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Unverhofft kommt oft

Während wir gestern relativ bescheidenes Wetter hatten, strahlte die Sonne heute wieder von einem makellosen Himmel. Im TV wird seit einigen Tagen über die schlimme Dürre berichtet, unter der vor allem die Provinzen Buenos Aires, Sante Fe und Entre Rios leiden. Viele tausend Rinder sind dort bereits verendet, weil es seit Monaten keinen anständigen Regen mehr gab und die Weiden verödet sind. Des einen Freud, des anderen Leid. Ich hoffe, dass einiges vom gestrigen Regen auch in diesen angrenzenden Provinzen runterkam. Vielleicht ist das der Moment über den extrem hohen Fleischkonsum im Land nachzudenken. Braucht man denn wirklich so viele Rinder und müssen Steaks wirklich immer so riesig sein? Laut Süddeutscher Zeitung verzehren die Argentinier pro Jahr und Kopf dreimal soviel Fleisch wie die Deutschen, nämlich satte 154 Pfund. Wie auch immer…

Stadtansicht des argentinischen Rosarios mit Avenida Cordoba vom Monumento a la Bandera

Für uns war es heute an der Zeit zu packen und das Hostel zu räumen. Am späten Abend wollen wir zurück nach Buenos Aires fahren. Das mit dem Zug haben wir uns übrigens aus dem Kopf geschlagen, nachdem wir die Frau im Hostel befragt hatten. Sie meinte zwar, dass es Züge in die Hauptstadt gäbe, diese wären aber völlig unkalkulierbar. Die Fahrtzeiten würden aufgrund des miserablen Streckennetzes total variieren, und wir müssten uns auf Pannen entlang der Strecke einstellen. Eine Dauer zwischen fünf und acht Stunden sei deshalb nichts Ungewöhnliches. Das klang alles nicht sehr erbaulich, und wenn ich an die maroden Schienen denke, die ich bisher so gesehen habe, ist das äußerst plausibel. Dass man nicht viel öfter von Zugunglücken in Argentinien liest, ist eigentlich verwunderlich. Das mag aber zum größten Teil damit zusammenhängen, dass die Züge hier extrem langsam fahren (müssen). Deswegen benutzen wohl die meisten lieber gleich den Bus oder das Auto.

Die argentinische Stadt Rosario mit Río Paraná vom Monumento a la Bandera

So werden wohl auch wir den Bus nehmen, um ins gerade mal etwas mehr als 300 km entfernte Buenos Aires zu kommen. Das ist wesentlich bequemer, und es fahren soviele Busse, dass man nicht vorbuchen muss. Perfekt, dann können wir den ganzen Tag entspannt in Rosario verbringen. Wir ließen erstmal unsere Sachen im Hostel und zogen in Richtung Monumento a la Bandera. Auf dem Turm des Wahrzeichens der Stadt befindet sich eine Aussichtsplattform, von der man einen guten Rundumblick auf Rosario hat. Vorher haben wir dem Flaggenmuseum einen kurzen Besuch abgestattet. Erwartungsgemäß ist das Museum etwas dröge, aber die zahlreichen Wettbewerbsmodelle für den Bau des Denkmals waren ganz interessant. Die tolle Aussicht vom Turm des Denkmals ist den Besuch allemal wert, und so ließen wir uns da oben den Wind um die Ohren pfeifen. Nachdem wir davon genug hatten, sind wir im Stadtzentrum in ein Café gegangen bevor wir letztlich unsere Sachen im Hostel abholten. Die Jungs aus Brasilien hatten noch eine Nachricht für uns hinterlassen. Wir sollen uns auf jeden Fall melden, wenn wir mal in Brasilien unterwegs sind. Das machen wir doch glatt!

Die argentinische Stadt Rosario von oben mit Río Paraná vom Monumento a la Bandera

Balneario La Florída

Wir überlegten, was wir weiter mit diesem jungen Tag anstellen sollten, und fanden, dass wir den Stränden am anderen Ende der Stadt unbedingt einen Besuch abstatten müssten. Auch wenn sie uns bisher von niemandem ernsthaft empfohlen worden sind, muss es doch einen Grund dafür geben, warum diese Strände so beliebt sind. Der Weg dorthin führte uns über das Busterminal. Bei der Gelegenheit haben wir gleich einen Teil unseres Gepäcks dort deponiert. Wir hatten in Erfahrung gebracht, dass der Bus der schwarzen Linie 102 ganz in die Nähe der „La Florída“-Strände fährt. Und so warteten wir ziemlich lange und hielten Ausschau nach einem Bus mit etwas Schwarzem. Es kamen etliche Busse der Linie 102, aber was war eigentlich genau mit schwarz gemeint? Die Busse waren alles andere als schwarz. Wir waren scheinbar nicht die einzigen, die keinen Durchblick hatten, und wurden sogar von einer Argentinierin angesprochen, ob wir wüssten, welcher Bus denn nun zu den Stränden fährt. Wir wussten auch nur das, was uns erzählt worden war. Irgendwann dämmerte es uns, was genau gemeint war. Aber erst nachdem wir in eine „falsche“ 102 gestiegen sind und den Busfahrer gefragt haben. Auf die Banderole kommt es an, diese muss schwarz auf weiß sein! Dieser kleine aber feine Unterschied war uns bisher nicht aufgefallen. Also wieder raus und weiter warten. Inzwischen sprach uns schon die nächste Argentinierin an. Wie sich rausstellte fuhr die schwarze Linie nicht so häufig wie all die anderen 102er. Als der richtige Bus dann endlich kam, sind wir 25 Minuten mitgefahren und liefen die letzten paar Blocks bis zur Strandpromenade zu Fuß.

Balneario "La Florída" in Rosario Argentinien

Wir hatten uns eigentlich mental auf übervolle Strände a la Rimini eingestellt, aber es war nicht annähernd so schlimm. An den Stränden tummelten sich zwar deutlich mehr Menschen als auf den Inseln im Río Paraná, doch im großen Ganzen war es ziemlich ok. Irgendwie gefielen uns die Strände und das ganze Drumherum aber trotzdem nicht. Es gab auch nirgends ein schattiges Plätzchen. Dafür umso mehr Gastronomie. Toll fanden wir jedoch diese einladenden Parrilla-Imbisse, die sich direkt auf der Promenade aneinander reihten, ähnlich wie an der Costanera Sur in Buenos Aires. Auf der Suche nach einem besseren Strandabschnitt liefen wir noch eine Weile weiter und stießen schließlich auf den eigentlichen Balneario „La Florída“. Dieser ist eingezäunt und ein Eintritt von 5 Peso wird fällig. Das sind also die berühmten „La Florída“-Beaches von Rosario. Wofür diese nun genau berühmt sind, bleibt uns ein Rätsel.

Hitch-hiking auf argentinisch

Die rauchenden Grills hatten uns inzwischen so hungrig gemacht, dass wir ein Steak-Sandwich essen wollten. Wir gingen zu dem Stand, der uns am besten gefiel, und bestellten. Dabei kamen wir mit einheimischen Handwerkern ins Gespräch, die dort saßen. Nach dem typischen Smalltalk versuchten wir rauszufinden, ob es von hier eine Möglichkeit gibt, direkt mit dem Bus zum „La Fluvial“ zu kommen. Wir wollten nämlich, nachdem wir die Strände hier für uninteressant befunden hatten, erneut auf die Insel im Río Paraná. Die Strände dort sind wirklich viel schöner! Mit einem erneuten Umweg über das Busterminal würden wir aber zu viel Zeit verlieren. Leider kannten sie sich mit den Bussen auch nicht genauer aus, aber wir wurden ohne mit der Wimper zu zucken eingeladen, in ihrem Auto mitzufahren. Cool, dachten wir. Die beiden Typen sahen ziemlich vertrauenswürdig aus und wir nahmen ihr Angebot dankend an. Wie herrlich unkompliziert es hier zugeht! Nachdem die beiden gewartet hatten, bis wir fertig mit Essen waren, stiegen wir alle in den kleinen VW-Transporter: Der eine ans Steuer, der andere auf den Beifahrersitz und wir in den vollen Laderaum zwischen die ganzen Werkzeuge und Materialien. In Deutschland wäre diese Art der Personenbeförderung verboten, aber hier interessiert das niemand. Man sieht oft Leute auf Ladeflächen mitfahren. Wir freuten uns über diese zeitsparende Mitfahrgelegenheit und hielten uns gut fest. Direkt vor dem Fährterminal wurden wir abgesetzt.

Kiter und Drachen auf dem Inselstrand im Río Paraná in Rosario Argentinien

Las Islas im Río Paraná mit Kite-Surfern in Rosario, Argentinien

Nun noch schnell ein Ticket für die nächste Fähre kaufen, die zu unserem Glück, bereits in drei Minuten ablegte. So hatten wir uns in kürzester Zeit und auf ziemlich abenteuerliche Weise von einem Ende der Stadt ans andere bewegt. Im Boot wartete dann die nächste Überraschung. Es war voll mit den Leuten, die wir aus dem Hostel kannten. Und so fuhren wir ziemlich multikulturell (mit Briten, Amerikanern, Argentinierinnen und Brasilianern) auf die andere Seite des Río Paraná. Dort angekommen trennten sich unsere Wege wieder, da wir die Insel erkunden wollten. Nach Baden war uns nämlich nicht mehr. Es wehte ein ziemlich starker Wind und dieser trieb einen kloakigen Geruch über die Insel. Vielleicht von einem Klärwerk. Lecker roch es jedenfalls nicht.

Rasenmähen und Strandpflege auf der Insel im Río Paraná in Rosario, Argentinien

So liefen wir die schönen Strände einen nach dem anderen ab und beobachteten eine ganze Weile Kite-Surfer. Die hatten heute ideale Bedingungen für ihren Sport. Dazwischen Leute, die die Strände pflegten und Seegras mähten, mit einem Rasenmäher. Skurril! Wir waren derweil auf der anderen Seite der Insel, der Leeseite, angekommen. Dort war es ziemlich einsam und die wenigen Strände waren verlassen. Wir hatten die Insel fast umrundet, als wir von einem Hund gestoppt wurden. Dieser warnte uns von weitem, ihm lieber nicht zu nahe zu kommen. Vielleicht hätte man es riskieren können, denn Hunde, die bellen, beißen bekanntlich nicht. Wir wollten unser Glück heute aber nicht überstrapazieren. Also ab durch die Mitte, zurück zur anderen Seite. Es war auch nur noch knapp eine Stunde, bis das letzte Boot fahren würde. Am Anleger trafen wir wieder auf unsere Hostelfreunde und die Fähre brachte uns zurück in die Stadt.

Beflaggte Strände auf der Insel im Río Paraná in Rosario, Argentinien

Wir verabschiedeten uns und gingen los, um Besorgungen für die Busfahrt zu machen. Dabei gaben wir auch die erste und einzige Pfandflasche wieder ab, die uns in Argentinien bisher begegnet ist. Als wir sie gestern gekauft hatten, wurden wir extra dreimal darauf hingewiesen, dass die Kassiererin dafür Pfand berechnen müsse: Retorno! 4 Peso auf eine PET-Flasche, also fast ein Euro. Wir nahmen sie trotzdem mit, denn die anderen Flaschen waren nicht gekühlt. Mit einem Pfandsystem rechnet hier doch niemand. Ausgerüstet mit all den Einkäufen begegneten wir abermals den Leuten aus dem Hostel. Die konnten nicht glauben, dass wir uns immer noch in Rosario rumtrieben. Wir verabschiedeten uns noch einmal, diesmal endgültig. Vielleicht würde man sich ja in Buenos Aires wieder sehen. Gegen halb 10 Uhr, später als geplant, waren wir am Busterminal. Wie versprochen, gab es auch zu dieser Zeit noch reichlich Busverbindungen in die Capital Federal. Bereits bei der vierten oder fünften Busgesellschaft, bei der wir nachgefragt hatten, gab es noch frei Plätze für einen Bus, der eine Stunde später abfahren sollte.

Strandidylle auf den Inseln im Río Paraná in Rosario, Argentinien

Coming home…

Nachts, kurz nach halb drei, kamen wir in Retiro an. Gekonnt, wie 2 Porteños, die den ganzen Tag nichts anderes machen, hielten wir den Colectivo der Linie 130 an, der gerade an einer Ampel auf der Avenida del Libertador stand. Glück gehabt, denn genau den brauchten wir! Wir freuten uns auf unsere Wohnung und das Bett. Es fühlte sich an, als würden wir nach Hause kommen…

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Ein Traumtag im Delta

Zum ersten Mal seit Wochen haben wir uns den Wecker gestellt. Auf zwölf Uhr! Wir wollten ja noch die Wäsche abholen, bevor es nach Tigre ins Paraná-Delta geht. Gestern hatten wir uns bereits schlau gemacht, wie das mit dem Tren de la Costa funktioniert und waren sehr gespannt, ob sich dieser Umweg lohnen würde. Wir hatten uns vorgenommen, den Zug um 14:24 ab Retiro zu nehmen. Also nichts wie zur U-Bahn (Linea C) und zum großen Bahnhof.

Bahnhof Retiro in Buenos Aires am Nachmittag

Das Gedränge ist dort nachmittags gar nicht so schlimm, trotzdem haben wir unseren Zug um genau eine Minute verpasst. Das ist aber kein großes Problem, denn die Züge fahren ca. alle 20 Minuten. Man darf eben nicht vergessen, das Fahrkartenkaufen einzuplanen. An den Schaltern sind nämlich immer lange Schlangen. Automaten gibt es zwar auch, aber die schlucken nur die raren Münzen, hinter denen hier jeder her ist. Münzen, egal welchen Nennwerts, sind Mangelware und werden von allen gesammelt und gehortet. Sie sind besonders beim Bus- und Zugfahren wertvoll, wobei im Bus ohne Münzen gleich gar nichts geht. Aber selbst an Automaten muss man hier Geduld haben und anstehen. Kaum hatten wir uns in die Schlange am Fahrkartenschalter eingereiht, wurden wir auch schon um Wasser angebettelt, da wir eine große Wasserflasche in der Hand hatten. Der kleine, schmutzige Junge hatte extra eine Plastikflasche dabei zum Umfüllen. Er sagte immer wieder, das Wasser sei für seine kleine Schwester im Kinderwagen. So was kann einen ganz schön runterziehen. Um Wasser angebettelt zu werden ist ziemlich krass.

Tren de la Costa

Obwohl wir noch 15 Minuten bis zur Abfahrt des Zuges hatten, sind wir gleich auf den Bahnsteig. Die Bahnsteige kann man hier nur mit gültigen Tickets betreten. Der Bahnhof ist eine typische Stahlkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert und wirkt, als wäre er seit seiner Errichtung kaum verändert worden. Die Eisenbahnen in Argentinien stammen fast vollständig aus England. So wundert man sich wenig, dass an den reichlich verzierten, massiven Stahlträgern „Liverpool“ eingeprägt ist.

Bahnhof Retiro in Buenos Aires

Der Bahnhof wirkt völlig überdimensioniert für die paar Züge, die wir gesehen haben. Um mit dem Tren de la Costa nach Tigre zu kommen, muss man von Retiro zunächst zum Bahnhof Bartolomé Mitre fahren. Dort steigt man nicht einfach nur um, sondern wechselt auch gleich noch in den gegenüberliegenden Bahnhof, Estación Maipú. Die beiden Bahnhöfe sind durch eine Überführung verbunden. Dort taucht man in eine völlig andere Welt. Man wird mit Musik empfangen, alles ist ruhig fast schon gediegen. Das schlägt sich auch im Ticketpreis nieder. Mit 12 Pesos pro Person bezahlt man ungefähr das 10-fache vom normalen Fahrpreis. Das können sich wahrscheinlich nur die gutverdienenden Argentinier leisten. Der Zug ist dafür dann auch sehr modern, klimatisiert und hat große Fenster.

Zugstation Maipu in Buenos Aires, wo der Tren de la Costa nach Tigre fährt

Wer nun erwartet, dass der Zug direkt an der Küste entlang fährt, wird enttäuscht sein. Nur ein paar Mal hat man kurz Sicht auf den Rìo de la Plata. Ansonsten gibt es echt nicht viel zu sehen außer gepflegten Holzbahnhöfen, die sehr an das British Empire erinnern. Mit dem Tren de la Costa kommt man in Tigre am Bahnhof Delta an. Dieser liegt ca. 1 km vom anderen Bahnhof in Tigre entfernt. Wir sind der Meinung, die Fahrt mit dem Tren de la Costa lohnt sich nicht. Die Zeit, die man mit Warten und Umsteigen verbringt und für den ganzen Umweg benötigt, ist besser in den Flüsschen des Deltas investiert.

Paraná-Delta

Da es schon fast 16 Uhr war, war das touristische Angebot etwas ausgedünnt. Wir sind zuerst in die Touristeninformation gegangen und haben uns beraten lassen. Dort haben wir erfahren, dass man am besten zur Rama Negra oder nach Tres Bocas fährt. Dort kann man etwas Zeit verbringen, spazieren gehen und die Umgebung erkunden. Es gibt auch Restaurants und kleine Lädchen. Dorthin kommt man am besten mit einem der Holzboote, die man zuhauf durchs Delta kreuzen sieht. Die Colectivos des Deltas sozusagen.

Seitenarm der Rama Negra im Paraná-Delta in Tigre nahe Buenos Aires

Alternativ gibt es noch Ausflugs-Katamarane und Charterboote, von denen uns verschiedene Leute ausdrücklich abgeraten haben. Die Fahrkarten für die urigen Holzboote gibt es gleich im Nachbarraum der Touristeninformation. Wir hatten Glück, dass der Mann vom Fahrkartenschalter das Boot, das gerade los wollte, per Funk für uns aufhielt und so wurden wir noch mitgenommen. Wir saßen in einem fast leeren Transportboot und konnten uns die besten Plätze aussuchen. Was die Fahrt für uns besonders interessant machte, ist zu sehen, welche Bedeutung diese Boote für das tägliche Leben der Menschen im Delta haben. Fast an jedem Steg sieht man jemand etwas mitgeben, etwas in Empfang nehmen oder für ein paar Stationen mitfahren. Eine Frau gab für den Bootsführer Empanadas ab, eine andere ein frisch gewaschenes und gebügeltes Hemd. So verging die Zeit wie im Fluge und plötzlich hieß es, wir müssen aussteigen. Wir waren an der Rama Negra angekommen.

Rama Negra

Okay… und was machen wir hier nun? … und wie kommen wir hier wieder weg, wenn wir wollen? Überall standen Privathäuschen und es sah nicht so aus, als könne man hier großartig was unternehmen. Wir folgten einem Pfad am Wasser entlang in ein Seitenärmchen, tiefer ins Delta. Allmählich zog uns die Ruhe und Schönheit des Deltas in ihren Bann. Wir hörten die Grillen zirpen und begegneten freilaufenden Hühnern und Gänsen.

Gans relaxed am Steg

Vor einigen Häusern lagen Hunde, die nur beiläufig Notiz von uns nahmen. Wir folgten dem Pfad bis zu einem Almacen. In dieser Mischung aus Tante Emma Laden und Kiosko bediente uns eine ältere Dame. Wir setzten uns, tranken eine kühle Coke und beobachteten das Geschehen. Der nächste Kunde war ein alter Mann mit seinem noch älteren Hund. Ein tolles Paar. Außer diesem und den beiden kleinen Mädchen, die sich dort ein Eis holten, hatte die ältere Dame nicht viele Kunden. Wir gingen ein paar Meter weiter und fanden auch schon das einzige Restaurant am Platz.

Das Restaurant "Alpenhaus" im Paraná-Delta in Tigre nahe Buenos Aires

Wir hatten viel erwartet aber nicht sowas. Das „Alpenhaus“ macht seinem Namen alle Ehre: Gartenzwerge in saftig grünen Wiesen, ein Rehkitz unter einer Palme und deutschsprachige Bedienung. Nur die Alpen fehlten. Dafür  gab es einen schönen Pool. Zwei Deutsche – gefühlte Münchnerinnen – lagen unten am Steg und aalten sich laut unterhaltend in der Sonne. Wir nahmen auf der Terrasse Platz und bestellten auf deutsch einen Apfelstrudel mit Vanilleeis.

Versorgungsboot im Paraná-Delta macht Hausbesuch am Alpenhaus

Versorgungsboot am Restaurant "Alpenhaus" im Paraná-Delta in Tigre nahe Buenos Aires

Während wir faul in der Sonne lenzten, legte das Versorgungsboot von „Juan & Juan“ an. Das ist so eine Art schwimmender Supermarkt, der im Delta Hausbesuche macht. Wir beobachteten eine Weile, was da so passierte, und mussten uns dann auch schon auf den Rückweg machen. Wieder war die Zeit wahnsinnig schnell vergangen und wir mussten unbedingt das letzte Boot nach Tigre kriegen, das ungefähr um halb acht fuhr. Ganz genau konnte uns das niemand sagen. Eine Übernachtung im Alpenhaus hätte sonst mit 450 Pesos zu Buche geschlagen, in einem eigenen Bungalow immerhin. Am Bootsanleger vertrieben wir uns die Zeit bis das Boot kam, kühlten unsere Füße und testeten wie viele Stufen unter Wasser man die Treppe des Anlegers noch hinabsteigen kann. Die Flüsschen im Delta scheinen uns allesamt nicht sehr tief zu sein, an vielen Stellen sah man die Leute im Wasser stehen. Das Abendlicht war wunderschön und alles strahlte sommerlich in warmen Farben. Die Rückfahrt genossen wir bei diesem Licht umso mehr.

Entspannung pur im Paraná-Delta auf dem Rio Sarmiento in Tigre nahe Buenos Aires

Der Bootsführer sammelte weiter Fahrgäste links und rechts der Wasserstraße von den Stegen ein. Ein älterer Herr hatte es wohl besonders eilig. Unbeholfen versuchte er an Bord zu springen, als das Boot noch viel zu weit weg war. Gerade konnte man ihn noch sehen und schwupp war er weg. Wir hörten etwas ins Wasser plumpsen! Im ersten Augenblick fuhr uns der Schreck in die Glieder und wir ahnten was passiert war. Wie sich herausstellte war aber alles halb so schlimm und der Mann stieg nass wie ein Puddel und laut schimpfend die Treppe zum Steg hinauf. Wahrscheinlich ärgerte er sich über seine eigene Dummheit. Der Mann brabbelte, dass er so wohl nicht mehr in die Stadt kann und zog bedient von dannen. Der Bootsführer rief ihm noch hinterher, ob er warten solle, aber der mutige Springer winkte nur noch ab. Wir fanden die Szene urkomisch und mussten lachen. Der Kapitän fuhr weiter.

Abendstimmung im Paraná-Delta in Tigre nahe Buenos Aires

Als wir im Hafen anlegten war die Sonne schon fast untergegangen. Wir gingen noch eine Weile an der Promenade spazieren und sind dann zum Bahnhof Tigre aufgebrochen. Wir wollten den Direktzug nehmen, weil es einfach am schnellsten geht. Im runtergekülten Zug haben wir uns mal wieder den Arsch abgefroren und waren heil froh, als wir nach 50 Minuten im warmen Bahnhof Retiro ankamen. Die Subte hatte ihren Dienst für heute bereits eingestellt und so blieb uns nur der Colectivo. Wir mausern uns so langsam zu Colectivo-Spezialisten.

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