahren. Jedes College hatte natürlich seine eigene Uniform. Wie dem auch sei, San Cristóbal machte jedenfalls einen ziemlich guten Eindruck. Man konnte den Bewohnern herrlich bei Ihrem Alltagsleben zuschauen.

Verkauf und Reparatur von alten Nähmaschinen in Buenos Aires

Pastaherstellung zum Zugucken in Buenos Aires

Uralte Druckmaschine druckt Visitenkarten in Buenos Aires

Da wurden Hunde ausgeführt oder Waren des täglichen Bedarfs ge- oder verkauft. Einige Handwerker waren in ihren Werkstätten beschäftigt und andere standen auf der Straße und unterhielten sich mit Ihren Nachbarn. San Cristóbal scheint eines dieser durchschnittlicheren Wohnviertel zu sein. Während wir so liefen, sind wir natürlich auch wieder an unzähligen Bäckereien vorübergegangen. Ehrlich gesagt, kann man da nicht sehr lange widerstehen und so haben wir uns bei der nächsten Gelegenheit ein paar süße Kleinigkeiten geholt.

Süße Leckereien aus einer Bäckerei in Buenos Aires

Verkäuferin verpackt ein paar unsere Leckerlies aus einer der vielen tollen Baeckerei in Buenos Aires

Später, an einem Kiosco, haben wir uns dazu noch Mineralwasser und Coke gekauft und fertig war unser spontanes, süßes Picknick, dass wir in dem kleinen Park an der Plaza 1 de Mayo hatten. Ich glaube wir waren die einzigen Touristen dort. Das Viertel ist einfach zu abseits der typischen Touristentrampelpfade. Nach der kurzen Rast kreuzten wir nur einen Block später die Avenida Rivadavia und befanden uns damit bereits in Once [sprich: On’sse].

Hektische Geschäftigkeit in Once

Der Stadtteil Once hat eine lange jüdische Tradition. Once kann man wohl am ehesten noch mit New York’s Lower East Side oder dem ehemaligen Berliner Scheunenviertel vergleichen. Überall kann man noch die ehemaligen, stark jüdischen Kultureinflüssen sehen und spüren. Heute gilt Once als lautes und hektisches Händlerviertel mit vielen Geschäften und Outlets. Beim Weiterlaufen sind wir dann in die Larrea Straße eingebogen.

Geschäftige Larrea Straße im Stadtteil Once von Buenos Aires

In dieser engen Straße konnten wir uns dann ein Bild von dieser Geschäftigkeit machen. Dort reiht sich Fachgeschäft an Fachgeschäft und auch sonst war die Straße sehr belebt und rastlos. Hier gibt es sehr spezialisierte Läden vornehmlich für Stoffe, Unter- und sonstige Wäsche, sowie Kopfbedeckungen aller Art, Geschenkpapiere und Verpackungen.

Hochspezialisierte Fachgeschäfte findet man überall in den Strassen von Buenos Aires

Buenos Aires ist bekannt für diese starke Spezialisierung der Geschäfte. Man trifft oft auf Straßenzüge, die sich auf ein ganz bestimmtes Handelsgut bzw. Produkt spezialisiert haben. So gibt es z.B. eine Straße, in der man alles rund ums Thema „Auto“ bekommt. In einer anderen Straße findet man einen Buchladen nach dem nächsten. Und in wieder einer anderen Straße reiht sich Baumarkt an Baumarkt. Das ist schon sehr auffallend und eindrücklich. Nachdem wir ein paar Geschäfte besucht hatten, bogen wir auf die Avenida Corrientes und folgten ihr weiter in Richtung Abasto.

„Abasto de Buenos Aires“-Shoppingcenter in Abasto

Vorbei an unzähligen weiteren Outlets und Marktständen und -hallen, gelangten wir schließlich nach weiteren 20 Minuten Fußweg zum Shoppingcenter „Abasto“. Unsere Erwartungen an diese Shopping-Mall waren gering. Die spektakuläre Architektur versprach aber dennoch ein nicht ganz so gewöhnliches Einkaufszentrum angelsächsischer Art.

Shoppingcenter Abasto de Buenos Aires

Im weitläufigen Gebäude befinden sich mehr als 200 Markengeschäfte, ein recht umfangreicher Vergnügungspark, mehrere Kinos und ein riesiger Gastronomiebereich, inklusive eines koscheren McDonald’s. Ansonsten gibt es dort nicht viel Spannendes zu sehen. Viele der Läden und Marken kann man auch in Europa oder Amerika finden und zu ähnlichen Preisen dort kaufen. Alles in allem ist es recht uniform und langweilig und könnte, so wie es ist, auch in Kalifornien (USA) oder sonstwo stehen. Nach nicht mal anderthalb Stunden haben wir das Center wieder verlassen.

Im Innern des Shoppingcenters Abasto de Buenos Aires

Riesenrad im Shoppingcenter Abasto de Buenos Aires

Kitschige Spielwiese im Abasto de Buenos Aires

Wir wollten uns lieber weiter die nähere Umgebung ansehen. Unweit vom Shoppingcenter befindet sich u.a. das Carlos Gardel Museum. Der Tenor, der wegen seiner herrlich schmachtenden Stimme auch „Der Dunkelhäutige von Abasto“ genannt wurde, wuchs als Immigrant hier in Abasto auf und prägte sein Viertel nachhaltig mit seinem Tango Canción. Eine Weltkarriere folgte. Leider war das Museum in dem bunten Haus geschlossen und so blieb uns nicht viel übrig als langsam wieder in Richtung Stadtzentrum zu laufen.

Feinstaubkonzentration jenseits von Gut und Böse

So sind wir zur Avenida Cordoba gelaufen und diese dann bis zur Avenida 9 de Julio gefolgt. Ein ziemlicher Weg durch die Rush-Hour-Hölle von Buenos Aires. An der Kreuzung Uriburu und Cordoba sind wir noch an einem ziemlich großen Krankenhauskomplex vorbeigelaufen. Das General Hospital aus der gleichnamigen Serie, die seit den 60er Jahren ausgestrahlt wird, kann da durchaus mithalten. Das Gebäude zur Serie steht übrigens nicht in New York, wie oft angenommen, und auch nicht hier in Buenos Aires, sondern in Los Angeles. Kein wirklich schöner Komplex, vor allem nicht an dieser lauten und vielbefahrenen Cordoba Straße, aber auf jeden Fall gigantisch bis kolossal. Nur kurze Zeit später sind wir dann noch an einem sehr schönen Gebäude vorbei gelaufen, dem Full-screenPalacio de las Aguas Corrientes. Darin befindet sich ein Museum zur Geschichte das „Wasserpalastes“ und der allgemeinen Wasserversorgung von Buenos Aires.

Unbekanntes Gebäude in der Avenida Cordoba in Buenos Aires

Sitzend an der Kreuzung 9 de Mayo / Cordoba

Ziemlich zugerußt und rastbedürftig haben wir uns an einen Brunnen an der Megakreuzung niedergelassen und den Feierabendverkehr beobachtet. Der Verkehr in dieser Stadt ist wirklich unglaublich erdrückend, mörderisch und laut. Gefahren wird hier nach wenig Regeln und dem Prinzip des Stärkeren. Ich glaube, wenn wir dort eine Verkehrszählung gemacht hätten, würde uns nach kurzer Zeit das Zählwerk kollabieren.

Rush-Hour in Buenos Aires

Zwischendrin sieht man dann noch ein paar Leute, die sich mit dem Fahrrad „umbringen“ wollen. Radfahren in den Straßen von Buenos Aires geht aus meiner Sicht so gut wie gar nicht und ist als grob fahrlässig einzustufen. Trotz des ganzen Chaos funktioniert die Stadt irgendwie und macht einen sehr quirligen, lebenswerten Eindruck.

Zurück in San Telmo

Zurück in San Telmo sind wir in einem dieser erhaltenswerten und deswegen denkmalgeschützten Restaurants eingekehrt. Das „El Federal“ an der Ecke der Straßenkreuzung Carlos Calvo und Peru glänzt mit originalgetreuer Einrichtung bis ins kleinste Detail und machte einen warmen aber doch sehr dunklen Eindruck. Das Tageslicht hatte sich inzwischen auch verabschiedet und die Beleuchtung im Restaurant war eher spärlich. Es war bereits nach 19 Uhr und wir hatten Kohldampf und genehmigten uns eine von diesen variantenreichen Vesperplatten mit Wurst, Käse und Oliven. Dazu den Salat des Hauses und Pasta. Basta! Danach war das große Loch im Bauch für heute versiegelt. Nach diesem ausgiebigen Essen haben wir noch mal einen Abstecher ins Café Origen gemacht, um dort einen Verdauungskaffee zu trinken. Gegen halb 10 Uhr waren wir dann ziemlich müde und erschöpft wieder in der Casa Perú und haben die Füße hochgelegt. Wir wollten heute auch nicht zu spät ins Bett, da wir für morgen 10 Uhr bereits ein Termin abgemacht hatten.

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39 Kaffeebohnen aus Costa Rica fahren Bus nach San Telmo

Das ist meine Eselsbrücke, um mir zu merken wo der Colectivo 39 in Palermo Soho in Richtung San Telmo abfährt. Das ist notwendig, da wir wiederholt in Palermo Soho nach der richtigen Bushaltestelle gesucht haben. Wir waren ja schon mehrfach dort, aber eine geeignete Haltestelle haben wir uns noch nicht gemerkt. Das dürfte sich nun aber mit der Eselbrücke ändern. Busfahren und Haltestellen in Buenos Aires sind ohnehin was ganz besonderes, und ich kündige hiermit schon mal ein „Colectivo-Spezial“ an, demnächst hier auf diesem Blog. Ich glaube, dass dies nicht nur interessant sondern auch für andere hilfreich sein wird.

Buen Díaz

Nachdem wir heute Morgen unsanft durch Hammer- & Meißelschläge geweckt wurden haben wir gegen 10 Uhr das Haus ohne bestimmtes Ziel verlassen. Für heute ab 9 Uhr hatten sich Handwerker angekündigt, um in der gesamten WG an der Heizung zu bauen. Eigentlich waren die Handwerker bereits gestern für 8 Uhr bestellt, aber wie es eben hier so ist. Entweder kommen sie oder sie kommen nicht, oder später. Also heute Morgen kamen sie und so war nicht mehr an ausschlafen zu denken. Nach unserem Quasi-«Morgenritual» im „Café Origen“ in der Perú / Humberto 1˚ mit Cafe con leche und Medialunas, sind wir einfach mal die Perú weiter hoch in Richtung Stadtzentrum gelaufen.

Belgrano

Dort haben wir spontan beschlossen, in die Subte Linea D einzusteigen und bis zur Endstation „Congreso de Tucumán“ zu fahren. Wir dachten, da steht das große Kongressgebäude, was wir noch nicht gesehen haben. Naja, falsch gedacht. Einen Blick auf die Karte hätte es uns gleich gesagt, aber Buenos Aires ist die perfekte Stadt um sich auch einfach mal treiben zu lassen. Nachdem wir also an der Endstation bemerkten, dass sich das gesuchte Gebäude ganz woanders befindet, sind wir nicht zurückgefahren. Stattdessen sind wir in die ruhigeren Seitenstraßen parallel zur Av. Cabildo eingebogen. Wir befanden uns gewissermaßen am letzten Ende des Barrios Belgrano. Auf der Hauptstraße sah es aus wie überall. Viele Autos, viele Geschäfte, viele Menschen, viel Lärm und kein Schatten weit und breit für L. Die Seitenstraßen hingegen sahen aber recht vielversprechend aus. So hatten wir beschlossen, diese entlang der Av. Cabildo zu erkunden und so langsam wieder in Richtung Zentrum zu schlendern. Dabei haben wir viele wundervolle Häuser und schöne, ruhige Alleen gesehen. Belgrano ist scheinbar auch eines der besseren Wohnquartiere. So sind wir die Av. Vuelta de Obligado vorbei am Plaza Belgrano Richtung Palermo gelaufen.

Shopping Day

Auf der Höhe der Av. Olazabal haben wir dann einen coolen Klamottenladen entdeckt und dort auch gleich so einige Sachen gekauft. Shopping in Buenos Aires ist wirklich ultra-geil. Überall sind Geschäfte, die man am liebsten leerkaufen möchte. Die Preise sind niedrig und die Klamotten „fancy“. Für Shopping-Süchtige ist Buenos Aires auf jeden Fall „tödlich“. In einem nette Café etwas weiter entlang der Straße hatten wir dann unser Mittagessen (Home Made Salad, sehr lecker) und einen weiteren Kaffee. Als wir nach einigem Fußmarsch endlich in Palermo ankamen haben wir dort gleich weiter geschoppt. Palermo Soho ist allerdings nicht mehr so preiswert, und viele der Sachen, die man dort findet, kann man auch in jeder europäischen Großstadt kaufen. Die Geschäfte kannten wir ja bereits, und so war es noch mal eine gute Gelegenheit, etwas genauer zu schauen. So wurde der Tag zu einem Einkauftag.

Street Art Buenos Aires

Im Sixfeet drückte uns der Verkäufer auch gleich noch einen Flyer für eine kleine Vernissage in die Hand, die heute gegen 20 Uhr stattfinden sollte. Die Vernissage über Streetart war ganz in der Nähe.

Flyer für Streetart Vernissage in Palermo Buenos Aires

Nachdem wir den Laden gefunden hatten, sind wir erstmal was essen gegangen, da erst ab 20 Uhr dort was los sein würde und wir 8 Minuten zu früh da waren. 🙂 Es gehört zum guten Ton in Buenos Aires, eher zu spät oder gar nicht als zu früh zu kommen. Gegen 21 Uhr sind wir dann zurückgekehrt und haben einen ziemlich geilen Laden entdeckt. Das ganze Café/Bar war über und über mit Graffiti übersät. Sehr cool. Es war leider schon zu dunkel um Fotos davon zu machen. Im ersten Stock gab es dann die Vernissage mit der Graffiti-Kunst, die man auch gleich kaufen konnte. Wir werden den Laden die nächsten Tage noch mal besuchen. Dann gibt’s auch ein paar Fotos davon.

Heimfahrt

Mit diesen tollen Eindrücken sind wir, nachdem wir dann den Bus 39 gefunden hatten, zurück nach San Telmo gefahren. Auf der Santa Fe / Montevideo sind wir dann auch heute wieder in eine Demonstration geraten. Lauter Menschen mit Trommeln und Schüsseln, die ordentlich Radau gemacht haben. Hier wird scheinbar genauso viel oder mehr demonstriert wie in Berlin. Sehr lustig, das alles zu beobachten. Irgendwie haben wir dann auch noch die richtige Haltestelle in San Telmo verpasst und befanden uns plötzlich am Busbahnhof Constitución. Da ist es gegen 23 Uhr nicht mehr so lustig, aber es ging. Wir sind einfach mit dem Bus 39 ein paar Stationen zurück gefahren und den Rest gelaufen. Beim nächsten Mal müssen wir etwas besser aufpassen. Den Rest der Strecke sind wir dann nach Hause gelaufen.

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Eine Busfahrt, die ist lustig…

Für heute stand nichts Konkretes auf dem Plan. Mal einfach nur so durch die Stadt zu treiben hat seinen Reiz und schauen was sich so ergibt. So sind wir zu Fuß von San Telmo ins Nachbarquatier Monserrat gelaufen und haben uns dort zum Plaza de Mayo durchgeschlagen und uns bei der Gelegenheit den roten Präsidentenpalast angeschaut. Auf dem Platz fand zur gleichen Zeit eine Demonstration statt. Wir konnten allerdings nicht genau ausmachen wofür oder wogegen die Demonstration gerichtet war. Von dort sind wir dann weiter nach Microcentro, dem Börsen- und Geschäftszentrum von Buenos Aires gelaufen. Dort herrschte reger Betrieb, und auf den Gehsteigen ging es nur sehr schleppend voran. In einem Kaffee haben wir das Treiben eine Weile lang beobachtet und sind dann mit dem Bus 111 in Richtung Palermo aufgebrochen.

Microcentro Buenos Aires

Öffentlicher Nahverkehr in Buenos Aires

Busfahren in BsAs ist eine sehr spezielle Angelegenheit und eine tolle Möglichkeit, die Stadt zu entdecken. Der Busfahrplan für die Hosentasche für Porteños oder jene die es werden wollenAls unwissender Tourist sollte man sich unbedingt den Busfahrplan Guia „T“ für die Hosentasche besorgen. Ein wertvolles Instrument für den Großstadtdschungel. Ohne diesen Plan ist es so gut wie unmöglich, gezielt durch BsAs zu fahren. Um ihn zu kaufen (4 Pesos), sollte man einfach an verschiedenen Zeitungsständen nachfragen, aber nicht jeder hat diesen im Angebot. Nun heißt es Haltestelle suchen. Hat man sie gefunden sollte man zusehen, dass man noch in den Bus kommt. Gerade am Nachmittag und Abend sind diese oft überfüllt. Manchmal kommen aber gleich mehrere Busse der selben Linie auf einmal. Das Ein- und Aussteigen gestaltet sich recht ruppig, und man sollte zusehen das man schnell zusteigt, da die Busfahrer – noch während Gäste ein- oder aussteigen – bereits wieder anfahren. So ist es keine Seltenheit, dass Fahrgäste brüllen, dass sie auch noch aus- bzw. einsteigen wollen.

Bus 111 Richtung Palermo Buenos Aires

Ist man eingestiegen, sagt man dem Fahrer entweder wohin man möchte, also die Station, oder für wieviel Pesos man fahren möchte. Der Preis richtet sich dann nach den gefahrenen Stationen. Für einen Pesos kann man bereits sehr weit fahren und Fahrpreise von mehr als 1 1/2 Pesos haben wir bisher nicht gesehen. Für den Automaten braucht man auf jeden Fall Münzen. Mit Scheinen sollte man erst gar nicht versuchen einzusteigen. Das ganze Bussystem funktioniert nur mit Münzen! Die Münzen schmeißt man dann einfach in den Automaten und erhält so sein Ticket.

Irgendwo in Palermo

Irgendwo in Palermo, wo es interessant aussah, sind wir dann ausgestiegen. Nach kurzem Kartencheck haben wir uns für die Erkundung von Palermo-Soho entschieden, das quasi bereits vor uns lag. Nach ein paar Straßen standen wir plötzlich in der wundersamen Welt von Palermo-Soho. Hier findet der Buenos Aires Style Ausdruck in einem ganzen Viertel. Hier gibt es so viele stylische Modeläden, Boutiquen, Cafes und Bars, Interior-Geschäfte und Galerien, dass man fast schon überfordert wird. Jedes Geschäft präsentiert sich auf seine ganz spezielle Art und Weise, und so kann man hier wahnsinnig viele schöne große und kleine Dinge entdecken. Man fühlt sich auf Anhieb wohl in diesem Quartier, das so ganz anders ist als die Viertel, die wir bisher gesehen haben. Hier scheint die Welt in Ordnung, und das Leben läuft in ruhigeren und leiseren Tönen ab. Jedenfalls kann man das für die Zeit tagsüber sagen. Eine nächtliche Erkundungstour steht allerdings noch aus.

Bilder aus Palermo-Soho:
Design-Shop in Palermo-Soho Buenos Aires

Schaufenster eines Klamottenladens in Palermo-Soho Buenos Aires

Cafe in Palermo-Soho Buenos Aires

Sommerschlussverkauf in einem Shop in Palermo-Soho Buenos Aires

Schaufensterfront Nike Shop in Palermo-Soho Buenos Aires

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