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Unverhofft kommt oft

Während wir gestern relativ bescheidenes Wetter hatten, strahlte die Sonne heute wieder von einem makellosen Himmel. Im TV wird seit einigen Tagen über die schlimme Dürre berichtet, unter der vor allem die Provinzen Buenos Aires, Sante Fe und Entre Rios leiden. Viele tausend Rinder sind dort bereits verendet, weil es seit Monaten keinen anständigen Regen mehr gab und die Weiden verödet sind. Des einen Freud, des anderen Leid. Ich hoffe, dass einiges vom gestrigen Regen auch in diesen angrenzenden Provinzen runterkam. Vielleicht ist das der Moment über den extrem hohen Fleischkonsum im Land nachzudenken. Braucht man denn wirklich so viele Rinder und müssen Steaks wirklich immer so riesig sein? Laut Süddeutscher Zeitung verzehren die Argentinier pro Jahr und Kopf dreimal soviel Fleisch wie die Deutschen, nämlich satte 154 Pfund. Wie auch immer…

Stadtansicht des argentinischen Rosarios mit Avenida Cordoba vom Monumento a la Bandera

Für uns war es heute an der Zeit zu packen und das Hostel zu räumen. Am späten Abend wollen wir zurück nach Buenos Aires fahren. Das mit dem Zug haben wir uns übrigens aus dem Kopf geschlagen, nachdem wir die Frau im Hostel befragt hatten. Sie meinte zwar, dass es Züge in die Hauptstadt gäbe, diese wären aber völlig unkalkulierbar. Die Fahrtzeiten würden aufgrund des miserablen Streckennetzes total variieren, und wir müssten uns auf Pannen entlang der Strecke einstellen. Eine Dauer zwischen fünf und acht Stunden sei deshalb nichts Ungewöhnliches. Das klang alles nicht sehr erbaulich, und wenn ich an die maroden Schienen denke, die ich bisher so gesehen habe, ist das äußerst plausibel. Dass man nicht viel öfter von Zugunglücken in Argentinien liest, ist eigentlich verwunderlich. Das mag aber zum größten Teil damit zusammenhängen, dass die Züge hier extrem langsam fahren (müssen). Deswegen benutzen wohl die meisten lieber gleich den Bus oder das Auto.

Die argentinische Stadt Rosario mit Río Paraná vom Monumento a la Bandera

So werden wohl auch wir den Bus nehmen, um ins gerade mal etwas mehr als 300 km entfernte Buenos Aires zu kommen. Das ist wesentlich bequemer, und es fahren soviele Busse, dass man nicht vorbuchen muss. Perfekt, dann können wir den ganzen Tag entspannt in Rosario verbringen. Wir ließen erstmal unsere Sachen im Hostel und zogen in Richtung Monumento a la Bandera. Auf dem Turm des Wahrzeichens der Stadt befindet sich eine Aussichtsplattform, von der man einen guten Rundumblick auf Rosario hat. Vorher haben wir dem Flaggenmuseum einen kurzen Besuch abgestattet. Erwartungsgemäß ist das Museum etwas dröge, aber die zahlreichen Wettbewerbsmodelle für den Bau des Denkmals waren ganz interessant. Die tolle Aussicht vom Turm des Denkmals ist den Besuch allemal wert, und so ließen wir uns da oben den Wind um die Ohren pfeifen. Nachdem wir davon genug hatten, sind wir im Stadtzentrum in ein Café gegangen bevor wir letztlich unsere Sachen im Hostel abholten. Die Jungs aus Brasilien hatten noch eine Nachricht für uns hinterlassen. Wir sollen uns auf jeden Fall melden, wenn wir mal in Brasilien unterwegs sind. Das machen wir doch glatt!

Die argentinische Stadt Rosario von oben mit Río Paraná vom Monumento a la Bandera

Balneario La Florída

Wir überlegten, was wir weiter mit diesem jungen Tag anstellen sollten, und fanden, dass wir den Stränden am anderen Ende der Stadt unbedingt einen Besuch abstatten müssten. Auch wenn sie uns bisher von niemandem ernsthaft empfohlen worden sind, muss es doch einen Grund dafür geben, warum diese Strände so beliebt sind. Der Weg dorthin führte uns über das Busterminal. Bei der Gelegenheit haben wir gleich einen Teil unseres Gepäcks dort deponiert. Wir hatten in Erfahrung gebracht, dass der Bus der schwarzen Linie 102 ganz in die Nähe der „La Florída“-Strände fährt. Und so warteten wir ziemlich lange und hielten Ausschau nach einem Bus mit etwas Schwarzem. Es kamen etliche Busse der Linie 102, aber was war eigentlich genau mit schwarz gemeint? Die Busse waren alles andere als schwarz. Wir waren scheinbar nicht die einzigen, die keinen Durchblick hatten, und wurden sogar von einer Argentinierin angesprochen, ob wir wüssten, welcher Bus denn nun zu den Stränden fährt. Wir wussten auch nur das, was uns erzählt worden war. Irgendwann dämmerte es uns, was genau gemeint war. Aber erst nachdem wir in eine „falsche“ 102 gestiegen sind und den Busfahrer gefragt haben. Auf die Banderole kommt es an, diese muss schwarz auf weiß sein! Dieser kleine aber feine Unterschied war uns bisher nicht aufgefallen. Also wieder raus und weiter warten. Inzwischen sprach uns schon die nächste Argentinierin an. Wie sich rausstellte fuhr die schwarze Linie nicht so häufig wie all die anderen 102er. Als der richtige Bus dann endlich kam, sind wir 25 Minuten mitgefahren und liefen die letzten paar Blocks bis zur Strandpromenade zu Fuß.

Balneario "La Florída" in Rosario Argentinien

Wir hatten uns eigentlich mental auf übervolle Strände a la Rimini eingestellt, aber es war nicht annähernd so schlimm. An den Stränden tummelten sich zwar deutlich mehr Menschen als auf den Inseln im Río Paraná, doch im großen Ganzen war es ziemlich ok. Irgendwie gefielen uns die Strände und das ganze Drumherum aber trotzdem nicht. Es gab auch nirgends ein schattiges Plätzchen. Dafür umso mehr Gastronomie. Toll fanden wir jedoch diese einladenden Parrilla-Imbisse, die sich direkt auf der Promenade aneinander reihten, ähnlich wie an der Costanera Sur in Buenos Aires. Auf der Suche nach einem besseren Strandabschnitt liefen wir noch eine Weile weiter und stießen schließlich auf den eigentlichen Balneario „La Florída“. Dieser ist eingezäunt und ein Eintritt von 5 Peso wird fällig. Das sind also die berühmten „La Florída“-Beaches von Rosario. Wofür diese nun genau berühmt sind, bleibt uns ein Rätsel.

Hitch-hiking auf argentinisch

Die rauchenden Grills hatten uns inzwischen so hungrig gemacht, dass wir ein Steak-Sandwich essen wollten. Wir gingen zu dem Stand, der uns am besten gefiel, und bestellten. Dabei kamen wir mit einheimischen Handwerkern ins Gespräch, die dort saßen. Nach dem typischen Smalltalk versuchten wir rauszufinden, ob es von hier eine Möglichkeit gibt, direkt mit dem Bus zum „La Fluvial“ zu kommen. Wir wollten nämlich, nachdem wir die Strände hier für uninteressant befunden hatten, erneut auf die Insel im Río Paraná. Die Strände dort sind wirklich viel schöner! Mit einem erneuten Umweg über das Busterminal würden wir aber zu viel Zeit verlieren. Leider kannten sie sich mit den Bussen auch nicht genauer aus, aber wir wurden ohne mit der Wimper zu zucken eingeladen, in ihrem Auto mitzufahren. Cool, dachten wir. Die beiden Typen sahen ziemlich vertrauenswürdig aus und wir nahmen ihr Angebot dankend an. Wie herrlich unkompliziert es hier zugeht! Nachdem die beiden gewartet hatten, bis wir fertig mit Essen waren, stiegen wir alle in den kleinen VW-Transporter: Der eine ans Steuer, der andere auf den Beifahrersitz und wir in den vollen Laderaum zwischen die ganzen Werkzeuge und Materialien. In Deutschland wäre diese Art der Personenbeförderung verboten, aber hier interessiert das niemand. Man sieht oft Leute auf Ladeflächen mitfahren. Wir freuten uns über diese zeitsparende Mitfahrgelegenheit und hielten uns gut fest. Direkt vor dem Fährterminal wurden wir abgesetzt.

Kiter und Drachen auf dem Inselstrand im Río Paraná in Rosario Argentinien

Las Islas im Río Paraná mit Kite-Surfern in Rosario, Argentinien

Nun noch schnell ein Ticket für die nächste Fähre kaufen, die zu unserem Glück, bereits in drei Minuten ablegte. So hatten wir uns in kürzester Zeit und auf ziemlich abenteuerliche Weise von einem Ende der Stadt ans andere bewegt. Im Boot wartete dann die nächste Überraschung. Es war voll mit den Leuten, die wir aus dem Hostel kannten. Und so fuhren wir ziemlich multikulturell (mit Briten, Amerikanern, Argentinierinnen und Brasilianern) auf die andere Seite des Río Paraná. Dort angekommen trennten sich unsere Wege wieder, da wir die Insel erkunden wollten. Nach Baden war uns nämlich nicht mehr. Es wehte ein ziemlich starker Wind und dieser trieb einen kloakigen Geruch über die Insel. Vielleicht von einem Klärwerk. Lecker roch es jedenfalls nicht.

Rasenmähen und Strandpflege auf der Insel im Río Paraná in Rosario, Argentinien

So liefen wir die schönen Strände einen nach dem anderen ab und beobachteten eine ganze Weile Kite-Surfer. Die hatten heute ideale Bedingungen für ihren Sport. Dazwischen Leute, die die Strände pflegten und Seegras mähten, mit einem Rasenmäher. Skurril! Wir waren derweil auf der anderen Seite der Insel, der Leeseite, angekommen. Dort war es ziemlich einsam und die wenigen Strände waren verlassen. Wir hatten die Insel fast umrundet, als wir von einem Hund gestoppt wurden. Dieser warnte uns von weitem, ihm lieber nicht zu nahe zu kommen. Vielleicht hätte man es riskieren können, denn Hunde, die bellen, beißen bekanntlich nicht. Wir wollten unser Glück heute aber nicht überstrapazieren. Also ab durch die Mitte, zurück zur anderen Seite. Es war auch nur noch knapp eine Stunde, bis das letzte Boot fahren würde. Am Anleger trafen wir wieder auf unsere Hostelfreunde und die Fähre brachte uns zurück in die Stadt.

Beflaggte Strände auf der Insel im Río Paraná in Rosario, Argentinien

Wir verabschiedeten uns und gingen los, um Besorgungen für die Busfahrt zu machen. Dabei gaben wir auch die erste und einzige Pfandflasche wieder ab, die uns in Argentinien bisher begegnet ist. Als wir sie gestern gekauft hatten, wurden wir extra dreimal darauf hingewiesen, dass die Kassiererin dafür Pfand berechnen müsse: Retorno! 4 Peso auf eine PET-Flasche, also fast ein Euro. Wir nahmen sie trotzdem mit, denn die anderen Flaschen waren nicht gekühlt. Mit einem Pfandsystem rechnet hier doch niemand. Ausgerüstet mit all den Einkäufen begegneten wir abermals den Leuten aus dem Hostel. Die konnten nicht glauben, dass wir uns immer noch in Rosario rumtrieben. Wir verabschiedeten uns noch einmal, diesmal endgültig. Vielleicht würde man sich ja in Buenos Aires wieder sehen. Gegen halb 10 Uhr, später als geplant, waren wir am Busterminal. Wie versprochen, gab es auch zu dieser Zeit noch reichlich Busverbindungen in die Capital Federal. Bereits bei der vierten oder fünften Busgesellschaft, bei der wir nachgefragt hatten, gab es noch frei Plätze für einen Bus, der eine Stunde später abfahren sollte.

Strandidylle auf den Inseln im Río Paraná in Rosario, Argentinien

Coming home…

Nachts, kurz nach halb drei, kamen wir in Retiro an. Gekonnt, wie 2 Porteños, die den ganzen Tag nichts anderes machen, hielten wir den Colectivo der Linie 130 an, der gerade an einer Ampel auf der Avenida del Libertador stand. Glück gehabt, denn genau den brauchten wir! Wir freuten uns auf unsere Wohnung und das Bett. Es fühlte sich an, als würden wir nach Hause kommen…

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Die Stadt der Jogger

Der Bus schwankte und schaukelte sich mit mächtig viel Schwung durch die noch junge Nacht. Ich versuchte zu schlafen, aber es gelang mir nicht. Mir erschien es, als würde der Bus wie ein Pferd von Bodenwelle zu Bodenwelle springen. Das Schütteln war zeitweise so heftig, dass man den Halt verlor und kurze Momente in Schwerelosigkeit erlebte. Jeder Straßenkrater riss einen erneut aus dem Schlaf und so war der Weg ins Land der Träume noch holpriger als die Straße. Irgendwann berührte mich etwas am Oberarm. Schlaftrunken ignorierte ich das Zeichen. Wieder berührte mich etwas, diesmal mit mehr Nachdruck. Das kann ich unmöglich träumen. Ich klappte die Schlafmaske hoch und sah einen Argentinier, der höflich um seinen Platz bat. Der Bus war inzwischen bis zum letzten Platz gefüllt und ich musste auf meinen Sitz zurück. Wir hatten uns auf mehreren Plätzen breit gemacht und so musste ich zusätzlich noch ein paar Sachen von den benachbarten Sitzen zusammenkramen. Rasch schlief ich aber wieder ein. Plötzlich knallte etwas zu Boden und riss mich erneut, trotz gut verplombter Ohren, aus dem Schlaf. Im Bus war es stockdunkel und nur die Schattenrisse der Passagiere waren zu erkennen. Ich sah wie ein Mann einen schwarzen Gegenstand vom Boden aufhob. Instinktiv griff ich in meine Hosentasche, um zu prüfen, ob mir die Kamera rausgefallen war. Noch bevor ich mich davon überzeugt hatte, dass alles an seinem Platz war, hatte der Mann den Besitzer des Objekts schon ausfindig gemacht und aufgeweckt. So erhielt dieser sein Handy zurück und wir konnten alle wieder schlafen. Gut dachte ich mir, hier kommt nichts weg…

Strasenkreuzung an der Calle San Lorenzo in Rosario im Stadtteil Centro

Quirliges Rosario

Gegen 9 Uhr morgens erwachte ich erstaunlicherweise gut erholt. Der Bus war inzwischen wieder leer und ich fragte mich, ob ich die Geschehnisse der letzten Nacht nur geträumt hatte. Wir waren bereits im äußeren Bereich des Ballungsraums Rosario. Der Verkehr war wesentlich dichter und die Bebauung links und rechts der Straße wurde mit jedem Kilometer urbaner. Dann ging alles recht schnell und pünktlich um 10 Uhr standen wir schließlich auf dem Terminal de Omnibusses in Rosario. Obwohl es bis zum Hostel noch recht weit sein würde, entschieden wir uns zu Fuß zu gehen. Dies war die beste Möglichkeit einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen. Irgendwie hatte ich mir Rosario wesentlich kleiner und provinzieller vorgestellt. Aber auf den Straßen ging es ähnlich zu wie in Buenos Aires. Mit einer Million Einwohnern ist Rosario auch nicht grade klein. Die Quirligkeit hat mich trotzdem überrascht. Nach einigen Blocks entlang der Avenida Santa Fe kamen wir an der Medizinischen Fakultät der Universität Rosario vorbei. Viel war dort allerdings nicht los, denn momentan sind Semesterferien. Die umliegenden Seitenstraßen machen einen gemütlichen Eindruck und sind voll von kleinen Cafés, Copy-Shops und sonstigen Läden, die Studenten so brauchen. Noch ein paar Blocks weiter und wir ließen uns in einem der Straßencafés nieder und bestellten, oh Wunder, ein typisch argentinisches Frühstück: Cafe con Leche und Medialunas. Das alles sollte zusammen dann auch nur 8 Peso kosten und markierte damit das günstigste Frühstück, das wir in Argentinien bisher hatten.

Alte Häuser in der Calle San Lorenzo in Rosario im Stadtzentrum

Gegen halb 12 Uhr kamen wir im Hostel, „La Casona de Don Jaime 2“, an und haben eingecheckt. Die Unterkunft hatten wir tags zuvor im Internet reserviert. Da unser Zimmer gerade noch geputzt wurde, versorgte uns die junge Frau vom Counter in der Zwischenzeit mit nützlichen Informationen über die Stadt. Etwas ungewöhnlich war, dass wir hier das Zimmer bereits im Vorraus bezahlen mussten, natürlich bar. Naja, nachdem wir das alles geklärt hatten, sind wir gleich mit Badesachen zum Fährableger, „La Fluvial„, gelaufen. Durch die schöne Altstadt von Rosario kamen wir direkt zum Monumento Nacional a la Bandera. Das erst 1957 erbaute Denkmal zur Ehrung der argentinischen Staatsflagge steht unweit der Küstenlinie des Flusses Paraná. Am Fluvial haben wir uns Tickets für die Überfahrt zu den Inseln gekauft. Dort soll es die schöneren Strände von Rosario geben. Von den wesentlich populäreren „La Florída“-Stränden hatte uns die Perle vom Hostel eher abgeraten.

Denkmal für die Nationalflagge Argentiniens in Rosario

Vom Fluvial fahren vier verschiedene Fährschiffe zu vier verschiedenen Inselstränden. Jedes hat seinen eigenen Anleger, die „Muelle“, und bringt einen an einen anderen Strand. Der Río Paraná ist ein ziemlich mächtiger Fluss. Die Inseln lagen ganz schön weit weg vom Ufer und dahinter geht der Strom ja noch weiter. Wo die Strände genau liegen, zu denen die verschiedenen Boote fahren, war uns völlig unklar. Also nahmen wir einfach das nächstbeste Boot, das kam. Später haben wir uns darüber gewundert, was für ein Aufriss um die verschiedenen Fährlinien gemacht wird. Es ist nämlich ganz egal ist, welches Boot man nimmt, da die Strände direkt nebeneinander liegen.

Balneario Waikiki auf der Insel im Río Parana vor Rosario in Argentinien

Auf der Insel erwarteten uns dann tatsächlich sehr schöne Sandstrände, die alle samt nicht besonders voll waren. Wir fanden einen schattenspenden Baum, unter dem wir es uns gemütlich machen konnten ohne der prallen Sonne ausgeliefert zu sein, in der sich die Einheimischen aalten. Der Wind trug mal mehr, mal weniger die Musik vom Nachbarstrand zu uns herüber und wir konnten kaum glauben, was da gespielt wurde. Die Musik der Münchner Freiheit sei Beispiel genug, um unser Erstaunen auszudrücken. Wir lasen gemeinsam in dem Buch WIR von Jewgeni Samjatin. Danach haben wir das Baden im Río Paraná ausprobiert. Einen richtig sauberen Eindruck macht er ja nicht, der Paraná. Das braune Sediment störte uns dabei weniger, als das Wissen darum, was so alles in diesen Fluss eingeleitet wird. Soweit oberhalb vom Delta bei Tigre sollte es aber gehen, mit dem Baden. Der Untergrund ist sandig und irgendwie rutschig, fast glitschig. Das Ufer ist sehr flach und auch hier galt, wer richtig nass werden will, muss sich hinlegen. Viele der Einheimischen sind gleich mit Klappstuhl angereist und sitzen stundenlang samt Stuhl im wannenwarmen Wasser. Dazwischen ankern kleine Motorboote. Eine ziemliche Idylle und das Baden ist auch ganz ok.

Fußball spielen am Balneario Waikiki auf der Insel im Río Paraná vor Rosario in Argentinien

Abends hatten wir in einem der Strandrestaurants, einem Parador, eine kleine Picada, da uns der Hunger gepackt hatte. Gesättigt machten wir uns auf den Weg zum Anleger. Um acht fuhren wir mit dem letzten, erwartungsgemäß vollbesetzten Boot zurück in die Stadt. In der Mitte des Bootes stapelten sich die mitgebrachten Sonnenstühle der Rosarinos. Ein herrlich skurriles Bild.

Volkssport Jogging

Zurück an Land machten wir uns auf den Weg zum Hostel, diesmal entlang der Küstenstraße, der Rambla Catalunya. Entweder waren wir zur falschen Zeit hier, oder das ist einfach nicht der Ort, um abends spazieren zu gehen. Es kam uns vor, als wären wir mitten in eine Art Volkslauf oder Marathon geraten. Ständig kamen aus allen Richtungen Horden von Joggern auf uns zu gerannt. Auf den Wiesen seitlich der Rambla gab es sogar noch mehr davon. In Gruppen oder einzeln machten die Läufer hier Dehnübungen oder waren anderweitig aktiv. Rosario ist die Stadt der Jogger. Eine Prise Lifestyle darf dabei natürlich auch nicht fehlen.

Ein Boot ankert auf der Insel im Río Paraná vor Rosario in Argentinien

Für das Abendessen hatten wir uns Zutaten für einen Salat besorgt, den wir in der Hostelküche zubereiteten. Dort war ordentlich Betrieb und es war außerdem viel zu warm und zu laut zum Essen, darum haben wir uns in den Innenhof zurückgezogen, wo außer uns nur noch zwei Kanadierinnen aus Vancouver saßen. Die beiden waren frisch aus Uruguay angekommen und standen erst am Beginn ihre Südamerikareise. Sie erzählten von ihren Plänen und wir hatten nicht den Eindruck, dass sie zu der Gruppe der „Destination-Hopper“ gehören, die in kürzester Zeit soviele Reiseziele wie möglich abhaken wollen. Da sich die eine etwas kränklich fühlte, zogen sie sich bald zurück und machten zwei Brasilianern Platz.

Reggaetón Argentino

Auch mit den beiden, Erick und André, kamen wir sofort ins Gespräch. Nach dem üblichen Smalltalk erzählten sie uns ein bisschen mehr über ihr Land und machten uns sehr neugierig auf Brasilien. Von Deutschland hatten sie bisher nur kitschige Stereotype im Kopf: Gutes Bier, in tausend Sorten, blonde Frauen, schnelle Autos und schlechtes Wetter. Und nein, in Deutschland trinkt man das Bier nicht lauwarm. Letzte Nacht waren die Jungs mit einer argentinischen Bekannten in einen Club in Rosario unterwegs. Sie waren total begeistert vom Reggaetón, der dort gespielt wurde und in Argentinien total angesagt ist. Wie mischt man denn Reggae, Merengue, Hip-Hop und Dancehall so zusammen, dass man dazu in einem Club tanzen kann? Klang echt spannend, was sie berichteten. Erick und André klärten uns außerdem über die deutlichen Unterscheide der Musikszenen beider Nachbarländer auf. Während die Musik in Brasilien viel internationaler ausgerichtet ist, hört man in Argentinien fast ausschließlich Einheimisches oder andere spanischsprachige Künstler. Wir erfuhren noch eine ganze Menge über die brasilianische Art zu leben und haben uns einige Zeit später verabschiedet. Der Abend mit den beiden hat uns viel Spaß gemacht.

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In den Fluten des Río Iguazú

Unser letzter Tag in Puerto Iguazú war angebrochen. Also mussten wir unsere sieben Sachen packen und freuten uns, dass wir nur das Nötigste dabei hatten. So ging alles ziemlich stressfrei. Danach haben wir in aller Ruhe gefrühstückt und anschließend ausgecheckt. Am Busterminal wollten wir uns Tickets für den späten Abend nach Rosario besorgen. Wir hatten geplant, so spät wie möglich zu fahren, sodass wir noch den ganzen Tag im Nationalpark verbringen konnten. Es stellte sich jedoch heraus, dass der letzte Bus bereits um 17 Uhr abfahren würde. Keine der zahlreichen Busgesellschaften hatte eine spätere Abfahrt im Programm. Die Zeit reichte trotzdem für einen weiteren Abstecher in den Nationalpark. Da die meisten Busgesellschaft nur cash akzeptieren, mussten wir vorher noch der Bank einen Besuch abstatten. Unser letztes Bargeld hatten wir im Hostel gelassen und so brauchten wir vor dem Kauf der Tickets erneut efectivo. Hatten wir schon erwähnt, dass in Puerto Iguazú bargeldlos so gut wie gar nichts geht?

Blick in die Garganta del Diablo im Parque Nacional Iguazu in Argentinien

Blick auf den Salto Mbigua im Parque Nacional Iguazú in Misiones, Argentinien

An der Bank angekommen, hieß es dann erstmal anstehen und warten. Scheinbar heben die Argentinier gerne jeden Tag Geld ab oder sie lieben es einfach, in der Schlange zu stehen. Ich glaube hier trifft beides zu, denn viele hoben nur Kleinstbeträge ab. Außerdem haben wir jeden Tag, den wir an der Bank vorbei liefen, lange Schlangen vor den Geldautomaten gesehen. Die Argentinier sind sehr diszipliniert, wenn es darum geht, in einer Schlange anzustehen. Es wird nicht gemeckert, es wird nicht gedrängelt und es wird auch nicht gegängelt. So waren wir auch schon bald dran und konnten Geld ziehen. Zurück am Busterminal haben wir die Tickets nach Rosario gekauft und los ging es in den Parque Nacional Iguazú. Zuvor sind wir noch unser überflüssiges Gepäck in der Gepäckaufbewahrung losgeworden. Wir hatten alles so gepackt, dass wir nur mit einem Rucksack im Park unterwegs sein würden. Darin befanden sich unsere Badesachen und eine große Wasserflasche. Badesachen deshalb, weil heute die Badestelle auf der „Isla San Martín“ fest auf unserem Plan stand. Bei unserem ersten Besuch am Donnerstag war es, als wir im Park ankamen, dafür leider schon zu spät dafür. Also wollten wir es heute nochmal versuchen. Baden ist das, was wir bei den subtropischen Temperaturen hier besonders vermissten. Unser Hostel hatte leider keinen Pool und so war die kalte Dusche in den letzten drei Tagen unser bester Freund.

Kaltes klares Wasser: Parque Nacional Iguazú in Argentinien

Auf einen Bus in den Park mussten wir nicht lang warten und so waren wir bereits kurz vor 12 Uhr da. Es war ziemlich voll an der einzig geöffneten Kasse. Es scheint hier mehr Personal zum Kontrollieren und Abreißen der Karten als Kassierer bzw. Kassen zu geben. Das Verhältnis war 6:1. Besonders geschäftstüchtig sind die Argentinier wirklich nicht, aber das macht sie so unheimlich liebenswert und sympathisch. Wenn man erstmal in dem gemächlichen argentinischen Tempo angekommen ist, kann man sich über die Hektik und den Stress in Deutschland nur noch wundern und mit dem Kopf schütteln. Das Motto aus dem Dschungelbuch: „Probier´s mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit…„, scheint man hier wortwörtlich zu nehmen. Vielleicht hat sich aber auch Balu der Bär die Inspiration zu seinem Lied in Argentinien geholt. Wer weiß… 😉

Nasenbären auf dem Sendero Verde im Iguazú Nationalpark in Argentinien

Heute wollten wir keine Zeit mit der quälenden Schmalspurbahn verschwenden und sind zu Fuß das kurze Stück zum Paseo Inferior gelaufen. Das geht wesentlich schneller! So ziemlich am Anfang des Sendero Verde (Grüner Pfad) begegnete uns auch gleich eine ganze Nasenbärkolonie. Die putzigen Tierchen haben sich so sehr an den Menschen gewöhnt, dass sie einem sehr nahe kommen. Ihre natürliche Scheu haben sie komplett verloren, so konnten wir die neugierigen Tiere aus nächster Nähe beobachten. Wer hier allerdings wen beobachtet, ist die Frage. Die Nasenbären behielten die potentiellen Nahrungsspender die ganze Zeit im Auge. Einige Touristen konnten es trotz der Warnungen nicht lassen, die Tiere zu füttern. Diese strömten daraufhin rudelweise von überall her und schnappten in der Hoffnung auf mehr nach den Taschen der Touristen. Dummheit bleibt eben nicht lange ungesühnt. Wir zogen weiter und erfreuten uns am Spaziergang auf dem schattigen Dschungelpfad. Wir sahen zahlreiche Tiere und Pflanzen entlang des Weges und liefen vorbei an handtellergroßen Schmetterlingen, deren Schönheit nur von den Blüten, nach denen sie Ausschau hielten, übertroffen wurde. Ein faszinierendes Ökosystem!

Gelbe Blüte im Parque Nacional Iguazú in Argentinien

Schließlich kamen wir lange vor der Schmalspurbahn an dem „Bahnhof Cataratas“ an. Gleich dahinter beginnt der Paseo Inferior, der Trail, der uns ans Ufer des Río Iguazú und die Anlegestelle des Bootes zur Isla San Martín bringen würde. Von dort fährt ein Boot im 10-Minuten-Takt auf die Insel. Wir kamen viel langsamer voran als wir dachten, denn wir wurden wie die Tage zuvor von immer neuen und immer anderen Blickwinkeln auf die Wasserfälle aufgehalten. Die Iguazú-Fälle gehören garantiert zu den am häufigsten fotografierten Plätzen der Erde. Bei den Fotoperspektiven, die einem hier ständig geboten werden, mag das auch kaum verwundern. Über Stock und über Stein ging es letztlich abwärts zum Ufer des Flusses. Der Abstieg über Steintreppen und schmale Wanderpfade war beschwerlich und langwierig. Immer wieder kamen uns Touristen auf dem sehr engen Weg entgegen. Zwischendrin standen Menschen, die einfach Pause machten, sich ausruhten und die atemberaubende Natur bestaunten. Endlich erreichten wir den Bootsanleger. Die geniale Idee mit der Badestelle auf der Isla San Martín hatten außer uns noch viele andere Besucher. So hieß es erneut: Join the queue!

Warten auf die Überfahrt zur Isla San Martín im Iguazú Nationalpark in Argentinien

Nachdem wir uns in die Schlange eingereiht hatten, ging es nur schleppend vorwärts. Es war unglaublich heiß und ausgerechnet hier gab es keinen einzigen Baum oder Strauch, der Schatten spenden konnte. In der prallen Sonne standen wir auf den Stufen hinab zum Anleger und warteten, warteten und warteten. Uns lief das Wasser aus allen Poren und zum ersten Mal in der ganzen Zeit war uns die Hitze zu viel. Das Boot zur Insel nahm zu jeder Überfahrt genau 18 Personen mit und keine mehr. Nach mehr als 30 Minuten war es dann endlich soweit. Viel länger hätten wir es in dieser Hitze auch nicht mehr ausgehalten. Nach der kurzen Überfahrt (die übrigens im Eintrittspreis enthalten ist) sind wir sofort im Río Iguazú baden gegangen. Die Abkühlung war bitter nötig! Das Wasser war sauber und erfrischend, man konnte aber nur knietief hinein. Wenn man überall nass werden wollte, dann musste man sich hinlegen. Das Ufer des Flusses ist sehr steinig und die Strömung heftig. Das erklärt die geringe Tiefe, die fürs Baden freigegeben ist. Und so lagen wir in großartiger Kulisse eine ganze Weile zusammen mit anderen Touristen bis zum Hals im Wasser. Ein wirklich tolles Erlebnis, so umzingelt von Wasserfällen zu baden!

Badestelle auf der Isla San Martín im Parque Nacional Iguazú in Argentinien

Isla San Martin mit Blick auf den gleichnamigen Wasserfall im Iguazú Nationalpark in Argentinien

Baden ist aber längst nicht alles, was man auf dem kleinen Eiland machen kann. Auch hier kann man entlang eines Wanderpfades die Aussicht auf die Fälle vertiefen und die Natur erkunden. Um uns vor der Hitze zu schützen, haben wir unsere T-Shirts wieder angezogen und sind nochmals mit Klamotten ins Wasser gegangen. Die Verdunstungskühle beim Trocknen der Sachen sollte uns helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Um den Pfad auf dem Plateau der Insel zu erreichen, hieß es wieder Treppen steigen. Oben angelangt wurden wir sogleich von Leguanen und bunten Vögeln begrüßt. Der Pfad führte uns einmal um die gesamte Insel und schließlich zu einer Aussichtsplattform mit fantastischem Blick auf den Salto San Martín. Der Geräuschpegel ist hier immens. Die Ausflugsboote, die bis ganz an den Fuß des Wasserfalls heranfahren, sehen von oben aus wie kleine Nussschalen, die scheinbar willenlos in den tosenden Fluten tanzen. Wenn man sich vorstellt, dass es bis weit in die 1930er Jahre möglich war, das Spektakel auch direkt von oben, von der Abbruchkante, zu erleben, wird einem ganz schummrig. Man konnte sich damals von einem Einheimischen bis an die Kante rudern lassen, um dann todesmutig in den Abgrund zu spucken. Dass das früher oder später schief gehen musste, war klar, und so sind diese lebensmüden Fahrten seither verboten.

Blick auf den Salto Escondido im Parque Nacional Iguazu in Argentinien

Isla San Martin im Iguazú Nationalpark in Argentinien

Auf dem Rückweg zum Anleger des Shuttle-Boots haben wir dann noch eine ganze Weile dem Spiel einer Tukan-Familie zugesehen. Die Natur ist wirklich unbeschreiblich schön, bunt und artenreich. Ich will nicht wissen, was nach Einbruch der Dunkelheit hier los ist. Langsam mussten wir uns aber losreißen. Spätestens bis 15 Uhr sollten wir den Park verlassen haben, um unseren Bus nach Rosario zu schaffen. Während wir auf das Boot warteten, haben wir uns nochmal die inzwischen abgetrockneten Klamotten nass gemacht. Angekommen auf der anderen Seite des Flussarmes hatten wir leider keine Zeit mehr für die Fototapeten links und rechts des Weges, sondern eilten direkt zum Ausgang.

Blick in den Schlund des Teufels im Parque Nacional Iguazú in Argentinien

An der Haltestelle vor dem Parkeingang stand dann zum Glück auch der Bus, der uns rechtzeitig nach Puerto Iguazú brachte. So hatten wir noch ausreichend Puffer bis zur Abfahrt nach Rosario. Den würden wir brauchen, um Essen und Trinken für die Fahrt zu kaufen. Auf den Service im Bus wollten wir uns lieber nicht verlassen, da wir nur normale Holzklasse gebucht hatten. Der Supermarkt am Busterminal hatte allerdings geschlossen. Verwöhnt durch die Öffnungszeiten in Baires haben wir mit derartigen Störungen gar nicht gerechnet. Naja es war Sonntag, was will man erwarten? Zum Glück würde der Minimercado in einer halben Stunde wieder öffnen. Ziemlich knapp zwar, aber verhungern will man ja auch nicht. Wir beschlossen also, dass einer die Last-Minute Einkäufe macht, während der andere schon mal das Gepäck auslöst. Am verwaisten Busterminal war auch tote Hose und man konnte quasi die Grillen zirpen hören. An der Gepäckaufbewahrung begrüßte mich dann zu allem Übel ein Zettel: „Bin gleich wieder da!“ ‒ Bin gleich wieder da? Das kann in Argentinien fast alles bedeuten: Bin nur kurz auf Klo oder komme morgen wieder. Also von fünf Minuten bis zu einer Ewigkeit ist alles drin. Mit einem Schlag war meine hitzebedingte Müdigkeit wie weggeblasen und ich überlegte mir, wie ich die Frau wohl ausfindig machen könnte. Wegen sowas den Bus zu verpassen, wäre echt blöd gewesen. Die ganze Aufregung war aber gar nicht nötig, denn nur kurze Zeit später kam die „junge Dame“ in argentinischer Ruhe um die Ecke geschlendert.

Rosario, wir kommen!

Punkt 17 Uhr saßen wir als erste und einzige völlig erledigt im Bus. Nur allmählich trudelten die anderen drei Fahrgäste ein und es ging los. Die drei Backpacker waren in puncto „argentinisches Tempo“ schon einen Schritt weiter als wir. Dieser Doppelstockbus war wesentlich angeranzter und längst nicht so bequem wie unser letzter, aber immer noch besser als alles was ich an Reisebussen aus Europa kenne. Der untergehenden Sonne entgegen, mit dem aufgehenden Mond hinter uns fuhren wir zurück nach Süden. Bei einem Halt an einer Mautstelle irgendwo in Misiones kamen wir in eine Polizeikontrolle. Nach einer sehr kurzen Inspektion unserer Pässe und Rucksäcke ging es auch schon weiter. Mittlerweile war es dunkel geworden, das Essen wurde uns in die Hand gedrückt und das Unterhaltungsprogramm begann. Das alles interessierte uns wenig, wir wollten lieber unsere Erinnerungen auf Papier festhalten. An unseren Plätzen war leider das Licht defekt und so haben wir uns einfach umgesetzt. Gegen 22 Uhr hielt der Bus in Posadas. Wir kauften uns ein paar Empanadas und stiegen wieder ein. Schließlich wurden wir müde und wollten uns schlafen legen. Wir klappten die Sitze nach hinten und mussten feststellen, dass uns das Kondensat der Klimaanlage ins Gesicht tropfte. Also sind wir zurück auf unsere ursprünglichen Plätze. Dort stank es aber inzwischen bestialisch nach Abgasen und es war unsicher, ob wir auf diesen Sitzen am nächsten Morgen auch tatsächlich wieder aufwachen würden. Am Ende haben wir in der Sitzreihe vor uns einen angemessenen Schlafplatz gefunden…

Mond über der Ruta 12 in Misiones in Argentinien

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Salz auf unseren Lippen

Wie bereits angekündigt, haben wir noch einen Tag in Punta del Este angehängt. Unsere Vermieterin hatte nichts dagegen und so stand einem weiteren Tag am Meer nichts im Weg. Aufgrund der Hitze sind wir erst am frühen Nachmittag aus dem Haus. Für heute hatten wir uns die weiter von Punta del Este entfernten Strände vorgenommen. Außerdem wollten wir die Casa Pueblo besichtigen.

Busfahrt nach Chihuahua

Nach einem Fußmarsch zu unserem Strandabschnitt an der Rambla Lorenzo Batlle Pacheco (Routa 10), haben wir die Linie 20 in Richtung Punta del Este genommen. Der Busfahrer erklärte uns, dass wir ein Kombinationsticket (Preise sind entfernungsabhängig.) brauchen würden. Wir müssten auf jeden Fall umsteigen, um zum Strand von Chihuahua zu gelangen. Kurz vor dem eigentlichen Busterminal, an einer Stelle wo viele andere Leute mit Kombinationstickets ausstiegen, sind wir einfach mit ausgestiegen. Eine Frau erklärte uns, dass wir von hier bis zum Terminal Maldonado fahren müssten, um von dort einen weiteren Bus zu nehmen. Kurz vorm Busterminal Maldonado gab uns die Frau einen Hinweis, dass wir jetzt umsteigen müssen. Am Terminal standen bereits einige Busse zur Abfahrt bereit, aber welcher fährt nun nach Chihuahua? Der mit der Nummer 100 sah gut aus. Auf dem stand “Piriápolis“ und ich wusste anhand der Karte, dass die Richtung schon mal stimmen musste. Also haben wir die Busfahrerin gefragt, sie bejahte unsere Frage und wir sind eingestiegen. Für diese Fahrt brauchten wir jedoch ein neues Ticket. Das Kombinationsticket ist mit einmal umsteigen abgefahren. Und dann ging es auch schon weiter. Wir saßen bei geöffnetem Fenster und beobachteten die Umgebung. Der warme Sommerwind blies uns dabei ins Gesicht.

Playa Chihuahua, Playa Solana del Mar und Playa Portezuelo

Kurz nach dem wir Punta Ballena passiert hatten, wurde auch schon die Haltestelle Chihuahua von der Busfahrerin ausgerufen. Die Playa Chihuahua liegt in unmittelbarer Nähe zum kleinen Flughafen von Punta del Este. Von dort kann man in 45 min, zum Beispiel mit Pluna, nach Buenos Aires fliegen. Jedenfalls sind wir dort ausgestiegen und eine recht lange Straße bis ans Meer gelaufen. Der Küstenabschnitt mit den Stränden Playa Chihuahua, Playa Solana del Mar und Playa Portezuelo liegt von Punta del Este aus gesehen in Richtung Montevideo und verläuft von Ost nach West. Er gilt als weniger gefährlich als die Strände auf der anderen Seite von Punta del Este, wo wir gestern waren. Die Brandung ist hier nicht so stark. Daher tummeln sich hier auch eher die Familien mit Kindern (Playa Solana del Mar, Playa Portezuelo). Wenn man mehr Ruhe sucht, sollte man eher weiter westwärts (Richtung Montevideo) laufen zur Playa Chihuahua.

Einsamer Strand Playa Chihuahua bei Punta del Este, Uruguay

Playa Solana del Mar bei Punta del Este in Uruguay

Da gibt es kilometerlange, einsame Strände, wo sich u.a. die FKK-Anhänger versammeln. Zunächst sind wir in diese Richtung gelaufen, zu den einsameren Stränden. An einer ruhigen Stelle haben wir dann ausgiebig gebadet und das erfrischende Meer genossen. Es war gerade Ebbe und der Atlantik gab eine kleine Sandbank frei, die regelmäßig von den Wellen überspült wurde. Auf dieser ließ es sich herrlich laufen. An einer Stelle hatte sich bereits ein kleiner See abgeteilt, der bei Hochwasser Verbindung zum Meer hat. Das Wasser stand darin und war unglaublich warm, wie in einer Badewanne. Hier sind wir dann umgekehrt. Wir wollten ja noch die Casa Pueblo sehen, die man ganz weit in der Ferne nur noch schemenhaft erahnen konnte. Und so liefen wir Kilometer um Kilometer zurück. Von der Playa Chihuahua vorbei an der Playa Solana del Mar bis zur Playa Portezuelo. Mit jedem Meter, den wir zurücklegten, wurden die Strände voller, lauter und wahnsinnig touristisch.

Familienstrand Playa Portezuelo bei Punta del Este in Uruguay

Je touristischer es wurde, umso dichter kam die Bebauung ans Wasser. Die Region um Punta del Este erlebt seit einigen Jahren einen exzessiven Bauboom und so wundert es kaum, dass viele luxuriöse Privathäuser direkt in den Dünen gebaut wurden und noch immer werden. Von hier aus konnten wir nicht am Strand weiterlaufen, da uns Felsklippen den Weg versperrten. So mussten wir irgendwie auf die Hauptstraße kommen. Auf dem Weg dorthin sprach uns eine Frau an, die bemerkt hatte, dass wir deutsch sprachen, und fragte, ob wir nach Punta del Este wollten. Als wir ihr erklärten, dass wir erst noch nach Punta Ballena wollten, um die Casa Pueblo anzuschauen, bot sie an, uns ein Stück in die Richtung mitzunehmen. Wir nahmen dankend an und stiegen in ihr blaues, Jeep-artiges Auto, das wahrscheinlich bei uns schon 1972 keinen TÜV mehr bekommen hätte. Ein herrliches Ding. Das einzige, was gut funktionierte, war der Anlasser. Einen Gang einzulegen, war dann schon ein mittelschwerer Kraftakt, was das Getriebe mit lautem Stöhnen quittierte. Das Auto war etwas schwach auf der Brust, es krächzte und röchelte, so dass wir es im Schneckentempo gerade so auf den Felsen schafften, an dessen Hang die Häuser von Punta Ballena gebaut sind. Der Geräuschpegel im Auto war so unglaublich laut, dass wir uns kaum unterhalten konnten. Sie erzählte uns, wie sehr sich die ganze Gegend hier in den letzten Jahren verändert hat. Wir erfuhren auch, dass sie 2 Jahre in Hamburg lebte. Dann fragte sie uns, ob wir schon in Rocha waren. Sie sagte, dass sie es dort viel natürlicher und nicht so zubetoniert und überlaufen findet und die Region ein echter Geheimtipp wäre. Rocha liegt von Punta del Este ca. 200 Kilometer entfernt in Richtung Brasilien an der Atlantikküste. An der Straße, die direkt zur Casa Pueblo führt, setzte sie uns schließlich ab und wir haben wir uns verabschiedet. Was für ein Glück wir hatten: Zu Fuß wäre dieser Marsch nicht nur lang und anstrengend gewesen, sondern auch ziemlich gefährlich, weil er direkt entlang einer vierspurigen Schnellstraße verläuft.

Casa Pueblo

An der Straße zur Casa Pueblo erwartete uns gleich die nächste Steigung, an deren höchstem Punkt wir mit einer wunderschönen Fernsicht auf Punta del Este belohnt wurden. Nach geschätzten anderthalb Kilometern zu Fuß erreichten wir dann endlich die Casa Pueblo.

Die Casa Pueblo an der Punta Ballena Nahe Punta del Este in Uruguay

Die Casa Pueblo an der Punta Ballena Nahe Punta del Este in Uruguay

Mittlerweile stand die Sonne schon ziemlich tief und tauchte das weiße Gebäude in ein zauberhaftes Licht. Die Casa Pueblo ist eigentlich ein Hotel. Sie wurde von dem uruguayischen Künstler Carlos Páez Vilaró erbaut. Die Architektur erinnert ein wenig an Gaudí. Es gibt in dem Gebäude außerdem eine Gallerie des Künstlers und eine kleine Bar. Beides kann man sich nach Entrichtung eines Obolus (5US$ oder 120 UY$) auch als Besucher anschauen. Die Gallerie war recht überschaubar. Man kann dort Werke des Künstlers erwerben und etwas über seine Beziehung zu Pablo Picasso erfahren, wenn man spanisch kann.

Gallerie Vilaró in der Casa Pueblo an der Punta Ballena nahe Punta del Este in Uruguay

In einem anderen Raum lief ein Film mit englischen Untertiteln über die besondere Architektur, sowie über das Leben und Schaffen von Carlos Páez Vilaró. Auf einer Terrasse standen viele Stühle in mehreren Reihen, die einzig und allein dem Zweck dienten den Sonnenuntergang zu zelebrieren. Wir haben jedoch nicht solange gewartet, sondern sind wieder zurück zur großen Straße gelaufen. Dort haben wir in der Nähe der Stelle, wo wir vorher raus gelassen wurden, auf den Bus nach Punta del Este gewartet. Außer uns wartete bereits ein argentinisches Pärchen, das auch nach Punta wollte. Die beiden baten uns, mit Ihnen zu winken, wenn der Bus kommt, da es sich nicht um eine offizielle Haltestelle handelte. Die Busse kann man in Uruguay grundsätzlich auf offener Strecke anhalten. Je mehr winken umso besser, denn dann ist die Chance mitgenommen zu werden um einiges größer. Es kann nämlich auch sein, dass der Busfahrer einfach vorbeifährt. Während wir auf den Bus warteten taucht die Sonne in einem atemberaubenden Tempo ins Meer. Der Sonnenuntergang war spektakulär und färbte die Umgebung orange, rot und violett. Der Bus kam, wir winkten, er hielt tatsächlich an und brachte uns nach Punta del Este.

Die Casa Pueblo an der Punta Ballena Nahe Punta del Este in Uruguay

Terrassen in der Casa Pueblo an der Punta Ballena nahe Punta del Este in Uruguay

Abendessen

Wir hatten Hunger und Durst, aber nur noch wenig Geld, also machten wir uns auf die Suche nach einem Geldautomaten (cajero automático). Die leidige Beschaffung von Geld beschäftigte uns jeden Tag. Wir haben das Gefühl, dass uns die Banken zum Sparen animieren wollen. Wir können einfach nicht mehr als 2500 uruguayische Pesos (ca. 75 EUR) auf einmal abheben, egal bei welcher Bank und an welchem Automaten. Scheinbar gibt es da ein Limit für internationale EC-Karten oder wir sind einfach zu dämlich. Nachdem wir wieder flüssig waren, sind wir essen gegangen. Der Magen knurrte, sodass eine Parrilla jetzt genau das Richtige war. Dafür sind wir in ein Restaurant gegangen, dass uns bereits Tage zuvor auf dem Nachhauseweg aufgefallen war: Oro y Taba. Wir waren die einzigen Gäste, die auf der Terrasse saßen. Einheimische essen scheinbar lieber drinnen. Einer der Kellner, der etwas englisch konnte, half uns bei der Auswahl des Essens. Als Entrada (Vorspeise) gab es eine spanische Käse-Wurst-Platte mit Oliven und jeweils einen Salat. Als Hauptgericht hatten wir einen Fleischspies (Bruschetta de Lomo) und ein kleines Steak (Petit Bife Angosto), von dem alleine schon zwei hätten satt werden können. Dann haben wir uns noch jeweils ein Dessert ausgesucht: Isla Flotante, ein Zuckerberg in einer Erdbeersauce, übergossen mit einer Karamellsauce.

Nachtisch Isla Flotante im Restaurant Oro y Taba in Punta del Este in Uruguay

Und Postre Oro y Taba, ein Erdbeersorbet auf Biskuit mit Schokoschicht darüber und richtig viel Sahne, dazu grüne Geleefrüchte). Allein das schon gefühlte 6000 Kalorien. Wir haben es auch grad so bis zur Hälfte geschafft. Inklusive einer Flasche uruguayischen Merlot, einer Flasche Wasser und des Trinkgelds waren wir dann unsere 2500 Pesos auch wieder los. Dafür haben wir sehr üppig gegessen und wurden exzellent bedient.

Postre Oro y Taba im Restaurant Oro y Taba in Punta del Este in Uruguay

Ausgehen

Die Nacht wollten wir schließlich mit einem Clubbesuch abrunden. Nach einer kurzen Stippvisite, um ein paar Sachen loszuwerden, sind wir wieder ins Zentrum von Punta del Este gefahren. Wir hatten uns vorsichtshalber zwei Clubs im Internet rausgesucht und auch vor Ort gefunden. Leider sind aber beide Clubs nur am Wochenende geöffnet, sodass wir gegen halb 5 auch ohne Clubbesuch todmüde ins Bett gefallen sind.

Morgen geht es nun weiter nach Montevideo.

Typisches Hochhaus im Zentrum von Punta del Este in Uruguay

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Sommer, Sonne, Strand… Sonnenbrand!

Das Wetter hat uns heute nicht im Stich gelassen. Kaum hatten wir die Vorhänge aufgerissen, strahlte uns ein fantastisch blauer Himmel mit kleinen Kumuluswolken an. Auf das Wetter ist hier stets verlass! Also nix wie rein in die kurzen Hosen und erstmal zum Frühstück. Es war grad halb 11 und so hatten wir noch Gelegenheit das amerikanische Frühstück auszuprobieren. Wie in Hostels üblich, gab es Filterkaffee, Toast, Butter, Marmelade und natürlich jede Menge Dulce de Leche. Wir saßen draußen auf der Terrasse und die Sonne blendete. Daran war wohl auch die Farbe unserer bescheidenen Unterkunft schuld.

Unsere Bed and Breakfast Unterkunft "San Diego" Punta del Este, Maldonado

Unsere Bed and Breakfast Unterkunft "San Diego" Punta del Este, Maldonado

Strandspaziergang

(Sonnen-)Licht ist ein unglaubliches Lebenselixier. Wir müssen da noch sehr aufpassen, da wir völlig blass sind und uns sonst schnell verbrennen. Also haben wir uns nach dem Frühstück erstmal ordentlich mit Sonnenmilch eingecremt und sind alsbald Richtung La Barra aufgebrochen, das liegt in der entgegengesetzten Richtung von wo wir gestern waren. Heute wollten wir uns dort mal umsehen und die Strände inspizieren. Wir sind zuerst zu unseren Strandabschnitt gelaufen (P-13), und von da an einfach entlang der Wasserlinie immer geradeaus in Richtung La Barra. Hier kann man kilometerweit laufen und die Strände nehmen und nehmen kein Ende. Das Beste daran ist, dass sie nicht so überfüllt sind wie z.B. in Rimini. Man findet überall Ecken wo man ziemlich ungestört und schön planschen kann.

Die Playa la Draga in Punta del Este in Uruguay

Der Wellengang ist hier generell ziemlich heftig. Jedes Jahr gibt es deswegen einige Tote. Manche Strandabschnitte waren zum Baden komplett gesperrt. Ansonsten legt man hier viel Wert auf Sicherheit. Alle paar hundert Meter gibt es so einen „Baywatch„-Turm, wo man sich dann gepflegt, wie in der gleichnamigen Serie, retten lassen kann. Hoffen wir, dass dies nicht nötig sein wird. Wind und Wellen eigenen sich also perfekt zum Surfen oder Kitesurfen, wenn man es kann oder lernen möchte. Surf- und Kiteschulen gibt es hier zuhauf.

Eine Surfschule am Playa la Draga in Punta del Este in Uruguay

Inzwischen hatten wir Strand P-37 erreicht und damit ein kleines Naturschutzgebiet (Arroyo Maldonado). Dort gab es keine Wellen und es wimmelte nur so von kleinen und großen Krebsen. Die kleinen Feiglinge sind aber sofort ins Wasser ausgebüxt, wenn man sich ihnen nähern wollte. Man glaubt ja nicht wie schnell die mit so vielen Beinen laufen können. So gelang es mir nicht, die schiere Masse einzufangen…

Arroyo Maldonado in La Barra, Uruguay

La Barra

Ab Strand P-40 kommt man nur schwimmend weiter oder man überquert einfach die Brücke „Leonel Viera“, die so schön geschwungen ist. Auf der anderen Seite beginnt „La Barra“. Hier sind besonders viele Klamottenläden, Bars und Clubs zu finden. Das Letztere ist eher was für nachts aber man kann auch tagsüber erahnen was sich dort wohl nach Einbruch der Dunkelheit so abspielt.

Eduardo Victor Haedo in La Barra Nahe Punta del Este in Uruguay

Hauptstrasse von La Barra in Uruguay

Die Playa de la Barra war dementsprechend auch voller als die anderen. Ich fand sie jedoch nicht so schön wie die letzten, die wir durchquert hatten (z.B. Playa la Draga). Die Strände wurden auch zusehends schroffer und felsiger. Auf einem der Felsen haben wir dann unser Mitgebrachtes gegessen. Wir sind noch bis zur Playa Montoya in Jose Ignacio gelaufen, dort war nochmal richtig Bambule, ein DJ sorgte für eine entspannte Atmosphäre am Partystrand. Dann war’s auch gut. Nicht das wir noch in Brasilien landen.

Die Playa de la Barra in Uruguay

So sind wir zurück und wollten einen von diesen Miniomnibussen nehmen. (Die heißen hier einfach nur Combis.) Dumm nur, dass wir an der falschen Haltestelle saßen und vergeblich auf einen Bus warteten. Eine Frau machte uns dann darauf aufmerksam, dass der Bus von einer anderen Stelle abfährt. Wenn man das nicht weiß, hätte man es wohl kaum herausgefunden. An der richtigen Haltestelle angekommen fuhr uns der erste Bus gleich vor der Nase weg. Das ist aber kein Problem, da die Busse in einer hohen Frequenz fahren. Der Bus fuhr direkt ins Zentrum von Punta del Este und noch weiter. Wir sind sitzengeblieben bis der Busfahrer „Punta Shopping“ rief, die Haltestelle an der wir ihm gesagt hatten, dass wir aussteigen wollten. Dort hatten wir unseren ersten Café con Leche mit Medialunas. Dann haben wir Geld geholt und ein paar Lebensmittel (Früchte und Zeugs) eingekauft.

Ab nach Hause

Zu Fuß sind wir dann im Sonnenuntergang nach Hause gelaufen. Trotz Sonnencreme (LSF 30) haben wir uns heute verbrannt aber nicht dramatisch. Ohne wäre das sicher viel heftiger gewesen. Wir überlegen, ob wir noch einen weiteren Tag bleiben. Es ist so herrlich entspannend hier. Einfach nur relaxen, die schöne Umgebung und das klare Meerwasser genießen. Die Küste ist wirklich traumhaft schön hier und die Leute unglaublich freundlich.

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Ankunft im Sommer

Nach einem ziemlich unspektakulären und leicht verspäteten Flug nach Madrid, hatten wir gerade Zeit genug, um die Terminals zu wechseln und noch etwas zu essen und zu trinken. Dann ging es auch schon um 1:05 Uhr weiter nach Montevideo. Der Flieger war vollbesetzt und irgendwie habe ich immer das Glück, in der Nähe von quengelnden Kleinkindern zu sitzen. Aber auf die Schwierigkeit im Flugzeug Schlaf zu finden, waren wir gut vorbereit. Bewaffnet mit Ohrstöpsel, Augenbinde und Nackenrolle konnte uns nicht viel schocken. So haben wir die meiste Zeit des Fluges geschlafen, soweit das eben in der Yankee-Klasse geht. Irgendwann bin ich mal wach gewesen und sah die Frau vom Mittelgang eine Reihe vor uns in der aufgehenden Sonne Yoga oder Tai-Chi machen. Sah irgendwie witzig aus.

Sonnenaufgang irgendwo über Brasilien

Nur wenig später gab es dann auch schon Frühstück und zwei Stunden später setzten wir zum Landeanflug an. Wir waren übrigens fast eineinhalb Stunden früher als geplant in Montevideo. Der Flughafen ist total klein und wirkt eher wie ein Militärflughafen aus den frühen 70ern. Ein neues, modernes Terminal ist aber bereits im Bau. Nachdem wir uns orientiert hatten beschlossen wir direkt nach Punta del Este zu fahren. In Montevideo wird sonntags nicht viel los sein und außerdem ist der Reiseablauf so wesentlich effizienter. Von Punta del Este könnten wir dann auf ein paar Nächte nach Montevideo, dann weiter nach Colonia und von dort direkt nach Buenos Aires, oder so. Vielleicht machen wir vorher auch noch einen Abstecher nach Salto. Dort soll es heiße Badequellen geben. Apropos heiß: Sonnencreme haben wir heute (noch) nicht gebraucht. Das Wetter hätte für den ersten Tag nicht besser sein können. Es war ziemlich bewölkt und recht kühl für den Hochsommer – immer noch 20 Grad – aber so wurde uns der „Wetterschock“ erspart. Außerdem blies ein ziemlich starker Wind vom Atlantik her.

Wir sind mit der Busgesellschaft COPSA gefahren und wie es scheint, war dies nicht der direkteste Weg. Für die knapp 140 km haben wir mehr als 2,5 Stunden gebraucht. Der Bus hielt unterwegs noch an etlichen kleinen Orten. Für Punta del Este haben wir erstmal zwei Tage geplant und werden sehen, wie sich das Wetter so entwickelt. Angeblich soll es morgen schon wieder viel wärmer werden.

Zimmersuche

Das Zimmer haben wir von der am Busterminal ansässigen Touristeninformation vermittelt bekommen. Die Anbieterin der Unterkunft hat uns dann sogar mit dem Auto abgeholt und zur Unterkunft gefahren. Das Haus liegt in einer gutbürgerlichen Wohngegend (Parque de Golf) mit üppigen Gärten und sehr gepflegten Grünflächen. Das Zimmer ist wirklich super, zwar recht klein aber mit TV, Internet und Telefon sowie eigenem Bad ausgestattet. Frühstück ist für 30 US$/Person auch dabei. Wir können sogar den großzügigen Pool im Garten benutzen, wenn wir wollen aber dafür müsste es erstmal wieder wärmer werden. Im Reiseführer stand, dass man im Hochsommer vor Anreise unbedingt ein Zimmer reservieren sollte. Man kann es aber auch so probieren. Zur Not fährt man eben zurück nach Montevideo. Aber man findet doch eigentlich immer noch irgendwas. In der Unterkunft haben wir uns erstmal ausgeruht und etwas Schlaf nachgeholt.

Picknick am Strand

Weil schlafen hungrig macht, sind wir danach in das Punta Shopping Center aufgebrochen. Hier hing überall noch die Weihnachtsdeko und voll war es, als ob es kurz vor Heiligabend wäre. Dort haben wir uns in einem riesigen Supermarkt mit Lebensmitteln eingedeckt. Dann haben wir beschlossen, am Strand zu picknicken. Dafür sind wir auf die windgeschützte Seite der Landzunge, auf der Punta del Este liegt, gegangen. Am Strand haben wir uns eine Dünne ausgesucht, wo wir bei herrlichen Lichtverhältnissen gespachtelt haben: Bocadillos con queso y jamon con aceitunas. Zum Abend kam sogar die untergehende Sonne wieder raus und es war einfach traumhaft am Strand.

Sonnenuntergang in Punta del Este

Kaum Menschen, das rauschende Meer und die frische, salzige Brise. Von weitem sieht Punta del Este wie eine total schlimme Bettenburg aus. Das ist die Stadt wahrscheinlich auch, aber sie hat durchaus ihren Reiz. Es ist alles sehr gepflegt und mondän. An vielen Stellen erinnert es mich auch an Ibiza Stadt. Im Hafenviertel und in La Barra gibt es unzählige Bars und Clubs und überall sind Menschen jeden Alters unterwegs. Es ist unerwartet entspannt hier, nachdem was man so gehört hat. Mal sehen, was man hier noch alles so entdecken kann…

Playa La Pastora in Punta del Este

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