Schlagwort-Archive: U-Bahn

Zeitzeugen

Am späten Nachmittag haben wir eine Fahrt mit der guten, alten U-Bahn der Linie A gemacht. Dieser Zug ist für mich ein Zeuge der alten Zeit. Sehr mondän muss es zugegangen sein im Buenos Aires Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Diese Linie war die erste U-Bahn auf dem südamerikanischen Kontinent. Eine Fahrt mit den Holzwagen, die noch ganz regulär fahren, gehört zum Pflichtprogramm in dieser Stadt. In Deutschland wäre ein Zug dieser Art heutzutage undenkbar. Die Türen lassen sich während der Fahrt öffnen und man kann den Kopf aus dem Fenster halten. Der TÜV würde hier wohl alle Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Alter U-Bahnwagen in der Subte Linea A in Buenos Aires

Wir sind an der Plaza de Mayo gestartet und bis zur Station Rio de Janeiro gefahren. Von dort wollten wir durch die Straßen zum Parque del Centenario laufen. Eigentlich hatten wir an dem Park gar kein Interesse. Wir waren aber grad mal in der Nähe und auf unserer BsAs Karte waren dort drei Sehenswürdigkeiten, u. a. ein Planetarium, eingezeichnet. Grund genug, da mal vorbei zu laufen. Dort angekommen empfing uns bereits laute Rockmusik und das erste, was wir sahen, war ein Skate- und BMX-Parcours. Auf einer Seite des Parcours waren Schlagzeug, Boxen und Verstärker aufgebaut. Der eigentliche Park lag dahinter und war wie üblich in BsAs umzäunt.

BMXer im Parque del Centenario in Caballito, Buenos Aires

Skateboarding im Parque del Centenario in Caballito, Buenos Aires

Hier aber scheint ein Treffpunkt für die alternative Szene zu sein. Auf den Mauern des Parcours saßen viele Jugendliche und schauten den Skatern beim Freestylen zu. Dazu wummerte Rockmusik aus den Boxen. An einigen Stellen lagen politische Plakate auf den Boden, die u.a. die Invasion Israels in Gaza verurteilten. Uns ist in Uruguay und Argentinien schon mehrfach aufgefallen, dass die israelische Gazapolitik zu heftigen Äußerungen auf Häusern, Plakaten und Bannern führt.

Rock im Parque del Centenario in Caballito, Buenos Aires

Im eigentlichen Parkgelände ging es zu wie an einen Sonntag im Volkspark Friedrichshain. Viele junge Menschen auf den Wiesen am faulenzen und sehen und gesehen werden. Der obligatorische Matetee darf natürlich nicht fehlen. Im Zentrum des Parks befindet sich ein kleiner, künstlich angelegter Teich, um den die Tauben ihre Runden zogen.

Taubenplage im Parque del Cntenario in Caballito, Buenos Aires

Alles machte einen sehr entspannten Eindruck. Die Menschen hier genossen das tolle Wetter und hatten Spaß mit der Familie oder Freunden. Nichts Besonderes, Alltag eben. Da wir das Planetarium noch nicht gefunden hatten, sind wir einfach weiter durch den Park gelaufen. Auf der anderen Seite fand mal wieder eine Feria statt. Diese Ferias sind ein echtes ein Phänomen. Man kann sie schon gar nicht mehr zählen. Diese hier machte eher den Eindruck eines ganz normalen Flohmarktes. Vergleichbar mit dem am Boxhagener Platz in Friedrichshain, wie er früher war. Keine erkennbaren kommerziellen Händler. Es gab fast nur altes, gebrauchtes Zeugs: Postkarten, Fotos und Alltagsgegenstände.

Sonntags im Parque del Centenario in Caballito, Buenos Aires

Dann standen wir plötzlich vor dem MACN, einem naturwissenschaftlichen Museum. Das Museum haben wir einfach mitgenommen, weil wir schon mal da waren. Das Interessanteste daran war auch schon das Gebäude. In der atemberaubenden Geschwindigkeit von 25 min haben wir uns alles angeschaut. Ungefähr 1000 tote Tiere, ausgestopft, skelettiert oder eingelegt. Es roch in dem Gebäude ziemlich nach Formaldehyd und Terrarium. Als wir wieder draußen waren, fanden wir dann auch das olle Planetarium. Es machte einen noch heruntergekommeneren Eindruck als das Museum, wer weiß aus welcher Zeit das stammt. Das interessante an dem Parque del Centenario ist ohnehin nicht das Planetarium oder das Museum, sondern der Eindruck, den man von den Anwohnern gewinnen kann. Wir haben noch eine ganze Weile unsere Gedanken schweifen lassen, nebenan spielte eine Gruppe Fußball und erzeugte auf dem trockenen Boden eine Staubwolke wie bei einem mittelschweren Hurrikan. Dann sind wir weiter.

Fussball im Parque del Centenario in Caballito, Buenos Aires

Unser nächstes Ziel war das Café Las Violetas an der U-Bahnstation Castro Barros. Unterwegs lernten wir das spanische Wort für obdachlos: sin techo. An einem stählernen Brückengeländer über eine Bahntrasse gab es unter dem Motto „Arte sin techoobdachlose Straßenkunst zu sehen. Das „Las Violetas“ ist eines dieser erhaltenswerten und per Gesetz geschützten Cafés (Café notable). Ein weiterer Zeitzeuge des Prunks von Buenos Aires aus einer längst vergangenen Epoche. Als wir dort nach relativ kurzem Fußmarsch ankamen, war es sehr, sehr voll. Der Doorman fand aber noch einen Platz für uns, von dem man das Geschehen im Café bestens im Blick hatte. Wir tranken Cappuccino Italiana (das „a“ ist übrigens kein Tippfehler, so steht’s auf der Karte) und aßen superleckeren Kuchen. Der Renner in dem Café ist aber so eine Art gemischte Platte, ultraviel Süßkram und dazwischen Herzhaftes.

Café Las Violetas in Buenos Aires

Es fällt einem immer wieder auf, dass man sich in manchen dieser Läden den Arsch abfriert und man dann ganz froh ist, wenn man wieder raus in die schwül-warme Stadt kann. Wir liefen noch entlang der Avenida Rivadavia bis zur Plaza Miserere und stiegen dort in die Subte Linea A.

Café Las Violetas in Buenos Aires

Top

Karfreitag in Buenos Aires

Nachdem wir heute Morgen die WaMa bestückt hatten sind wir erstmal frühstücken gegangen. Ganz argentinisch. Dazu gehört ein Kaffee (in unserem Fall Cappuccino Italiano) und Medialunas (wir hatten 5 davon). Medialunas sind kleine Croissant-Halbmonde. Die heute waren besonders gut, da sie so schön klietschig waren, und auch der Kaffee war eine Freude. Auch in BsAs war heute Karfreitag. Allerdings merkt man das kaum. Es war ein fast ganz normaler Tag.

In der Subte Buenos Aires an einem Karfreitag

Es läuft nur alles ein wenig ruhiger ab als sonst. Besonders merkt man das am Verkehr und an einigen geschlossenen Geschäften. Unser Supermarkt gleich hier um die Ecke hatte ganz normal geöffnet. Letztes Jahr zu Ostern in Madrid ging bereits ab Gründonnerstag nichts mehr. Die Stadt war wie ausgestorben und nur ein paar Touristen irrten durch die fast leere City, auf der Suche nach einem geöffnetem Restaurant oder ähnlichem. Hier ist das zum Glück nicht so. Wir waren ab Nachmittag ein wenig in der Gegend rund um die Av. Santa Fe und Cordoba unterwegs, und da hatten viele Geschäfte ganz normal offen. Von Ostern ist hier nicht so viel zu spüren. Eigentlich wollten wir heute in Palermo eine Grafitti-Ausstellung in einer Garage besuchen und danach das Quartier weiter erkunden. Palermo ist übrigens das größte Barrio der insgesamt 48 Stadtteile von BsAs. Bis wir das alles erkundet haben, wird wohl noch ein wenig Wasser den Puerto de la Plata herunterfließen.

Ein Unwetter zieht auf

Für heute hatte das Wetter allerdings andere Pläne für uns. Nachdem wir es uns in einem Restaurant in der Av. Las Heras gemütlich gemacht hatten, zog unbemerkt ein Unwetter auf. Wir haben das zuerst nur im Fernseher des Restaurants gesehen und uns nicht viel dabei gedacht. Das Fernsehprogramm wurde extra dafür unterbrochen. Doch bereits nach kurzer Zeit sahen wir auch schon die pechschwarzen Wolken über uns hereinbrechen. Das ging sehr schnell. Plötzlich kam starker, böiger Wind auf und nur wenig später goss es aus allen Kübeln. Zum Glück waren wir drinnen. Die Temperatur fiel schlagartig von 30 Grad auf 25 Grad und innerhalb einer Stunde sank sie weiter auf 19 Grad. Man konnte das Geschehen live im Fernsehen verfolgen. Der einfache Blick durch die Fensterscheibe des Cafés war allerdings realer (siehe unten). Der März ist der feuchteste Monat im Jahr, heißt es. Für den heutigen Tag können wir das bestätigen. Bis jetzt hat es noch nicht aufgehört zu regnen. Morgen wird die Sache wieder anders aussehen. Der Sommer bleibt uns also erhalten.

Heraufziehendes Unwetter Buenos Aires

Live Unwetter im argentinischem TV Buenos Aires

Top